Ich habe hier mal kurz aufgelistet, noch was euch heute erwartet — also, was ich mir überlegt habe.
Wir fragen uns erstmal: Was ist eigentlich ein kleiner Verein? Welche Vorteile gibt es gegenüber den großen Organisationen? Und das berühmte Rampenlicht: Wie stelle ich mich als kleiner Verein gut bei Fördermittelgebern dar? Dann habe ich noch ein paar Vorschläge für Förderprogramme für kleine Vereine.
Was ist eigentlich ein kleiner Verein?
Ich habe mal nachgeschaut, habe mich rangesetzt und Google befragt. Es gibt keine eindeutige Definition, was ein kleiner Verein ist. Es gibt Faktoren, die die Aussage beeinflussen können, dass es ein kleiner Verein sein könnte. Ich habe hier mal ein paar mitgebracht. Zum Beispiel haben Landessportvereine ihre Definition: Ein kleiner Verein ist, wenn nicht mehr als 100 Mitglieder im Verein sind. Oder es gibt auch die Herangehensweise, dass die Angestelltenzahl nicht mehr als fünf beträgt. Ganz häufig wird der Begriff „kleiner Verein“ benutzt, wenn es keine Dachverbände oder keine übergeordneten Gliederungen gibt — sowas wie Bundesverbände, Landesverbände, Bezirksverbände. Dann wird häufig von einem kleinen Verein gesprochen.
Das können Faktoren sein, aber ich sage immer: Eure Definition eures Vereins ist das, was zählt — wie ihr euch praktisch seht, also was ihr für euch empfindet, an welcher Stelle ihr euch seht in diesem ganzen, ich nenne es mal, Ranking: klein, mittel, groß. Wie ihr euch aufstellt in Bezug auf eure Mitglieder und mit dem, was ihr bewegen wollt. Also bitte: Macht eure Definition für euren Verein.
Als ich die Präsentation gemacht habe, habe ich natürlich ein bisschen recherchiert. Bevor ich auf die Vorteile eingehe, die kleine Vereine haben, habe ich diesen Satz gefunden: „Ehrenamt ist systemrelevant.“ Das war mir ganz wichtig, dass ich diesen an dieser Stelle noch mal bringe. Ich habe hier noch diesen Satz mit notiert: Das ist gerade in den letzten fünf Jahren so, also dass ihr praktisch einen Beitrag geleistet habt — eben für dieses Ehrenamt und für das, was in unserer Zivilgesellschaft passiert ist, was sich gedreht hat. Deshalb ist es wichtig, dass wir — ich nenne jetzt mal „wir“ kleine Vereine — als meine ehrenamtliche Funktion, als kleiner Verein, viele Vorstände auch unterwegs sind und dass wir sichtbarer geworden sind in der Gesellschaft. Gerade durch die vielen Situationen in den letzten fünf Jahren: Ob es Menschen mit Fluchterfahrung waren, die wir unterstützt haben, oder die Corona-Krise, in der wir uns als kleiner Verein behauptet und unterstützt haben, wo wir konnten. Deswegen ist das Ehrenamt ein relevantes Thema.
Im Vorfeld habe ich auch mal geschaut, was ihr geschrieben habt, was euch wichtig ist, als ihr euch für dieses Webinar angemeldet habt. Es kam ganz häufig die Aussage: „Wir sind gespannt auf die Vorteile, die wir gegenüber größeren gemeinnützigen Organisationen haben“, weil ja doch häufig der Tenor herrscht: Die Großen kriegen immer alles, die haben eine ganz andere Lobby, die haben ganz andere Manpower, da sind wir als Kleine immer ein bisschen hinten dran. Ich habe euch mal ein paar Aussagen mitgebracht, auch aus eigener Erfahrung, welche guten Chancen es für kleine Vereine gibt — und ich freue mich immer wieder, dass es diese gibt.
Ich habe das mal hier in einem kleinen Kreis mit Vorteilen formuliert und gehe jetzt die einzelnen Vorteile mit euch zusammen durch.
Da sind zum einen die flachen internen Hierarchien, die ihr habt. Das bedeutet: Ihr habt quasi einen Vorstand, ihr habt die Mitglieder und die Mitgliederversammlung. Ihr beschließt auf der Mitgliederversammlung den Jahresplan, den Arbeitsplan, den Rechenschaftsbericht — aber gerade Jahresplan und Arbeitsplan beschließt ihr in der Struktur, und dann seid ihr für dieses Jahr gut vorbereitet. Das bedeutet, dass ihr nicht über viele Ebenen gehen müsst, um neue Angebote oder neue Projekte zu entwickeln, sondern ihr könnt das auf flachen, internen Hierarchien machen und seid dadurch sehr viel beweglicher.
Ihr habt keine Strukturvorgaben durch Dachverbände. Ich habe vorhin ja schon angesprochen: Bei größeren Organisationen — Bundesverbände, Landesverbände, Bezirksverbände — gibt es Vorgaben, die sich teilweise bis in die unteren Gliederungen durchziehen. Es müssen teilweise von Mitgliedsbeiträgen gewisse Summen an übergeordnete Gliederungen abgeführt werden. Das beeinträchtigt die individuelle Arbeit, sei es im monetären Teil oder in der kreativen Arbeit. Deswegen kann das Fehlen solcher Vorgaben auch ein Vorteil sein.
Es gibt spezielle Fördermöglichkeiten für kleine Vereine. Es wird bei einigen Programmen von vornherein ausgeschlossen, dass über eine bestimmte Anzahl von Angestellten überhaupt Förderung beantragt werden kann. Oder es gibt Fördermöglichkeiten, die nur für ehrenamtlich getragene Vereine zugelassen sind. Das sind häufig Förderungen, die sehr individuell ausgelegt sind und Spielraum lassen — deshalb ist es auch ein Vorteil für uns als kleine Vereine.
Ich habe die kreative Arbeitsstruktur und die Vereinsangebote noch mit aufgeschrieben: Ihr könnt euch wirklich überlegen, welche besonderen Angebote ihr in diesem Jahr macht — Veranstaltungen, die auf Regionalität oder die Saison ausgelegt sind, oder einen besonderen Schwerpunkt in eurem Landkreis oder eurer Stadt. Ihr könnt individuell darauf eingehen, reagieren und kreativ eure Arbeitsstruktur gestalten.
Ihr habt geringe oder keine Personalkosten. Ich weiß, dass das häufig ein Thema ist: Personalkosten werden schwieriger gefördert, es gibt Möglichkeiten, aber sie sind schwierig abzubilden. Wenn man keine festen Personalkosten hat, sondern nur Honorarkosten, ist man oft besser aufgestellt, weil viele Fördermittelgeber Honorarkosten und Sachkosten fördern.
Ihr könnt Kooperationspartner flexibel wählen: Für Projekte und Aktionen könnt ihr Kooperationspartner einbinden — beispielsweise einen Jugendhilfeträger für Kinder- und Jugendarbeit, die Jugendfeuerwehr, oder für generationsübergreifende Angebote den Seniorenbeirat oder die Kommune. Ihr seid da sehr flexibel aufgestellt.
Geringerer Eigenanteil: Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass bei Fördermittelgebern, wenn zum Beispiel ein Eigenanteil von 20 Prozent gefordert war und wir nachweisen konnten, dass wir als komplett ehrenamtlich getragener Verein mit kleinen Mitgliedsbeiträgen die 20 Prozent nicht aufbringen können, wir dennoch die Chance bekommen haben, nur 10 Prozent leisten zu müssen. Solche Ausnahmen gehen oft nur, wenn ihr nachweisen könnt, dass ihr kein wirtschaftliches Unternehmen seid, sondern als kleiner Verein agiert. Es gibt Förderprogramme, die erlauben, Zeitspenden als Eigenanteil anzurechnen — also nicht monetäre, sondern geleistete Stunden. Das ist ein großer Vorteil für kleine Vereine.
Regionalität: Kleine Vereine haben regionale Ansprechpartner in Wirtschaft und Politik. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es leichter ist, bei Kommunalvertretern oder im Kreistag mit kleinen Vereinen und konkreten Projekten Gehör zu finden. Regional engagierte Unternehmen suchen oft Kooperationen mit kleinen Vereinen — die Regionalität ist also ein großer Vorteil.
Schnellere Reaktion auf aktuelle Herausforderungen: Ehrenamt ist systemrelevant — wir sind flexibler, wenn es darum geht, auf Krisen zu reagieren. Beispiele sind 2015 mit der Ankunft von Menschen mit Fluchterfahrung oder die Hilfe für Geflüchtete aus der Ukraine. In kleinen Vereinen hat sich sehr viel Engagement bewegt: Konzepte wurden entwickelt, man hat losgelegt. Das ist ein großer Fundus, den kleine Vereine haben. Ich bin immer wieder begeistert, was man bewegen kann.
Das wollte ich kurz formuliert haben, damit ihr seht, welches Potenzial kleine Vereine haben.
Nun: Rein ins Rampenlicht bei den Fördernden — wie häufig ist da die Frage: Wie kommen wir bloß zu den großen Förderern ran? Die großen haben schon ein Fuß in der Tür, sie werden regelmäßig gefördert, sind bekannt — und wir als kleine Vereine fühlen uns oft wie ein kleines Licht. Diese Angst möchte ich euch nehmen und Mut machen. Kleiner Verein heißt nicht: verstecken. Wir müssen uns als kleine Vereine auf keinen Fall verstecken.
Worauf es ankommt, wenn wir im Rampenlicht bei Fördermittelgebern stehen: Was sind wichtige Punkte, die ihr mit auf den Weg nehmen könnt, um euch als Verein und euer Projekt gut bei Fördermittelgebern zu präsentieren?
Ganz wichtig ist: Wenn ihr euren Antrag stellt, formuliert überzeugend, dass ihr das Projekt erfolgreich umsetzen könnt — gerade weil wir kleine Vereine sind. Wie macht man das am besten? Ich habe es hier benannt: Referenzen von durchgeführten Aktionen. Das muss nicht unbedingt ein Dritter oder ein Kooperationspartner sein. Wichtig ist, dass ihr eure Erfahrung darstellt: Ihr habt schon eine ähnliche Veranstaltung zu diesem Thema durchgeführt und wart dort erfolgreich. Ihr habt die Teilnehmer akquiriert, habt Feedback eingesammelt und könnt zeigen, wie ihr eure Arbeit weiter verbessert. So könnt ihr darstellen, dass ihr professionell arbeitet.
Kooperationspartner: Es ist gut, wenn ihr signalisiert, dass ihr zusammenarbeitet — dass ihr Netzwerke habt, euch vernetzt und dadurch in die Breite wirken könnt. Statements von Beteiligten sind ebenfalls hilfreich: Zwei oder drei Sätze von engagierten Mitgliedern auf eurer Website, warum sie sich engagieren, können Authentizität zeigen und überzeugen.
Weitere praktische Hinweise zur Antragstellung:
Beachtet Antragsfristen und Vorgaben zur Einreichung. Schaut genau, bis wann der Antrag eingereicht werden muss und ob es online oder in Schriftform sein soll. Reicht den Antrag nicht fünf Minuten vor Fristende ein — technische Ausfälle passieren.
Achtet auf das Format: Zeichenzahl, Zeilenabstand, Ränder — Förderrichtlinien sind da oft strikt. Wenn ein Zwei-Seiten-Papier gefordert ist, schickt nur dieses. Wenn 3 cm Rand oder 1,5-zeiliger Abstand verlangt wird, haltet euch daran.
Haltet euch an die Vorgaben zur Projektbeschreibung. Wenn in den Förderrichtlinien angegeben ist, welche Angaben unbedingt dabei sein sollen, beachtet das. Wenn nichts angegeben ist, empfehle ich: Greift zum Hörer und fragt die Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner des Fördermittelgebers. Die freuen sich oft, wenn man anruft — dann kann gleich geklärt werden, worauf es ankommt.
Sucht euch Fördermittelgeber als Partner auf Augenhöhe, mit denen ihr den Antrag gemeinsam gut vorbereiten könnt.
Wichtige Formalien: Freistellungsbescheid, Satzung und Vereinsregisterauszug. Prüft in den Förderrichtlinien, ob der Vereinsregisterauszug beispielsweise nicht älter als zwei Jahre sein darf — darauf ist zu achten, sonst wird der Antrag zurückgespielt und die Bearbeitung verzögert. Einen aktuellen Vereinsregisterauszug könnt ihr online abrufen (Handelsregisterauszug).
Vorschläge für Förderprogramme für kleine Vereine — ein kleiner Auszug:
Als erstes habe ich unser Mikroförderprogramm der DSE mitgebracht: „Ehrenamt gewinnen, Engagement binden, Zivilgesellschaft stärken“. Das ist ein sehr gutes Förderprogramm, weil es viele Möglichkeiten bietet, Ehrenamt attraktiver zu machen. Anträge können von ehrenamtlich getragenen Organisationen in ländlich strukturschwachen Räumen gestellt werden. Gefördert werden zum Beispiel Ehrenamtstage als Dankeschön (inklusive Verpflegung, DJ, Bierzeltgarnitur), Weiterbildungen für Ehrenamtliche (z. B. Juleica im Jugendbereich), Ausflüge als Dankeschön oder technische Ausstattung, damit agile Arbeit möglich ist (Website, Kommunikationsmittel). Wichtig ist: Das Vorhaben muss Projektcharakter haben — also Anfang und Ende beschreiben und begründen, warum z. B. ein Laptop benötigt wird und was damit bewirkt werden soll.
Förderhöhe maximal: 2.500 Euro. Eigenanteil: 10% — diese 10% können in diesem Programm als Zeitspenden angerechnet werden (ehrenamtliche Stunden im Projekt). Projektlaufzeit ist bis zum 31.12.2023, Anträge sind laufend möglich. Zu dem Programm gibt es Videoanleitungen für das digitale Antrags-Tool, die jeden Schritt mit Wort und Bild erklären.
Weitere Förderprogramme, die auch für kleinere Vereine geeignet sind:
Stiftung Mitarbeit — Starthilfe: Bundesweites Programm, fördert Initiativen, junge Vereine und lokale Organisationen deutschlandweit mit einmalig bis zu 500 Euro. Verschiedene Antragsfristen möglich.
Aktion Mensch: Bekanntes Förderprogramm; neben der Arbeit für Menschen mit Behinderung gibt es Rubriken zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen. Ich empfehle Aktion Mensch — das Antrags-Tool ist übersichtlich und Abrechnungen digital machbar.
„Digitale Teilhabe für Alle“: Antragsfrist bis 31.12.2024, maximale Förderung bis 20.000 Euro, Eigenmittel nicht erforderlich.
„Barrierefrei“: Förderungen bis zu 5.000 Euro, Eigenmittel nicht erforderlich — geeignet für bauliche Maßnahmen oder barrierefreie Webseiten und Leichte Sprache.
„Kunst und Kultur für Alle“: Förderhöhe bis zu 10.000 Euro, Eigenmittel nicht erforderlich.
Anstiftung: Fördert gemeinnützige Organisationen, z. B. offene Werkstätten und Gemeinschaftsgärten (Sachkosten, Werkzeuge, Material), Vernetzungstreffen und Workshops. Oft keine feste Förderhöhe angegeben, Eigenmittel nicht erforderlich — direkte Kontaktaufnahme empfohlen.
Deutsches Kinderhilfswerk: Einfaches Antragsverfahren, Förderungen bis zu 5.000 Euro. Es gibt Sonderfonds (z. B. Ernährungsfonds) und Länderspezifisches. Eigenmittel können hier oft als Zeitspenden anerkannt werden.
Wettbewerb „Innovative Ideen fürs Zusammenleben im ländlichen Raum“: Bis zu 5.000 Euro, spannend für kreative ländliche Projekte.
Dr. Jürgen Rembrandt Stiftung: Bisher regional (Köln/Rheinisch-Bergischer Kreis), dehnt Förderung bundesweit aus; bis zu 5.000 Euro, Anträge laufend möglich.
Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern: Gute Handhabung in der Beantragung, Ansprechpartner vor Ort, maximale Förderung bis zu 3.000 Euro.
Landesprogramme (Beispiel Hessen): Förderung z. B. für Gewinnung neuer Ehrenamtlicher, Koordinierung, Digitalisierung im Ehrenamt — bis zu 15.000 Euro.
Landesservicestelle für bürgerschaftliches Engagement (NRW): Verschiedene Förderinstrumente, z. B. 2.000 x 1.000-Euro-Förderungen — in manchen Landkreisen sehr gefragt, daher schnell beantragen.
Wir als DSE haben zudem eine Fördermitteldatenbank, die inzwischen erweitert wurde. Den Link dazu habe ich mitgebracht. Schaut gern mal rein und gebt uns Feedback, was noch verbessert werden kann. Es sind dort viele Programme hinterlegt, nicht nur die hier genannten.
Tipps am Rande:
Geht mit der Kommune ins Gespräch: Kleine Vereine in Kleinstädten sollten mit Gemeindevertretern und Stadtverordneten regelmäßig reden. Bleibt dran und verhandelt Richtlinien für Förderungen — das kann ein langer Weg sein, aber es lohnt sich.
Achtet auf regionale Angebote wie die kostenfreie Erstellung von Websites in Brandenburg (Azubi-Projekte) — solche Angebote sind besonders für finanziell schwächere Vereine hilfreich. Recherchiert, ob es in eurem Bundesland ähnliche Angebote gibt.
Zum Schluss: Los geht’s! Ich möchte euch motivieren und Mut machen. Hoffentlich konnte ich euch inspirieren und zeigen, was möglich ist — viel Mut!