Und herzlich willkommen an alle Menschen, die hier schon im Warteraum fleißig gewartet haben und jetzt auch drin sind. Es ist total begeisternd zu sehen, dass das Thema so viele anspricht. Ja, das ist unsere erste Session in der Reihe „Vereinsschule“ und wir werden uns heute mit dem Thema beschäftigen, wie wir eben junge Menschen fürs Engagement gewinnen können und wie wir sie vielleicht sogar in unseren Vorstand bekommen.
Ähm, kleiner Spoiler: Es wird auf jeden Fall nicht um die neuesten Social-Media-Strategien gehen, denn da sind Heike und ich auf jeden Fall keine Expertinnen, sondern es wird eher um Themen gehen wie Macht und Haltung und wie wir eben neue Beteiligungskulturen schaffen können. Ähm, und um Fragen: Wie kann mein Verein heute aufgebaut werden, sodass er junge Menschen, Menschen unter 30, anspricht, begeistert und eben auch zum Mitmachen einlädt?
Kleine Info vorab: Wir haben überall so kleine Denkanstöße eingebaut. Äh, da werden wir relativ schnell drüber huschen, weil dieses Webinar ja aufgezeichnet wird und ihr dann später, wenn ihr es nochmal anschaut, auch nochmal diesen Fragen nachgehen könnt und sie entweder für euch oder auch für euer Team mitnehmen könnt.
Dann lasst uns vielleicht vorab einen kleinen Blick in die Agenda werfen. Und zwar haben wir dieses Webinar in vier Teile unterteilt. Wir starten mit den Ursachen und den Herausforderungen. Also, wir schauen so ein bisschen systemisch und strukturell, um zu verstehen, warum weniger bis keine jungen Menschen aktuell vielleicht auf unsere Organisation zukommen. Und da haben wir auch die neuesten Erkenntnisse vom deutschen Freiwilligensurvey mitgebracht, der 13 Schwellen zum Engagement erkannt hat.
Dann gehen wir in den Perspektivwechsel. Dieser Perspektivwechsel geht darum zu verstehen: Wer sind denn überhaupt U30? Das haben wir auch vorab bei euren Erwartungen an uns bekommen, die Frage: Wen sprechen wir da überhaupt an? Und da gruppieren wir so ein bisschen, um besser zu verstehen, was diese einzelnen Menschen motiviert, welche Bedürfnisse sie haben und vielleicht auch, welche Erwartungen sie an Engagement haben.
Dann bringen wir noch das Modell „Stufen der Partizipation“ mit. Das ist ein ganz hilfreiches Tool, um Engagement einzuordnen. Und dann geht es in die Innenschau und die Transformation. Da werden wir so ein bisschen schauen, was ihr innerhalb eurer Organisation ändern könnt, aber auch in der Kommunikation der Ansprache nach außen, um mehr Menschen anzusprechen.
Und als letzter Punkt werden wir noch einmal praktischer und da gehen wir in die Handlungsideen. Es wird darum gehen, dass wir ein paar Quicktipps vorstellen und auch ganz konkrete Methoden und Modelle, wie ihr Verantwortung teilen könnt, damit neue Menschen und U30-Menschen sich vielleicht auch für den Vorstand oder für andere Ämter begeistern können.
Und bevor wir jetzt mit unseren Inhalten starten, möchten wir nochmal gemeinsam einen Blick auf das Engagement in euren Organisationen werfen. Ähm, Lena hat eine Umfrage vorbereitet und es geht darum zu schauen, wie viele Menschen unter 30 aktuell bei euch im Verein engagiert sind. Es gibt fünf Möglichkeiten zu antworten: Entweder keine unter 30 engagiert sich bei euch, von der absoluten Zahl von 1 bis 10 %, also wenige; einige 11 bis 25 %; viele 26 bis 50 %; oder mehr als 50 %.
Jetzt bin ich echt gespannt, was wir hier für ein Bild haben. Es wird sich noch ganz viel eingetragen. Ich warte vielleicht noch ein paar wenige Sekunden, bis wir es veröffentlichen können.
Vielleicht muss man auch im Moment mal drüber nachdenken: Wie viele sind es denn tatsächlich? Wir haben ja auch vorab gesehen, dass viele von euch in sehr großen Organisationen engagiert sind und schätzt es einfach ungefähr.
Okay, ich würde es jetzt einmal veröffentlichen, wenn noch irgendjemand schnell drücken will. Dann schauen wir mal. Ich bin gespannt. Und, ui, die Nummer 2, weniger so 1 bis 10 %, das hat die meisten Antworten bekommen mit 43 %. Ähm, dann unter keine unter 30, 24 % und mit 20 % einige 11 bis 25. Wir hoffen, dass wir heute viele gute Tipps für euch haben, wie ihr die jungen Menschen motivieren könnt, dass sie sich bei euch engagieren. Danke schön schon mal fürs Mitmachen bei der Umfrage.
Wir haben noch eine zweite Umfrage. Magst du eine Sekunde? Jetzt müsste sie bei euch ankommen. Okay. Ähm, bei der zweiten Umfrage geht's darum, wie viele Menschen unter 30 aktuell im Vorstand eures Vereins aktiv sind.
Sind es null Personen, also gar keine? Ui, ging aber schnell. Äh, ist es eine Person, zwei Personen, drei oder mehr? Bin ich gespannt? Wahrscheinlich. Ähm, seid ihr noch am Überlegen?
Ähm, ich glaube, ihr müsst noch einmal abstimmen. Gerade eben gab's einen kleinen technischen Fehler, aber jetzt könnt ihr nochmal abstimmen und dann kann ich es veröffentlichen.
So, es wird sich noch fleißig eingetragen. Oh, ich sehe schon, Heike, das Ergebnis ist sehr... Ui. Okay, also keine Person unter 30 bei 67 %. Ähm, okay. Und das andere, eine Person, 14 %. Ich hoffe, Lena, wir können gut motivieren, wie Menschen angesprochen werden können, dass sie sich auch unter 30 engagieren im Vorstand. Da kannst du gerade auch aus deiner Erfahrung berichten, weil du bist ja ganz jung mit Anfang 20 im Vorstand. Genau.
Deswegen lasst uns gerne ins Thema starten. Wir haben ein paar Sätze mitgebracht, die entweder Heike oder mir schon oft begegnet sind. Ähm, vielleicht erkennt ihr euch da wieder. Die wollen halt keine Verantwortung, die wollen sich ja nur vielleicht auch kurzfristig engagieren oder sie sind ja auch nur auf sich selbst fokussiert und halten vielleicht leider auch nichts mehr aus. Ja, vielleicht erkennt sich da jemand selber so ein bisschen oder vielleicht habt ihr auch ähnliche Diskussionen schon im Team, wo Menschen eher dieser Haltung sind.
Um wirklich etwas zu verändern, wollen wir hier ein bisschen aufräumen und haben euch drei spannende Studien mitgebracht, die ihr dann immer, wenn es wieder um Diskussionen zu dem Thema geht, ja aufbringen könnt.
Und zwar ist das erste: Junge Menschen sind tatsächlich so politisch aktiv und engagiert wie schon lange nicht mehr. Das zeigt die Shell Jugendstudie, die 2024 veröffentlicht wurde, die eben junge Menschen befragt hat. 55 % der Jugendlichen haben gesagt, dass sie super interessiert sind, sich heute aktiv politisch einzusetzen. Das wird auch unterstützt vom neuen Freiwilligensurvey, der wieder gemessen hat, dass die größte Engagementquote bei den jüngsten Menschen liegt, also 40 % bei den 14- bis 29-Jährigen.
Wenn wir uns das zweite anschauen, das sagt: Junge Menschen sind leider so psychisch belastet wie schon lange nicht mehr. Ähm, das sagt eine UN-finanzierte Studie, die weltweit in 44 Ländern die Veränderung der mentalen Gesundheit über das Lebensalter gemessen hat. Dafür sind eben Gründe wie Dauerunsicherheiten und dieses ständige Vergleichen, vor allen Dingen über Social Media, was das Ganze auslöst.
Die dritte Studie, die wir mitgebracht haben bzw. die Erkenntnisse daraus, ist: Der Wille für Verantwortung ist tatsächlich da, aber die Strukturen überfordern, wenn dann jemand auch in diese Verantwortung reinkommt. Das zeigt der neue Freiwilligensurvey, der ja jeder Legislaturperiode neu erhoben wird. Das heißt eben, dass Verantwortung eigentlich an Interesse und Anklang findet und dann, wenn die Menschen aber in die Verantwortung kommen, eher eine hohe Kontrolle empfunden wird und auch Ungleichheiten und Überforderungsgefühle vorhanden sind.
Und wie Heike es gerade eben schon gesagt hat, ich bin selber mit Anfang 20 Vorständin geworden und in aller Liebe zu den Menschen um mich herum und auch den Menschen im Verein habe ich mich ja wenig bis gar nicht unterstützt gefühlt und war dementsprechend schnell überfordert und kam an meine absoluten Belastungsgrenzen, obwohl ich großes Interesse an dem Thema und auch an der Rolle hatte. Damit das eben nicht passiert, haben wir heute nicht nur unbedingt Social-Media-Strategien mitgebracht, sondern eine Arbeitshypothese. Und zwar glauben wir, dass das Problem vielleicht nicht bei der Jugend, sondern bei den Strukturen liegt, die sie leider nicht ansprechen oder ja vielleicht sogar ausschließen.
Jetzt kommt schon unser erster Denkimpuls für euch: Würdet ihr euch heute selbst noch einmal bei eurer Organisation engagieren, in den Vorstand gehen? Ja, warum oder warum vielleicht auch nicht? Und dann übergebe ich an Heike.
Ähm, ja, wir haben gerade von Lena gehört, dass Studien und auch ihre eigenen Erfahrungen zeigen, dass es nicht immer an den Menschen liegt, dass es in unseren Vereinen an jungem Engagement fehlt. Im neuen Engagementbericht von 2025, den Lena ja auch schon erwähnt hat, da ist die Sprache von 13 strukturellen Schwellen bzw. Hürden zum Engagement. Diese Hürden entstehen nicht zufällig, sondern unter anderem durch die Strukturen, Routinen und auch Regeln, die wir bei uns im Verein haben.
Auf vier dieser Hürden möchte ich kurz eingehen, damit wir einen breiteren Blick dafür bekommen, woran es liegen kann, dass junge Menschen nicht aktiv bei uns im Verein mitwirken. Zum einen: Wen sprechen wir eigentlich an, wenn es darum geht, junge Menschen zum Engagement zu bewegen? Gefragt werden doch in der Regel diejenigen, die ohnehin privilegiert sind oder die sicher in ihrer Umgebung bewegen. Junge Menschen beispielsweise mit Migrationshintergrund werden deutlich seltener als potenziell engagierte wahrgenommen. Das ist in unseren Vereinen keine böse Absicht. Das wird häufig unbewusst gemacht, aber das passiert systematisch. Diese institutionelle Diskriminierung sorgt dafür, dass sich manche gar nicht angesprochen fühlen.
Wenn wir jetzt auf unsere Vereine schauen, wer sich bei uns so engagiert, dann werden in vielen Organisationen Muster offenbar. Wenn sich die jungen Menschen dann engagieren, ist es wichtig, dass auch tatsächlich Mitsprache möglich ist, denn sonst verlieren wir das neue Engagement ganz schnell wieder. Viele Organisationen haben z.B. dominante Sprech- und Beteiligungsnormen. Selbst mit meiner jahrzehntelangen Erfahrung im ehrenamtlichen Engagement habe ich es erlebt, dass ich mich unwohl gefühlt habe, weil bei meinem Engagement z.B. in einem Vereinsgremium ein bestimmtes Vokabular oder Personenkenntnisse einfach vorausgesetzt wurden. Nicht alle Menschen fragen dann so oft nach, bis sie eine Organisationskultur komplett verstanden haben. Viele hören einfach nach einer Zeit auf, manche früher, manche später, und sie ziehen sich zurück, und wir verlieren sie dann.
Die dritte Hürde, die ich hier nennen möchte, ist die Tatsache, dass einzelne Gruppen einfach unterrepräsentiert sind. Als Beispiel möchte ich Frauen in Vereinsvorständen nennen. Es ist immer noch so, dass ca. 70 % der Vereinsarbeit von Frauen geleistet wird, aber nur ca. 40 % der Frauen in Vorständen vertreten sind. In den Vorständen, in denen Frauen dann in der Minderheit sind, kann es vorkommen, dass das Thema Geschlechtergerechtigkeit als eine Art Spezialthema gesehen wird. Es kann dann vorkommen, dass spezielle Anliegen von Frauen im Kontext Engagement im Vorstand nicht als Teil des Ganzen verstanden werden. Die Folge ist dann so ein genanntes Othering. Die Menschen fühlen sich als die anderen. Sie fühlen sich ausgeschlossen. Sie entwickeln kein Zugehörigkeitsgefühl. Unter diesen Bedingungen kann Engagement nicht weiterwachsen oder langfristig bestehen bleiben.
Erschwerend kommt dann noch hinzu, dass Kritik im Kontext Engagement auch schwierig ist. Engagement wird fast ausschließlich positiv konnotiert. Das bedeutet freiwillig, sinnstiftend, gemeinschaftlich. Diese Bewertung lässt wenig Raum für Ambivalenzen, z.B. Ausschlüsse, Belastungen oder strukturelle Probleme, die dadurch unsichtbar bleiben. Wer sie anspricht, wer sich traut, das auch anzusprechen, gilt häufig als unbequem oder illoyal. Obwohl gerade diese Kritik eine zentrale Voraussetzung ist, damit wir uns auch weiterentwickeln können.
Wir haben jetzt einige Erfahrungen aus unserer Praxis, die wir teilen möchten. Z.B. erlebe ich es oft, dass Arbeitssitzungen oder Arbeitstreffen wie selbstverständlich auf Vormittage gelegt werden. Das ist im Arbeitskontext vollkommen normal, aber möchten wir mit jungen Ehrenamtlichen zusammenarbeiten, dann kann das schon eine Hürde sein, denn z.B. Auszubildende oder Studierende oder auch junge Berufstätige haben nicht automatisch an einem Dienstagvormittag um 10 Uhr Zeit.
Ich begleite z.B. einen Verein, dessen ehrenamtlicher Vorstand nur aus Selbständigen besteht. Die haben natürlich die Hoheit über ihren Zeitplan. Das sind bewusste oder unbewusste Privilegien, die die jungen Menschen nicht haben. Sie haben einfach eine andere Lebensrealität.
Eine weitere Herausforderung für junge Menschen sind die veralteten Arbeitsweisen, die wir haben. Ich möchte hier auf die Kommunikationskultur eingehen. Ich erlebe in den meisten Fällen, wenn ich in Vereinsarbeit involviert bin, dass die Leitung oder die Vorständler ein Arbeitstreffen leiten und dass sie die meisten und längsten Redebeiträge haben. Das kann dann schon mal langatmig werden oder gerade wenn sie viel Raum einnehmen und wenig Raum für die jungen Engagierten geben. Das ist dann wirklich wenig attraktiv für die Neueinsteigerinnen.
Die letzte Hürde, die ich hier nennen möchte, ist die fehlende Transparenz in Organisationen. Es gibt häufig keine Aufgaben- und Rollenbeschreibungen der Teammitglieder oder der Ehrenamtlichen, also Informationen, die man z.B. digital mal ganz schnell einsehen kann, sodass man eine gute Orientierung in der Organisation hat. Häufig ist auch gar nicht klar, wer für was Verantwortung hat, und das bringt einfach Unsicherheit mit sich. Wenn es dann um das Engagement der jungen Leute geht, die gegebenenfalls noch wenig Erfahrung mit Ehrenamt haben, kommen nicht selten Fragen wie: Was wird jetzt hier eigentlich genau von mir erwartet? Kann ich das jetzt noch machen oder überschreitet es meine Kompetenzen als Ehrenamtlicher? Oder sie machen einfach, wie sie meinen, und hören dann: „Nee, so können wir das bei uns nicht machen.“ Ganz davon abgesehen, dass das demotiviert und zu Unzufriedenheit führt, bewegt sich dadurch häufig weniger in unseren Organisationen, als sich bewegen könnte und vor allen Dingen als die jungen Menschen bereit wären zu tun.
Hier ein Denkimpuls für euch: Wo erleben junge Menschen in eurem Verein echte Gestaltungsmacht?
Danke dir, Heike. In euren Erwartungen, die ihr uns vor dem Webinar mitgeteilt habt, habt ihr auch gefragt, berechtigterweise: Wer ist denn U30? Und deswegen wollen wir das Ganze jetzt mal ein bisschen runterbrechen und ganz klar erkennen, wen bewegt was, denn eine 14-Jährige bewegt etwas ganz anderes als eine 22-Jährige z.B. Diese gruppenspezifische Ansprache hilft dann eben auch, die Menschen tatsächlich zu gewinnen.
Die erste Zielgruppe, die wir hier erwähnen möchten, sind vielleicht die unter Zwölfjährigen. Bei denen ist es so, dass sie natürlich eine starke Prägung von den Eltern haben oder durch die Schule. Vielleicht sind sie bei euch im Verein in der Freizeitgestaltung aktiv, also im Sport, der Musik oder auch in Fahrten in Gruppen. Da machen sie ihre ersten Engagementerfahrungen ganz niedrigschwellig durch Mittwochaktionen bei euch. Sie schauen sich aber schon vielleicht bei Vorbildern, die eure Gruppen leiten, genau ab, wie es ist, sich in Verantwortung zu engagieren. Das heißt, vergesst diese Gruppe nicht, wenn ihr sie als Zielgruppe habt, denn sie können werdende langfristige Freiwillige werden.
Ich hatte damals in der Schule eine Partnerschaftsklasse in sehr jungen Jahren im globalen Süden, und das hat mich total geprägt, weil es meinen interkulturellen Austausch gefördert hat und meine Sensibilisierung für Chancengleichheit. Nur daraus ist tatsächlich mein jahrelanges Engagement gewachsen.
Die zweite Gruppe sind die 12- bis 17-Jährigen. Hier ist es natürlich so, dass sie viel in der Schule sind, vielleicht manche sogar schon in der Ausbildung und die Eltern spielen noch eine Rolle, aber immer mehr werden die Freundinnengruppen, die Peer Groups, wichtig und relevant. Die Freizeit spielt sich vor allen Dingen in den Hobbys ab, über Social Media und ist sehr durch Freundschaften geprägt. Wenn ihr diese Zielgruppe als Freiwillige ansprechen wollt, dann brauchen sie vor allen Dingen Spaß, Zugehörigkeit und vielleicht auch Orientierung.
Die dritte Gruppe, die ich hier erwähnen möchte, sind die 18- bis 25-Jährigen. Sie sind natürlich schon überwiegend vielleicht aus der Schule raus, im Studium, in der Ausbildung oder vielleicht auch schon im Beruf. Was hier wichtig zu verstehen ist oder im Hinterkopf zu behalten, ist, dass nicht mehr die Peer Groups oder die Eltern die Werte mitgeben, sondern eigene Fragen sich rund um Moral und Werteorientierung gestellt werden und auch Richtung Zukunft orientiert wird. Also: Was möchte ich mit meinem Leben machen? Was bewegt mich? Diese Gruppe sucht wegen dieser neuen Fragen oft nach Sinn, Gemeinschaft und Möglichkeiten, sich neu zu entfalten und zu entwickeln.
In der Gruppe der 26- bis 30-Jährigen sind die Menschen schon oft im Berufsleben. Vielleicht haben sie auch schon Familien gegründet. Da ist es vor allen Dingen so, dass sie durch berufliche Weiterentwicklung gegebenenfalls auch große Lust auf Verantwortung haben und neue Herausforderungen bei euch übernehmen wollen. Hier ist natürlich wichtig zu wissen, dass Vereinbarkeit eine Rolle spielt und ein großer Wert auf Beziehungen gelegt wird, die sie im Alltag stärken können.
Wenn wir jetzt einmal über diese Altersgruppen hinwegschauen: Was vereint sie denn? Also, sie sind sehr unterschiedlich, aber was sie vereint, ist, dass sie in einer sehr schnellen, bewegten und vor allen Dingen digitalen Welt sozialisiert sind. Sie haben absoluten Informationsüberfluss. Ich habe neulich wieder gelesen, dass das, was wir heute an einem Tag an Informationen bekommen, jemand im 15. Jahrhundert in seinem ganzen Leben nicht bekommen hat. Das muss man sich mal klar machen.
Ich denke da immer direkt an meinen Bruder, der jetzt 19 Jahre alt ist. Für ihn sind Freundschaften und Social Media mit das Wichtigste in seinem Leben. Viel anderes gibt es gerade nicht. Wenn man viel Zeit online verbringt, dann steigt aber der Vergleichsdruck und diese ständige Konfrontation mit Krisen und Unsicherheiten. Diese Verbindung mit seinen Freunden über Social Media hat Vorteile, aber diese Konfrontation mit Druck und Krisen schafft gegebenenfalls auch eine innere Unsicherheit und eine innere Leere. Das haben wir auch bei der Studie zu Beginn gesehen, dass die Menschen so psychisch belastet sind wie schon lange nicht mehr.
Deswegen, als Appell an euch: Menschen sehen sich immer mehr nach Offline-Räumen. Also, Räumen, wo sie sich zugehörig fühlen, wo sie Sinn erfahren und weg von dieser Ohnmacht kommen, die auf Social Media entstehen kann. Das heißt, seid euch bewusst, wenn ihr ansprechen wollt, und seid euch bewusst, welche unterschiedlichen Bedürfnisse, Erwartungen und Motivationen sie mitbringen, und sprecht die Menschen mit dem an, was ihnen wichtig ist.
Jetzt schauen wir uns einmal an, warum sich diese unterschiedlichen Altersgruppen engagieren. Hier gibt es eine tolle Umfrage, die von 2020 ist, wo 18- bis 33-Jährige befragt wurden. Hier sehen wir schon, mit 61 % ist das der größte Antrieb, sich gesellschaftlich zu engagieren. Deswegen sind wir wahrscheinlich alle heute hier, weil uns persönlich etwas bewegt und wir uns dafür einsetzen wollen.
Hier der kleine Tipp: Sprecht darüber. Die Zielgruppe unter 30 möchte Sinn erfahren und merken, dass die Arbeit, die ihr macht, tatsächlich eine Wirkung entfaltet. Das heißt, tut Gutes und redet drüber, wie man ja so schön sagt. Der zweite Punkt, direkt gefolgt, darunter ist die persönliche Weiterentwicklung mit 42 %.
Hier ein Tipp aus meiner Erfahrung: Wenn ihr neue Freiwillige bei euch in die Organisation bekommt, nehmt euch viel Zeit für das Onboarding mit den Freiwilligen. Ähm, versteht ganz genau, was sie lernen wollen und wo sie sich hin entwickeln möchten. Denn wenn Menschen z.B. sich bei LinkedIn reinfuchsen wollen und bei euch auf der Agenda im Verein stand das vielleicht noch gar nicht so, dann gebt ihnen vielleicht trotzdem die Möglichkeit, sich in LinkedIn reinzufuchsen für euren Verein. So ergeben sich neue Möglichkeiten und dieses Bedürfnis nach Weiterentwicklung wird bei den Teilnehmenden gestillt.
Jetzt haben wir einiges über die Lebensrealitäten der jungen Menschen und zu ihrer Motivation von Lena gehört. Die vorliegende Matrix mit den fünf Beteiligungsstufen lädt uns jetzt dazu ein, Wege zu schaffen, auf denen das Engagement der jungen Menschen wachsen kann. In eurem Verein kann dieses Modell helfen, Beteiligung bewusst zu denken und bewusst zu strukturieren.
Schauen wir uns mal die erste Ebene an: Mitmachen. Hier geht's erstmal wirklich ganz unverbindlich darum, reinzuschnuppern, einfach mal dabei zu sein, an Aktivitäten und Angeboten teilzunehmen und euch ein bisschen besser kennenzulernen. Die nächste Stufe, da geht's schon um das Mitbestimmen. Da geht's darum, eigene Ideen einzubringen, Vorschläge zu machen, auch mal gefragt zu werden und bei Entscheidungen mitzureden.
Beim Mitgestalten ist es so, dass die Angebote von den jungen Engagierten mitentwickelt werden, dass Aktionen mitgeplant werden, dass sie mitgestalten, z.B. einzelne Programmpunkte bei einer Veranstaltung. Beim Mitverantworten, der vierten Stufe, sind wir schon ziemlich weit oben im Level. Da geht's um Verantwortung für Teilergebnisse oder für komplette Ergebnisse, für Teilprojekte oder Projekte, die die jungen Leute übernehmen, z.B. einen Teilbereich bei einer Veranstaltung oder die Öffentlichkeitsarbeit.
Die letzte Stufe, die höchste Stufe, ist das Selbstverantworten. Da geht es um komplett eigenständiges Handeln im Vereinsbereich, z.B. dadurch, dass eine Leitungsfunktion in einem Bereich übernommen wird, z.B. die Öffentlichkeitsarbeit, oder dass die Organisation einer Veranstaltung komplett in der Verantwortung übernommen wird.
Das Stufenmodell der Beteiligung hilft uns, junge Engagierte dort abzuholen, wo sie stehen. Das war auch im Vorfeld eine der Fragen, die ihr an uns gestellt habt: Wie können wir das organisieren? Wie können wir das strukturieren? Dieses Modell hilft zu schauen, was zu ihnen passt und ihnen dann die nächste Stufe der Partizipation zu ermöglichen.
Jetzt haben wir wieder einen Denkimpuls für euch: Stell dir vor, ein junger Mensch stolpert über euren Verein, entweder auf Social Media, bei einem Fest, durch Freunde oder in der Schule. Was sieht er? Was fühlt sie? Ist das ein Ort, der nach „Ich will dazugehören“ aussieht oder eher nach „Nur was für alte Hasen“?
Okay, dann lasst uns jetzt vielleicht noch einmal weiter anschauen, woher uns die Menschen, die vielleicht bei euch im Verein sind, schon kennengelernt haben, bzw. wodurch Menschen in dem Alter von 18 bis 33 ihr Engagement gefunden haben. Ich habe es hier schon umkringelt: Es ist wirklich Wahnsinn. Mit 46 % sind es über Freundinnen, Bekannte und auch Familien.
Bei der Studie von 2020 wurde hier vielleicht auch besonders der Hinweis herausgefunden, dass das vor allen Dingen auf dem Land ist. Das heißt, wenn ihr Engagement fördert im regionalen Bereich, dann ist das auf jeden Fall euer Tipp und das, was ihr auf jeden Fall angehen solltet. Also nutzt eure Ehrenamtlichen als Multiplikatoren, die ihr schon habt.
Das heißt, gebt ihnen auch Materialien zur Verfügung, wie z.B. Ausschreibungen zu dem Engagement, das ihr gerade sucht, damit sie das weiterleiten können.
Wir haben kleine Ideen mitgebracht, die ihr machen könnt, um über Freundinnen neue Leute anzusprechen. Das ist z.B. ein Aktionstag wie „Bring a Friend“-Tag. Das könnte ein Schnuppertag sein, an dem ihr, wenn etwas Spannendes ansteht, Leute einladet, und die Menschen einen leichten Einstieg in euer Tagesgeschäft bekommen könnten.
Das zweite ist ein Hackathon oder Solution Days. Ich weiß nicht, ob das vielleicht einige von euch aus der IT- oder Startup-Welt kennen. Da geht es darum, dass man sich ein bis drei Tage gemeinsam einschließt, um an einem ganz spezifischen Problem zu arbeiten, das bei euch in der Organisation vielleicht schon länger bearbeitet wird, aber noch keine Lösung gefunden wurde. Da gibt es die Möglichkeit, neue Menschen anzusprechen, die über das Problem zu euch finden, die das Problem spannend finden. Also vielleicht IT-Expertinnen, die gerne an diesem Problem basteln würden, finden dann praktisch zu euch und ihr schlagt eine Brücke zu Menschen, die ihr sonst nicht erreicht hättet.
Sonst könnt ihr auch vielleicht Pop-up-Workshops machen. Ihr seid ja alle irgendwie auch Expertinnen in euren Bereichen und Menschen wollen sich weiterentwickeln. Das haben wir auch gesehen, ist einer der großen Antreiber. Da könnten vielleicht Menschen auch zu euch finden, wenn Wissen geteilt wird und die Menschen sich weiterbilden möchten, dass sie einfach zu eurem Pop-up-Workshop zum Thema XY kommen und dann Anklang finden mit den Themen, die ihr tatsächlich als Verein vorantreibt.
Ein weiterer relevanter Punkt ist natürlich die Internetsuche. Die Studie hier ist schon fünf Jahre her, das heißt, das wird wahrscheinlich immer noch mehr an Relevanz gewinnen. Die Auffindbarkeit online ist eines der wichtigsten Tools, die ihr verbessern könnt. Da geht es ganz spezifisch um SEO und SEA. Für die, die das vielleicht noch nicht gehört haben: Das ist die Suchmaschinenoptimierung, also dass ihr z.B. bei Google oder Ecosia besser gefunden werdet, oder die Suchmaschinenwerbung, also dass ihr höher angezeigt werdet.
Wenn ihr sagt, „Nee, wir haben da jetzt keine Expertise oder vielleicht auch nicht so viel Geld, um da jemanden anzustellen“, mein Tipp: Es gibt super viele Beratungsunternehmen, die Expertinnen zu dem Thema haben, vor allen Dingen in der Privatwirtschaft. Da könnt ihr vielleicht einfach mal anfragen, ob ihr Pro-bono-Unterstützung in dem Bereich haben wollt. Dann könnt ihr optimieren, dass ihr bei der nächsten Onlinesuche angezeigt werdet.
Vielleicht noch aus unserer Erfahrung: Wir haben Ende letzten Jahres eine ganz tolle Freiwillige gewonnen, ganz kurz, nachdem unsere Seite online gegangen ist. Das hat nur geklappt, weil wir eben eine ganz klare Mitmachseite angeboten haben. Das heißt, macht ganz klar, dass ihr tatsächlich Menschen sucht und ja, schreibt darüber, was sie erwartet und was sie vielleicht auch bei euch bewegen können.
Viele von euch hätten jetzt vielleicht gedacht, „Ja, Social Media würde ganz oben stehen“. Überraschenderweise ist das eben nicht der Fall, aber das hat auch die Studie herausgefunden. Instagram, Facebook und andere Social-Media-Kanäle dienen eher der Sichtbarkeit eurer Organisation. Darüber werden nicht unbedingt Menschen neu auf euch aufmerksam, aber ich persönlich kann erzählen, wenn ich neue Organisationen online finde und suche, dann schaue ich immer nochmal auf Instagram: Was machen die denn da? Sind das Menschen, mit denen ich mich identifiziere, die mich ansprechen? Fühle ich mich da repräsentiert, fühle ich mich gesehen?
Dadurch könnt ihr auch neue Menschen vielleicht länger an euch binden, auch wenn sie nicht unbedingt aktiv werden. In euren Erwartungen an uns habt ihr auch gefragt, welche Engagementplattformen es denn gibt. Da gibt es super viele. Wir haben hier nur ein paar mitgebracht. Da müsst ihr selbst einfach schauen. Einige sind bundesweit, einige sind regional oder auf Landesebene. Die sind größtenteils kostenlos und lohnen sich sehr, einfach mal auszuprobieren, weil die Registrierung und die Projekterstellung sehr, sehr einfach gehen.
Auf der linken Seite seht ihr ein paar Kanäle, die ihr vielleicht schon bespielt habt, vielleicht noch nicht. Zwei möchte ich da kurz hervorheben, und das ist die Möglichkeit, einen WhatsApp-Channel oder auch einen Signal-Channel zu erstellen und da die Funktion „Community“ zu nutzen. Das heißt, eine Gruppe zu haben, die aber relativ strukturiert ist, mehr als eine normale Gruppe, um darüber eure Ehrenamtlichen zu koordinieren oder auch immer wieder Updates zu schicken, was war letzte Woche los, was haben wir geschafft? Das stärkt die Bindung und auch die Attraktivität und das Sinngefühl für die Ehrenamtlichen.
Ein zweites Tool, das ich nennen möchte, ist LinkedIn. Darüber habe ich jetzt ganz viele neue Freiwillige tatsächlich finden können, und wir haben ja gesehen, warum sich Menschen engagieren: Weil sie sich eben auch beruflich weiterentwickeln möchten. Wo findet man Menschen, die im Berufsleben sind und irgendwie auf der Suche sind? Das ist auf jeden Fall bei LinkedIn. Deswegen lasst das nicht aus den Augen.
Wenn ihr dann den Kanal gewählt habt, ist die Frage natürlich, wie sprecht ihr die Menschen an? Denn Sprache schafft unsere Realität und entscheidet im Endeffekt darüber, ob die Menschen sich angesprochen fühlen oder eben nicht. Da möchte ich an ein Zielgruppenbewusstsein appellieren. Das heißt, dass ihr die Gruppe kennt, die wir vorhin schon vorgestellt haben, und anhand dieser ausgewählten Gruppe entscheidet, wie und wo ihr kommunizieren wollt.
Das heißt, ihr könnt euch Fragen stellen: Wer liest das? Was weiß die Person vielleicht schon über uns oder was auch nicht? Was interessiert sie auch? Hier gerne Schlagwörter benutzen, denn das, was sie motiviert, wird sie dann auch direkt ansprechen.
Dann ehrlich und konkret: Das ist vielleicht offensichtlich, aber ich habe es auch schon oft erlebt, dass ich eine tolle Ausschreibung gesehen habe und gelesen habe und ich danach leider ein bisschen enttäuscht war, weil es dann doch alles nicht so rosig war. Deswegen wertschätzen junge Menschen es, wenn ihr klar und ehrlich kommuniziert im Sinne von: Was bringt es der Sache? Was bringt es auch mir in meiner Entwicklung? Wie viel Zeit kostet es mich? Kann ich es digital machen?
Also klar, ehrlich zu kommunizieren, wie denn tatsächlich ein Engagement aussehen kann, und nahbar statt belehrend. Also so zu kommunizieren, als ob ihr der Person gegenüber sitzt und ihr einen Kaffee anbietet.
Da haben wir ein kleines Beispiel mitgebracht, das vielleicht eine kleine Änderung ist, aber einen großen Effekt hat. Das eine heißt: „Am Samstag findet erneut der alljährliche Arbeitseinsatz zur Vereinspflege statt. Wir bitten um rege Teilnahme.“ Und das andere wäre: „Samstag? Gemeinsam anpacken, dreckig werden, Pizza danach. Kommt vorbei, wir freuen uns auf dich!“
Das sind Feinheiten, aber sie machen einen großen Unterschied. Das heißt, auch so kleine Gadgets wie „Pizza danach“ sprechen Menschen ganz anders an und laden sie auch ein, in der Gemeinschaft zu sein. Sprache schafft also Zugehörigkeitsgefühl oder eben auch Ausschluss und entscheidet, wer überhaupt als potenzieller Engagierter gesehen wird.
Ja, und damit kommen wir jetzt zum vierten Teil des Webinars zu den Handlungsideen. Hier geht es nicht darum, einen umfangreichen Change-Prozess in euren Verein anzustoßen, sondern um viele kleine Veränderungsimpulse, informell, niedrigschwellig, vielleicht auch mal ein bisschen experimentell. Diese Mikrointerventionen scheinen erst einmal wenig Auswirkung zu haben, so wie die Grafik zeigt, die 2 %. Aber sie werden die Kultur in unseren Organisationen mit der Zeit langfristig und merkbar verändern. Wir schaffen damit Lernräume, erhöhen die Veränderungsbereitschaft auch in unserem Team und entwickeln uns gemeinsam im Team und mit den Ehrenamtlichen weiter.
Jetzt ein paar Quicktipps, wie ihr eine Willkommenskultur aktiv leben könnt. Ähm, statt die interessierten Ehrenamtlichen ins kalte Wasser zu schmeißen mit einfach mal reinschnuppern und mitmachen, überlegt euch, ob ihr nicht vielleicht einen Leitfaden zum Onboarding erstellt und den Neulingen eine strukturierte Einführung gebt. Der Leitfaden könnte dann ja sukzessive wachsen und das könnte auch ein Projekt sein für einen oder eine Ehrenamtliche.
Oder stellt den jungen Leuten, die sich bei euch engagieren möchten, eine erfahrene Kollegin zur Seite, einen Buddy, die die Ehrenamtlichen für eine gewisse Zeit z.B. bei Arbeitstreffen begleiten. So können dann ganz schnell Fragen geklärt werden und die Ehrenamtlichen kommen viel schneller in ihre Autonomie und werden viel schneller handlungsfähig.
Und Social Slots: Plant doch mal am Ende von jedem Treffen eine kurze Zeit in lockerer Arbeitsatmosphäre zum Kennenlernen. Das ist nicht nur für die Ehrenamtlichen zum Ankommen hilfreich, sondern trägt auch allgemein zu einer guten Teamatmosphäre bei.
Jetzt drei Tipps, die die Fehlerkultur fördern: Regelmäßige Feedbackrunden geben Sicherheit und tragen zu einer besseren Zusammenarbeit bei. Es gibt wirklich verschiedene Ansätze, wie man das machen kann. Wir haben hier die Keep-Start-Stop-Methode auf der Folie. Gemeinsam im Team überlegt ihr, welche Verhaltensweisen oder welches Vorgehen ihr beibehalten möchtet (Keep), was ihr einführen möchtet (Start) und womit ihr aufhören möchtet (Stop).
Am besten visualisiert ihr das digital, sodass es eine gute Dokumentation gibt und jeder einen direkten Zugang dazu hat. Oder setzt mal Fehler auf die Agenda von euren Arbeitstreffen. Versucht es tabu, Fehler zu machen, zu brechen und Fehler als etwas Nützliches zu sehen, aus dem wir alle etwas lernen können.
Die jungen Ehrenamtlichen und auch euer Team wird es euch danken und sie werden viel entspannter an ihr Engagement herangehen, wenn sie sehen, dass ihr proaktiv und konstruktiv mit Fehlern umgeht. Ihr könnt auch regelmäßig ein Event in eurer Organisation zu Fehlern machen. Ähm, ich habe in der Vergangenheit einige Male sogenannte „Fuckup Nights“ organisiert, bei denen es darum geht, gemeinsam aus Fehlern zu lernen. Das hat nicht nur einen Lerneffekt, sondern macht auch noch Spaß.
Oder versucht mal etwas ganz Neues. Lasst euch auf Experimente ein und gebt Raum zum Lernen und zum Ausprobieren. Ähm, in der Soziokratie, die Selbstorganisation und autonomes Arbeiten fördert, heißt es: „Good enough for now and safe enough to try.“ Zu Soziokratie berichten wir bei unserem nächsten Webinar mehr, wenn es um das Thema „Von der Hierarchie zur Gemeinschaft“ geht.
Aber für jetzt geht's darum, beim Experimentieren zu schauen: Ist es gut für jetzt? Ist es sicher genug, es auszuprobieren? Gehen wir keine Risiken ein? Wenn das so ist, dann ist es es wert, es einfach mal zu machen. Z.B. dass eine junge Ehrenamtliche einen Programmpunkt bei der nächsten Veranstaltung gestaltet oder dass ein neuer junger Ehrenamtlicher einfach mal ein Meeting bei euch leitet.
Und wir machen noch weiter mit der digitalen Kollaboration, was Heike heute vorhin schon angesprochen hat. Ähm, was super wichtig ist, natürlich für unter 30-Jährige. Ähm, da könnten wir als Tipp mitgeben, dass ihr digitale Mitmachstrukturen schafft. Ähm, vielleicht kennt ihr Tools wie Trello oder Notion, wo man das ganz gut visualisieren kann. Dann kann man so ein Board machen, ein Kanban-Board, wo eben Aufgaben und Projekte strukturiert sind.
Projekte sind in dem Fall eher Zielvorgaben. Wenn ihr vielleicht eine Förderung habt, dann könnten diese Förderungsziele in den Projekten formuliert sein und Aufgaben, die sich daraus ergeben. Ähm, aus meiner Erfahrung bin ich viel motivierter und habe auch viel mehr Verständnis für meine Arbeit, wenn ich verstehe, was die Ziele sind und worauf ich mit meinen Aufgaben hinarbeite.
Ähm, klare Rollen und kleine Pakete, Stichwort Micrountering: Auf diesem Aufgaben- und Projektboard sollte immer auch vermerkt sein, wie lange das Engagement vielleicht braucht. Ist es eine regelmäßige Aufgabe oder eine einmalige Sache? Dann habe ich als Teilnehmende, als Engagierte eine ganz klare Vorstellung, wenn ich diese Woche nur zwei Stunden habe, dass ich mir da Aufgaben raussuche, die ein Micrountering sind.
Dann niedrigschwellige Kommunikation, das hatten wir vorhin schon angesprochen, also dass ihr vielleicht eine Gruppe macht, wo ihr ganz unverbindlich Updates reinschickt. Ähm, ich habe z.B. auch eine Engagementgruppe, wo immer reingeschrieben wird: „Hey, hat jemand nächste Woche noch Zeit, um XY zu machen?“ und ich kann da ganz spontan reinschreiben und reagieren.
Dann Erfolgsgeschichten sichtbar machen: Menschen wollen merken, dass sie selbstwirksam sind. Da geht es um die Anerkennung, nicht nur nach außen, sondern auch nach innen innerhalb der Organisation. Da könnt ihr z.B. in dieser Gruppe, die ihr gemacht habt, oder in euren internen Kanälen, die ihr nutzt, einfach kleine Anerkennung einführen, dass ihr eine Mini-Shoutout macht: „Person XY hat letzte Woche das und das gestemmt.“ Dadurch sieht die Person, dass sie anerkannt und gewertschätzt wird. Das Ganze geht natürlich auch nach außen durch einen Newsletter oder einen Social-Media-Post.
Vielleicht kennen das oder machen das sogar schon einige von euch, dass das Team vorgestellt wird und da eben auch neue Leute gesehen werden.
Abschließend möchten wir euch ganz praktische Ansätze vorstellen, wie die Übernahme von Verantwortung auch für junge Menschen attraktiv sein kann. Zum einen durch Jobsharing oder Co-Leadership. Das Ziel ist, die Verantwortung zu teilen und den Einstieg zu erleichtern. Im besten Fall bringen die beiden Personen unterschiedliche Kenntnisse und Kompetenzen mit und teilen sich z.B. den stellvertretenden Vorsitz im Vereinsvorstand. Entscheidungen können dann gemeinsam besprochen werden. Die beiden Personen könnten sich gegenseitig bei den Aufgaben unterstützen und der junge Nachwuchs kann dann so Schritt für Schritt in die Verantwortung hineinwachsen.
Der andere Ansatz ist das Reverse Mentoring. Das Ziel ist das generationsübergreifende Lernen. Zwei Menschen aus unterschiedlichen Generationen bilden ein Tandem und teilen ihre Erkenntnisse und Erfahrungen. Die jüngere Generation vermittelt z.B. Kenntnisse und Erfahrungen zu digitalen Strategien und die ältere Generation zur langfristigen Finanzierung von Vereinsstrukturen. Diese generationsübergreifende Zusammenarbeit ist von unschätzbarem Wert für die praktische Vereinsarbeit. Das kennen wir, ne, Heike? Ja, wir machen das nämlich auch. Genau.
Ein weiteres Beispiel ist die Beisitzerin auf Probe. Das Ziel ist es, den Einstieg in die Gremienarbeit zu erleichtern. Die Ehrenamtlichen hospitieren erstmal in einem Gremium. Sie arbeiten z.B. für einige Monate im Vorstand mit und machen eine Art Praktikum. Wenn der Ehrenamtliche dann merkt, hey, das könnte was für mich sein, dann kann er auch für oder bei einer Wahl kandidieren.
Und als letztes: Warum nicht mal Testballons starten oder Kreativprojekte ermöglichen? Das Ziel ist es, dass junge Ehrenamtliche Eigenideen umsetzen und sich ausprobieren. Wir geben ihnen nicht immer alles vor, sondern fragen sie, was sie interessiert und worauf sie Lust haben. Wir geben dann den Rahmen, z.B. ein kleines Budget, eine Ansprechperson, die unterstützend zur Seite steht, und die jungen Ehrenamtlichen setzen dann ihr Miniprojekt um, z.B. eine Social-Media-Serie oder eine Nachbarschaftsaktion.
Jetzt sind wir tatsächlich schon am Ende angekommen. Wahnsinn, wie die Zeit verfliegt. Aber noch einmal kurz im Rückblick: Wir haben uns am Anfang angeschaut, was die Ursachen sind und welche Schwellen es zum Engagement gibt. Wir haben die Barrieren wie Unterrepräsentation, Ansprache und Mitsprache betrachtet, die ausschlaggebend sind, dass Menschen sich nicht engagieren oder zumindest nicht zur Organisation finden.
Dann haben wir uns angeschaut, was es bedeutet, unter 30-Jährige zu sein, und wir haben die Altersgruppen versucht, so ein bisschen in Gruppen zusammenzufassen und dementsprechend die Motive, Bedürfnisse und Erwartungen der unterschiedlichen Gruppen zu klastern, damit ihr eine zielgruppengerechte Ansprache machen könnt.
Wir haben uns die Stufen der Partizipation angeschaut. Das ist super wichtig, um Transparenz und Klarheit auch in dem Thema berufliche Entwicklung den Ehrenamtlichen an die Hand zu geben. Man könnte diese Partizipationstabelle auch teilen und sagen: „Hey, wo würdest du dich denn gerne hin entwickeln?“
Dann haben wir in die Kanäle und in die Kommunikation geschaut und festgestellt, dass nahbare, ehrliche und direkte Ansprache super wichtig ist. Es ist gut, die Wirkung zu zeigen und eben zielgruppengerecht anzusprechen.
Zum Schluss sind wir einmal durch unterschiedliche Werkzeuge gegangen, was ihr in euren Organisationen verändern könnt, damit sich Menschen, wenn sie in eure Organisation kommen, wohlfühlen, wertgeschätzt fühlen und Selbstwirksamkeit empfinden durch Fehlerkultur, Willkommenskultur und andere Themen.
Und zuletzt sind wir darauf eingegangen, wie wir Methoden und Tools ausprobieren können, die junge Menschen in Verantwortung bringen und das attraktiver und niedrigschwelliger machen als vielleicht bisher.
Ja, also wer junge Menschen gewinnen will, muss ihnen Platz machen und das Ganze in Strukturen, in Entscheidungen und auch im Denken, wie wir fast am Anfang gesehen haben.
Vielleicht ein letzter Denkimpuls für den Rest des Abends: Welche Ideen könnt ihr in den nächsten vier Wochen ganz konkret ausprobieren und umsetzen?