Womit wollen wir uns heute beschäftigen? mit welchen Themen? Ich teile mal gerade den Ablaufplan für die nächsten 35 bis 45 Minuten. Ich werde kurz etwas zu UPJ sagen, damit ihr wisst, vor welchem Hintergrund, vor welcher Folie ich ein paar Gedanken äußere und mit euch teile. Ganz kurz etwas zum Thema bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen. Was ist das eigentlich? So ein bisschen ein Gefühl dafür kriegen. Dann über die Möglichkeiten der Zusammenarbeit sprechen. Das ist das, was viele von euch auch gefragt haben. Was bietet sich an? Was kann man denn machen? Welche Formate oder welche Arten von Kooperation gibt es da?
Partner finden und Kontakt aufnehmen, nächstes Thema. Also, wie kommt man dann zur Zusammenarbeit? Wen spricht man an? Welche Unternehmen passen eigentlich? Und vielleicht auch die Frage, wie kann man von so einmaligen Aktivitäten zu einer mittel- bis längerfristigen Kooperation kommen? Und damit im Zusammenhang stehen natürlich auch Gelingfaktoren für eine Zusammenarbeit. Das sind eher so ein paar Gedanken, ein paar Fragen. Ja, wie gestaltet man Zusammenarbeit, dass es gelingt? Wie entsteht Nutzen für alle Beteiligten? Und dann ganz zum Schluss am Ende eben die schon erwähnten Unterstützungsangebote, die es von unserer Seite aus gibt.
Genau. Dann würde ich sagen, wir legen los. Alles, wie gesagt, nur kurz, nur angerissen als erster Impuls, und dann werden wir miteinander ins Gespräch kommen. Wenn ihr das gehört habt, was ich vorhabe, dann ist euch vielleicht aufgefallen, dass ein Wort oder ein Thema bisher nicht gefallen ist: Spenden, Sponsoring. Für alle, die dachten, ah, super, es geht vor allem um Spenden, um Sponsoring, um die finanzielle Förderung für euer Projekt oder eure Organisation, für eure Angebote durch Unternehmen, das ist heute nicht das Thema. Also, wenn es vor allem euer Interesse dem Geld gilt, dann seid ihr heute falsch. Das ist wirklich so. Da gibt es andere Angebote, sowohl von der DSE als auch von anderen Organisationen. Und was wir heute auch nicht so ganz machen können, ist natürlich ein Austausch untereinander über eure jeweiligen Erfahrungen und die Praxisbeispiele, dass ihr da miteinander ins Gespräch kommt. Das gibt dieses Format des Vortrags, des Webinars quasi nicht her.
So viel vielleicht der Vorrede und dann würde ich vielleicht mit dem ersten Punkt einsteigen, damit ihr wisst, für welchen Hintergrund ich mit euch spreche oder was ich erzähle. UPJ, wir sind eine Gemeinwohlorganisation. Wir beschäftigen uns mit dem gesellschaftlichen Engagement von Unternehmen, mit Unternehmensverantwortung und eben auch mit sektorenverbindenden oder cros-sektoralen Kooperationen, weil wir glauben, dass, wenn Unternehmen, Gemeinwesenorganisationen und auch öffentliche Verwaltungen zusammenarbeiten, einfach bessere Ergebnisse dabei herauskommen, als wenn jeder für sich vor sich hin wirkt. Deswegen ist das unser Ziel: Menschen und Organisationen zu verbinden, die gemeinsam im positiven Wandel vorantreiben wollen in der Gesellschaft.
Ein wichtiger Punkt zu unserer Organisation gehört ein Netzwerk von engagierten Unternehmen. Es sind ganz große Unternehmen, ganz kleine Unternehmen, ganz unterschiedliche Branchen und es gehört ein Netzwerk von Mittlerorganisationen dazu, sowohl von gemeinnützigen Mittlerorganisationen als auch von kommunalen Anlaufstellen, die sich als Brückenbauer zwischen dieser Welt der Wirtschaft und dem dritten Sektor, dem gemeinnützigen Sektor, verstehen. Mit verschiedenen Angeboten, Projekten und Formaten bauen wir konkret Brücken, damit Kooperation wirklich wirksam werden kann. Und es gibt uns seit über 25 Jahren. Wir sind mal gestartet als UPJ damals im Bereich der Jugendarbeit, da kommt das "J" aus unserem Namen, aber wir wirken mittlerweile ein bisschen breiter in den letzten Jahrzehnten. Wir sitzen in Berlin, arbeiten aber bundesweit und haben vier Themenfelder, mit denen wir uns beschäftigen.
Klima und Umwelt ist ein Thema. Nachhaltige Lieferketten, also Sorgfaltspflichten, menschenrechtliche und ökologische Sorgfaltspflichten in der Lieferkette. Wir haben das Thema lokales Engagement von Unternehmen und Kooperation von Unternehmen in der Regel mit gemeinnützigen Organisationen und haben das Thema Probono-Engagement als ein viertes Schwerpunktthema. Die letzten beiden, also das türkise und violette, sozusagen die Säulen, aus denen ich meine Gedanken speisen werde, basieren auf den Erfahrungen, die wir in den letzten Jahren gesammelt haben.
Genug zu UPJ und wir kommen direkt zum Thema bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen. Das ist ein Begriff, den ich ganz gern nenne. Im Feld oder auch in den gesellschaftlichen Begriffen, die benutzt werden, tauchen Begriffe wie soziales Unternehmensengagement oder Corporate Citizenship auf. CSR taucht immer wieder auf als ein Thema. Corporate Volunteering hat Armin gerade schon erwähnt. Das meint manchmal das Gleiche und ist einfach nur ein anderer Begriff und manchmal ist es ein anderer Begriff und meint auch etwas Unterschiedliches. Das sind Details, über die können wir vielleicht nachher noch einmal sprechen, aber da sind viele Begrifflichkeiten unterwegs. Mein Vorschlag wäre einfach, dass wir uns darauf einigen, das bürgerschaftliche Engagement von Unternehmen zu nennen.
Für mich ist es ganz einleuchtend, weil wir in dem Feld der Engagementförderung des Ehrenamts eben auch vom bürgerschaftlichen Engagement sprechen und damit meinen, dass es eben Ausdruck von bürgerlicher Tugend oder einer Verantwortungsübernahme durch die Bürgerinnen und Bürger ist. Und ich finde, bei dem Thema Unternehmensengagement ist es eben ganz genauso, dass es ein Ausdruck von Tugend und Verantwortung ist. Deswegen gefällt mir dieser Begriff bürgerschaftliches Engagement ganz gut.
Wichtig wird das Verständnis von Unternehmensengagement. Das ist vielleicht ein Vergleich zum Ehrenamt von Privatpersonen. Es sind drei Begriffe, die da immer auftauchen: Eigensinn, Freiwilligkeit und Gemeinwohlbezug. Was meine ich damit? Wenn wir über das bürgerschaftliche Engagement von Unternehmen sprechen, dann ist Eigensinn ganz wichtig und das ist auch in Ordnung. Das heißt, wir schreiben den Unternehmen nicht vor, für welches Thema oder für welches Anliegen oder welche Zielgruppe sie sich engagieren sollen, sondern das ist etwas, was die Unternehmen selbst mit sich verhandeln. Das heißt, sie setzen durchaus eigensinnlich Schwerpunkte, Themen und Zielgruppen. Das anzuerkennen ist, glaube ich, ein wichtiges Verständnis.
Freiwilligkeit ist sowieso wichtig, ne? Es gibt keine Pflicht, sich zu engagieren von Unternehmen, sondern es ist etwas, was wir vielleicht als Einladung aussprechen können, Angebote, die wir machen können. Deswegen ist Freiwilligkeit ganz wichtig. Und weil manchmal das Thema gleich kommt: Es ist auch kein Ablasshandel. Also das freiwillige oder bürgerschaftliche Engagement von Unternehmen, da geht es nicht darum, dass Unternehmen an sich die Bösen sind, die durch ein bisschen soziales Engagement jetzt ihr Image aufpolieren oder ein bisschen etwas gut machen wollen. Es ist kein moderner Ablasshandel. Ich halte auch nicht viel von den Vorwürfen des Social Washing, die dann manchmal kommen, sondern es hat ganz viel mit Verantwortung und Freiwilligkeit zu tun.
Und als letzter Punkt, der mir noch wichtig ist, so als Grundverständnis vielleicht, ist der Gemeinwohlbezug vom Engagement. Das heißt, es geht nicht um irgendwelche komischen Sachen. Es geht nicht um Unsinn und es geht auch nicht darum, dass wir Unternehmen nur bespaßen, dass sie irgendetwas tun. Ein gemeinsames Ziel der Zusammenarbeit muss eben auch sein, dass es da sozusagen einen positiven Mehrwert für das Gemeinwohl, für das Gemeinwesen gibt. Das ist mir doch ganz wichtig, am Anfang noch einmal zu sagen, um die normative Grundlage von Unternehmensengagement, von bürgerschaftlichem Engagement von Unternehmen wenigstens zu benennen.
Vielfalt steht hier noch da. Vielfalt bedeutet, dass es auch die Unternehmen oder die Unternehmen in dieser Form nicht gibt, dass es Unternehmensengagement nicht als solches gibt. Was meine ich damit? Ich meine, dass es natürlich in der Welt der Unternehmen unterschiedlich große Unternehmen gibt, unterschiedliche Branchen, unterschiedliche Interessen oder Motive von Unternehmen, sich zu engagieren und entsprechend wird das Engagement von Unternehmen auch ganz unterschiedlich ausfallen. Deswegen ist so ein Webinar oder ein Seminar, wo man sagt, so funktioniert es, so geht Unternehmensengagement, das wollen die Unternehmen, das sind die Motive der Unternehmen, immer ein bisschen schwierig, weil es diesen einen Typus von Unternehmen nicht gibt.
Was manche Unternehmen richtig gut finden, lehnen andere Unternehmen ab. Während manche Unternehmen vielleicht vor allem in Kooperation mit kleinen Organisationen denken und arbeiten, wollen andere Unternehmen vor allem die großen Wohlfahrtsverbände oder die großen Hilfsorganisationen als Partner haben. Es kommt also immer darauf an und das ist vielleicht sozusagen noch eine letzte Vorbemerkung, die man machen muss, dass es dieses Handbuch "So geht Unternehmenszusammenarbeit" schlicht und einfach nicht gibt. Aber wir wollen uns dem ein bisschen nähern mit ein paar Anregungen.
Vielleicht zum Thema bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen noch ein paar Zahlen, um vielleicht etwas Positives zu sagen. Für diejenigen von euch, die sich auch mit Ehrenamt oder mit Engagementförderung beschäftigen, die wissen, dass es so eine Engagementquote bei den Privatpersonen, bei den Bürgerinnen und Bürgern zwischen 30 und 40 % je nach Bundesland gibt. Und das ist ja schon an sich ganz schön viel. Das Besondere ist, bei Unternehmen ist es deutlich höher und das finde ich ist schon eine ganz gute Botschaft.
Vor mittlerweile, glaube ich, 13 Jahren, genau 2012, gab es von der Bundesregierung den ersten Engagementbericht und die haben damals herausgefunden, dass 96 % aller Großunternehmen, also die wirklich über 500 Mitarbeitende haben, engagiert sind. Aber auch von den Kleinunternehmen, also bis 50 Mitarbeitenden, sind 63 % engagiert. Das war damals eine Zahl, die durchaus eine besondere Erkenntnis war. Also zwei Drittel aller Unternehmen tun irgendetwas im Gemeinwesen, engagieren sich. 90 % machen das bei sich vor Ort am Standort bzw. in der Region und 80 % der Unternehmen, die sich engagieren, machen das, indem sie lokale Akteure, also Vereine, soziale Einrichtungen, Bildungseinrichtungen, Wohlfahrtsverbände unterstützen. Das finde ich ist tatsächlich eine gute Nachricht.
Ein paar Zahlen habe ich noch aufgeschrieben. Auch die sind jetzt schon drei Jahre alt. Man kann sehen, auf welche Art und Weise sich Unternehmen engagieren. Natürlich spenden ganz viele Unternehmen Geld. 87 % gehören dazu, Geld zu spenden. Alle anderen Themen, Sachspenden, Mitarbeiterfreistellungen, darüber sprechen wir gleich ein bisschen, kommen dann sozusagen in der Folge. Die Zahlen, wie gesagt, sind ein bisschen älter. Wer sich dafür interessiert und wirklich ein bisschen so einen Deep Dive machen will, morgen Abend wird der neue Monitor Unternehmensengagement vorgestellt. Das ist eine Publikation von Zivilgesellschaft in Zahlen vom Stifterverband. Ab morgen Abend gibt es die neuesten Zahlen dazu und dann wird man sehen, ob sich das so geblieben ist oder ob das vielleicht durch die ganzen Krisen, die wir in den letzten Jahren erlebt haben, ein bisschen eingebrochen ist. Also ab morgen gibt es dann auch aktuelle Zahlen.
Eine Frage von manchen von euch in der Erwartungsabfrage war die Frage, warum engagieren sich eigentlich Unternehmen? Und ich finde, das ist eine gute Frage, wenn man wissen möchte, warum machen die das eigentlich? Darauf kann man dann vielleicht auch ganz anders reagieren im Gespräch. Unsere Antwort ist immer sozusagen ein bisschen banal, aber wir sagen immer, und das ist unsere Erkenntnis: Unternehmen engagieren sich, weil sie eben nicht losgelöst leben von diesen ganzen gesellschaftlichen Herausforderungen, die uns umgeben. Also die Probleme, die wir so sehen in der Gesellschaft, sehen Unternehmen natürlich ganz genauso. Das kann sich um die demografische Entwicklung handeln. Das Thema Fachkräfte z.B. ist ein relevantes Thema. Es kann um Bildung, Ausbildung und Chancengerechtigkeit gehen, das interessiert Unternehmen genauso wie uns. Das Thema Zuwanderung, Integration ist ein Thema gesellschaftlicher Zusammenhalt. Zuletzt auch eben die Stärkung oder Verteidigung unserer Demokratie. All das sind Themen, die uns als Privatpersonen umtreiben, die uns als gemeinnützige Organisation umtreiben und die auch die Unternehmen als Organisation umtreiben oder eben die Menschen in den Unternehmen.
Und das ist vielleicht die banale Erkenntnis: Den Unternehmen brennen halt die gleichen Sorgen unter den Nägeln wie uns allen. Und trotzdem gibt es manchmal noch eine spezielle Motivation, warum Unternehmen das eine tun und das andere nicht. Und da habe ich mal so ein bisschen zusammengeschrieben, was in der Literatur auffällt und bei der Befragung von Unternehmen. Werteorientierung ist ein riesen Thema, also gar nicht so sehr der Reputationsgewinn oder Imagegewinn an erster Stelle, sondern ganz stark Werteorientierung. Es gibt die alte Formulierung von Freiheit und Verantwortung, die zwei Seiten derselben Medaille sind. Und ich glaube, so nehmen das sehr viele Unternehmen, aber auch die handelnden Personen und die Unternehmerinnen und Unternehmer für sich, dass sie sagen, aufgrund unserer Wertehaltung, einer ethischen Haltung oder auch einer religiösen Prägung sind wir engagiert und möchten unseren Beitrag zur Gesellschaft leisten.
Bei Unternehmen, die es schon länger gibt, gibt es eine Tradition, die sehr weit zurückreicht, vielleicht auf die Gründergeneration. Es gehört immer schon dazu, dass man sich engagiert und manchmal sind es eben auch persönliche Prägungen, Themen oder eigene Erfahrungen in der Kindheit und Jugend von Menschen, die sich engagiert haben und das eben auch dann in verantwortlicher Rolle in Unternehmen machen. Und natürlich, und das gehört soweit auch dazu, gibt es auch wirtschaftliche Motive, wirtschaftliche Ziele, die Unternehmen mit ihrem Engagement verbinden. Da geht es gar nicht so sehr darum, den Umsatz zu steigern oder eine besondere Werbung zu machen beim Kunden, beim Verbraucher, sondern für die meisten Unternehmen, die sagen, wir haben auch wirtschaftliche Ziele, die wir mit unserem Engagement verbinden, steht vor allem die Bindung von Mitarbeitenden ganz oben. 59 % sagen, wir engagieren uns auch, weil wir Mitarbeitende an uns binden wollen, weil wir unsere Attraktivität als Arbeitgeber steigern wollen und auch vielleicht neue Talente anziehen wollen. Das sind die ganz großen Themen, die genannt werden, wenn es um die wirtschaftlichen Ziele für das Engagement von Unternehmen geht.
Jetzt haben wir ganz viel über Motive gesprochen, über grundlegende Sachen, und ich habe schon gesagt, ein Schwerpunkt wird ein bisschen sein, darauf zu schauen, welche Formen kann denn die Zusammenarbeit mit Unternehmen annehmen und wie engagieren sich denn Unternehmen überhaupt auf welche Art und Weise? Ich habe schon gesagt, Spenden, Sponsoring, das machen die meisten Unternehmen, das gehört dazu. Auch Unternehmensstiftungen sind ein großes Thema bei den größeren Unternehmen, aber das ist heute nicht unser Thema. Ich würde gerne so ein bisschen durchschauen und verschiedene andere Formen des Engagements, die nicht in erster Linie monetär sind, einfach mal kurz benennen und vorstellen.
Damit fange ich an und das ist vielleicht etwas, was die meisten von euch natürlich kennen, was viele Vereine, viele soziale Einrichtungen eben auch ganz stark nutzen und was uns sehr vertraut ist, gehört zum Alltag in vielen Einrichtungen und ist auch super weit verbreitet. Direkt nach Spenden und Sponsoring kamen eben auch Sach- und Produktspenden. Ihr kennt das einerseits bei gebrauchten Spenden, also Büromöbel, Unternehmen, die sich neu einrichten, fragen dann rum, welcher Verein kann denn unsere Büromöbel noch brauchen oder Notebooks oder ähnliches. Wir kennen das natürlich aus der Tafel ganz klassisch bei den Lebensmittelspenden, das kennen ganz viele, wird genutzt. Aber es gibt auch in vielen anderen Bereichen Sach- und Produktspenden, die durchaus einen relevanten Beitrag dazu leisten, dass manche Organisationen ihre Mission, ihre Aufgabe erfüllen können.
Hygiene- und Pflegeartikel werden im großen Stil von Unternehmen gespendet, klar für die Tafeln, aber eben auch ganz stark in der Wohnungslosenarbeit. Medizinprodukte sind ein riesen Thema für Sach- und Produktspenden. In der Katastrophenhilfe natürlich super verbreitet. Getränke und Lebensmittel hatte ich schon genannt, also von dem kleinen Vereinsfest, wo man beim lokalen Bäcker geht, bis hin über die Tafel oder eben auch im Bereich der Bildungsarbeit. Wir hatten gerade einen Preis verliehen bundesweit. Ein großer Einzelhändler hat den Preis bekommen, neben anderen, weil er täglich zusammen mit einem Verein 20.000 Grundschülerinnen und Grundschüler mit einem Frühstück versorgt. In dem Fall eben der Supermarkt, der für jeden Tag Lebensmittel für 20.000 Frühstücke zur Verfügung stellt. Sportartikel sind ein Thema. Bücherbildungsprojekte, Tierfutter natürlich bei den Tiertafeln, die es gibt, aber eben auch in anderen Bereichen. Ein berühmter Hersteller von Reinigungswerkzeugen, also Kärcher z.B., stattet komplett überall Tierheime aus mit ihrem Werkzeug. IT-Ausstattung, Software, also alle Sachen, die wir im Alltag unserer Organisation brauchen können, je nachdem, was wir machen, sind eben auch Anlässe für die Zusammenarbeit mit Unternehmen, in dem Fall eben als Sach- und Produktspenden.
Das geht einerseits natürlich lokal, dass man auch vor Ort gucken kann, können die Unternehmen bei uns in der Region etwas anbieten, was wir auch gebrauchen können, wofür wir nicht extra Geld fundraisen müssen, was wir vielleicht dann eben kostenlos bekommen können. Aber es gibt auch Plattformen dafür. Ich weiß gar nicht, ob ihr die kennt und vielleicht kann Ami das auch einfach mal in den Chat schreiben. Also Stifter helfen ist z.B. die berühmteste Plattform, die eben Produktspenden im Bereich IT und Software vermittelt, aber auch z.B. in Natura, wo es um ganz andere Produkte geht, auch z.B. Pflegeprodukte oder ähnliches für soziale Einrichtungen. Man kann sich solche Dinge über Plattformen besorgen oder man guckt eben auch lokal, was bieten unsere Unternehmen in der Region vor Ort an, und das kann einen Beitrag leisten für unsere Arbeit.
Nutzungsüberlassung ist ein zweites Thema in der Zusammenarbeit. Da geht es vor allem darum, vorhandene Infrastruktur von Unternehmen mitzunutzen, die sich vielleicht nicht selbst aufzubauen. Das Büro, das man sozusagen kostenfrei überlassen bekommt, ist ein Klassiker. Manche Organisationen sind eben als kostenfreie Mieter untergekommen oder zahlen nur Betriebskosten bei Großunternehmen oder eben bei den lokalen Sparkassen. Wenn es nicht das Büro ist, sind es vielleicht die Seminarräume. Wir bieten oft Seminare an in Berlin und Frankfurt. In der Regel zahlen wir keine Miete, weil wir eben mit Unternehmen zusammenarbeiten, die dann die Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Proberäume können da ein Thema sein, Lagerräume, Werkstätten. Als Jugendorganisation wollen wir mit Jugendlichen etwas tun. Müssen wir uns den Maschinenpark oder die Werkstatt selbst einrichten und anschaffen oder können wir nicht in der Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen und Handwerkern das machen? Ein Fuhrpark ist ein Thema, also durchaus auch Autos, die von Unternehmen zur Verfügung gestellt werden, z.B. für den Jugendsport oder auch so etwas ganz Einfaches wie Kapazitäten auf einem Server, dass man einfach die Serverkapazitäten mitnutzt. Insbesondere im Corona-Bereich oder auch durch die Initiativen für geflüchtete Menschen haben Unternehmen in vielen Städten Büroräume und Lagerräume für Initiativen zur Verfügung gestellt, die das dann nutzen konnten und nicht extra irgendwo etwas anmieten mussten.
Genau. Also die Überlassung von Infrastruktur ist ein starkes Thema und das finde ich wird von Initiativen oder von Gemeinwohlorganisationen noch sehr selten genutzt. Ich finde, da ist sehr viel Musik drin. Dritter Punkt: Mitarbeitenden-Engagement. Das ist das Thema des Webinars von meiner Kollegin Ellen Sturm. Amin hat es schon angekündigt. Da geht es wirklich um das persönliche Engagement der Mitarbeitenden in der Firma. Wir sagen dazu Corporate Volunteering oder eben Mitarbeitenden-Engagement. Und da geht es darum, die Zeit, also die Arbeitszeit von Mitarbeitenden oder eben das spezifische Know-how, das Berufs-Know-how oder das Wissen von Mitarbeitenden zu mobilisieren, entweder innerhalb der Arbeitszeit oder im privaten Bereich außerhalb der Arbeitszeit. Auf jeden Fall, aber mit Unterstützung durch das Unternehmen.
Beispiele können sein, das kennen vielleicht viele von euch, diese berühmten Social Days, wo das Unternehmen einen Tag im Jahr für ein Team oder für die ganze Firma so einen sozialen Tag organisiert. Die kommen dann in Einrichtungen, arbeiten damit, renovieren irgendetwas, bauen Gärten um, bauen Zäune im Kinderzoo oder packen kleine Hygieneartikel vielleicht für die Wohnungslosenarbeit. Solche Dinge gibt es ganz oft für einen halben Tag oder einen Tag, aber es gibt auch Corporate Volunteering-Initiativen von Unternehmen, wo Mitarbeitende auch ein Vierteljahr oder sechs Monate oder neun Monate freigestellt werden und an Hilfsorganisationen ausgeliehen werden. Also, da gibt es eine Menge, aber dazu morgen ein bisschen mehr, wenn meine Kollegin Ellen Sturm darüber spricht.
Dienstleistungen, auch das ist ein riesen Thema für die meisten Vereine. Je nachdem, wo ihr aktiv seid, fallen Reparaturen an, müssen Dinge installiert werden. Handwerks- und Bauleistungen sind immer super teuer. Fördermittel dafür zu akquirieren oder Spenden oft sehr schwer. Und natürlich kann es eine Hilfe sein, wenn Unternehmen ihre Dienstleistung kostenfrei anbieten. Ich habe schon gesagt, Handwerksleistungen und Bauleistungen könnten das sein, aber auch so etwas wie Lieferdienste, Logistik. DHL, Amazon, die großen Logistiker in Deutschland sind natürlich super engagiert im Feld mit Logistikdienstleistungen, auch z.B. für die Tafeln, aber auch in der Katastrophenhilfe. Amazon hat z.B. riesige Hubs, wo sie ganz viele Materialien vorhalten und die dann eben auch an die Einsatzorte europaweit bzw. weltweit bringen. Das ist jetzt natürlich für eine Initiative in der Kleinstadt nicht so entscheidend, aber auch zu gucken, haben wir logistische Aufgaben oder haben wir Lieferdienste, wo wir auch auf Unternehmen zurückgreifen können, das wäre ja schon eine Frage, die es gibt.
Catering für Veranstaltungen, na klar. IT-Support, also wenn man selbst keinen Mitarbeitenden hat mit dem entsprechenden Know-how, kriegt man vielleicht eine IT-Dienstleistung regelmäßig kostenfrei, dass uns jemand unterstützt. Also nicht erst Geld irgendwo besorgen müssen, um dann Dienstleistungen teuer einzukaufen, sondern vielleicht so wie eine Abkürzung nehmen und herausfinden, ob Unternehmen bereit sind, ihre Dienstleistungen eben auch kostenfrei für den guten Zweck zur Verfügung zu stellen.
Ein Sonderfall davon oder ein unter anderem wie soll ich sagen, ein Sonderfall davon von Dienstleistungen ist Probono-Engagement. Das ist ein Thema, das immer wieder auftaucht in den letzten Jahren, was eine besondere Rolle spielt. Auch das sind natürlich Dienstleistungen, die kostenfrei erbracht werden. Probono-Engagement ist das Besondere hier, dass spezifische Unternehmensgruppen oder Zielgruppen im Blick sind. Das heißt, hier geht es wirklich um hochkarätige berufliche Expertise. Das kann Rechtsberatung sein, da kommt das her, Probono-Beratung. Das kann etwas im Bereich Grafik und Design sein, im Bereich IT oder auch Datenanalyse, im Bereich Architektur, Wirtschaftsprüfung, Unternehmensberatung, Marketing, also die klassischen Sachen, wo man immer denkt als Verein, oh, wir bräuchten eigentlich jemanden, der uns damit unterstützt und wir haben nie ausreichend finanzielle Mittel dafür. Viele Unternehmen engagieren sich gerade mit diesen beruflichen Kompetenzen kostenfrei für die gute Sache.
Manche von euch kennen vielleicht die Nachtschicht. Das ist so ein Format, wo vor allem Unternehmen aus der Kreativbranche in vielen Regionen in Deutschland sich nachts zusammenschließen und einfach für gemeinnützige Vereine Logos entwickeln oder Webseiten entwickeln oder eine kleine App entwickeln oder Plakatkampagnen entwickeln oder ähnliches. Das gibt es in mehreren Städten. Ihr kennt es vielleicht vom Haus des Stiftens, einer Organisation aus München. Da gibt es ein Probono-Camp. Da geht es wirklich um Digitalisierungsthemen: Wie könnt ihr Digitalisierungsfragen bei euch in der Einrichtung vorantreiben? Wir haben gemeinsam auch mit eBay ein Format, wo es darum geht, Digitalisierung voranzutreiben für gemeinnützige Organisationen, Online-Kommunikation, Online-Marketing, all solche Themen, wo wirklich eine hohe fachliche Expertise gebraucht ist, die wir uns oft als Gemeinnützige gar nicht selbst leisten könnten oder wo wir gar keine Fördermittel für bekommen. Und da sind solche Probono-Leistungen von Unternehmen doch ein großes Geschenk.
Aktuell haben sich mehrere Vermittler von solchen Probono-Leistungen zusammengeschlossen, gemeinsam im Auftrag der DSE, die Probono-Allianz Deutschland. Auch da lohnt es sich, mal drauf zu gucken. Da sind bundesweit Organisationen, die Probono-Leistungen von Unternehmen euch zugänglich machen, von Rechtsberatung über Datenmanagement bis hin zu Design und ähnlichen Themen. Probono-Engagement ist ein wichtiges Thema und kann wirklich für Organisationen einen echten Unterschied machen, einen langfristigen Unterschied.
Ein anderes Thema ist Know-how-Transfer. Das ist interessant, weil es da nicht darum geht, dass Unternehmen Dinge für euch machen und nur keine Rechnung stellen, sondern eher das Know-how weitergeben an die Mitarbeitenden der Vereine. Es geht also um Tipps, um Feedback, um Beratung, um Schulungs- und Trainingsprogramme, wo Expertise aus Unternehmen weitergereicht wird an die Non-Profit-Organisationen. Also auch vielleicht bei der Strategie, bei Strategiewicklungsthemen, bei Personalthemen, bei Buchhaltung, bei Management, bei Digitalisierungssachen. Es geht nicht darum, dass der Unternehmensberater für euch macht, sondern eher um die Idee: Hilf mir, es selbst zu tun. Also Fachwissen weitergeben und die Vereine in die Lage versetzen.
Da gibt es auch einzelne Programme und manchmal überschneidet sich das ein bisschen mit dem Probono-Thema, aber z.B. in Nürnberg gibt es ein ganz tolles Format, das heißt Wissenswerkstatt, wo ganz konzentriert Know-how aus Unternehmen über Schulungsprogramme, über Vorträge kostenfrei an gemeinnützige Organisationen weitergegeben wird.
Und nicht zuletzt ist ein Thema, das eine wichtige Rolle spielt, das Image oder die Kontakte, der Einfluss, die Reputation von Unternehmen oder von Führungspersonen aus Unternehmen, Inhaberinnen oder Geschäftsführerinnen, die vielleicht in der Lage sind, euch Türen zu öffnen, die selbst nicht geöffnet werden, Kontakte herzustellen, wo es nicht so einfach ist, vielleicht Kontakte zu bekommen. Die Idee dahinter ist natürlich, einem Geschäftsführer oder einer Geschäftsführerin von dem Unternehmen hört vielleicht die Oberbürgermeisterin oder der Landrat eher zu, als wenn ihr als kleine Initiative mit einem Anliegen um die Ecke kommt oder als Gliederung von dem Überfahrtsverband. Ein Fürsprecher zu gewinnen für eure Organisation oder für ein spezielles Anliegen oder für eine marginalisierte Zielgruppe, die nicht so im Fokus der Öffentlichkeit steht, ist natürlich ein super Gewinn.
Zuletzt habt ihr das ja vielleicht mitbekommen, ganz stark im Kontext des Engagements für Demokratie und gegen Rechtsextremismus, wenn ganz viele Unternehmen auch plötzlich Stellung nehmen zum Thema Demokratie, zur Verteidigung von Demokratie, zur Gefahr und Gefährdung durch die AfD und anderen Organisationen, dann macht das durchaus einen Unterschied, als wenn das nur die lokale Antifa-Initiative macht. Das hilft natürlich auch manchmal, den Reputationsvorsprung, den Unternehmen haben, ganz bewusst zu nutzen für die eigenen Anliegen und für die eigene Mission, die man hat.
So viel vielleicht zu den Formen des Engagements und zur Zusammenarbeit. Das Besondere ist vielleicht, dass wenn man wirklich in Kooperationsprojekte geht, können auch diese Formen des Engagements wirklich in unterschiedlichen Kombinationen eine Rolle spielen.
Genau. Nächster Punkt oder nächste Frage auch von euch war so ein bisschen: Wie finden wir denn die richtigen Partner oder wie finden wir überhaupt Unternehmen, die sich engagieren wollen? Auch da gibt es kein Handbuch, kein "So geht's" auf jeden Fall. Es gibt ein paar Erfahrungswerte vielleicht.
Wenn ihr im Feld schon länger aktiv seid und versucht habt, Unternehmen, die euch nicht kennen, einfach mal anzuschreiben, anzufragen, anzurufen, ist die Antwort ganz oft natürlich nein. Kaltakquise ist einfach so undankbar, wenn man jemanden nicht kennt, aber gleich etwas verkaufen will, in Anführungszeichen, ist es immer ein bisschen schwierig. Deswegen, wenn man Kaltakquise vermeiden will, hat es natürlich zwei Möglichkeiten. Entweder jemand finden, der einem Türen öffnet, oder vom Bestehenden auszugehen.
Letzte Woche war ich auf einer Fortbildung, da hieß es, ich habe gar keine Kontakte zu Unternehmen. Dann haben wir mal durchgeguckt und gesagt, stimmt das wirklich? Als Verein hat man natürlich Lieferanten, man hat Kunden, die eigenen Mitarbeitenden. Wenn man also nicht nur ehrenamtlich aktiv ist, arbeiten natürlich die Lebensgefährten, die Eltern, die Kinder, die Nachbarn bei irgendeinem Unternehmen. Es gibt immer jemanden, der Beziehungen in Unternehmen hat. Und herauszufinden, ob es zu dem Unternehmen, zu dem ihr Kontakt aufnehmen wollt, vielleicht irgendjemanden gibt, der schon Kontakt hat und der uns da Zugang geben könnte. Also, wer kennt wen oder wer kennt wen, der jemanden kennt, vom Bestehenden auszugehen, ist viel einfacher, als ich einfach wahllos eine Liste von Unternehmen rauszusuchen und sie anzurufen oder anzuschreiben.
Und da können wir gerne nachher noch mal in der Runde sprechen, wie das aussehen kann. Zweiter Punkt: Bei Partner finden lokal zu denken. Ich habe es vorhin gesagt, 90 % des Engagements von Unternehmen sind an den Standort gebunden, also sind vor allem lokal und regional. Das bedeutet, wir nehmen am besten auch die lokalen und regionalen Unternehmen in den Blick und schauen nicht auf die DAX-Konzerne. Wir schauen eben in der Regel nicht zu SAP oder BMW oder wen auch immer im Rhein-Main-Gebiet oder im Rhein-Kreis, die großen Unternehmen oder München, wenn wir in der Uckermark eine Jugendinitiative sind. Warum sollte das etwas bringen?
Wen gibt es vor Ort? Wer macht was? Wer könnte zu mir passen? Also lokal denken und gar nicht so sehr auf die großen schauen, weil die schauen alle auf die großen. In der Regel haben die aber Programme, wo wir mit unseren speziellen Anliegen gar nicht reinpassen. Wenn es natürlich so ist, dass wir selbst eine größere Organisation sind oder selbst bundesweit planen oder z.B. im Bereich der Digitalisierungskompetenzen oder Arbeitsmarktkompetenzen für Geflüchtete aktiv sind, dann lohnt sich das natürlich schon auch, auf die großen Unternehmen zu schauen, weil die ein ähnliches Thema haben. Aber für die meisten Vereine, die meisten Organisationen, die eben auch lokal und regional arbeiten, sind die Unternehmen vor Ort entscheidend.
Topf und Deckel steht hier ein bisschen salopp formuliert. Es geht eben immer auch darum, das passende Unternehmen zu finden. Gibt es ein gemeinsames Interesse? Haben wir gemeinsame Schnittmengen? Kann das Unternehmen überhaupt leisten, was ich brauche? Das ist natürlich die zentrale Frage. Man geht natürlich immer vom eigenen Bedarf aus. Also ich bin keine Ahnung, die Kleiderkammer vor Ort, wir wollen uns erweitern, wir brauchen Baudienstleistungen. Da hilft mir die Sparkasse einfach nicht besonders viel weiter, aber vielleicht ein Bauunternehmen.
Also passen wir zusammen, von dem, was ich inhaltlich brauche? Haben wir vielleicht auch die gleichen Vorstellungen? Stimmt die Chemie? Das ist ein riesen Thema, ne? Nicht alle können mit allen, das trifft eben auch auf die Dynamik zwischen Vereinen und Unternehmen zu. Topf und Deckel suchen, passen wir zusammen.
Keine Antragslyrik steht hier. Furchtbar ist es, wenn wir mit unserer Fachsprache, vielleicht aus unserer fachlichen Prägung oder auch aus einer sozialarbeiterischen Prägung heraus, aus den Fachdiskursen mit solchen Schlagworten auf Unternehmen oder Unternehmerinnen zugehen, die gar nicht in diesen Diskursen zu Hause sind. Also Ambiguitätstoleranz oder postmigrantisch sind total schöne Worte, nützen aber nicht, wenn wir den lokalen Handwerksunternehmen, den Bäckermeister, den Inhaber des privaten Baumarktes für uns gewinnen wollen. Dann macht das überhaupt keinen Sinn, so zu arbeiten.
Ein bisschen ausgehend von einer normalen Sprache, die jeder versteht. Und zu Antragslügen oder keine Antragslügen gehört natürlich auch ein bisschen das Thema Wahrhaftigkeit. Also nicht sagen, ah, ich will mit dir kooperieren, aber eigentlich will ich dann doch nur das Geld haben. Also nicht Kooperation sagen und Kohle her. Das ist schon auch wichtig dazu, also ein bisschen ehrlich zu sein oder nicht ein bisschen, sondern klar ehrlich zu sein und zu sagen, was Sache ist.
Mein Lieblingsthema in dem Feld beim Partnerfinden ist "Friend Raising". Das heißt ganz stark in den Beziehungsaufbau investieren. Im Fundraising-Bereich, also in der Diskussion über Mittelbeschaffung, gibt es eben diesen Begriff: "Friend Raising kommt vor Fundraising", also Beziehung aufbauen, in Kontakt sein, Nähe suchen, auch dann, wenn man noch nichts will vom Gegenüber. Es fragt sich halt immer leichter jemanden, den ich kenne und sage: "Guck mal, wir haben ja eine interessante Idee als Jugendorganisation oder als Hospiz vor Ort. Hast du nicht Lust, da irgendwie mitzumachen? Ich könnte mir vorstellen, dass du da mit deinem Unternehmen einen Beitrag leisten kannst. Wir können euch da gut gebrauchen."
Es ist viel einfacher, wenn man jemanden kennt, als wenn man die Person nicht kennt. Das heißt, sich unter Freunden zu verabreden, fällt leichter als unter Fremden. Und deswegen muss es eigentlich immer darum gehen, wenn ihr aktiv sein wollt und mit Unternehmen zusammenarbeiten wollt, dorthin zu gehen, wo auch Unternehmen sind. Also natürlich Veranstaltungen zu nutzen und euch einfach bekannt zu machen, eure Telefonnummer oder Visitenkarten auszutauschen, ins Gespräch zu kommen, auch wenn ihr gerade aktuell kein Anliegen habt, aber einfach Menschen kennenzulernen aus diesem Feld, bei den Industrie- und Handelskammern oder bei der Handwerkskammer. Die haben auch öffentliche Veranstaltungen, dahin zu gehen, Netzwerke, die es gibt oder Serviceclubs. Sich einfach mal vorzustellen bei einem Rotary-Club oder bei einem anderen Service-Club, einfach nur über die Arbeit informieren, ohne dass man gerade etwas braucht.
Den Neujahrsempfang der IHK nutzen, den Wirtschaftsempfang des Oberbürgermeisters oder der Wirtschaftsförderung nutzen. All das sind Sachen. Natürlich ist es gut, dort zu sein und Kontakte zu haben, weil das baut die Brücken zu dem Moment, wo ihr dann später wirklich mal eine Zusammenarbeit sucht.
Der letzte Punkt: Klein anfangen. Das ist vielleicht sozusagen nicht der unwichtigste Punkt, einfach klein loszulegen, einen Testlauf zu machen, ein bisschen Erfahrung zu sammeln und nicht gleich ein riesen Projekt, wo man selbst merkt, ah, so richtig traue ich mir das selber noch nicht zu. Das ist nicht das beste Projekt, um zu beginnen mit Unternehmen zusammenzuarbeiten, sondern klein anfangen, aber anfangen, das ist, glaube ich, entscheidend. Kleine Kooperationen, kleine Projekte entwickeln, das ist zumindest meine Erfahrung.
Vielleicht ist es am Anfang auch nur mal ein Unternehmen, um Rat zu fragen für eine Idee, die man hat, um Feedback zu bitten für etwas. Auch das kann ein guter Anfang sein, wenn man noch gar nicht das große Rad drehen kann oder drehen will.
Und dann ist natürlich die Frage, wie bindet man eigentlich Partner? Auch das war in euren Fragen. Ja, einmalig mal was zusammen machen, schön und gut, aber wie kann ich denn Partner oder Unternehmen an mich binden, an meine Organisation binden oder an unser Thema binden, an unsere Zielgruppe binden? Und ich habe ganz bewusst das Thema Haltung ganz oben hingeschrieben, weil Kooperation, Zusammenarbeit ist für mich weniger eine Frage des Werkzeugs, das wie macht man das, sondern eher eine Frage der Haltung. Also mit welcher Grundhaltung gehe ich meinem Gegenüber zu?
Welche Art von Beziehung möchte ich mit dem haben? Ein erfolgreiches Miteinander beruht eben auf gewissen Umgangsformen, auf gewissen Werten. Natürlich darauf, dass ich anerkenne, dass der andere vielleicht eine andere Handlungslogik hat, eine andere Arbeitsweise hat, auch eine andere Rahmenbedingung, unter denen er aktiv ist. Aber entscheidend ist, glaube ich, dieser Punkt, Partnerschaftlichkeit miteinander zu suchen, Gleichberechtigung zu suchen. Weder sind wir Dienstleister für Unternehmen, wenn wir zusammenarbeiten, noch sind wir diejenigen, die alles wissen und die Unternehmen sollen nur, ich sage es mal wieder, bezahlen oder irgendetwas abgeben.
Ich versuche es eigentlich zu vermeiden, in letzter Zeit von diesem Augenhöheprinzip zu sprechen, aber letztlich geht es darum, dass es nicht von der ein oder anderen Seite von oben herab ein Gönner und ein Empfänger oder ein Bittsteller sein sollte. So sollte es möglichst nicht sein in der Zusammenarbeit mit Unternehmen. Ehrlichkeit, Offenheit, Wertschätzung, das sind natürlich Sachen, die sind völlig klar. Sagen, was ist, wenn etwas nicht funktioniert, miteinander sprechen, Offenheit auch im Sinne von Neugier. Hat der andere vielleicht eine Perspektive, die mich auch weiterbringen kann, die vielleicht für mich neu ist? Bin ich da offen? Lass den anderen auch mitgestalten? Oder ist er nur ein passiver Geber? Oder ist er jemand, der mitgestaltet? All das sind Sachen, die vor allem mit Haltung zu tun haben, wie ich dem anderen gegenüber trete.
Vertrauen ist natürlich eine der wichtigsten Ressourcen. Sage ich gleich noch mal etwas dazu. Vertrauen ist aber eben etwas, was sich wirklich erst mit der Zeit aufbaut. Da braucht es eben auch ein Miteinander. Schon mal zusammengefasst würde ich sagen, wie in jeder anderen Beziehung eben auch: Unmut beim Gegenüber und bei sich selbst möglichst vermeiden. So realistisch einschätzen, was man eigentlich zusammen erreichen kann und erreichen will und Unzufriedenheit möglichst vermeiden oder eben ausräumen, wenn sie doch mal aufgetreten ist. Das ganz kurz zum Thema Partner finden. Wir werden sicher im Gespräch gleich, wenn Fragen da sind, noch mal darauf eingehen.
Und wie gelingt denn eigentlich Kooperation? Oder was sind denn so Gelingensbedingungen für Kooperation? Natürlich, wenn ihr ein bisschen sucht auch im Internet oder andere Fortbildungen besucht, dann gibt es immer so die zehn Gelingensbedingungen oder die 20 Gelingensbedingungen und die Stolpersteine und sowas alles. Ich glaube, im Kern gibt es nur drei. Das ist meine ganz persönliche Überzeugung. Im Kern geht es darum, das Gemeinsame zu definieren und zu gestalten.
Das heißt, als erstes: Haben wir ein gemeinsames Anliegen, ein gemeinsames Thema? Also, was ist das? Das zu definieren und damit auch zu sagen, was ist es eben nicht? Wollen wir uns gemeinsam für die lokale Demokratie vor Ort engagieren oder geht es um Fachkräftemangel? Das kann miteinander zu tun haben, aber es können auch völlig unterschiedliche Dinge sein. Also ein gemeinsames Anliegen, eine gemeinsame Schnittmenge. Kürzlich habe ich diesen Begriff gehört, den benutze ich gern: Gibt es auch sowas wie einen gemeinsamen Painpoint, einen gemeinsamen Schmerzpunkt? Also da, wo wir als Organisation arbeiten und Unternehmen das genauso schmerzhaft empfinden, z.B. dass Menschen auf der Straße leben oder junge Menschen einfach durch das Bildungssystem durchrauschen und offenbar keine Chance kriegen.
Fühlen wir diesen Schmerz genauso und haben wir einen gemeinsamen Painpoint dabei? Wo liegen die gemeinsamen Interessen? Darum geht es letztlich. Also gemeinsames Anliegen, gemeinsames Thema definieren, gemeinsame Schnittmenge finden. Und das ist das eine. Dazu gehört aber auch eben das gemeinsame Ziel. Es braucht Klarheit, was man zusammen tun will, was man zusammen erreichen will. Also was ist sozusagen dann das gemeinsame Ziel und wie sieht die Arbeitsteilung aus? Kooperation heißt ja, arbeitsteilig vorzugehen. Es ist nicht einfach nur irgendwie miteinander sich austauschen, sondern arbeitsteilig vorzugehen. Wer bringt was ein? Wer hat welche Rolle? Wie werden Entscheidungen getroffen? Wie werden Konflikte gelöst?
Dazu gehört sicher auch die Frage einer realistischen Einschätzung: Was können wir mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen, die wir haben, egal ob monetäre oder nicht monetäre Ressourcen, was können wir realistisch wirklich erreichen und was eben nicht? Also Zielsetzung, Klarheit, Arbeitsteilung und der letzte Punkt, den ich vorhin schon angesprochen habe: Vertrauen als absolute Goldwährung in diesem Bereich.
Weil nur ein gemeinsames Thema zu haben und ein gemeinsames Ziel ist in der Regel nicht ausreichend, sondern Vertrauen gehört in der Beziehung dazu. Nur entsteht dieses Vertrauen eben nicht per Vertrag, nicht per Akklamation, nicht per Unterschrift, nicht per Handschlag, sondern Vertrauen entsteht eigentlich nur durch gemeinsame Erfahrung. Also indem man gemeinsam einen Weg geht, Vertrauen muss wachsen und das braucht eben auch Zeit. Das lässt sich nicht mal eben per Fingerschnips herstellen.
Ein anderer Punkt zum Thema gelingende Kooperation: Alle müssen, das ist auch ein bisschen banal, aber trotzdem wichtig, alle müssen etwas davon haben. Das bedeutet, Nutzen zu schaffen, Mehrwert zu schaffen für alle Beteiligten. Es gibt immer dieses Wort von Win-Win-Situationen. Für die Unternehmen muss durch die Zusammenarbeit Nutzen entstehen, für euch als Verein oder soziale Einrichtung muss Nutzen und Mehrwert entstehen, sonst funktioniert das natürlich nicht. Wenn ihr nichts davon habt, warum solltet ihr dann investieren?
Aber ich habe geschrieben "Win-Win-Win". Natürlich gilt das auch für eure Zielgruppe, für euer Thema, für euer gesellschaftliches Anliegen. Wenn durch eure Zusammenarbeit nichts bei rumkommt für die Zielgruppe oder das Anliegen, dann ist es auch nichts, was eine gelingende Kooperation ausmacht. Dann arbeitet ihr zwar zusammen, aber erreicht nichts. Das hilft natürlich gar nicht.
Ein anderer wichtiger Punkt für mich ist vielleicht noch mal, da geht es auch noch ein Stück um Haltung: Unternehmen als Mitgestalter ernst zu nehmen. In der Diskussion rund um Sozialkapital, also wie entstehen soziale Bindekräfte in der Gesellschaft, gibt es eine interessante Unterscheidung. Es gibt einmal gutes Tun mit jemanden oder gutes Tun für jemanden. Das Unternehmen soll eben nicht für euch etwas Gutes tun, sondern mit euch für jemanden anderen, für Dritte, für ein Anliegen Gutes tun. Und das glaube ich ist eine zentrale Gelingensbedingung, dass es nicht so ein Gefälle entsteht, sondern wirklich ein Nutzen entsteht für andere, für die Gesellschaft und Unternehmen mit euch gemeinsam "doing good" etwas tun. Das finde ich doch ziemlich zentral.