Ja, hallo, herzlich willkommen. Wie schön zu sehen, von wo ihr euch alle zuschaltet. Ich bin gerade in Brüssel, also ich komme aus Brüssel dazu. Ich habe es jetzt nicht in den Chat geschrieben, weil ich mir dachte, ich darf ja reden. Ich habe ja den Vorteil, dass mein Mikro funktioniert.
Aber wie schön zu sehen, dass ihr aus ganz Deutschland kommt. Auch aus dem Allgäu habe ich gesehen. Also, wir sind hier ganz europäisch unterwegs. Und das ist ja schon direkt einer der großen Vorteile von digitalen Treffen, dass wir halt nicht alle nach Berlin oder Neustrelitz kommen müssen, sondern ganz gemütlich von zu Hause oder vom Büro aus uns zuschalten können und uns gemeinsam mit dem Thema Online-Moderation auseinandersetzen können.
Ich wurde gerade schon vorgestellt, das klingt immer ganz furchtbar, wenn man irgendwo sitzt und jemand anders einen so vorstellt. Es klingt gar nicht so, wie man sich selber fühlt, aber es war praktisch alles richtig, glaube ich.
Aber im Großen und Ganzen, ja, ich lebe in Brüssel, ich bin gebürtig aus Norddeutschland. Ich bin Moderatorin und das seit über 10 Jahren. Ich moderiere verschiedene Bereiche immer mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit, auf komplexe Zukunftsthemen und seit spätestens 2020 auch ganz viel digital natürlich.
Vorhin im Vorgespräch habe ich mich schon kurz dazu ausgetauscht, dass ich diese Art von Webinaren vor 4, 5 Jahren sehr, sehr oft gegeben habe und jetzt schon eine ganze Weile nicht mehr zum Thema digitaler Moderation, Online-Moderation.
Ich freue mich, dass wir uns jetzt heute noch einmal wieder mit diesem Thema vertieft auseinandersetzen, weil ich glaube, Online-Veranstaltungen haben nach wie vor einen ganz, ganz großen Wert, sind ganz wichtig aus Nachhaltigkeitsgründen. Wir müssen nicht alle irgendwo hinfahren und gemeinsam zusammen sein aus ressourcenschonenden Gründen und da ist auch nur unsere Zeit.
Aber auch durchaus aus Inklusionsgründen. Und ich denke oft an eine Person, die mir sehr nah steht, die selber im Rollstuhl sitzt und bei ganz vielen Veranstaltungen einfach nicht teilnehmen kann und sich immer freut, wenn etwas digital stattfindet.
Oder ich selber, ich bin Mutter von zwei kleinen Kindern und freue mich auch, wenn ich nicht irgendwo hinfahren muss am Abend und einen tollen Babysitter organisieren kann, sondern auch einfach mal mich irgendwo zuschalten kann und lernen kann.
Wie das am besten funktioniert, das schauen wir uns heute und auch morgen im zweiten Teil der Reihe an.
Was ich heute für euch vorbereitet habe, ist Folgendes. Ich will erstmal reinschauen, was heißt das eigentlich Moderation? Ich will mit euch gemeinsam entdecken, wie digitale Räume zur Moderation gut gestaltet werden können.
Wir schauen uns an, was es für Phasen der Moderation gibt und wie wir den richtigen Bogen schlagen, damit wir auch alle Menschen möglichst gut mitnehmen. Und das haben wir ja gerade schon gehört, wir schauen uns doch an, wie wir unseren Körper als Instrument nutzen können, denn Moderation ist immer auch eine sehr, sehr körperliche Sache.
Vorhin kam das Wort Energie viel, wir haben es im Titel. Ich finde, Energie klingt mittlerweile immer sehr esoterisch, ist es in diesem Fall aber nicht, sondern es ist tatsächlich einfach eine gewisse Energie, die man zwischenmenschlich mitbringt, wenn man zusammenarbeitet. Und das kann man trainieren, das ist sehr handwerklich, das ist nicht esoterisch, sondern das ist tatsächlich etwas, was man lernen und trainieren kann. Und da freue ich mich, wenn ich euch heute ein bisschen was mitgeben kann.
Ihr dürft es auch gerne mit mir diskutieren über den Chat. Also schreibt gerne alles rein, was euch dazu einfällt. Eure Fragen, eure Kritik, eure Anmerkungen. Ich freue mich auch, von euch herausgefordert zu werden, was das angeht. Und jetzt nutzt doch direkt bitte einmal den Chat und lasst mich wissen, was versteht ihr denn darunter? Moderation, also was bedeutet das für euch? Ihr habt euch ja angemeldet und das heißt, ihr habt eine gewisse Vorstellung davon.
Also bitte, womit muss ich rechnen? Was erwartet ihr, wenn ihr hört moderieren? Was machen Menschen, die moderieren eigentlich?
Durch ein Gespräch führen, Anleitung von Gesprächen, Mimik, Gestik, Begleitung, Empathie, Austausch, ganz viel Gespräche, genau. Gerechtigkeit schaffen, auch schön, durch eine Veranstaltung begleiten. Dafür sorgen, dass alle, die möchten, zu Wort kommen, nicht nur präsentieren, sondern auch ins Gespräch kommen. Neutral, keine Fachexpertinnen, Zeitmanagement, Störungen koordinieren, Chefin im Ring sein, das finde ich auch schön.
Ich fühle mich selten als Chefin, aber gut. Kompromisse suchen, alle Teilnehmenden im Blick haben, vermitteln, Konflikte lösen, für Spaß sorgen. Ja, das finde ich auch schön. Auch ein ganz wichtiger Aspekt ist natürlich immer Spaß.
Warum ich euch das hier frage, was moderieren bedeutet? Ich habe gerade schon gesagt, ich lebe und arbeite in Brüssel. Das heißt, ich arbeite auf Englisch, Französisch und Deutsch. Glücklicherweise auch noch ganz viel.
Ich sehe immer wieder, dass wir im Deutschen das Wort moderieren für so viele verschiedene Dinge benutzen, was wir in anderen Sprachen nicht so tun, zumindest nicht im Englischen und Französischen. Im Englischen haben wir eine viel breitere Auswahl. Also englischsprachig werde ich angefragt für Dinge wie MCing, Facilitating, Presenting, Hosting und Moderating.
Das sind ganz verschiedene Hüte, die man sich aufsetzen kann. Und wenn ich von deutschsprachigen Kundinnen angefragt werde, dann geht's immer um Moderation und ich muss langsam herausfinden, okay, was wollen sie eigentlich von mir? Was stellen sie sich vor unter diesem Thema Moderation?
Im Deutschen sagt man sowas wie einen Workshop moderieren oder manchmal auch Konflikte moderieren. Man moderiert durch eine Gala genauso wie man durch ein Panel moderiert, eine Podiumsdiskussion. Das heißt, das Wort Moderation ist sehr, sehr breit aufgestellt und umfasst sehr viel. Ich habe ein bisschen was gesammelt.
Ja, Panel-Moderation, Interviewführung gehört auch dazu, Gesprächsführung, An- und Abmoderation, das wäre im Englischen das MCing, wo man tatsächlich nur sagt, herzlich willkommen, schön, dass Sie da sind, jetzt kommt Professor so und so, dann spricht danach wer auch immer und schön, dass Sie dabei waren, jetzt gibt's Kaffee.
So, das wäre Anmoderationen. Es gibt methodische Gruppenmoderationen, das heißt, da geht's dann um Strategietreffen, vielleicht Dinge gemeinsam entwickeln und auch sowas wie Prozessmoderation. Das heißt, ich habe mal eine große deutsche Organisation dabei begleitet, ihre Website neu zu gestalten.
Und es ging dann über Wochen, über Monate wurde immer wieder diese Website-Arbeitsgruppe digital zusammengerufen. Und ich habe dadurch moderiert, dass all die Interessen gemeinsam auch zu einer guten Lösung kommen. Also auch das ist eine Moderation, aber ich habe auch Kolleginnen, die machen einfach nur, also nur einfach meine ich nicht, sondern die machen schlicht, die machen nicht die anderen Sachen.
Eventmoderation, Messemoderation, was eine ganz, ganz andere Arbeit ist, also was tatsächlich gar nicht methodisch oder inhaltlich so wahnsinnig viel miteinander zu tun hat. Was es gemeinsam hat, wir bringen Menschen zusammen, wir sorgen dafür, dass sie sich für das Thema interessieren und dass sie ins Gespräch kommen.
Das habt ihr jetzt ja auch gerade schon ganz viel eingebracht. Aber es ist durchaus wichtig, sich vorher die Frage zu stellen, wenn ich etwas moderiere, was verstehe ich eigentlich darunter und was verstehen die Menschen darunter, die mich vielleicht angefragt haben zu moderieren oder meine Vorgesetzten oder mein Team oder wer auch immer, mit wem ich da in Kontakt komme?
Und ich habe hier unten noch Trainerinnen und Sprecherinnen stehen. Warum habe ich die eingeklammert? Wenn ihr euch vielleicht denkt, nutzt gerne den Chat. Ihr dürft die ganze Zeit mit mir schreiben. Ich gucke die ganze Zeit in den Chat. Ich freue mich, wenn ich hier nicht so ganz alleine rede.
Warum sind bei mir Trainerinnen und Sprecherinnen eingeklammert?
Sie, es wird getippt.
Nachrichtensprecherinnen lesen ab. Mhm. Genau. Die haben häufig Teleprompter oder Zettel auch vor sich. Das heißt, die bringen Menschen nicht ins Gespräch, sondern zeigen Nachrichten. Keine Hauptaufgabe der Moderatorinnen. Trainerinnen bringen selbst etwas bei. Das sind andere Rollen, die inhaltlich mehr Verantwortung haben. Sie bringen selbst inhaltlichen Input.
Genau. Moderatorinnen vermitteln keine Inhalte. Genau. Und das ist durchaus spannend, weil das total oft verwechselt wird, weil es natürlich, ne, wenn wir nachher über Körper als Instrument sprechen, z.B. klar, das müssen Sprecherinnen genauso beherrschen und die Bühne einnehmen oder die Kamera oder was auch immer, es gibt vieles, was sich überlappt, aber es ist wahrlich nicht das Gleiche.
Und das heißt, ich fange mal bei den Dones an, also auf der rechten Seite, Moderatorinnen bringen keine Inhalte. Sie schulen nicht, sie unterrichten nicht, sie finden Lösungen, aber die finden sie nicht selber, sondern sie helfen anderen Menschen, diese Lösungen zu finden. Sie beantworten keine Fragen, sondern sie stellen Fragen und lassen andere Menschen Lösungen finden, ne, und die Fragen beantworten und sie diskutieren auch nicht mit.
Wobei das natürlich alles immer so ein bisschen Grauzone gibt und ein gutes Panel kann durchaus auch bedeuten, dass der Moderator oder die Moderatorin mal kritisch nachfragt und dass das ja dann durchaus vielleicht auch einer Diskussion ähnelt, aber im Endeffekt geht's nicht darum, Inhalte reinzubringen, sondern vielleicht andere Inhalte noch einmal aus den Sprecherinnen herauszukitzeln, ne?
Also das alles machen Moderatoren nicht und es ist durchaus wichtig, sich das vorher immer wieder zu sagen und sich selbst daran zu erinnern, vor allen Dingen, wenn man keine externe Moderation ist, sondern sagt, ich mache das z.B. für mein Team.
Ich arbeite in einem Verein und ich moderiere jetzt eine Veranstaltung für den Verein zu einem Thema, in dem ich wahrscheinlich sogar Experte oder Expertin bin. Aber wenn ihr sagt, ich will heute Abend moderieren und es ist wichtig, dass es eine Moderation gibt, dann heißt das in dem Moment, diesen Hut auch aufzuhaben und zu sagen, ich bin jetzt Moderatorin, ich bin nicht inhaltgebend.
Die Liste könnte man wahrscheinlich auch noch viel, viel länger machen, aber die ist schon relativ lang. Die Zielgruppe muss man richtig gut kennen, wenn man gut moderieren will. Und da schauen wir gleich auch noch einmal ein bisschen genauer rein.
Man muss trotzdem thematisch extrem gut vorbereitet sein. Ich bin gerade über einen der Kommentare hier gestolpert, haben inhaltlich weniger Verantwortung, glaube ich, stand da.
Sie geben weniger Inhalte rein, aber ich würde behaupten, dass Moderatoren inhaltlich sehr, sehr viel Verantwortung haben, weil im Endeffekt sind wir es, die den Inhalt steuern, die den roten Faden steuern, ne? Die mit den Fragen lenken. Das heißt, wir müssen die Inhalte sehr, sehr gut kennen.
Und wenn ich Kollegen treffe, die sagen, ich moderiere zu allen Themen, bin ich immer erst einmal kritisch. Ich will das jetzt niemandem absprechen. Es mag ja sein, dass manche Menschen so begabt sind und vielleicht auch so viel Grundlagenwissen in allen Themen haben. Ich habe das nicht. Ich arbeite nur zu Themen, in denen ich mich auskenne, weil ich einfach die richtigen Fragen stellen können muss.
Ich muss antizipieren können, was die Antwort sein wird der Person, der ich eine Frage stelle, wenn ich eine Diskussion moderiere. Da muss ich wissen, auf was ich mich ungefähr einlassen kann, was im Diskurs kritische Punkte sind und so weiter und so fort.
Das heißt, ich muss thematisch sehr, sehr gut vorbereitet sein. Ich bin vielleicht nicht die Person, die die Rede hält, aber ich bin die Person, die durchaus kritisieren kann, ob die Rede gut war oder nicht und was vielleicht fehlt.
So, gleichzeitig Zeit im Blick haben, Zeit managen, ganz, ganz wichtig und das ist ganz klar auch eine Trainingssache, merke ich immer wieder.
Ich selber habe zweimal ausgesetzt in meinem Job für ein paar Monate, weil ich Kinder bekommen habe und habe immer gemerkt, wenn man dann wieder reinkommt und plötzlich wieder auf der Bühne steht oder vor der Kamera, muss man auch erst einmal wieder in dieses Zeitgefühl reinkommen, in dieses, okay, ich habe noch 10 Minuten und ich weiß genau, wie viele Fragen ich noch stellen kann und wie viel ich die Leute noch reden lassen kann.
Genau. Überblick behalten, Gespräch steuern und ganz, ganz wichtig, vor allen Dingen im digitalen Raum die Kommunikationskanäle haben. Auf einer Präsenzveranstaltung hat man vermutlich das Publikum und Menschen auf der Bühne. Ist schon herausfordernd genug. Hier haben wir noch den Chat. Wer weiß, was ihr sonst noch nutzt. Vielleicht Mentimeter, vielleicht haben alle ihre Kameras an.
Das heißt, es ist durchaus auch eine Trainingsfrage, man muss sehr, sehr viel im Blick haben. Gut ist natürlich, wenn man Co-Hosts hat, wie heute hier Janna, die mit mir in den Chat schaut, aber trotzdem gucke ich auch immer selber, wie ihr seht, mit in den Chat, weil es mir einfach ein Gefühl gibt fürs Publikum und ich möchte gerne wissen, ob ihr alle eingeschlafen seid oder wütend seid oder keine Ahnung, doof findet, was ich gerade erzähle oder mache oder tue.
Das heißt, das ist mir schon wichtig, alle Kommunikationskanäle im Blick zu haben. Können wir gleich gerne auch noch einmal genauer drauf eingehen.
Und ganz wichtig, und das ist hoffentlich auch in diesem Text, der eben auch noch einmal vorgestellt wurde, dem Einladungstext für die heutige Veranstaltung klar geworden. Mir geht es ganz, ganz viel um menschliche Nähe und das auch im digitalen Raum, um Inklusion, um Interaktion und nicht nur um ein, ich präsentiere irgendwas und biete euch das für die Füße, sondern tatsächlich um Austausch, um in Kontakt zu kommen, denn ich bin ganz fest davon überzeugt, dass wir nur lernen können und wachsen können, wenn wir das im Austausch tun.
Und ich habe selber auch zwei Jahre lang an der Uni Frankfurt geforscht im Bereich der Lehrerbildung und versuche das auch immer zu integrieren in meine Arbeit heute.
Ganz, ganz wichtig, Moderatorinnen sollten immer spontan und flexibel sein. Vor allen Dingen, wenn es mit Technologie zu tun hat, weil irgendwas geht immer schief. Irgendwas geht immer schief, egal wie gut wir uns vorbereiten.
Ja, das muss man vorher wissen. Man muss sich darauf vorbereiten. Man hat einen Plan B, der klappt manchmal auch nicht. Dann muss man irgendwie spontan und flexibel auf den kleinen C umtauschen und meistens klappt's irgendwie und am Ende macht's irgendwie sympathisch und alle sind trotzdem zufrieden.
Also ich habe glaube ich noch nie eine Veranstaltung erlebt, wo alles immer super geklappt hat und es war immer irgendwie schön. Von daher entspannt bleiben und auch darüber können wir gerne reden, wie wir entspannt bleiben können.
Dann ganz, ganz wichtig, Gesagtes immer wieder einordnen. Ich finde, es ist da, da trennt sich Spreu vom Weizen im Bereich der Moderation, ob Menschen jemanden reden lassen und dann sagen, danke, jetzt die nächste Person.
Oder man schafft das, was gesagt wurde, noch einmal zusammenzufassen, einzuordnen, ins große Ganze, eine Brücke zu schlagen zum nächsten, zur nächsten Person, die vielleicht was sagt, vielleicht noch einmal eine Brücke zurück zu einem einführenden Wort, das schon stattgefunden hat oder ähnliches.
Das heißt, als Moderatorin hat man nicht nur alle Kommunikationskanäle im Blick, sondern man hört auch die ganze Zeit zu und bringt alles Gesagte auf so eine Metaebene und vernetzt es miteinander. Auch das ist eine Trainingsfrage und manchmal muss man sich auch einfach mehr konzentrieren als an anderen Tagen und wir sind alle keine Maschinen und keine Roboter, zum Glück.
Manchmal klappt das besser, aber wenn man gut im Thema drin ist, wenn man es schafft, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen, dann hilft das ganz, ganz ungemein.
Genau, das ist das Brückenschlagen, was ich meinte. So viel erstmal zum Allgemeinen moderieren. Ja, damit wir erstmal da alle auf einem gleichen Dampfer sitzen. Das meine ich, wenn ich von moderieren rede und offensichtlich deckt sich das ja ganz gut mit dem, was ihr im Chat geschrieben habt. Seid ihr deshalb heute auch hier? Das ist beruhigend.
Man hat ja immer ein bisschen Risiko, ne? Wenn ihr jetzt alle im Chat was anderes gewollt hättet, dann hätte ich jetzt spontan und flexibel sein müssen und ein bisschen was ändern müssen. Aber so habe ich das Gefühl, fahren wir in die gleiche Richtung.
Wenn ich eine Moderation vorbereite und das hier ist jetzt erstmal klassisch, also in Präsenz, um das mal aufzumachen, dann mache ich mir folgende Gedanken. Es gibt meistens einen Auftraggeber oder eine Auftraggeberin. In eurem Fall kann es durchaus sein, dass das vielleicht euer Verein ist, ja, vielleicht der Vorstand oder irgendjemand, Teammitglied ist auf euch zugekommen, hat gesagt, Lisa, bitte moderier doch morgen Abend mal, da machen wir so eine digitale Veranstaltung. Mach das doch mal.
Und das sind unsere Ziele. Dann sagen die, wir wollen mehr Mitglieder gewinnen, ja? Oder wir wollen die Veranstaltung Ende des Jahres bewerben und Menschen an diesem Seminar, dass die Schulung teilnehmen und dafür machen wir so ein Webinar. Moderiere es bitte.
Und dann denkt sich Lisa: "Okay, kann ich gerne machen. Das sind die Ziele, darauf bereite ich mich vor." Und dann sagt der Auftraggeber noch: "Ach übrigens, es gibt auch noch einen Speaker, eine Speakerin, die kommt dazu und erzählt ein bisschen was. Stell die kurz vor und du weißt ja, unsere Ziele sind, dass am Ende am 30. Juni möglichst viele Menschen an dem Seminar teilnehmen."
Jetzt wird aber wahrscheinlich diese Referentin oder der Referent, die eingeladen sind, eigene Ziele haben. Ja, vielleicht ist das eine externe Person, die kriegt vielleicht ein kleines Honorar dafür, dass sie spricht, aber im Endeffekt will die vielleicht ihr neues Buch bewerben.
Das heißt, die hat ein ganz anderes Ziel mit dieser Veranstaltung, vermutlich sogar mehrere. Und dann gibt's ja noch die Leute, die teilnehmen, das Publikum, und die haben wahrscheinlich auch noch mal ganz andere Vorstellungen. Die sagen sich auch: "Dienstag, 17 Uhr, ich will bestimmte Punkte für mich mitnehmen, aber am 30.6. kann ich sowieso nicht. Also ich werde eh nicht an der Ausbildung danach teilnehmen. Ich will jetzt erstmal nur an diesem gratis Webinar möglichst viel mitnehmen."
Das heißt, wo wir uns als Moderatorin befinden in dem Moment ist irgendwo in der Mitte. Und man hat jetzt häufig die Tendenz zu sagen, gut, aber mein Chef oder wer auch immer, meine Chefin, Auftraggeber hat diese Ziele. Das sind dann ja wohl die wichtigsten, weil das ja die Person ist, die die Veranstaltung macht.
Aber das ist ein Trugschluss, denn wenn ihr das so moderiert, dass ihr nur auf den 30.06. jetzt eingeht, dann verliert ihr in dem Moment das Publikum, das sich vielleicht gar nicht so sehr dafür interessiert. Das sagt vielleicht nachher in der Evaluation auch, was für eine Veranstaltung, es war reine Werbung, das wollte ich gar nicht.
Und die Referentin, der Referent sagt vielleicht nachher auch: "Boah, dafür habe ich mich jetzt aber echt, dafür habe ich mich eingelassen, Werbung für jemand anderen zu machen." Das heißt, der Auftraggeber wird am Ende auch unzufrieden sein mit dem Ausgang der Veranstaltung, weil das Feedback am 30.6. nimmt niemand teil, verlieren alle daran.
Das heißt, die Herausforderung ist hier, sich voll Gedanken zu machen, was wollen denn die einzelnen Zielgruppen und wie schaffe ich es, mich möglichst in der Mitte irgendwo aufzuhalten, um alle mitzunehmen, um alle an Bord zu holen und am Ende alle halbwegs glücklich da rausgehen zu lassen.
Man wird wahrscheinlich nie alle hundertprozentig glücklich machen. Werde ich heute übrigens auch nicht als Speakerin hier. Ich werde wahrscheinlich nicht, ihr werdet wahrscheinlich nicht am Ende alle rausgehen und sagen: "Das war ja so toll, danke Merle."
Weil vielleicht einige von euch auch viel mehr Erfahrung mitbringen als andere und sich was anderes drunter vorgestellt haben. Das heißt, dessen muss man sich immer bewusst sein. Aber es ist natürlich gut, irgendwo den gemeinsamen Nenner zu finden und sich in der Mitte zu finden.
Das heißt, ich mache mir tatsächlich vorher dieses Dreieck auf und mache mir Gedanken darüber, was sind die Ziele der einzelnen Teilnehmenden und wie schaffe ich das, da wirklich die Mitte zu finden und möglichst viele Menschen mitzunehmen.
Das ist in Präsenz drei Ecken, meistens sogar noch ein paar mehr.
Danke, Andreas, ein paar mehr Ecken, aber jetzt mal natürlich theoretisch runtergebrochen.
Jetzt sind wir aber häufig in digitalen oder hybriden Räumen unterwegs. Das heißt, wir haben natürlich immer noch irgendwo Auftraggeber, die Auftraggeberinnen.
Da ist das N verrutscht in der Moderation, das tut mir leid. Wir haben wahrscheinlich auch Referentinnen, manchmal haben wir sowohl welche in Präsenz, ja, im Vereinshaus, als auch solche, die sich digital über Teams oder Big Blue Button zuschalten.
Das heißt, wir haben zwei verschiedene Referentinnentypen. Die einen kommen extra angereist und haben deshalb vielleicht auch noch mal andere Ansprüche, wollen vielleicht auch noch etwas Leckeres zu essen und netzwerken, während die digital, die schalten sich kurz zu, haben sich vielleicht ein bisschen weniger Gedanken gemacht, warum sie es überhaupt machen.
Die wollen auch noch mal anders behandelt werden von der Moderation. Und das Gleiche auch mit dem Publikum, ne? Manche sind digital dabei, manche in Präsenz.
Und das heißt, wir haben hier noch einmal ganz, ganz andere Anspruchsgruppen, die auf die Veranstaltung eingehen, über die wir uns Gedanken machen müssen.
Eine richtig gute Moderation gelingt nur, wenn man sich vorher ganz konsequent dazu Gedanken macht, wer hat eigentlich alles Interesse an dieser Veranstaltung? Und das sind nicht nur Publikum und Auftraggeberinnen, das sind ganz häufig Speakerinnen, das sind ganz häufig noch mal ganz andere Gruppen, die dazu kommen.
Und es kann nicht schaden, sich vorher kurz hinzusetzen und mal so ein paar Stichpunkte runterzuschreiben, was wollen die eigentlich alle von mir und wessen Erwartungen kann ich vielleicht relativ einfach treffen und wo kann ich vielleicht auch vorher schon Erwartungen klären im Vorgespräch und sagen: "Ich weiß, du willst gerne dein Buch bewerben. Das ist glaube ich nicht ganz der richtige Ort, aber bring noch gerne ein paar Bücher mit und leg sie nachher auf den Tisch davor. Da kannst du im informellen Teil vielleicht noch so."
Also, dass man sich vorher genau diese Gedanken dazu macht, um Menschen mitzunehmen.
Und ich glaube, es wird schon deutlich, Moderation bedeutet in ganz, ganz vielen Fällen, sich Gedanken über Menschen zu machen, die da sind und mit diesen Menschen ins Gespräch zu kommen und zu gucken, was können wir tun, damit es dir gut geht, damit wir richtig gut über das Thema reden können, das wir eigentlich auch im Schirm haben.
Das heißt für mich ganz, ganz viel in der Vorbereitung, Gedanken über die Menschen machen, mit diesen Menschen reden. Da komme ich nie drum herum.
Und ich sage immer, wenn ich eine Moderation vorbereite, 80% der Arbeit ist, bevor ich überhaupt "Hallo" gesagt habe, also bevor ich auf der Bühne, vor der Kamera oder sonst wo bin, 80%. Nachher performt man eigentlich nur noch, aber das alles Thema vorbereiten, Zielgruppen kennen, das passiert ja alles vorher.
So, und jetzt kommen wir von Präsenz über Hybrid ins rein Digitale und ich freue mich natürlich auch, wenn wir immer mal wieder ins Hybride so ein bisschen abrutschen, weil ich glaube, das lässt sich heutzutage auch nicht mehr ganz trennen.
Ich glaube, das ist immer irgendwo vermischt. Aber jetzt erstmal noch mal Fokus auf Präsenz im digitalen Raum.
Schreibt mir doch gerne jetzt noch mal im Chat, was sind denn für euch, eurer Meinung nach, die größten Herausforderungen für eine Moderation im digitalen Raum im Vergleich zu einer vor Ort in Präsenz?
Das Publikum einzuschätzen.
Technikspin. Ja. Ablenkung der Teilnehmenden. Man sieht die Reaktionen nicht. Ich kann die Teilnehmenden nicht sehen oder spüren. Leute schweifen schneller ab.
Eine gemeinschaftliche Atmosphäre schaffen.
Auch Personen mit verschiedenen Technikskills moderieren. Ja, Verbindung herstellen.
Kein spontanes Feedback. Spannungsbogen wird nicht gewahrt, ich weiß nicht, was los ist, wenn jemand rausgeht. Das ist auch schön.
Und ein, ja, ein Gefühl fürs Publikum, weniger Wahrnehmung des Publikums. Das ist etwas, was ich hier gerade immer wieder sehe.
Ja, besonders schön, wenn man keine Videos hat, so wie ich jetzt gerade. Aber ich freue mich, dass ihr so viel in den Chat schreibt. Das ist sehr, sehr schön.
Merkt ihr? Ich habe das Gefühl, ich bin mit euch in Kontakt, obwohl ich noch keine einzige Stimme gehört habe.
Ich würde sagen, ich sehe das auch so, Ersatz für Zwiegespräche.
Ich würde mal anfangen mit diesem Thema Energie, ja, also oder Körper, wie bringe ich Stimmung? Was hatten wir gerade? Atmosphäre schaffen, wie schaffen wir das?
Und ich glaube, und ich bin davon überzeugt, dass Menschen häufig wie ein Spiegel agieren. Wir wissen das, glaube ich, gibt es Studien dazu, ne? Wenn man sich selber, wenn man schlecht drauf ist und man guckt sich selber im Spiegel an und lächelt 30 Sekunden, ist man gleich viel besser drauf, weil unser Gehirn wahrgenommen hat, mich lächelt jemand an, selbst wenn wir selber sind.
Gut, ich hätte unserem Gehirn mehr zugetraut, aber es funktioniert.
Also, umso besser sollten wir das nutzen. Und das Gleiche gilt für Moderatoren. Das heißt, wenn ihr reingeht und die Stimmung reinbringt, die ihr euch wünscht, hat das einen Effekt auf die anderen Menschen.
Und vielleicht seht ihr manchmal die anderen Menschen nicht, aber die anderen Menschen sehen euch. Und das ist etwas, was ihr euch immer wieder sagen müsst. Die anderen Menschen sehen euch.
Die haben das Gefühl, nach einer Weile euch zu kennen, was manchmal sehr, sehr merkwürdig ist, wenn man viel in Kontakt ist, also viel digital moderiert. Man hat das Gefühl, man kennt niemanden und die anderen Personen kennen einen, aber man gibt ja auch manchmal ein bisschen was von sich preis und so weiter.
Ihr wisst jetzt, dass ich zwei Kinder habe, ihr wisst, dass ich in Brüssel arbeite und ihr habt so ein gewisses Gefühl, ihr versteht vielleicht so ein bisschen, wie ich funktioniere, wer ich bin, zumindest in dem Rahmen dessen, was ich jetzt von mir preisgegeben habe.
Und ich habe keine Ahnung, wer ihr seid. Ich weiß nichts. Ich weiß ein paar Orte, wo ihr herkommt und ich sehe, dass ihr mitschreibt und das ist wunderbar. Danke euch.
Aber nichtsdestotrotz ist das natürlich herausfordernd, umso wichtiger, dass ihr alles gebt. Das heißt, ich sage mal, bringt die Energie mit, die du dir wünscht.
Das heißt aber auch, man muss sich vorher Gedanken darüber machen, was will ich denn für eine Energie? Was sind vielleicht Worte, die für mich die Veranstaltung prägen sollten?
In vielen Fällen ist das sowas wie Motivation, Inspiration, Energie. Also ich überlege mir wirklich so eine Handvoll Wörter, die für mich so ein Bild herstellen dessen, was ich mit der Veranstaltung erreichen will.
Und wenn man mit Auftraggebern spricht, die sagen sowas wie: "Ja, wir wollen das Thema vermitteln" oder "Wir wollen die neue Kampagne bewerben" oder so, das ist ja alles schön, aber wir müssen das in Emotionen übersetzen als Moderatorin.
Wir müssen das in etwas übersetzen, mit dem wir arbeiten können. Und das ist für mich sowas wie inspirieren, motivieren, Gemeinschaft, Zukunft gestalten.
Das sind so Worte, mit denen ich häufig konfrontiert bin. Und auf diese Energie muss ich mich vorher einstellen.
Das heißt, ich bringe mich vorher wirklich ganz körperlich, ganz explizit in diese Stimmung. Ich habe eine Playlist oder mehrere Playlists sogar zu verschiedenen Stimmungen.
Häufig klar, man hat irgendwo so ein... Ich werde ja gebucht auch für einen gewissen Stil, den ich irgendwo abgebe.
Ich habe Kollegen, vor allen Dingen männliche Kollegen, die älter sind, die einen ganz anderen Stil haben als ich, die werden nicht für die gleichen Jobs gebucht wie ich.
Das heißt, auch Kundinnen haben ja häufig Vorstellungen davon, was ich für eine Energie reingebe. Das heißt, sind häufig sehr ähnliche Worte: Zukunft gestalten, Motivation, Inspiration und so weiter.
Und dafür höre ich vorher explizit Musik, um mich in die Stimmung zu bringen, weil ich natürlich auch nicht immer gut gelaunt bin und genau die Stimmung mitbringe, muss ich mir nichts vormachen, aber ich weiß, wie ich sie kriegen kann.
Das bedeutet, Musik ist für mich ganz wichtig. Manchmal auch Kolleginnen mir vorher noch einmal anschauen, Videos oder so von Menschen, die ich bewundere, die das gut machen.
Manchmal heißt es auch einfach rausgehen, noch mal eine Runde spazieren gehen, bevor ich mich an den Rechner setze.
Sowas ganz, ganz wichtig. Den Arbeitsplatz herrichten, da schauen wir gleich noch mal rein.
Aber auch generell körperlich für mich. Ich komme ursprünglich vom Theater. Ich habe mal als Schauspielerin gearbeitet und so klassische Theateraufwärmübungen, das ist etwas, was mir auch immer noch viel bringt.
Das ist zum Teil einfach sowas wie den Körper abklopfen, also den ganzen Körper von allen Seiten, Arme, Beine, einmal hier den ganzen Körper abklopfen.
Das ist eine Körperübung, die ganz viel bringt, weil man sich plötzlich viel mehr fühlt. Und es ist ganz wichtig als Moderatorin, den Körper gut einzusetzen und komplett einzusetzen.
Und die Muskeln sind angespannt und wir haben eine Haltung und wir sind da. Wir sitzen hier nicht so und moderieren eine Veranstaltung, da wird uns keiner zuhören, sondern wir müssen eine Energie reingeben, damit die Leute uns zuhören können und die müssen wir uns vorher explizit erschaffen.
Und die Tipps, die ich jetzt hier gebe, Musik, abklopfen, rausgehen, das sind die Dinge, die für mich sehr gut funktionieren. Aber ihr seid andere Menschen als ich und es kann sein, dass viele von euch sagen, das passt für mich auch, ich erstelle mir auch eine Playlist, aber vielleicht auch gar nicht.
Vielleicht hat Musik auch keine Effekte für euch oder spazieren gehen oder abklopfen. Das heißt, da kann man auch ruhig mal in sich reinhören und überlegen, okay, was macht mir denn Energie, was macht mir denn Stimmung und vor allen Dingen die Stimmung, die ich in meinem Kontext möglichst oft brauche.
Das heißt, wieder ein Reflektionsprozess, den man in einem Coaching auch gut gemeinsam entwickeln kann, aber wo man, glaube ich, auch selber mal ein paar Wochen auf sich achten kann und gucken kann, was macht mir denn die Stimmung, die ich brauche?
Und das ist auch wieder Training. Je öfter ihr das quasi aufruft für euch, umso einfacher wird es werden, dass ihr das ja verwenden könnt für euch und explizit aufrufen könnt.
Und dann, wir hatten eben dieses Dreieck, ich erinnere euch an den Stern, Gedanken zur Zielgruppe machen.
Ganz, ganz, ganz wichtig, oh, da fehlt ein Wort. Wann werde ich moderieren?
Ganz, ganz, ganz wichtig ist sich zu fragen, wann werde ich moderieren oder sprechen in meinem heutigen Fall. Ich habe mir gedacht, wow, Dienstag, 24. Juni, 17 Uhr, das ist gar nicht mal so ohne.
Ich glaube, wir sind alle müde, alle kurz vor den Sommerferien, die Kinder haben, gehen so am Stock, die Schule ist bald zu Ende. Es ist komisches Wetter, es war sehr heiß. Jetzt habe ich gehört, es ist in allen Teilen Deutschlands sehr stürmisch.
Dienstag, 17 Uhr, wir sind schon alle müde. Erstmal danke, dass ihr trotzdem alle hier seid. Aber das heißt, man muss auch noch einmal eine ganz andere Energie reinbringen.
Es ist wichtig, sich diese Frage zu stellen, wann findet das Ganze eigentlich statt? Wenn es heute Morgen stattgefunden hätte, hätte ich vielleicht ein bisschen weniger Energie reinbringen müssen, ne?
Dann wie lange dauert die Veranstaltung? Wenn ich einen digitalen Kongress von 9 bis 18 Uhr moderiere, dann muss ich das ganz anders methodisch planen. Da muss ich mir ganz andere Gedanken darüber machen.
Wie kriege ich die Leute bis 18 Uhr dazu zuzuhören und nicht in die E-Mails abzurutschen, ne?
Also diese Gedanken müssen wir uns vorher machen. Wer sind eigentlich die Menschen im Publikum? Ja, also ich will eine bestimmte Energie. Ich will, dass wir alle nachher inspiriert und motiviert sind, aber wir erreichen natürlich nicht alle Menschen mit der gleichen Sprache, mit den gleichen Witzen, mit den gleichen Anekdoten und so weiter.
Und dann wie viele Menschen nehmen überhaupt teil? Auch das ganz, ganz wichtig. Kleine Gruppen kann man natürlich ganz anders interaktiv gestalten als mit großen Gruppen.
Alles, was Tools, Interaktion und so weiter angeht, das findet im zweiten Teil der Veranstaltung statt, nicht heute schon mal als kleiner Hinweis, um da Erwartungsmanagement zu gestalten.
Heute geht's tatsächlich um uns, unseren Körper und unsere Wahrnehmung in der Moderation. Das heißt, wir stellen uns diese ganzen Fragen und fragen uns dann, was heißt das jetzt für die Zielgruppe, die ich in die Moderation reingehen muss?
Und dann im nächsten Schritt schaue ich mir in der Vorbereitung ganz klar an, wie sieht eigentlich mein Arbeitsplatz aus? Und was ich komischerweise immer noch ganz, ganz oft sehe, ist so ein Gegenlichtszenario, dass das Licht von hinten kommt.
Und da denke ich mir immer, Leute, eine Schreibtischlampe reicht. Leuchtet euch ins Gesicht. Entweder ihr habt ein Fenster, das direkt euch strahlt oder ihr leuchtet euch ins Gesicht.
Wir sind alle nur kleine Kacheln. Ja, und manchmal guckt man sich so an und denkt, oh, ich habe auch schon mehr Falten, als ich vor vier Jahren hatte, als ich das letzte Mal dieses Webinar gegeben habe.
Gut. Aber das bin ich und ich bin ein Mensch und ich will Menschlichkeit reinbringen. Das heißt, es ist mir lieber, dass ihr meine Falten sehen könnt und meine Alterungserscheinungen, aber dafür auch meine Mimik und Gestik richtig gut wahrnehmen könnt.
Das heißt, achtet auf euer Licht. Stellt die Kamera so ein, dass ihr mit dem Kopf fast oben den Rand berührt, weil dann sieht man auch eure Arme, man sieht euren Körper und wir brauchen unseren Körper, um Menschlichkeit herzustellen.
Wenn man das hier sieht, kann man mir viel weniger gut folgen. Also haltet ein bisschen Abstand zur Kamera, füllt den Raum aus, nutzt den Raum und gebt auch körperlich mehr rein, als ihr es vielleicht in Präsenz machen würdet, weil die Kamera kleiner ist und ihr müsst euch mehr reinhängen, um menschlicher zu sein, um körperlicher zu sein.
Ein schüchternes Lächeln reicht nicht. Strahlt in die Kamera. Gebt alles, was ihr habt an Energie. Gleichzeitig natürlich sorgt für Ruhe, für Konzentration, sorgt dafür, dass es keine Hintergrundgeräusche gibt.
Äußerst bestenfalls, dass die Kinder nicht hinten rumrennen. Klappt bei mir auch nicht immer ganz so, aber man kann es ja versuchen und überlegt euch vor allen Dingen vorher auch, wie viel ihr teilen möchtet.
Wir haben alle diese virtuellen Hintergründe. Das ist eine gute Möglichkeit, wenn man irgendwo ist und sagt: "Oh, ich will nicht, dass mein Hintergrund gesehen wird."
Aber es nimmt einem auch ganz viel Tiefe und Menschlichkeit. Ich bin keine Verfechterin der virtuellen Hintergründe, sondern guckt lieber, dass man wirklich sieht, dass hier alles echt ist, ne?
Also alles kein virtueller Hintergrund. Man sieht auch das Kabel im Hintergrund. Aber dadurch habt ihr einen gewissen Einblick in mein Leben, in meine Welt und ich öffne mich euch gegenüber, was sehr schön ist.
Und was ich immer habe, ich habe trotz alledem immer auch Notizzettel hier. Gerade wenn ich Panels oder Diskussionen oder schwierige Themen moderiere, schreibe ich mit Hand und Zettel.
Das tut meinem Gehirn gut, nicht immer nur auf die Kamera zu starren und hat noch mal einen ganz anderen Effekt. Also, ich habe auch immer ganz viel Handgeschriebenes noch nebenher.
So, dann haben wir also unsere Stimmung, wir haben unsere Zielgruppe und jetzt geht's in die Vorbereitung der Moderation und auch da Fokus auf Menschlichkeit, auf menschliche Verbindung, auf Menschen mitnehmen und abholen.
Wir wissen jetzt ja, was das für Menschen sind, was vielleicht schwierig ist bei einer Veranstaltung für die, was sie davon wollen, wie kriegen wir sie jetzt alle ins gleiche Boot?
Versucht den Check-in möglichst menschlich zu gestalten. Das heißt, macht keinen Check-in mit Folien offen. Ja, also macht eure Kamera groß, seht die Leute an, lasst die PowerPoint-Folien erstmal, wenn sie nicht benötigt werden, weg.
Ihr könnt die Agenda auch mündlich vorstellen. Meistens haben die Menschen ja vorher schon die Agenda irgendwo gesehen per E-Mail oder auf einer Landing Page oder was auch immer.
Redet erstmal mit den Menschen, zeigt euch, lasst die PowerPoint weg. Stattdessen schafft eine Atmosphäre, je nachdem, was ihr euch vorher überlegt habt.
Manchmal kann man auch vorher ein bisschen Musik abspielen, was ganz schön ist. Müsst ihr nur auf Urheberrecht schauen, dass wenn es eine öffentliche Veranstaltung ist.
Überlegt euch eine schöne Check-in-Frage, so wie eben: "Von wo schaltet ihr euch zu?" War ganz simpel, ganz einfach. Alle schreiben schon mal in den Chat. Hat sicherlich dafür gesorgt, dass jetzt mehr Leute in den Chat schreiben, weil sie einmal ermutigt wurden, in den Chat zu schreiben und manchmal kann man auch ein kleines Spiel machen, was auch immer zur Zielgruppe passt, ne?
Und dann, was immer auch schön ist, eine Geschichte zu teilen, irgendwo sich selbst auch zu öffnen und vielleicht auch ein bisschen was über sich zu erzählen.
Überlegt euch, wo ist mein Bezug zu dieser Veranstaltung, ne? Ich habe ein bisschen was von mir erzählt, dass ich zwischen den Sprachen in Brüssel gemerkt habe, dass Moderation unterschiedliches in den verschiedenen Sprachen bedeutet.
Ich habe von meinen Kindern erzählt, ich habe sehr bewusst ein paar Infos über mich rausgegeben, die euch geholfen haben, mich zu verstehen und eine Verbindung herzustellen.
Manchmal geht das. Bei manchen Zielgruppen würde ich das jetzt auch nicht machen. Je nachdem muss man sich überlegen.
Manchmal arbeite ich auch mit Zitaten von anderen Menschen. Das heißt, was ich auch immer schön finde, dass man gar nicht so anfängt: "Hallo, herzlich willkommen. Mein Name ist Merle und ich führe durch die Veranstaltung," sondern bam mit dem Thema einsteigt.
Ich habe letzte Woche mit einem Menschen zusammengearbeitet, der hier in Brüssel eine Veranstaltung moderiert hat zum Thema kulturelle Zerstörung der Ukraine durch den Angriffskrieg.
Und er hat am Ende, also wir haben das gemeinsam entwickelt, die Anmoderation und er hat gestartet mit einem Zitat von einer Frau von der UNESCO, die gesagt hat: "Kultur ist kein Luxus, Kultur ist Identität."
Und er hat damit gestartet, er hat die Veranstaltung geöffnet mit: "Kultur ist kein Luxus, Kultur ist Identität. Herzlich willkommen zur heutigen Veranstaltung."
So, und damit hat man gleich ganz andere Aufmerksamkeit der Leute, wenn man mit so einem Bam-Moment reingeht, statt mit diesem Geplänkel am Anfang.
Je nach Zielgruppe, manchmal ist es Geplänkel schön und richtig und ach, setzt euch, der Raum füllt sich, schön, dass ihr da seid. Habt ihr einen Kaffee? Zeigt doch mal die Kamera, eure Kaffeetasse.
Das kann sehr gut funktionieren und manchmal braucht man den Bam-Moment, aber all das weiß man, weil man vorher die Zielgruppe gut analysiert hat.
Ganz wichtig auch immer: Wieso ist das Thema denn für die Zielgruppe relevant? Dass man sich diese Frage erstmal stellt und das auch klar und deutlich formuliert und ganz klar sagt: "Ey, ihr werdet in Zukunft immer mal wieder digital moderieren. Ich habe das vielleicht nicht deutlich genug am Anfang gesagt. Wir haben gesehen, wie schnell das passieren kann, dass wir plötzlich auf digital angewiesen sind und es ist so schön und so weiter und so fort."
Also, die Relevanz darstellen, um zu verhindern, dass die Leute in ihren E-Mails versinken, ne, um zu sagen: "Hey, hör jetzt besser zu. Du brauchst das."
Und dann vor allen Dingen, wenn ihr aufgeregt seid, nutzt diese ersten 5 Minuten auch einfach für euch, um anzukommen, um mal durchzuatmen, um mal zu sagen: "Schreibt mal in den Chat, ich atme noch mal kurz und ich gucke mal, was ihr in den Chat schreibt, bevor ich voll reingehe."
Und dann ist die Aufregung meist auch schon viel besser.
Ähm, ganz dann der Inhalt, haben wir vorhin schon gesagt, ne? Brücken schlagen, immer wieder zum Fokusthema zurückkommen, die Relevanz klar machen und immer wieder in den Chat gucken.
Immer wieder, wenn ihr die Möglichkeit habt und Kameras an sind, macht euch einen zweiten Bildschirm, lasst die Videos alle weit offen, guckt immer wieder in die Gesichter der anderen Menschen und stellt euch immer wieder die Frage: Was machen wir eigentlich?
Warum? Was bringt das den Teilnehmenden denn? Und jagt das immer und immer wieder. Was verändert sich dadurch, dass ihr heute hier teilnehmt? Was wird dadurch besser in eurem Leben?
Und am Ende den Bogen zum Anfang. Noch einmal auf die Agenda eingehen, noch einmal sagen: "Okay, das ist passiert, das haben wir gemacht, das ist passiert, das hat sich verändert."
Und wenn ihr z.B. mit dem Zitat eingestiegen seid, endet mit dem gleichen Zitat. Schlagt den Bogen, erinnert die Menschen an den Beginn der Veranstaltung.
Wenn ihr mit einer Story gestartet habt, erwähnt es noch einmal. Zeigt den Menschen: "Okay, das Ganze ist rund und macht am Ende Sinn."
Und verzichtet auf Floskeln, verzichtet auf: "Herzlichen Dank, danke, dass ihr zugehört habt." Lasst das einfach weg.
Also, danke sagen ist natürlich immer gut, aber nicht in dieser förmlichen Form. Das nimmt dann keiner ab, das ist nicht menschlich, sondern sagt es lieber vom Herzen, wenn es kommt und achtet lieber darauf, dass die Geschichte, der Bogen schön geschlagen ist.
Also achtet darauf, es sollte genügend Interaktion geben. Hier ist es jetzt natürlich ein Vortrag, ist ein bisschen was anderes, aber in einer Moderation sollte es alle 10 Minuten eine Interaktion geben und sei es im Chat.
Es sollte alle 50 Minuten eine Pause geben im digitalen Raum, wenn die Veranstaltung 60 Minuten geht, natürlich nicht, aber wenn es eine längere Veranstaltung ist. Und konzentriert euch immer wieder auf ein paar wenige Kernthemen, die euch durch die Veranstaltung begleiten.
Und jetzt haben wir noch 10 Minütchen, ich überziehe ein ganz kleines bisschen, den Körper als Instrument uns anzuschauen, weil ich das einfach so wichtig finde und ich sehe, dass da auch ein paar Fragen schon zu kamen.
Denn wir brauchen unseren Körper, um zu moderieren. Es ist ein wahnsinnig körperlicher Job und ich kann an dieser Stelle teilen, ich habe tatsächlich manchmal Muskelkater nach Moderationen, weil ich einfach so viel Anspannung in meinem Körper habe, wenn ich moderiere und so viel meinen Körper verwende, dass ich das am nächsten Tag merke und körperlich erschöpft bin.
Und gerade im digitalen Raum brauchen wir einfach viel, viel mehr. Ja, ich rede nicht so viel mit meinen Händen, wie ich es jetzt gerade hier die ganze Zeit bei euch tue.
Das habe ich mir aber angewöhnt im digitalen Raum zu machen, weil ihr mich nur in so einem kleinen Fenster da seht. Ihr kriegt so wenig von mir mit, also versuche ich in diesem kleinen Fenster so viel wie es geht zu geben.
Und Sprache ist mehr als nur der Mund. Sprache ist Gestik und Mimik. Also gewöhnt euch an, wirklich 150% zu geben, was Gestik und Mimik angeht.
Fühlt sich am Anfang komisch an, aber kommt widersprecht mir gerne auf der anderen Seite nicht so komisch rüber, wie es sich anfühlt. Also gebt da ganz, ganz viel rein. Ihr dürft danach kaputt sein.
Ja, moderieren ist anstrengend und digital moderieren ist noch anstrengender. Das ist so, man darf danach kaputt sein. Das ist okay.
Energie und Stimmung hatten wir gerade schon. Bereitet euch vor. Jetzt kommen wir zur Stimme und da habe ich eine konkrete Übung für euch.
Es gibt häufig diese Tendenz, dass Menschen, die aufgeregt sind, ein bisschen höher sprechen. Aufregung geht, die Stimme geht so hoch.
Das ist aber sehr, sehr anstrengend über einen längeren Zeitraum. Gleichzeitig haben wir die Tendenz, lauter zu sprechen, wenn wir telefonieren oder digital arbeiten.
Und diese Mischung sorgt dafür, dass wir häufig nach digitalen Gesprächen sehr viel mehr Stimmprobleme bekommen. Das wollen wir nicht. Wir wollen alle eine starke Stimme haben und wir werden als viel souveräner wahrgenommen, wenn wir in unserer optimalen Sprechhöhe sind.
Wie finden wir die jetzt? Die finden wir, indem wir uns ganz einfach in eine Situation reinversetzen, die wir, glaube ich, alle kennen. Stellt euch vor, ihr seid am Telefon mit der einen Person, die ihr kennt, die ganz viel redet. Wir kennen sie alle.
Die eine Person, die nicht aufhört zu reden und ihr seid am Telefon und die Person redet und redet und redet und ihr denkt euch so, ich muss eigentlich die Spülmaschine noch ausräumen. Und dann räumt ihr die Spülmaschine nebenher aus.
So fangt an und macht dann irgendwann nur noch so: "Mmm."
Und dieses entspannte "M", das ist eure optimale Sprechhöhe. Das heißt, bevor ihr in die digitale Moderation geht, macht "M".
Seid am Telefon mit der einen Person. Ihr wisst genau, von wem ich rede und macht das vorher. Und wenn ihr während der Veranstaltung merkt, oh, es wird ein bisschen anstrengend, stellt euch kurz auf stumm und macht "M".
Oder sogar im Gespräch kann das durchaus manchmal gut sein zu reagieren, aber ihr erinnert eure Stimme, wo sie hingehört und ihr merkt es vielleicht auch: Ich gehe gerade wieder ein bisschen tiefer, denn man hat die Tendenz, aber es hilft uns wieder runterzukommen.
Das ist also eine ganz konkrete Übung, die ich dabei habe. Eine zweite Übung ist die Atmung. Und alle von euch, die Yoga machen, Pilates, verschiedene Sportarten, kennen das: die Zwerchfellatmung.
Das heißt, eigentlich gesundheitlich am besten ist es, dass wir in den Bauch atmen. Da wir aber alle viel sitzen, atmen wir schrecklich oft in die Schultern.
Das heißt, wenn ich euch jetzt, ich kann euch nicht sehen, ich kann es leider nicht so interaktiv machen, wie ich es mir wünschen würde, würde ich jetzt sagen, atmet alle mal tief ein, dann würden viele von euch den hier machen.
Und unsere Atmung geht in dem Moment nur bis hier und direkt wieder raus. Unsere Stimmung, Stimme und unser Nervensystem braucht aber eine tiefere Atmung, um sich zu beruhigen und um gut zu funktionieren.
Und das geht über die Bauchatmung. Und diese Bauchatmung kann man trainieren. Kinder atmen richtig. Wir atmen richtig, wenn wir morgens aufwachen und auf dem Rücken liegen.
Und macht das mal morgen früh nach dem Aufwachen, wenn ihr auf dem Rücken liegt, legt eure Hand hier auf dem da, wo wir die Rippen aufhören, ja, auf den oberen Teil des Bauches.
Atmet tief ein und ihr werdet sehen, bei jedem Einatmen wird der Bauch dicker und beim Ausatmen dünner.
Wir haben aber gelernt, Bauch raus ist doof. Man soll den Bauch einziehen und im Sitzen tut man das sowieso. Alles doof. Wir dürfen einatmen und der Bauch darf dicker werden.
Ja, und dann wird unsere Stimme auch besser funktionieren und wir haben mehr Energie und wir haben mehr Wirkung.
Das heißt, auch da ist eine einfache Übung. Versucht mehr in den Bauch zu atmen und versucht ruhiger zu atmen und macht Pausen, wenn ihr redet, um zu atmen.
Das ist voll okay. Und Menschen, die uns zuhören, freuen sich, wenn wir eine Pause machen. Manchmal ist es auch okay zu sagen: "Macht mal die Atemübung."
So, und jetzt machen wir weiter. Und wenn ihr das Gefühl habt, ihr seid gestresst, einfach mal durchatmen. Wir dürfen Pausen machen. Wir sind Menschen, wir sind keine Maschinen.
Also, wir machen nicht genug Pausen in unserem Leben. Macht Pausen, wenn ihr das Gefühl habt, es wird alles zu viel. Ja, alle Menschen freuen sich, wenn wir mal 10 Sekunden Pause machen.
Also, wenn ihr heute etwas mitnehmt, dann bitte, bitte konzentriert euch auf die Zielgruppen, die ihr habt. Bereitet das gut vor, geht mit der richtigen Energie rein und macht Pausen, um zu atmen.
Und dann seid ihr schon ganz schön weit gekommen, was die Energie angeht.
Hier, wer im Chor singt, kennt die richtige Atmung ebenfalls.
Genau, die Zwerchfellatmung. Man atmet sie instinktiv beim Liegen auf dem Rücken. Genau. Danke dir, Meike. Genau das wollte ich hören.
Genau das meine ich. Also, trainiert diese Zwerchfellatmung. Wir können sie alle. Sie ist natürlich in uns drin und wir brauchen sie.
Und jetzt noch ein letzter Punkt für heute und dann gehe ich, glaube ich, ins Gespräch mit euch noch ein bisschen. Da kommen ein paar Fragen, habe ich gesehen.
Wie gehen wir mit Aufregung um? Mit Lampenfieber. Zum einen natürlich, indem ihr einfach sehr gut vorbereitet seid und einen Plan B habt.
Ich habe gesehen, was mache ich, wenn die Technik spinnt. Ja, also am besten Fall hat man einen Plan B, habt vielleicht noch einen zweiten Laptop irgendwo oder was auch immer, um euch wieder einzuloggen.
Hotspot übers Handy, wenn das Internet spinnt. Macht euch vorher ein paar Szenario-Gedanken. Irgendwas geht immer und wenn es nicht geht, gut.
Wie schlimm ist es wirklich? Also auch wirklich mal diese Disaster-Frage: Was ist das Schlimmste, was passieren kann?
Also Technik kann man Lösungen für finden, Inhalte kann man Lösungen für finden, überlegt das vorher, einen guten Plan B und manchmal gibt's den noch nicht oder manchmal klappt nicht.
Bei mir ist auch schon was schiefgegangen. Mein Leben geht weiter.
So, aber dann auch ganz, ganz wichtig, freut euch auch darüber, dass ihr aufgeregt seid. Und wenn ihr euch vielleicht erinnert, sich einige von uns, wenn man verliebt ist, ja, und dann begegnet man der Person, in die man verliebt ist, was passiert?
Also, man wird vielleicht rot, man wird ein bisschen hibbelig, man kann nicht mal richtig atmen und man nimmt das als etwas ganz, ganz Wunderbares wahr. Bestenfalls, hoffentlich, wenn die Person einen mag.
Das ist etwas Schönes. Also, das Herz schlägt bis zum Hals. Genau.
Ähm, das sind aber eigentlich genau die gleichen Reaktionen, die wir haben, bevor wir vor Menschen sprechen sollen. Nur dann nehmen wir sie als etwas Negatives wahr. Das sollten wir aber nicht.
Also lasst uns sagen: "Mein Körper sagt mir gerade nur, wow, irgendwas passiert hier, was super aufregend ist." Und das ist toll. Mein Körper ist voll da.
Ich habe vielleicht in der Nacht nicht geschlafen, aber Adrenalin wird mir helfen, die nächsten zwei Stunden gut zu überstehen.
Also, es ist so ein Reframing der Aufregung. Die Aufregung hilft euch. Die Aufregung ist dafür da, dass ihr das gut macht. Nehmt sie als etwas Gutes an.
Und ein letzter praktischer Tipp und dann bin ich für heute durch mit euch, ist, man kann den Körper auch ablenken, denn es gibt durchaus Signale der Aufregung, die wollen wir nicht.
Wir wollen nicht ganz rot im Gesicht sein oder anfangen wild zu schwitzen, das ist nervig, das weiß ich, das ist mir klar. Aber man kann den Körper, was die körperlichen Symptome angeht, ein bisschen austrixen, indem man ihn ablenkt.
Und eine Übung, die wunderbar bei ganz vielen Menschen, die ich kenne, funktioniert, ist, dass ihr euch vorher, bevor ihr auf die Bühne, vor die Kamera, was auch immer geht, einen großen Muskel ganz doll anspannt für so 20 Sekunden, dann locker lasst und wieder anspannt und das so dreimal.
Ein großer Muskel könnte z.B. der Po-Muskeln sein. Ja, einfach ganz anspannen.
Sieht man nicht. Ihr wisst nicht, ob ich gerade meinen Po anspanne oder nicht. Könnt ihr gar nicht sehen und wieder locker lassen und in dem Moment geht einfach die Blutkonzentration des Körpers auf ein anderes Körperteil und sowas wie Blut im Kopf und so weiter wird etwas abgemildert.
Adrenalin bleibt trotzdem da, Konzentration bleibt da. Das heißt, die positiven Effekte der Aufregung haben wir immer noch.
Das heißt, das ist auf jeden Fall eine Übung. Probiert es mal aus. Und selbst wenn ihr in der Veranstaltung selber noch mal aufgeregt seid, könnt ihr das machen.
Ihr könnt es auch irgendwann mal mit einem kleineren Muskel der Hand probieren, einfach meine Faust im Schoß hinterm Rücken, um einmal kurz den Körper abzulenken.
Das sind so wirklich körperliche Übungen, deshalb nicht esoterisch, sondern tatsächlich reine Körperarbeit, um sich so ein bisschen mehr zu fokussieren auf die Inhalte, die wir haben.