und das Thema Stress und Stressbewältigung, das ist mir sehr nah. Ich habe auch ein Fallbeispiel mitgebracht, das meins ist. Also ich kenne es gut, und ich glaube, ganz, ganz viele oder die allermeisten von uns kennen gar nicht mehr irgendwie ein Leben ohne Stress. Das gehört ja auch irgendwie dazu. Und zugleich ist es schon ein Phänomen, dass schon vor Corona irgendwie eine Pandemie war oder eine Endemie und irgendwie mit uns ist in dieser Welt, die so manchmal sehr, sehr schön und manchmal auch sehr, sehr herausfordernd und turbulent sein kann. Genau. Und darum soll es heute gehen: Wie können wir in diesem Kontext, in dieser Umgebung wirken und auch auf uns aufpassen, vorausschauend im weitesten Sinne?
Ich habe genau oder auch eine Umformulierung. Das dessen habe ich schon mal in einer Frage mitgebracht. Das ist so eine, die mich umtreibt: Wie können wir auch, auch anderes stressig ist im Außen und manchmal auch so in uns drin, wie können wir aus unserer Kraft, aus unserer Gesundheit heraus wirken in einem stressigen, fordernden, turbulenten Leben? Also anerkennen, dass wahrscheinlich ist nicht passiert, dass draußen alles total entspannt irgendwie um uns ist. Wahrscheinlich müssten wir uns dafür in einen Kloster zurückziehen, dass es einfach nur so eine sanfte Welt um uns ist. Aber anzuerkennen, dass da ganz viel passiert und wir trotzdem irgendwie auch den Anspruch haben dürfen und sollen und müssen als Menschen, nicht nur zu leisten und irgendwas hinterher zu hecheln, sondern auch zu wirken aus unserer Kraft und auch so einer gesunden Selbstgefühle heraus. Das ist das, was mich interessiert in der Begleitung, in meiner eigenen Arbeit und immer wieder auch mit den Teams und Initiativen, mit denen ich arbeite.
Zum Überblick habe ich mitgebracht einmal die Frage noch mal: Was ist Gesundheit eigentlich? Was ist Gesundheit an sich? Was ist mentale Gesundheit und wie können wir sie beeinflussen? Dann würde ich euch ein kleines Feinbeispiel mitbringen und das dann mitnehmen in die weiteren Punkte: Was ist Stress und auch Präventionen? Also was sind Strategien für Self Care, also wie kann ich auf mich schauen, und auch Team Care, wie kann ich auf das Team, auf uns als Initiative, als Verein, als in welcher Form ihr auch immer gerade unterwegs seid?
So, und gleich zum Beginn noch mal eine kleine Frage an euch: Was bedeutet, wenn ihr jetzt heute hier so schaut, gesund sein? Was bedeutet gesund sein für euch? Bedeutet das a, dass ich mich oder dass ihr euch körperlich fit und gesund fühlt und erlebt, oder dort das b, für euch jetzt gerade vor allem nicht krank zu sein, oder c, sowas wie ein Zustand ist vollständigen körperlichen und geistigen und auch sozialen Wohlbefindens? Genau. Aber wer sonst Fokus auf Körper: Ich bin fit, ich bin gesund. Ich bin vor allem erst mal nicht krank. Oder c: Ich fühle mich so vollständig geistig, körperlich, sozial, mit Menschen. Ich fühle mich wohl. Was ihr so meint, genau.
Und da gibt es, da sind die Ergebnisse. Also die meisten von uns würden für die Beschreibung c stimmen, also dieser Zustand des Wohlbefindens, ganz rund, eine runde Sache sozusagen. Einige von uns sagen, 23 Prozent ist das, vor allem körperlich fit und gesund zu sein. Und auch ein paar, die sagen, es ist erst mal nicht krank zu sein. Und natürlich gibt es ganz viele Verständnisse und oder Definitionen von Gesundheit. Und tatsächlich ist die Beschreibung Nummer c eine, die in der Literatur, also in der Fachliteratur, oft verwendet wird und vorkommt. Also zu sagen, das ist das, sagt hier die WHO, seht ihr ganz oben, das ist eine Definition. Also die WHO im Sinne der Weltgesundheitsorganisation, dass Gesundheit ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen, sozialen Wohlbefindens ist und vor allem nicht nur das Fehlen von Krankheit, Gebrechen.
Und vielleicht für die von euch, die auch gerade gedacht haben, na ja, gesund ist erst mal vor allem nicht krank zu sein: Ich habe das auch ganz, ganz lange gedacht und vor allem auch so erlebt. Und ich glaube, ich bin auch so erzogen worden, so ein bisschen, oder geprägt worden, dass gesund sein bedeutet, ich bin gerade nicht krank, aber ich kann auf jeden Fall was machen und ich kann das leisten. Und wir können es auch sehen als eben was Vollständiges, so ein gesamtes Wohlbefinden, wie wir uns erleben mit uns selber, mit anderen, in unserem Körper, aber auch in unserer Gedankenwelt.
Und spannend fand ich, fand ich noch mal, mich interessieren auch immer: Wo kommen die Worte her und was sind so die Ursprünge? Und im Englischen bedeutet Gesundheit ja „health“, und da kann man das zurückführen auf ein altenglisches Wort, was mit, das ich nicht aussprechen kann, das hat einen ganz komischen Laut in sich, aber es ist mit dem Wort „whole“ im Sinne von ganz, also eine Sache, die in sich vollständig ist, verwandt. Man könnte also, meine Brücke ist, und manchmal gesund zu sein ist irgendwie so, wenn sich anfühlt wie eine runde Sache. Nicht nur ich mit mir und meiner Arbeit oder meinem Wirkungskreis, sondern ich in meinem Leben, das läuft irgendwie rund. Also „whole“ im Sinne von rund. Deswegen seht ihr da oben auch den Kreis oder die verschiedenen Kreise, die verschiedenen Elemente vielleicht auch unseres Lebens, die dazu gehören.
Und wenn wir dann noch mal ein bisschen weiter schauen und reingucken in den Begriff mentale Gesundheit oder auch psychische Gesundheit, der ja auch heute hier im Fokus stehen will, dann ist es eine ganz ähnliche Definition. Die kommt jetzt vom Robert-Koch-Institut. Ich glaube, vergessen dazu zu schreiben, aber die kommt vom Robert-Koch-Institut. Also ein Zustand des Wohlbefindens, der wesentliche Voraussetzung für Lebensqualität, Leistungsfähigkeit und soziale Teilhabe ist. Mentale Gesundheit, also im Sinne von unsere Gedankenwelt, all das, was sich da abspielt, was wir, was so im Innenraum passiert. Und ihr seht schon, das ist so nah dran an dem, wie sich auch Gesundheit im Allgemeinen ja verstehen kann. Das ist manchmal ganz schön schwierig, unseren Körper von unserem Geist zu trennen oder unsere Gedanken von dem, was wir vielleicht auch an Schmerzen haben im Körper. Denn im Endeffekt sind wir ein, sind wir ein Ding, also nicht ein Ding, wir sind ein biologisches Wesen. Und auch wenn es Krankheitsbilder gibt, die sich vor allem in unseren Gedanken irgendwie so materialisieren oder zeigen, sind wir doch immer irgendwo auch ein ganzer Mensch.
Und trotzdem gibt es halt gerade auch in der angelsächsischen Forschung ganz, ganz viel diesen Begriff von mentaler Gesundheit, also mental health, weil wir merken, dass das in den letzten Jahren ganz viel zugenommen hat. Also dass da ganz viel Sinn drin steckt, drauf zu schauen auf unsere, auf unser Innenleben, wie wir mit uns selber reden, wie wir mit uns selber umgehen, wie wir das erleben in diesen gerade stressigen und turbulenten Zeiten. Und gerade auch da hat man rausgefunden, dass zu dieser mentalen Gesundheit Community, also Gemeinschaft und Zugehörigkeit, sehr, sehr zentrale Faktoren sind. Und das sind ja welche, die Ehrenamt oder auch im Hauptamt, aber vor allem im Engagement, eine ganz große, runde, zentrale Rolle spielen. Also es stärkt meine oder unsere mentale Gesundheit, wenn wir uns in unserer Gemeinschaft engagieren, agieren, wenn wir das können. Da gibt es eine Sinnhaftigkeit irgendwie. Ich kann mich ausdrücken, ich kann was beitragen, und das ist stärkend. Und gleichzeitig stärkt dieses Gefühl der Zugehörigkeit, das stärkt unsere psychische Gesundheit auch. Also das heißt, dass alle von uns, die da irgendwie mit drin sind, dafür Räume schaffen, dafür Räume halten, das ermöglichen, auch irgendwie im weitesten Sinne an gesellschaftlicher Gesundheit mitarbeiten, auch vielleicht nicht in so einem ganz engen, aber davon im weitesten Sinne Trägerinnen und Träger davon.
Also viel fast noch ein kleines Stück weiter, so dass es hier wieder vom Robert-Koch-Institut ist. Die beziehen sich auch auf die Weltgesundheitsorganisation natürlich. Das sind so große, große Player. Es gibt verschiedene Einflussfaktoren auf unsere psychische oder unsere Gesundheit im Allgemeinen. Oben in diesem Dreieck seht ihr unsere individuellen Veranlagungen und Verhalten. Also vielleicht, wie ich, wie ich Julia, wie ich jetzt hier sitze, wie ich erzogen wurde, wie ich aber vielleicht auch mit mir selber rede, wie ich geprägt worden bin, was für eine Körperstatur ich habe, wie ich mit Menschen agiere oder nicht. Es gibt die sozioökonomischen Bedingungen, also die Rahmenbedingungen, wo ich wohne, in welcher gesellschaftlichen Schicht ich unterwegs bin, mit welchen Menschen meine Eltern viel Zeit verbracht haben, wo ich wohne, also solche Sachen. Und c, gesellschaftlich-ökologische Faktoren. Wir sind in Deutschland, oder viele von uns wahrscheinlich sind gerade in Deutschland unterwegs, in verschiedenen anderen Kontexten genauso. Das sind alles noch mal, und das Bild jetzt ein bisschen größer, Faktoren, die auf unser Wohlergehen, die auf unsere Gesundheit, hier die psychische im Expliziten noch mal, einwirken. Also auch Orte, von wo wir leben, wo wir gerade da sind, wie wir unsere Kindheit verbracht haben, ganz, ganz viele Faktoren, die darauf einwirken, wie unsere Gesundheit sich gestaltet.
Und auch zu sagen, es gibt vieles, was wir verändern können, und wir sind aber auch immer Teil von einem großen System, und wir können nicht per se alles daran verändern. Wir haben ein paar Dinge, mit denen muss man einfach umgehen, ohne den Druck zu haben, dass man auch alles verändern kann.
Es gibt, ein englischer Arzt hat es mal sehr passend gesagt, Dr. Ron Gunstad, dass es fünf Faktoren von Gesundheit gibt, die wir selber beeinflussen können. Und das finde ich so spannend, um dann auch mal hinzuschauen: Was sind denn nun genau die Punkte, wo man sagen kann, hey, da kann ich auch auf mich schauen oder da können wir auf uns als Team schauen? Das ist ja immer so eine Mischung. Und er sagt, das sind diese folgenden.
Einerseits unsere Bewegung. Also wie bewegen wir uns? Wie viel Zeit verbringen wir zum Beispiel sitzend hinter dem Computer, was ja für unsere Wirbelsäule auch nicht so wahnsinnig toll ist, unbedingt fünf Stunden oder acht Stunden oder sogar mehr Stunden? Wie viel Zeit nehmen wir uns für einen Spaziergang oder fürs Schwimmen oder fürs Spazierengehen oder für Joggen, was auch immer es ist, das für euch relevant ist? Also Bewegung ist etwas, das wir beeinflussen können und das wir beeinflussen, ob wir es machen oder nicht. Wir machen das auf jeden Fall mindestens, vielleicht viele von euch auch, viele dieser Meetings oder dieser Tätigkeiten finden ja doch immer noch hinter Computern statt. Das heißt, wir beeinflussen es auch, wenn wir vor unseren Geräten sitzen.
Der zweite Bereich ist Nahrung. Und Nahrung meint einerseits wirklich hier im Sinne von diese Suppe, das, was wir zu uns nehmen. Das meint aber auch, ich hätte genauso gut noch ein Handy dazu packen können, so das, was wir uns an weiteren Nahrungsmitteln oder was wir einnehmen im Sinne von Social Media, im Sinne von Gesprächen, im Sinne von, ich weiß nicht, ob es euch der einen oder anderen Person von euch vielleicht auch so ging: Als der Ukraine-Krieg begann, habe ich wahnsinnig viele Nachrichten geschaut. Also ich glaube praktisch alle irgendwie zehn Minuten in irgendeinem Nachrichtenportal. Also auch sowas als Nahrung im weitesten Sinne zu verstehen. Im ersten Sinne meint es aber natürlich dieses: Wie ernähren wir uns? Wie essen wir uns? Was für, ja, was für unseren Körper.
Der dritte Punkt ist unser Schlaf. Auch das, was unter Stress natürlich ganz oft irgendwie schwierig sein kann für einige von uns. Es gibt auch immer so ein paar Menschen, die egal was ist richtig gut durchschlafen können. Die beneide ich manchmal. Ich habe einige Zeit auch, und vielleicht kennen das viele von euch auch, mit schlaflosen Nächten oder mit Nächten, wo man aufwacht und dann so denkt: Oh Gott, ich muss noch, und dann hat man die To-do-Liste durchs Gehirn irgendwie oder durch die Nacht. Also unser Schlaf ist aber auch was: Wann gehen wir ins Bett? Wie viel Raum geben wir uns zum Schlafen? Haben wir eine Routine am Abend, um unseren Körper im Runterfahren und gut zu schlafen? All das sind so Faktoren, die wir angucken können und beeinflussen können.
Vierter Punkt, vielleicht für die eine oder andere Person ungewöhnlich, aber auch unsere Entspannung. Wir können ganz bewusst unsere Entspannung beeinflussen. Also wir können ganz bewusst dafür sorgen, dass wir immer mal wieder Raum haben. Und zwar, ja, nur eine Minute lang oder fünf, dass wir runterfahren können. Das meint aber auch: Sorgen wir dafür, dass wir in dem Leben, das vorwiegend geprägt davon ist, dass wir ganz, ganz viele Impulse kriegen, sorgen wir auch dafür, dass wir immer mal wieder so einen Raum haben, wo nichts an uns rankommt, wo das Handy vielleicht aus ist oder wo wir nur im Moment mit uns selbst sind oder auch in einem Gespräch mit guten Freunden, guten Freundinnen oder einfach gut essen. Auch das kann ja entspannend sein. Das muss nicht immer alleine passieren. Aber auch: Wie bewegen wir uns da?
Und der letzte Punkt, auch hier noch mal Faktoren, die wir beeinflussen können: Wie viele Beziehungen führen wir im Sinne von freundschaftliche, familiäre Beziehungen? Sind wir da gut aufgestellt? Und auch: Fühlen wir uns Teil von der Gemeinschaft? Auch das stärkt unsere Gesundheit, auch unsere mentale Gesundheit, wie ich gerade gesagt habe. Und das sind eben Punkte, wo wir drauf gucken können.
Und wenn wir dann von Engagement und Ehrenamt reden, sind wir dann natürlich ganz viel in diesem fünften Punkt unterwegs, um auch zu schauen: Wie kann der an sich noch mal mehr unsere Gesundheit vielleicht fördern oder stärken oder auch, was sind da die herausfordernden Situationen, wo das leider dann auch mal nicht passiert? Und das kann auch nicht immer hundert-, hundertzwanzigprozentig funktionieren. Wie gesagt, diese Welt ist ganz schön voll, ganz schön turbulent, auch anfällig für Krisen. Das hatten wir im ersten Teil dieser Reihe vielleicht auch noch mal dazu nachzuschauen. Also genau, da können wir was bewirken für unsere Gesundheit, auch im ehrenamtlichen Kontext.
Das sind also diese fünf Faktoren. Und weil das jetzt manchmal so ein bisschen klingt wie: Ah ja, die Welt ist turbulent und herausfordernd und alles, und noch mal uns zu sagen, unsere Ressourcen, das anders zu handhaben oder das in unserem Umfeld, in unserem Wirkungsfeld zu verändern, die sind in uns. Da brauchen wir erst mal nicht ganz viel von außen. Wir haben es auch in uns zu schauen, inwiefern trägt unser Team, unsere Initiative, wie wir funktionieren, manchmal zu Stress und Krankheit bei. Das ist an sich erst mal vielleicht sogar ein Stück Normalität, wie gesagt. Und das anzuerkennen und das besprechbar zu machen, das ist total wichtig und zentral, und das kann uns stärken.
Und dann können wir uns auch darauf fokussieren: Wie können wir als Team, als Initiative eben die Gesundheit und das Wohlbefinden aller Mitstreiterinnen, Förderständerinnen, Projektmitarbeiterinnen, Ehrenamtliche, Arbeitsgruppenleiterinnen, wie auch immer die bei euch heißen, in den Blick nehmen? Was gibt’s da für Ideen? Was gibt’s dafür Praktiken? Was gibt’s dafür Kulturen vielleicht, die ihr schon habt oder die ihr weiterentwickeln könnt?
Und ich glaube, das ist uns sozusagen, das merken wir, wir sind jetzt 95 Leute hier im Raum, ist nicht nur was, was ein paar von uns irgendwie betrifft. Es ist einfach was, wo wir alle gerade ganz, ganz viel in Teams, in Organisationen dazulernen können.
Und in dem Sinne sitze ich ja auch als ein Fallbeispiel oder auch als jemand, der damit auch zu tun hat. Das heißt, ich gebe zu oder ich erzähle euch mal: Ich praktiziere Yoga, was ein Weg sein kann, damit umzugehen. Und meine Yogalehrerin sagt immer wieder: Wir wissen es eigentlich. Wir wissen eigentlich, was wir machen müssen. Und wir kriegen so viele Einladungen von der Welt da draußen, das nicht zu tun. Das heißt, wir müssen uns immer wieder selber dran erinnern, immer wieder daran erinnern, dass wir Dinge doch ein bisschen anders handhaben können. Genau.
Jetzt also einerseits zum Fallbeispiel, und dann gehen wir gleich weiter zu dieser Erklärung von: Was ist Stress eigentlich und was kann man da machen? Was macht er mit uns erst mal und wo kommt er her?
Das Beispiel ist von mir. Ich war vor ein paar Jahren in der Projektleitung. Und das klingt, das geht ja so banal, aber es war wirklich so eine Initiative, von der ich das Gefühl hatte, ich habe die mit gegründet irgendwie. Also es war so eine ganz, ganz wunderschöne Energie am Anfang. Was da in der Projektplanung super, und ich habe mich reingeschmissen bis zum Umfallen. Es gab ein bisschen viel Druck, vor allem sehr viel Druck von außen. Also es gab eine fördernde Einrichtung, die dabei war. Die hatten sehr, sehr, so ein Klassiker, die hatten einfach sehr enge Zeitpläne, inhaltlich sehr hohe Erwartungen. Sie haben auch Ressourcen reingegeben. Sie hatten auf ihrer Seite auch eine Projektleitung, die immer so jeden Tag mehrmals angerufen hat. Vielleicht kann sich der eine oder die andere Person von euch das vorstellen. Aber das war so ein Gegenüber, das auch noch die Finanzierung stellte. Das ist auch schon mal ein Druck.
Und das war also, das war vom Setup her herausfordernd einfach schon. Dann kam noch dazu: Der Verein, in dem dieses Projekt angedockt war, für den war das irgendwie ungemein wichtig. Das war so das erste Projekt mit dieser fördernden Einrichtung. Da stand so aus: Und wenn das passiert, dann gibt es noch mehr. Und genau, wir kommen zu den Fragen noch ein kleines bisschen später. Carolin, ich sehe gerade, du hast deine Hand gehoben, und alle Fragen können wir im Chat schon mal sammeln und genau dann später noch mal eingehen.
Genau, also das war ein Projekt, das war für den Verein wahnsinnig, aber auch so ein Druck noch mal extra dazu. Das ist wichtig, denn wenn das klappt, dann kriegen wir noch mehr Geld irgendwo. Das Team ist relativ schnell gewachsen. Wir sind von zwei Leuten innerhalb von irgendwie zwei Jahre, von einem Jahr auf fünf Leute gegangen. Und das klingt erst mal klein, aber von zwei auf fünf ist schon mal mehr als 100 Prozent Wachstum. Also es war auch da noch mal eine richtig herausfordernde Situation, die Strukturen ganz schnell zu verändern, auch Personalgespräche zu führen und, also was, also es war so.
Und ein Teil der Arbeit war vor allem die Begleitung von anderen Projekten. Und diese Projekte wiederum erlebten ganz viel Druck, haben unter anderem mit Geflüchteten gearbeitet. Da gab es viele Fragen zu kulturellen Clashs, zur politischen Situation. Es ist seit 2015 so ungefähr in dem Zeitraum, wo eben auch die große Flüchtlingsbewegung war. Und vielleicht kann sich die eine oder andere noch erinnern oder kennt es auch aus der eigenen Arbeit jetzt: Hohes Tempo, wenig Ressourcen. Also diesen Leuten auch irgendwie zu versuchen, den Rücken zu stärken, dabei zu sein, zu begleiten.
Und das ist nur der Arbeitskontext, wo ich jetzt auch mal einiges weggelassen habe. Dazu kommt diese Frage: Und wie bin ich eigentlich zu Hause in meinem Privatleben da? Mein Partner sagte immer: Du hast überhaupt keine Zeit. Wir haben keine Zeit für Ausflüge. Du musst immer nur schlafen. Weil ich wirklich so wahnsinnig fertig nach Hause kam. Und dazu kommt natürlich so ein ganz viel innerer Druck, mal abgesehen von Familie und Freunden, die ich hier gar nicht aufgeführt habe. Aber von: Mache ich das richtig? Bin ich gut genug? Wie schaffen wir das alles? Wir müssen noch so, so, so viel mehr verändern. Und dann beginnt schon so ein Hamsterrad eigentlich. Und das ist so ein ganz kleiner Teil, ein paar Stichpunkte von dem, wie ich die Situation erlebt habe.
Ich bin mir sicher, viele von euch würden vielleicht andere Worte benutzen und etwas Ähnliches aber vielleicht erlebt haben. Auch nicht ich. Aber so ein bisschen, so fühlt es sich an. Irgendwie man brennt für eine Sache und gleichzeitig kommen so viele Anforderungen gleichzeitig auf einen irgendwie zu. Wie mache ich das da?
Mir hat niemand eine Katze vorgehalten, wie ihr hier unten links seht. Aber was auch immer es ist. Und es müssen auch keine, das müssen nicht immer richtig große Dinge sein, die uns in Stress bringen oder Stress auslösen. Es können auch kleinere Dinge sein. Und viele, viele kleine Dinge. Manchmal spricht man da auch von so einem Mikrostress. Also so ein Mikro, klein, können uns auch schon in Zustände der Erregtheit schicken, die einfach schwer zu regulieren sind. Oder wo wir uns ganz bewusst dafür entscheiden müssen, das zu tun.
Es ist also Stress, wenn wir das jetzt mal so als Stressbild hinnehmen. Stress wird schon seit den 60er-, 70er-Jahren untersucht, also auch schon eine ganze Weile, und wurde ursprünglich definiert als erst mal eine unspezifische Reaktion unseres Organismus auf jegliche Art von Anspannung. Also relativ alles Mögliche. Aber vor allem unser System, unser Körper, spannt sich irgendwie so an, reagiert und reagiert oft mit einer Anspannung, wie ich es gerade gemacht habe. Manchmal sieht man auch so, die Essenz ist: die Schultern hoch. Viele von uns haben ja auch irgendwas im Schultern-Nacken-Bereich. Das sind immer so Sachen: So, irgendwie da kommt was, ich muss was tun. Ich habe jetzt noch hier die Fäuste dazu.
Also unser Körper reagiert, zeigt sich unter anderem, zeigt sich sehr, sehr vielfältig: als Nervosität, als Unruhe, als Reizbarkeit, als Schlaflosigkeit. Beispiel von manchmal auch als Schwindelgefühl, als Kurzatmigkeit oder flache Atmung. Und wir hatten das beim, ich glaube, letzten oder vorletzten Mal: Atem ist ein total wichtiges Instrument. Da können wir viel machen mit unserem Körper. Aber Stress zeigt sich auch als Kopfschmerzen. Viele haben Migräne als ein Phänomen, verkrampfte Muskeln oder Herzbeschwerden. Jetzt nicht, dass Migräne bedeutet, ich habe viel Stress, aber dass das eine Ausformulierung sein kann oder ein Krankheitsbild von einem Leben, das mit sehr viel Stress vielleicht umgehen muss, wie auch immer der sich zeigt.
Was sind Stressoren? Da ist ein Rechtschreibfehler noch drin. Was sind Stressoren, soll das heißen. Stressoren sind Faktoren, die Stress begünstigend sind. Und die sind für jeden und jede von uns unterschiedlich, aber sie schicken unseren Körper, unser System, Stress zu erleben. Und das kann total bunt sein. Es kann sowas sein wie in meinem Beispiel beschrieben, so ein Leistungsdruck. Wir müssen hier, und wir müssen schneller, und wir müssen weiter, und wir müssen vor allem schon vorgestern das gemacht haben. Und wenn das fertig ist, dann kommen noch diese anderen 20 Sachen, die auch noch auf unserer Liste stehen. Also so ein Leistungsdruck.
Es kann aber auch was Physikalisches sein, sowas wie Lärm, ganz einfach. Sehr, sehr laut ist da, wo man arbeitet zum Beispiel oder da, wo man gerade ist. Oder sehr, sehr leise ist, könnte sein. Es könnte Winter sein. Viele von uns erleben ja auch Jahreszeiten als sehr stressvoll oder sehr energieaussaugend. Und irgendwie, es können soziale Stressoren sein wie Konflikte oder beziehungsgeschrieben. Es könnten Trennungen sein oder das Gefühl: Ich fühle mich noch nicht angenommen oder ich habe gar keine Gruppe, ich habe gar keine Community, keine Gemeinschaft, keinen Verein irgendwie. Das kann stressen. Einsamkeit ist auch ein Phänomen, das immer mehr und mehr untersucht wird, weil sie eben auf Dauer zu ganz viel Krankheit führt.
Es können wirtschaftliche Stressoren sein, Sorgen ums Geld, sowohl vielleicht mein privates, aber auch, ihr kennt die Situation sicherlich, wenn man überhaupt einen Arbeitsvertrag hat, wie lange ist er denn und was kommt danach? Und wird das Projekt weiter finanziert? Also solche Fragen dazu. Oder auch: Wird dieser Verein überleben? Oder wie können wir unsere Initiative nachhaltig aufstellen? Solche Fragen gehören dazu.
Es können noch körperliche Stressoren sein oder körperliche Phänomene wie Schmerzen, Krankheiten, Diagnosen, die man vielleicht gekriegt hat. Vielleicht hat man sie auch nicht selber. Vielleicht weiß man von jemandem im Umfeld, die Person hat gerade das und das. Und auch das kann einen stressen. Oder auch Krisen und Veränderungen im weitesten Sinne. Der Klimawandel, auch wenn wir ihn vielleicht nicht so erleben, oder wir erleben ihn, glaube ich, schon zu Teilen, aber wir wissen, da kommt was auf uns zu. Auch das kann uns stressen. Auch das kann Druck ausüben. Kriegserfahrungen, Krieg, Krieg vor der Haustür, Krieg vielleicht in der Ukraine gerade, Krieg im Sudan oder wo auch immer wir gerade auf die Welt schauen. Soziale Ungleichheiten können uns stressen, wenn wir das sehen, wenn wir das erleben, wenn wir das einfach anschauen. Die Entwicklung rund um AI oder künstliche Intelligenz kann sicherlich einige Menschen gerade jetzt auch oder vielleicht uns alle auf Dauer irgendwie stressen. Was wird da passieren? Digitalisierung und so weiter und so weiter.
Also es gibt so einen ganzen, richtig bunten Blumenstrauß an Einladungen, die wir kriegen können, von denen wir uns vielleicht bewusst sind oder auch nicht bewusst sind. Und was passiert dann? Also erst mal ist es so, dass wir nicht wirklich, dass wir nicht in unserer Kraft sind, sondern aus der gestressten Situation heraus anders agieren. Die Forschung sagt auch, dass wir weniger kollaborativ sind, weniger kreativ und weniger kooperativ. Also Leute, die im Stress sind, manche von uns, und es war auch mein Erleben, dieses Gefühl von: Ich muss jetzt aber noch. Ich bin dann immer schneller geworden. Vor allem meine Kollegen konnten kaum noch hinterher. Dieses Gefühl von: Ich habe eigentlich gar keine Zeit, um mit euch zu reden. Ich muss nämlich noch diese 50 anderen Dinge tun. Und ihr seid hier gerade ganz wichtig. Mein System konnte gar nicht mehr im Gespräch sein irgendwo. Also auch das ist natürlich total schwierig, gerade wenn wir von der Situation, von der Welt stehen, wo wir eigentlich unsere Kreativität ganz zentral brauchen, um Dinge zu verändern, um Dinge anders zu machen. Dann sind wir nämlich gar nicht so gut in der Lage, die Herausforderungen anzugehen, denen wir gegenüberstehen.
Deswegen machen wir ganz bisschen weiter. Vielleicht von euch, die beim ersten Seminar, ersten Webinar dabei waren, haben das schon mal gehört. Und ich glaube, es ist gut, es immer noch mal trotzdem zu sagen und auch auf sich selber zu schauen. Menschen reagieren unterschiedlich in unterschiedlichen Stressreaktionen. Wir haben so als Teil unserer ganzen Evolution verschiedene typische Stressreaktionsmuster. Einige von uns, in einigen Situationen, die sind auch nicht immer gleich: kämpfen, also fight. Oder so, wie ich gerade geschrieben habe: Ich muss noch diese 50 Dinge tun oder diese 20, dieses Budget fertig machen, diese E-Mail schreiben, mit dieser Person telefonieren und so weiter. Ich kämpfe irgendwie.
Oder fliehen, flight. Also das Fliehen wäre eher so: Ich ziehe mich da raus, ich gehe da weg. Aber nicht: Ich gehe weg und ich entferne mich aus einer gesunden Weise aus der Situation, sondern ich flüchte im Endeffekt. Ich kann mich dem gerade nicht mehr aussetzen.
Freeze war so eine Form von Erstarrung. Erstarrung kenne ich auch ganz gut. In einigen Situationen kann ich manchmal einfach gar nichts mehr sagen. Das ist so wie weiße Wand und das Gefühl so innerlich: Ich stehe wie vor so einer Mauer, die irgendwie hinter mir ist. Das gibt es auch als Reaktion.
Oder fawn, und hier ist gemeint eine ungesunde Form von Beschwichtigung. Also sozusagen: Okay, das irgendwie hinzulegen. Irgendwie vielleicht liegen vier, fünf Positionen auf dem Tisch oder das ist eine Konfliktsituation oder irgendwas. Ach komm, wir kriegen das schon irgendwie so hin. Und es gibt das auch in der positiven Form, aber hier geht es wirklich darum, ist irgendwie so alles wieder vielleicht ein bisschen kleiner zu machen, als es ist.
Und das eine, wenn wir auf uns selbst schauen, ist natürlich so: Wie reagiere ich in welchen Situationen? Welche Situationen, welche Kontexte, welche Projektpartner vielleicht, aber auch welche Momente mit meinem Team oder mit mir? Wie reagiere ich da? Und weiß ich auch von meinem Team, wie die reagieren? Das kann natürlich höchst unterschiedlich sein.
Wiederum Beispiel Ukraine-Krieg: Einige sagen, okay, wir fahren jetzt an die Front und wir organisieren irgendwelche medizinischen Kits und wir gehen dahin und wir machen das, weil wir wollen helfen einfach. Beispiel Kampfmodus. Andere vielleicht: Okay, wir können mit der Situation gerade gar nicht umgehen. Irgendwie da sein, aber nicht da sein. Erstarrung. Wiederum andere kommen vielleicht gar nicht zur Arbeit, sind irgendwie gerade im Flight-Modus. Also da auch zu wissen und ein Gefühl dafür oder ein Gefühl dafür zu entwickeln, dass es okay ist, dass wir da unterschiedlich sind, gerade im Stress. Und vielleicht dann noch einen Schritt weiter zu gehen und zu sagen: Okay, das ist bei dir so, wie ist es bei dir? Und das voneinander zu wissen, darüber zu reden in dem Moment, wo wir in einem normalen Modus sind, ist ganz wichtig und ist auch ganz zentral.
So, noch mal ganz kurz physiologisch gesehen ist das eine normale Stressreaktion. Wenn ihr hier auf dieses Diagramm schaut, da seht ihr diese eine zentrale Achse: Nach oben geht die Anspannung und nach unten die Entspannung. Und unser Nervensystem braucht beides. Also wir schwanken immer so zwischen diesen beiden Polen. Und im Normalfall ist es so wie am Anfang dieser gelben Kurve: Es geht immer nach oben, mal ein bisschen nach unten. Und wenn es dann aber so einen Stressor gibt, der auch immer, das ist jetzt so richtig weit nach oben, dann steht Alarm- und Handlungsphase. Also ich mache was, ich bin vielleicht in meinem Flight, in meinem Kampfmodus. Und dann, in einer normalen Stressreaktion, irgendwann lässt es nach. Ich sorge dafür, ich komme in eine Entspannung, und mein System kann sich, mein System, mein Körper, kann sich wieder regulieren. Das ist der normale Modus. Unsere Körper sind auch dafür gemacht, dass wir das austarieren können.
Nur was ganz häufig oder was häufig auch passiert, seht ihr hier: Ich bin erst mal in einem normalen Modus, dann kommt der erste Stressor, es geht nach oben, und dann kommt der zweite und so weiter und noch einer und noch einer und noch einer. Und ich komme überhaupt nicht mehr, mein Körper fällt nicht mehr runter, und ich bleibe chronisch in diesem Anspannungsmodus. Ich habe vielleicht sogar vergessen, ich weiß gar nicht mehr, wie sich es anfühlt, dass ich eigentlich gerade in der stressigen Reaktion bin und das vielleicht auch schon eine ganze Weile war. Da entwickeln sich dann auch, unser Körper zeigt uns das irgendwann. Viele von uns haben also, ich habe auch diese Nacken-Geschichten, ich kenne das auch, ich bin da überhaupt nicht frei von. Unser Körper, weil das irgendwie so unser Zuhause in diesem Leben auf dieser Erde ist, zeigt uns dann irgendwann: Okay, jetzt ist zu viel. Und manchmal verpassen wir so ein bisschen die ersten Signale und können aber auch nach wie vor lernen, damit umzugehen.
Genau, das ist dann das große Stichwort, das hatten wir letzten Dienstag: Resilienz, aber vor allem auch Selbstregulation. Also wir haben in uns als Menschen die Fähigkeit, unsere innere Erregung, also unseren Stress, zu regulieren. Das nennt man Selbstregulation. Und das ist lernbar. Das heißt, auch wenn ihr jetzt hier sitzt und sagt: Boah, ich kann das aber gar nicht oder ich erkenne mich da vielleicht auch ein bisschen wieder, wir können das lernen. Wir können das entwickeln. Das geht nicht von heute auf morgen. Und das Schöne ist aber: Wir können es trotzdem. Also es ist uns allen als Menschen gegeben. Wir müssen da nicht mit anfangen, wenn wir sieben oder 17 sind. Das geht auch noch mit 70 und lohnt sich. Aber es lohnt sich schon, früher anzufangen.
Es ist was, was wir in uns tragen. Bevor wir da so ein bisschen reingehen, die zweite Umfrage. Wenn ihr mal auf euch schaut: Was hilft euch im Stress? Und es sind natürlich nur vier Antworten. Vielleicht ist es auch was anderes. Aber wenn ihr euch jetzt mal hier eine davon aussuchen müsstet: Wenn ich im Stress bin, hilft mir zum Beispiel a, raus in die Natur zu gehen, b, mit Freundinnen, Familie oder Nicht-Involvierten drüber zu sprechen, wie es mir geht, also im Gegenüber irgendwie in Kontakt zu sein, oder c, wenn ich gestresst bin, hilft mir aktiv Sport zu treiben, zu schwimmen und so weiter, oder d, hilft mir sowas wie ein langes Bad zu nehmen. Was ist das von den vieren, wo ihr jetzt sagt: Hier, das ist eine von meinen, vielleicht nicht die liebste, aber doch eine von den Sachen, die mir hilft?
Ganz viele von uns sind Freundinnen und Freunde der Natur, ich übrigens auch. Einige, genau, die nicht mit anderen darüber sprechen. Wenige, die ein langes Bad nehmen, aber auch das. Und ich habe diese Umfrage hier reingemacht, weil es ganz wichtig ist, dass wir von uns wissen und auch mal in uns schauen: Was sind eigentlich diese Sachen, die mir helfen, wieder rauszukommen aus dem Stress oder die mir so ein bisschen Abstand geben davon? Dass das von mir zu wissen und es auch von meinem Team zu wissen, ist einer der Wege und eine der Strategien, damit umzugehen. Also überlegt vielleicht auch noch mal im Nachgang: Ach ja, sowas hilft mir im Stress. Vielleicht wisst ihr es schon von euch, aber vielleicht trefft ihr auch das eine oder andere, findet ihr noch mal raus, was ihr noch nicht wusstet, und das Gespräch auch noch mal ins Team zu tragen.
Zweiter Punkt, und kommen gleich, genau, und gehen wir damit mal so weiter in diese Frage nach: Was sind also diese Self- und Team-Care-Präventionsstrategien? Wie können wir mit diesem Stress und mit diesen stressigen Umständen, Situationen, herausfordernd umgehen?
Das Wort Selbstregulation habe ich da eben gerade schon einmal erklärt. Und hier kommt auch noch mal die Co-Regulation. Also das ist natürlich was, was sowohl mich als Julia oder euch als die Person, die ihr eben seid, betrifft, und auch uns gemeinsam als Team, als Organisation. Und da unterscheidet man oder kann man das benennen als: Ich kann mich selbst regulieren. Ich kann gut wieder mich, wenn ich drin bin in meinem mega-schnell-ich-muss-alle-meine-20-Dinge-machen-Modus, wenn ich mich selber rausholen kann, wenn ich selber merke, dass das passiert. Und Co-Regulation wäre dann, wenn wir das gemeinsam machen, also wenn wir das Kollektiv auch haben. Und es ist nicht das eine oder das andere. Ganz oft ist es beides. Und wir können uns gegenseitig aus diesen unterschiedlichen Haltungen, aus diesen unterschiedlichen Perspektiven unterstützen dabei.
Dabei ist es trotzdem auch noch mal wichtig, gerade als Menschen, die im Engagement unterwegs sind, dass es bei uns selbst beginnt. Ihr seid bestimmt, fast jede Person von uns, mal geflogen irgendwann auch mal. Und auch wenn es eine Weile her ist, vielleicht erinnert ihr euch an diesen Sicherheitstext am Anfang, wo es dann heißt: Wenn der Sauerstoff ausgeht, kommen diese Masken und fallen aus diesen Panels, und dann neben dir, setz erst deine Maske zuerst auf, bevor du jemand anderem hilfst. Also put your own mask on first. Und das ist so ein Bild, was ich, glaube ich, ganz wichtig ist mitzunehmen, gerade wenn wir im Engagementbereich sind, vielleicht mit Geflüchteten arbeiten, vielleicht mit Menschen, die wirklich auch von der Krise sind oder sich anfühlt, als es ist gerade alles so viel. Manchmal können unsere Gedanken uns sagen: Du musst aber denen helfen. Wir müssen aber erst unsere eigene Sauerstoffmaske selbst anlegen. Das können wir auch. Und manchmal müssen wir das lernen. Und da fängt einiges an.
Das heißt nicht, dass wir nicht im Team ganz viel machen können. Das heißt nur, dass wir uns selbst als Veränderungserkenntnis oder Veränderungsergänzung nicht vergessen dürfen. Deswegen auch die erste Strategie wäre zu sagen: Meine innere Haltung. Was nehme ich eigentlich wahr? Wie achtsam bin ich? Und kann ich meine innere Beobachterin, meinen inneren Beobachter stärken? Das klingt vielleicht jetzt ganz schön unsichtbar, sage ich mal. Und sicherlich habt ihr, wenn ihr euch mit dem Thema schon mal befasst habt, immer viel gehört von: Ja, Meditation ist gut und solche Sachen. Das stimmt auch. Vor allem, weil wenn wir lernen, uns selber zu beobachten und benennen, was wir fühlen können, wie unser Körper gerade reagiert, was wir wahrnehmen, welche Gedanken wir vielleicht erleben, das ist eine Grundlage, unbewusst was zu verändern.
Deswegen sind alle diese meditativen Praktiken, und das kann Meditation sein im Sinne von: Ich sitze irgendwie, es könnte sein: Ich schreibe ein Tagebuch, es könnte sein: Ich spaziere in der Natur, wie viele von euch gerade gesagt haben, eine total zentrale Grundlage, um etwas zu verändern. Wenn wir bewusst wahrnehmen, was gerade mit uns passiert, dann haben wir viel mehr Wahlmöglichkeiten und sind weniger festgelegt auf so typische und so automatische Reaktionsmuster. Also wenn wir unsere Wahrnehmung schulen können, können wir unseren Autopiloten irgendwie, haben wir mehr Chancen, den abzustellen oder zu sagen: Nee, das will ich jetzt eigentlich gar nicht. Ich will nicht weiter meine 20 Sachen machen. Ich mache eine Pause, und dann mache ich die nächsten in der nächsten halben Stunde, Stunde, was auch immer es ist.
Ein weiterer Weg oder eine weitere Methode kann sein zu sagen: So, wie arbeite ich mit meinen inneren Gedanken? Manchmal gibt es ja so Gedanken, die richtig, die richtig gemein sind. Die können daherkommen in Formen wie: Ich bin nicht gut oder ich kann das nicht oder ich reiche nicht oder ich bin, was auch immer es ist. Der erste Schritt wäre zu sagen: Okay, ich hole mir diesen Gedanken mal her. Ich kenne den. Ich bin nicht genug, kann ich zum Beispiel richtig, richtig gut. Der besucht mich immer mal wieder. Wenn ich mich dann in meine Beobachtungsposition begebe und sagen kann: Ich habe den Gedanken, dass ich nicht genug bin, bin ich innerlich schon ein bisschen weiter davon entfernt. Und wenn ich dann noch weiter sagen kann, mir selber sagen kann: Ich merke, dass ich den Gedanken habe, dass ich nicht genug bin, dann bin ich noch weiter und habe eine ganz andere Perspektive. Das kann ein Tor sein, um mehr Perspektive und auch mehr Handlungsmöglichkeiten zu gewinnen in einigen Situationen.
Ich mache es mal ein bisschen schneller, damit wir, ich glaube, so sechs Tipps insgesamt, damit wir gleich noch ein bisschen Zeit haben. Das zweite für uns als Teams, für uns als Initiativen, für uns in dieser Zivilgesellschaft im weitesten Sinne: Es ist total wichtig, uns daran zu erinnern, immer und immer wieder, wir brauchen Pausen, wir brauchen Urlaube, wir brauchen Regeneration, auch in unserer Kultur der Zusammenarbeit. Das ist ein normaler Wert. Ich weiß nicht, wie es bei euch ist. Da, wo ich unterwegs war, war das nicht so einfach, weder für uns als Individuen noch für uns als Organisation. Manchmal war es schon schwierig, krank zu sein, weil das Gefühl da saß: Und dann müssen das aber die Kolleginnen machen. Ich glaube, da müssen wir systemisch was verändern. Das fängt an, dass wir uns gegenseitig daran erinnern, dass wir Pause machen müssen, dass auch Urlaub normal ist, dass wir vielleicht auch mal eine Zeit lang aussetzen können in einem Vorstandsamt. Also da auch neue Formate, neue Wege zu finden. Vor allem das aber auch als Teil unserer Kultur, also der Art und Weise, wie wir in unserer Initiative zusammenarbeiten, sehen. Und das ist ein total elementares Element, wie wir wirken wollen, wie wir Veränderungen in die Welt bringen wollen.
Weitere Strategie kann sein, sowas wie Wahrnehmungsmomente im Teamalltag oder in meinem Alltag einzubauen. Steht gerade so zentral: OMG. Vielleicht kennt ihr die Abkürzung. Englisch ganz häufig für „oh my god“, funktioniert aber auch als „orient“, orientieren, „move“, bewegen, und „ground“, also erden. Das ist für alle so Momente, wo man merkt: Okay, es ist gerade ganz schön viel. Und es ist auch generell eine Übung, die ich machen kann und so langfristig meine Wahrnehmung einfach so zu trainieren. Zu sagen: Okay, wo bin ich eigentlich? Vielleicht in dem Raum, in dem ich noch mal bin, in der Situation, wo ich bin. Wenn ich merke, ich habe Herzrasen, erst mal umschauen, Blick über die eine, über die andere Schulter, vielleicht ein bisschen bewegen, je nach Situation. Und gerade im Stress können wir sehr stark in den Kopf gehen und verlieren so ein bisschen die Verbindung zu unserem Körper. Vielleicht kann ich eine Bewegung machen, mich einmal ausstrecken, nach oben, nach unten, was es ist, und dann meine beiden Füße ganz fest auf die Erde zu stellen und noch mal zu merken: Okay, da ist was unter mir.
Wenn man zusammen machen kann, man alleine machen kann, man kann es am Anfang von einem Meeting, am Ende von einem Meeting machen. Atemübung: Alles, was unseren Atem verlängert. Im Stress atmen wir tendenziell kurz und flach, vor allem Bauchatmung. Drei tiefe, lange Atemzüge in den Bauch, auch im Moment, wo es vielleicht gerade mal brennt oder einfach auch als Kultur. Okay, uns ist es wichtig, in dem regulierteren Modus und der Co-Regulation zusammen eine Sitzung zu beginnen oder zu beenden. Eine Minute Stille könnte es auch sein. Da gibt es noch ganz, ganz viele weitere Momente, wie wir unsere Wahrnehmung immer wieder in kleinen Schritten, also nicht nur in großen Strategien, aber auch in kleinen Schritten, dahin trainieren können, uns selber besser wahrzunehmen.
Genau, das habe ich vorhin schon gesagt: Einerseits unsere Stressreaktionen, also dieses Kämpfen, Flüchten, Erstarren oder auch Beschwichtigen, voneinander kennen. Zu wissen: Wie reagiert wer? Was entspannt eigentlich dich? Was entspannt eigentlich nicht? Das auch miteinander zu besprechen. Denn wenn ich von dir weiß, vielleicht kann ich dich daran erinnern, wenn du es vergessen hast, und umgekehrt. Und uns auch gegenseitig zu spiegeln immer mal wieder. Ich hatte eine Kollegin in meiner Situation, die mir dann immer, zum Glück, wieder mal gesagt hat: Julia, du wirst gerade ganz schön schnell. Und das war für mich so ein Anker und so ein Zeichen: Okay, irgendwas ist gerade. Ich habe es vielleicht selber noch nicht mitgekriegt. Und auch das: Wenn die dann noch gewusst hätte, wusste sie damals nicht, was mich entspannt. Vielleicht brauchst du das oder so. Also das kann uns auch, uns gegenseitig im Blick zu behalten, kann uns stärken.
Unterstützungsstrukturen und Kultur einbauen und nutzen. Was können wir zusammen tun? Können wir auf dem Teamtag das Thema noch mal fokussieren? Können wir gemeinsam eine Fortbildung, online, offline, wie auch immer, dazu machen? Können wir Buddy-Systeme entwickeln, wo wir uns zu zweit oder zu dritt im Auge behalten? Macht ihr vielleicht oder machen wir sowas wie Entwicklungsgespräche? Also in Angestelltenverhältnissen gibt es ja manchmal so Mitarbeitendengespräche einmal im Jahr. Aber können wir das mit allen machen? Oder können wir das auch mal spezifisch zum Thema Resilienz, Stress, wie geht’s, in der Richtung miteinander machen und entwickeln? Krankenkassen bieten ganz häufig auch Kurse an, die wieder erstattet werden können. Was gibt’s da, wo ihr gerade seid? Was kann ich da machen?
Supervision oder Supervisionen werden so Formate, wo jemand anderes kommt und mit dem Team arbeitet und einfach einen Raum hält, moderierten Raum für eine Stunde oder zwei, wo man sich regelmäßig zu diesem Thema austauscht. Coaching. Ich habe auch Kolleginnen von mir, wenn es machbar war, mal in diesen Situationen in Coaching geschickt, zu sagen: Okay, was brauchst du? Kannst du mit jemand anderem, der nicht ich bin, weil auch ich bin natürlich Teil von dem System, wenn ich in einem Team irgendwie bin, was brauchst du, um dich da besser kennenzulernen und zu stärken? Und manchmal ist es auch die psychologische Begleitung, die wir an der einen oder anderen Stelle brauchen.
Hey, letzter, ich glaube der letzte. Ja, genau, das ist der letzte Punkt. Unter Druck anders zu priorisieren. Vielleicht kennt die eine oder andere Person unter euch die Eisenhower-Matrix. Und das ist hier eine Vision für Zeit. Ein großer Stressor ist also, ihr seht auf der linken Seite genau hier dieser Punkt: dringend und wichtig, dringend und nicht wichtig, nicht dringend und wichtig und nicht dringend und nicht wichtig. Und das ist ein Vorschlag, ich finde es eine kleine Satire, aber trotzdem auch total wichtig, in Zeiten, wenn Dinge ganz, ganz herausfordernd sind, zu priorisieren. Und dann schlafen, unseren Atem, Wasser und was zu essen, unsere eigenen Glaubenssätze zu reflektieren über das, was gerade wichtig ist. Also sind es die 20 Dinge auf meiner To-do-Liste oder ist es vielleicht was anderes? Unsere Erwartungen an Produktivität, an Leistungsdruck noch mal zu untersuchen, nach Hilfe fragen, Deadlines vielleicht zu verlängern. Können wir das vielleicht? Dinge sogar loszulassen und zu uns selbst gnädig zu sein und auch sowas wie Selbstmitgefühl zu haben. Was dringend wirkt und aber eigentlich nicht wichtig ist, vor allem soziale Medien oder Nachrichten oder was auch immer das gerade ist, viele, viele Einladungen. Und wirkt auch sehr dringend, aber vielleicht nicht, wenn ich gerade akut in so einer Situation bin. Auch nicht der Rest der Welt, der ist vielleicht immer noch wichtig und trotzdem gerade nicht, weil ich mich selber regulieren muss. Das ist dieses Schlagwort Selbstregulation. Und das hier, um diesen Bereich wieder zu machen: nicht wichtig, nicht dringend, ein total sauberes Büro und ein total schönes Office.