Es geht um den absoluten Start ins Fundraising. Das ist ja in dieser mehrteiligen Seminarreihe. Es gibt unterschiedliche Blöcke, und wir schauen uns heute wirklich an: Was sind Fragen vorab? Oder was gibt es auch? Wie kann ich alle mit ins Boot holen? Das ist so das Thema für den richtigen Start ins Fundraising für kleine Vereine. Ja, und ich freue mich, wenn ihr während des Vortrags auf jeden Fall schon mal Fragen sammelt. Ihr könnt sie auch zwischendurch stellen, wenn es jetzt zum Beispiel Verständnisfragen gibt oder so, dann schreibt gerne in den Chat. Oder wenn ihr irgendwas nicht verstanden habt, dann schreibt es gerne in den Chat. Ansonsten: größere Fragen oder die sehr individuell auf euren Verein eingehen am besten dann hinterher, weil da haben wir ja ganz klar noch mal eine ganze Zeit, um diese individuellen Fragen zu klären.
Genau. Und ich weiß, dass es immer ein bisschen schwierig ist, dass die Fragen jetzt laufend kommen. Deswegen die Anregung: Sammelt euch schon mal während des Vortrages eure Fragen.
Gut, dann steigen wir mal ein ins „Bitte einsteigen“. Also, der Inhalt ist so grob strukturiert in: erstmal diese Entscheidung „Machen wir das jetzt? Wir stellen das Fundraising mal auf andere Füße.“ Denn: dass ihr noch gar nichts macht, das gibt es eigentlich nicht. Also, jeder hat schon mal für irgendetwas Spenden gesammelt: Sachspenden, Geschenke für eine Tombola oder für irgendeine Fahrt einen Antrag gestellt. Das heißt, das Handwerk ist eigentlich immer schon da. Und für viele ist der erste Schritt eben zu überlegen: Wir stellen es jetzt mal anders auf. Das meine ich mit „Wir investieren da jetzt mal Zeit rein“.
Der zweite Schritt in der Präsentation ist dann zu sagen: „Ach, wir haben einen Plan.“ Denn ich kann natürlich auch einfach intuitiv Fundraising betreiben, aber nachvollziehbar und wiederholbar wird es eben mit einem Plan. Der nächste Schritt in der ganzen Überlegung ist: Wir nehmen alle mit ins Boot. Was muss ich tun, damit ich die Menschen im Verein mitnehme? Gerade wenn ihr hauptsächlich ehrenamtlich unterwegs seid, ist es ja auch die Frage: Wie kann ich denn auch Wissen transportieren? Also: Wissen nachher alle Bescheid? Oder wie kann ich auch die verschiedenen Perspektiven des Vereins einbeziehen?
Der nächste Schritt ist dann: Wir wissen, was es braucht. Also, ihr habt euch darüber kundig gemacht. Zumindest stelle ich euch vor, wie ihr diesen Start gestalten könnt. Und dann wäre eben die Entscheidung: Wir starten. Das ist so der Aufbau der nächsten 45 Minuten.
Genau, vorgestellt worden bin ich ja schon. Und vielleicht nur noch mal der Hinweis: Es ist ja gefallen auf die Fachgruppen des Deutschen Fundraising-Verbands. Ich leite die Fachgruppe Kultur, es ist mein Ehrenamt und ich bin im Beirat tätig. Der Deutsche Fundraising-Verband ist eine sehr gute Austauschplattform, auch wenn es in eurem Verein noch mehr Interesse gibt, sich auszutauschen vor Ort. Es gibt Regionalgruppen, die organisiert werden in den Regionen in Deutschland vor Ort, wenn ihr euch austauschen wollt mit anderen Vereinen, mit anderen … vielleicht noch mal auch … also irgendwie: Arbeiten gut zusammen. Insofern mache ich jetzt mal ein bisschen Werbung für den Verband. Dort findet ihr auf jeden Fall auch weitere Informationen.
Diese Kombination von Fundraising, Management und Organisationsentwicklung hilft mir bei der Beratung, Fundraising zu implementieren. Denn das eine ist ja, einen Plan zu entwickeln, und das andere ist, den Plan umzusetzen und dann tatsächlich auch im Verein Zuständigkeiten und Strukturen zu schaffen. Und da ist man dann eben knietief drin in der Organisationsentwicklung.
Vielleicht noch mal zum Fundraising-Begriff: Viele verstehen unter Fundraising den Bereich Spenden. Ich fasse den Fundraising-Begriff sehr weit. Ich finde, dazu gehören alle Wege und Möglichkeiten, Ressourcen für eine Organisation zu beschaffen. Also nicht so: „Ja, da sind die Fördermittel und das andere ist das andere Fundraising.“ Das muss sowieso ineinandergreifen. Man kann es nicht in Silos denken oder betreiben, sondern es muss eine Komplettstrategie sein über alle Wege und Mittel, Ressourcen zu beschaffen. Und dabei würde ich zu den finanziellen Ressourcen sicherlich auch die zeitlichen Ressourcen nehmen. Wir beschäftigen uns jetzt gleich eher mit der Frage „Wo bekomme ich finanzielle Mittel her?“, aber für Vereine ist natürlich auch immer die Frage nach dem Ehrenamt. Wenn ich Ehrenamt als Zeitspende begreife, dann wäre das zum Beispiel in dieser dritten Säule der Spenden durchaus aufgehoben, und auch dort würde eine Ehrenamtskonzeption hingehören. Das ist so mein Begriff von Fundraising. Ich stelle das als Oberbegriff über diese vier Säulen: eben einmal Fördermittel – also alle Arten von Fördermitteln, kommunal, Land und EU, kirchliche Mittel gegebenenfalls noch, also alles, was über die öffentliche Hand vergeben wird –, dann der Bereich Lotterien und Stiftungen. Das heißt, ich habe bei den Lotterien so etwas wie die Aktion Mensch, das Deutsche Hilfswerk, das über die Fernsehlotterie läuft, die GlücksSpirale, WestLotto, Umweltlotto/Bingo. In allen Ländern gibt es ja auch immer noch eigene Lotterien, die Bildungschancen-Lotterie und so weiter, die dann sehr thematisch ausgerichtet sind. Das heißt, das ist ein großes Feld an Fördermitteln. Private und Unternehmensstiftungen sind auch ein riesiger Markt in Deutschland. Nicht alles sind fördernde Stiftungen; manche Stiftungen sind auch operativ tätig. Das heißt, die haben einen festen Zweck, häufig sind sie Träger von Einrichtungen wie Krankenhäusern und so weiter und sind eben nicht fördernd tätig. Aber auch das ist ein großer Bereich, Mittel zu beantragen, unter anderem die DSEE, die ja eben auch sehr viele verschiedene Förderprogramme haben.
Dann gibt es den Bereich der Spenden, also freie Spenden, eher oder weniger zweckgebunden. Fördermittel, Lotterien, Stiftungen geben immer zweckgebunden für ein Projekt. Spenden kann ich auch mehr oder weniger zweckungebunden einwerben. Wenn ihr zum Beispiel Fördermitglieder habt, sind diese Mitgliedschaften ja nicht alle zweckgebunden, sondern können im Verein frei verwendet werden. Wenn ich andere Spenden einsammle, wo ich jetzt nicht einen expliziten Zweck dranhänge, kann ich die frei verwenden. Das ist natürlich eine große Freiheit. Ich bin nicht daran gebunden, mich nach einem Fördertopf zu richten. Diese Spenden kann ich im Namen von Privatpersonen oder auch von Unternehmen oder von Förderinstitutionen wie Lions Clubs, Rotary Clubs einwerben – also Institutionen, die sich vor Ort, egal ob auf dem Land oder in der Stadt, dazu bekennen, dass sie vor Ort Projekte fördern wollen. Und dann gibt es diese vierte Säule: Sponsoring und Unternehmenskooperation. Ich habe die deswegen hier herausgegriffen, da Sponsoring – im Gegensatz zur Spende – immer ein Ding ist auf Gegenseitigkeit. Also: Ich gebe etwas und bekomme dafür etwas. Die Spende ist freiwillig ohne Gegenleistung, aber das Sponsoring läuft ja immer gebunden an Marketing-Gegenleistungen. Deswegen habe ich es herausgegriffen. Und unter Unternehmenskooperationen verstehe ich die Kooperation, wo sich zum Beispiel Erlöse aus dem Verkauf einer Sache ergeben und ich mich damit sehr eng mit einem Unternehmen verbinde.
Also, das sind so die vier Säulen. Das ist mein Fundraising-Begriff. Und jetzt ist eben die Frage: Ja, das ist sehr schön, das ist sehr bunt, das ist groß, diese Förderlandschaft – wie kann ich denn als Verein, vielleicht auch als kleiner Verein, hier meinen Einstieg finden?
Dazu vielleicht erst einmal eine Frage an euch in die Runde: Mit welcher Art von Fundraising habt ihr bereits Erfahrung? Oder vielleicht auch: Was sind eure Hauptförderquellen für eure Projekte, für euren Verein?
Da gibt es jetzt die Möglichkeit der A-, B-, C- oder D-Ankreuzen: A für Fördermittel, B für Lotterien und Stiftungen, C für Spenden und D für Sponsoring/Unternehmenskooperation. Am besten funktioniert … oder Spenden – da würde ich eben auch Mitgliedsbeiträge so einordnen.
So, spannend – es sind schon viel abgestimmt worden. Da haben wir es: also ein großer Bereich Fördermittel. Das ist nicht so verwunderlich, weil das tatsächlich eine wichtige Fördersäule ist in der Vereinslandschaft und eine, die eben auch relativ gut zugänglich ist. Aber auch 23 Prozent Spenden – das ist doch schön. So, der Bereich B Lotterien und Stiftungen: fünf … nein, sieben Prozent, Entschuldigung. Ich habe jetzt auch auf die Abstimmungszahlen geachtet: also 56 % Fördermittel, 32 % Spenden, 7 % über Lotterien und Stiftungen und immerhin 5 % über Sponsoring/Unternehmenskooperation. Das ist spannend. Also, das heißt, da gibt es unterschiedliche Erfahrungen. Danke schön.
Zu dem Bereich Fördermittel hat ja auch die DSEE viele Vorträge und bietet da ja auch viel Unterstützung an. Und für den Bereich Spenden ist jetzt unter anderem dieses Seminar.
So, jetzt müsste ich wieder in den Präsentationsmodus zurückgeschoben werden, damit ich meine Chart wechseln kann. – Müsstest du dir einmal selber die Präsentationsrechte nehmen, indem du einmal kurz auf das Plus klickst unten: „Präsentation“. – Hervorragend. – Okay, jetzt funktioniert es. Ich muss hier irgendwas bestätigen. Ich hoffe, ich klicke mich jetzt hier nicht raus. – Klar, super.
Ja, was braucht Fundraising, wenn ich jetzt starten möchte? Womit muss ich starten? Was sind gute Eigenschaften, die ich haben sollte, wenn ich Fundraising machen möchte? Dazu habe ich vier Eigenschaften, die gut sind, wenn ich sie im Verein habe:
Fundraising braucht Entschlossenheit. Ich kann nicht „so ein bisschen“ Fundraising machen, sondern ich muss schon sagen: Ja, ich möchte da auch Zeit investieren. Wenn ich Spenden einwerbe, habe ich Menschen, die ich hinterher auch in irgendeiner Form pflege, kultiviere, die ich vielleicht noch mal anfrage, die ich noch mal bedanken muss. Wenn ich Fördermittel einsetze, dann muss ich die auch abrechnen können. Ich muss sehen, ob ich vielleicht auch Anschlussförderung möglich mache. Das heißt, ich muss wirklich entschlossen sein, es zu machen. Ich sage immer: Das ist auch eine unternehmerische Entscheidung, dass ich wirklich sage: Ja, wir investieren was da rein, weil wir hinterher auch etwas herausbekommen. Und das sollte auch eine gemeinsame Entscheidung sein – entweder im Vorstand oder in irgendeinem anderen Gremium –, wo dann auch klar ist: Ja, da kümmert sich auch jemand drum. Damit kommen wir nämlich zu Punkt 2.
Fundraising braucht ein Team. Selbst in großen Organisationen – und ich gucke ja viel in den Kulturbereich, selbst im Hochkulturbereich, der durchaus die Mittel hätte – ist dann doch häufig die eine arme, einsame Person, oder vielleicht noch eine zweite, die das Fundraising macht. Es gibt dort selten Teams. Teams findet man vor allem bei spendenfinanzierten großen Organisationen wie Misereor oder Greenpeace, die dann auch spezialisiert sind und so weiter. Auch in Vereinen kann ich nicht das ganze Thema Fundraising an irgendeine Person delegieren und sagen: „So, du machst das jetzt“, weil ich ein Netzwerk von allen brauche. Es ist Beziehungsmarketing. Ich muss alle mit einbeziehen, deswegen brauche ich ein Team – auch Leute, die unterschiedliche Dinge können. Ich kann Fundraising auch ganz schlecht einfach auslagern. Das ist immer der große Wunsch: „Holen wir doch eine Agentur, die das alles für uns macht.“ Auch das wird nicht funktionieren, eben weil es so eng geknüpft ist an die Personen, denen ein Spender, eine Spenderin oder auch ein Fördermittelgeber vertrauen muss, dass er oder sie das Geld gut einsetzt.
Fundraising braucht Ressourcen. Wenn ich Geld einnehmen will, muss ich Geld investieren – oder irgendetwas anderes investieren: Zeit, Kontakte. Es geht nicht ohne Investition. Das weiß jeder, der sich im Finanzwesen schon mal bewegt hat. Und auch wenn ich Zeitspenden haben möchte, muss ich ja erst einmal Zeit investieren, um Stellenbeschreibungen zu machen, um die Werbung dafür zu machen, um Menschen willkommen zu heißen, sie einzuarbeiten, um sie zu begleiten. Also: Ich brauche immer irgendeine Art von Ressource. Wenn ich schon wirklich nur noch mit dem Rücken an der Wand stehe finanziell, ist es ganz schwierig, Fundraising aufzubauen, weil ich dann gar keinen Spielraum mehr habe. Das heißt, frühzeitig damit starten ist auf jeden Fall wichtig. Wenn ich gar keine Spielräume mehr habe, dann wird Punkt 4 ganz schwierig.
Fundraising braucht Kreativität und Mut. Ich muss auch mal einfach was ausprobieren können. Manchmal sind Fundraising-Ideen – gerade wenn es um den Aktionsbereich geht, wenn ich Fundraising-Aktionen oder Kampagnen mache – auch ein bisschen verrückt. Man muss ja auffallen, man muss sich irgendwie abheben von vielen anderen Organisationen. Dazu gehört ein gewisser Mut und auch die Kreativität, hier mal ungewöhnliche Wege zu gehen oder überhaupt etwas auszuprobieren. Wenn alles immer ein Erfolg werden muss, ist das gar nicht so einfach für Fundraising, dann noch leicht und frei zu agieren.
Das ist die Frage: Sind alle im Boot, um das zur Verfügung zu stellen? Zu sagen: Ja, wir sind entschlossen, wir stellen ein Team zusammen dafür, da haben wir ein paar Ressourcen, die wir da reinwerfen können, und wir lassen die Leute auch einfach mal machen.
Dann ist die Frage: Wo fangen wir denn an? An dieser Stelle werden viele Organisationen dann rappelig, und da kann ich wirklich nur appellieren: immer mit der Ruhe. Fundraising besteht nicht aus einzelnen Maßnahmen, sondern Fundraising besteht aus einer Strategie, aus einem Plan, aus wiederholbaren Maßnahmen – und zwar ein Plan, der eben alles abdeckt, was ich im Fundraising erreichen möchte. Das heißt: Denkt strategisch, nicht aktionistisch. Natürlich kann man mal irgendwie einen Spendenflyer entwerfen, man kann auch mal irgendwo eine Spendendose aufstellen. Das wird einem aber nicht auf Dauer den Hintern retten. Sondern ich muss wirklich sagen: Okay, wenn ich langfristig Fundraising betreiben will, wie kann ich das denn anstellen?
Fundraising geht nicht wieder weg. Wir werden ja nie wieder plötzlich mehr Mittel zur Verfügung haben in Kommunen und Ländern, dass da irgendwie alles durchfinanziert werden kann. Zivilgesellschaft ist immer zu einem Teil darauf angewiesen, über Fundraising Dinge möglich zu machen. Grundsätzlich halte ich das auch für richtig. Fördermittel sind ja ein politisches Steuerungswerkzeug. Die Themen, die politisch gewollt sind, werden über Fördermittel umgesetzt. Wenn ihr andere Themen verfolgt oder Themen, die nicht einer wechselnden Agenda folgen, sondern eurer eigenen langfristigen Agenda, dann braucht ihr Fundraising. Es ist Teil eurer DNA, weil ihr sagt: „Das ist uns wichtig, dieses Thema“, und ihr ladet andere Menschen ein, euch dabei zu unterstützen, dieses Thema hier in der Region oder Kommune oder in dem Stadtteil umzusetzen. Also: Es geht nicht wieder weg. Deshalb sollte es gut vorbereitet sein. Nehmt euch ein bisschen Zeit. Am besten ist es, ein Projektteam zusammenzustellen oder eine Arbeitsgruppe zu gründen – oder womit auch immer ihr arbeitet –, Menschen, die sich einfach für eine gewisse Zeit mal in Ruhe Gedanken darüber machen, wie Fundraising umgesetzt werden soll. Und nicht: „Ach, wir machen mal dies, und wir machen mal ein bisschen das.“ Das ist der grundsätzliche Start.
Das zweite ist: Entscheidet euch dafür, wirklich ernsthaft zu starten. Und es ist die Frage innerhalb eurer Gremien: Was braucht ihr dafür? Braucht ihr einen Mitgliederentscheid, die sagen ja, zum Beispiel zu dem Thema Ressourcen: „Wir stellen einen gewissen Betrag zur Verfügung, um Material herzustellen, um uns Know-how dazu zu holen, um Strukturen aufzubauen, um etwas umzusetzen.“ Oder ist das eine Vorstandszuständigkeit? Also: Wo wird es angesiedelt, dass ihr irgendwo wirklich einen Start setzt und sagt: „Ja, so entschließen wir uns jetzt dazu.“ Und wir werden da auch sehen, immer wieder mal reinhören: Wie läuft’s denn? Brauchen wir was, was wieder in der Mitgliederversammlung vorgestellt wird oder in anderen Gremien? Also, das ist etwas, was einfach dazu gehört, dass es auch öffentlich gestartet wird.
Was auch immer gut ist in so einer Startphase: nach guten Beispielen suchen. Schaut euch um: Was gefällt euch? Was seht ihr bei anderen Organisationen, was diese an Fundraising machen? Was glaubt ihr, was die für eine Strategie damit verfolgen? Fragt auch ruhig mal bei anderen Vereinen nach ihren Erfahrungen oder holt euch Input von anderen Menschen, die schon Fundraising machen, und fragt: „Was funktioniert denn bei euch?“ oder „Wie habt ihr das gestartet?“ oder „Wie viel Vorlauf braucht ihr für diese oder jene Maßnahmen?“ Also: Hört euch um, nehmt Flyer mit, die euch gut gefallen, schaut nach Aktionen, die euch gut gefallen, und überlegt: Wäre das etwas, was zu uns passt? Ist es etwas, wo wir unsere Stärken und Möglichkeiten richtig gut einsetzen können? Wechselt mal die Perspektive, schaut auf euch: Wie seid ihr denn aufgestellt? Wie nimmt man euch von außen wahr? Ist es etwas, was Menschen verstehen können, wenn sie nicht Teil des Vereins sind? Ist es etwas, was Leute wichtig finden können – und zwar so wichtig, dass sie euch auch unterstützen?
Jetzt kommen wir zu den Schritten, die ihr dann wirklich auch nachverfolgen könnt. Zu diesem Dreieck, zu diesen drei Ecken, folgen gleich auch noch mal sehr konkrete Fragen. Ich würde das nur ein bisschen einordnen. Da sind auch Themen dran, die ihr dann für euch wirklich so ein bisschen checklistenartig abarbeiten könnt.
Also: Fundraising-Erfolg hängt letztendlich an drei großen Faktoren oder Feldern, die klar sein müssen oder die gut erarbeitet sein müssen, damit ihr wirklich wisst, wohin ihr im Fundraising steuert und wie ihr mit Fundraising Erfolg haben könnt. Das erste ist das Thema, das Projekt, das Vorhaben und – je nachdem – vielleicht sogar die Organisation, der Verein als Ganzes. Also: Wie gesellschaftlich relevant seid ihr oder ist das Thema? Ist es ein Thema, das breit diskutiert wird, oder ist es ein Nischenthema? Wie ist dieses Thema bisher verbreitet worden? Sehen alle eine Notwendigkeit darin? Das gehört zu diesem Punkt.
Ein Punkt ist dann die Ecke der Rahmenbedingungen: also die Akteure, die eingebunden sind, der Verein und sein Netzwerk, seine Möglichkeiten, seine Ressourcen. Sind die vorhanden? Ist Erfahrung vorhanden? Sind die technischen Möglichkeiten vorhanden? Das gehört alles zu diesem Punkt B. Neben diesem Blick auf uns als Organisation oder das Projekt, das Vorhaben, geht es da auch wirklich um eine kleine Nabelschau: Wie sind wir aufgestellt, um etwas umzusetzen?
Punkt C ist der Blick nach außen: Da schaue ich, wie mein Umfeld ist. Wir haben ja gesehen, ihr kommt aus allen Ecken von Deutschland, und ob ich jetzt in Hamburg Fundraising mache oder in Südthüringen, ist ein Unterschied. Hamburg, Spitzenreiter bei der Stiftungsdichte, hat natürlich andere Zugangsmöglichkeiten; andererseits gibt’s da auch viele Vereine, also eine hohe Konkurrenz. Wenn ich in Südthüringen unterwegs bin, ist die Stiftungsdichte vielleicht nicht ganz so hoch, aber vielleicht ist auch die Organisationsdichte nicht ganz so hoch, oder ich kann mich dort besser profilieren. Das Umfeld bietet Möglichkeiten oder auch Restriktionen. Es ist nicht alles überall gleichmäßig gut möglich. Das wirtschaftliche Umfeld: Ich komme aus dem Ruhrgebiet. Wir haben hier viele Städte, die lange im Nothaushalt waren. Hier gibt es viele Stadtteile, die nicht so gut dastehen, und es ist nicht so eine riesige Millionärsdichte hier. Wenn ich in Duisburg fundraise, ist das was ganz anderes als in Düsseldorf. Ich muss schon immer schauen, wo ich unterwegs bin – und dann eben auch sehen: Wer sind denn meine potenziellen Spenderinnen und Spender? Zu diesem Punkt stelle ich euch auch ein ganz konkretes Tool vor, das ihr nutzen könnt für ein Brainstorming bei euch im Verein.
Also: Alle drei Positionen müssen passen, damit ich auch erfolgreich sein kann im Fundraising. Das Thema sollte irgendwie entweder wichtig oder dringlich sein; es sollte diskutiert werden oder auch einen dauerhaften Bekanntheitsgrad haben, wenn es jetzt nicht gerade eine akute Dringlichkeit hat. Es muss nachvollziehbar sein, ich muss es leicht verstehen können. Also nicht z. B. in den Beschreibungen von Projekten Fachsprache nutzen: Der Spender ist kein Fachmensch. Bei Fördermitteln sieht das vielleicht noch ein bisschen anders aus, aber es muss halt verständlich sein. Die handelnden Personen sollten ein bisschen Know-how haben und wissen, was sie tun. Sie sollten Zeit zur Verfügung haben für die Fundraising-Maßnahmen. Das ist das größte Problem, es ist immer der Flaschenhals: die Zeit, um Fundraising umzusetzen. Wir haben immer alle „Oberkante Unterlippe“ zu tun mit allem anderen, mit dem Alltag. Deswegen fallen Fundraising-Themen meistens hinten runter. Bei Vorstandssitzungen sind sie gerne der letzte Punkt auf der Tagesordnung – und da immer von hinten her weggekürzt wird, landet es regelmäßig bei „machen wir nächstes Mal“. Das ist meine Erfahrung, wenn ich mit Vereinen zu tun habe. Deswegen: Schaut, dass ihr euch diesem Thema – zumindest für den Start – wirklich widmet. Ihr müsst überzeugt sein, dass das richtig ist, dass die Maßnahmen gut sind. Der Plan muss bekannt sein, dann kann Fundraising funktionieren. Und das Umfeld der Organisation sollte aus interessierten Personen bestehen, die euer Anliegen kennen, und es sollte irgendein Potenzial aufweisen. Ansonsten muss ich erst mal an meinem Netzwerk und meinen Beziehungen arbeiten, um z. B. nach Spenden zu fragen.
Schauen wir noch mal rein in das Vorhaben. Da ist die wichtigste Frage: Warum soll man euch, eure Organisation, unterstützen? Es gibt so viele andere schöne Zwecke – warum ausgerechnet euch? Was könnt ihr dazu sagen? Warum seid ihr wichtig? Für wen seid ihr wichtig? Welche Wirkung habt ihr in der Stadt, für eine bestimmte Zielgruppe, in der Region? Warum seid ihr so wichtig, dass ich euch mein Geld geben sollte? Und das ist eigentlich schon egal, ob ich jetzt eine Stiftung bin, ob ich eine Privatperson bin, ein Unternehmen bin – diese Frage werde ich immer haben: das „Warum“. Und: Habt ihr ein ganz klares Vorhaben? Erfahrungsgemäß funktioniert es nicht so gut zu sagen: „Na ja, wir sind hier der Verein sowieso und wir brauchen Geld.“ Das ist kein klares Vorhaben, das ist auch kein klar kommunizierbares Ziel. Ich muss sagen können: „Wir haben hier das Vorhaben XY,“ oder „Wir haben Vorhaben A, B, C – und deswegen haben wir einen Gesamtbedarf von X Euro. Wir würden uns freuen, wenn Sie diesen Anteil hier mit übernehmen.“ Oder: „Wir machen gerade eine Spendenaktion, um so und so viel Euro zusammenzubekommen für das Projekt XY.“ Also: Es muss klar, konkret formuliert sein, was ihr genau braucht. Der Verein als Ganzes ist erst im zweiten Schritt für viele Spender interessant – wenn sie zum Beispiel Fördermitglied werden. Dann sagen sie: „Ja, ich finde eigentlich alles, was ihr macht, super. Gebt mir hier ein Dauerspendenformat/Fördermitgliedschaft – wunderbar, macht damit, was ihr für richtig haltet.“ Aber das wird nicht der erste Schritt sein.
Beim Projekt immer wichtig: Warum ist es gerade wichtig, interessant, neuartig, bereichernd? Warum ist es etwas anderes als das, was bisher geschehen ist? Das ist gerade bei Fördermitteln – diejenigen, die damit Erfahrung haben – unheimlich wichtig: Warum hebt es sich ab von der Alltagsarbeit? Das möchte ein Fördergeber immer gerne wissen. Im Spenderbereich ist es nicht ganz so vordringlich, aber auch da ist wichtig: Für wen ist es denn eigentlich? Warum ist es so wichtig für diese Zielgruppe? Welche Wirkung hat es? Warum ist das gesellschaftlich relevant? Dafür müsst ihr schlüssige Antworten bieten können. Kein Larifari, sondern gut, konkret, ansprechend formulierte Texte, möglichst kurz: Vision, Mission, was sind eure Handlungsfelder, wie passt dieses Projekt da rein, warum ist es wichtig? Das ist das A und O. Da seid ihr mehr noch im Marketing – deswegen: Marketing und Fundraising gehören ganz eng zusammen.
Das zweite sind die Rahmenbedingungen – also ein kleiner Organisations-Check. Einmal muss ich mir anschauen: Welche Ressourcen habe ich zur Verfügung? Ressourcen im Sinne von Zeit: Wer macht das denn eigentlich? Macht es ein ganzes Team? Und auch – an der Stelle immer ganz wichtig –: Was macht ihr schon und wie viel Zeit setzt ihr schon dafür ein? Man kann da auch immer ganz gut reinschauen in die Frage: Was machen wir schon, zum Beispiel an Öffentlichkeitsarbeit? Wie kann man Öffentlichkeitsarbeit mit Fundraising verknüpfen? Also was weiß ich: Kein Presseartikel mehr ohne irgendeinen Aufruf drin, ja? Oder andere Aktivitäten, die ihr sowieso schon macht, die dann verknüpft werden. Da ganz wichtig: immer mal reinschauen, was passiert denn schon alles – und wirklich, wirklich ehrlich zu sich sein: Was kann ich an Zeit investieren?
Ein kleines Beispiel: Eine kleine Organisation, die so eine Art Stadtteilladen betrieben hat – ein offenes Angebot, da konnte jeder rein – und die Leitung sollte dann das Fundraising machen. Das waren zwei Personen. Die haben lange nachgedacht und dann irgendwann ganz ehrlich gesagt: „Wir können jeder ungefähr zwei bis drei Stunden in der Woche investieren, mehr nicht. Das ist es.“ Dann haben wir lange überlegt: Was kann man denn mit sechs Stunden in der Woche an Fundraising-Maßnahmen umsetzen? Dann war ganz klar: Alles, was sie tun, muss angebunden sein an andere Tätigkeiten, die sie haben. Das heißt, die können nicht die Riesenkampagne planen, die zusätzliche Zeit kostet – es sei denn, sie sagen: „Okay, das können wir jetzt nicht umsetzen, aber wir suchen uns mal einen anderen Kreis zum Beispiel, der uns zuarbeitet oder der Sachen selbstständig umsetzt.“ Ein Kreis oder ein Komitee mit Menschen, die gut vernetzt sind, die unsere Spendenanliegen woanders vortragen – das wäre eine Möglichkeit, die Zeitressourcen zu erweitern. Da muss man sehr ehrlich zu sich sein, weil alle Maßnahmen – und gerade die Sachen, die unheimlich Spaß machen – wirklich viel Zeit kosten. Das ist ja auch okay, weil es letztendlich immer dazu dient. Es ist ja immer auch Kommunikation; es macht euch als Verein bekannter oder eure Projekte bekannter. Letztendlich kann ich auch davon profitieren, dass, wenn meine Projekte bekannter werden, ich auch wieder neue Nutzerinnen und Nutzer gewinne. Insofern: Fundraising nicht separiert denken, sondern – da sind wir wieder in der Organisationsentwicklung – es steckt mittendrin.
Wenn ich jetzt sage: „Okay, ich habe vielleicht die Leitung dieses Stadtteilladens, aber ich habe Honorarkräfte, die hier Gruppen anleiten, oder ich habe ein ehrenamtliches Team, das Stadtteilspaziergänge macht“ – viele verschiedene Ideen –, dann muss ich die mit ins Boot holen. Die gehen bei jedem Gang, wo sie draußen sind, und nehmen unsere Image-Darstellung mit und legen die irgendwo aus. Oder wenn die im Gespräch sind mit ihrem Einzelhändler im Stadtteil, überreichen die dem mal so einen Flyer und sagen: „Hier, für die nächste Weihnachtsspende.“ Dann gilt es – und da sind wir wieder bei dem Punkt „Sind alle mit im Boot?“ –: Hat das jeder verstanden, dass jeder eine Rolle hat im Fundraising? Das ist nicht das Ding, das im Büro am Ende des Ganges passiert, sondern es ist etwas, wo sich jeder mit seinen Möglichkeiten engagiert. Dann kann auch – weiß ich nicht – das Ehrenmitglied Günther seinen 75. Geburtstag feiern und sagen: „Ach Kinder, schenkt mir doch nichts. Ich sammle hier für meinen Verein.“ Auch das wäre Fundraising. So etwas kann ich anregen unter meinen Mitgliedern und dafür Material zur Verfügung stellen. Das wäre auch wieder eine Form von Fundraising, die sehr eng an den vorhandenen Strukturen dran ist. Fundraising muss man gar nicht als separiertes Denken.
Kleiner Exkurs zum Thema Zeit: Auch das Thema Budget ist oft ein Flaschenhals. Ich muss ja irgendwas investieren – aber ich mache ja Fundraising, weil ich kein Geld habe. Immer ein bisschen blöd: Wo ist die Henne, wo ist das Ei? Wir haben schon mal angeregt – auch bei Organisationen –, zu sagen: Sucht euch doch Unterstützerinnen und Unterstützer, die euch schon kennen und die verstehen, dass ihr mit dem Fundraising etwas Neues starten wollt und die mitinvestieren in diese neue Tätigkeit, die vielleicht Startaktionen mit unterstützen. Denn das Geld, das sie dafür zur Verfügung stellen, wird ja mehr durch die Fundraising-Aktionen. Ich kann mit so einem Bild auch mal rausgehen und überlegen, ob man jemanden findet, der einem die Fundraising-Aktivitäten mitfinanziert. Das werdet ihr unter Fördermitteln nirgendwo finden – das ist immer ein Teil, der gestrichen wird. Auch bei Lotterien und bei vielen Stiftungen: Sie unterstützen keine Fundraising-Aktivitäten. Das heißt, das müsst ihr immer aus dem Haushalt holen oder sonst woher. Spätestens wenn es dann um den dritten Punkt „Technik und Verwaltung“ geht – wenn es um Sachen geht wie die Anschaffung einer Datenbank –, braucht es ein bisschen Budget. Es gibt inzwischen auch Datenbanken, die sehr kostengünstig oder manche auch kostenlos sind. Dann braucht ihr vielleicht wieder mehr Zeit für jemanden, der sich da einfuchst und lernt, wie man damit umgeht. Das ist der Punkt, der gerade für Vereine am Start immer eine Hürde darstellt: Wie kriegt man diesen ersten Start hin?
Das zweite ist Know-how und Erfahrung. Ich habe ja schon am Anfang gesagt: Ihr habt alle schon irgendwas gemacht. Also sammelt doch dieses Know-how, sammelt die Erfahrungen. Auch wenn etwas nicht funktioniert hat – wunderbar! Dann noch mal sehr genau reingehen und überlegen: Was genau hat nicht funktioniert? Klassiker ist häufig: „Wir haben eine Spendenkampagne oder eine andere Aktion gestartet, und die Leute hatten höchstens vier Wochen Zeit, bis dann das Projekt starten sollte.“ Das heißt: Ihr habt überhaupt keine Zeit, in vier Wochen einen anständigen Verteiler aufzubauen, noch den Menschen Zeit zu geben, sich zu entscheiden, dass sie euch unterstützen wollen, noch dass irgendwelche Stiftungen sagen können: „Ja, machen wir“, weil die häufig irgendwelche Deadlines haben – und in vier Wochen geht das nicht. Also: Welche Erfahrungen habt ihr bisher gemacht mit Fundraising-Aktivitäten? Was könnt ihr daraus lernen? Wer hat Know-how? Wer ist vielleicht auch im Marketing tätig? Ich hatte letztens in einer Kursrunde jemanden, die arbeitet jetzt für die Lebenshilfe in einer ländlichen Region und hat vorher bei der Sparkasse gearbeitet. Die kann Kundenbetreuung, die ist da super drin. Das heißt, die haben sie direkt – die ist eigentlich in der Verwaltung – zusätzlich eingesetzt, um das Fundraising mit auszubauen. Denn die weiß, wie man sowas verwaltet, die weiß, wie man Ansprachen macht, die hakt auch noch mal nach, die kann über Geld reden – lauter Dinge, die man ganz dringend gebrauchen kann.
Dann haben wir den Punkt Technik und Verwaltung. Datenbank habe ich gerade schon angesprochen: Wo und wie werden Spenden und Spenderinnen/Spender bei euch bisher verwaltet? Wenn das bisher eine Excel ist, ist das nicht schlimm. Aber wenn ihr das Fundraising ausbauen wollt, dann fallt ihr mit der Excel-Liste irgendwann auf die Nase. Wenn es schon mal eine Excel-Liste ist, ist das gar nicht schlecht, weil die kann man zumindest dann hinterher auch einlaufen lassen, wenn ihr die Daten in einer Datenbank sammeln wollt. Man kommt auch erstmal eine Zeit lang weit mit Outlook – es muss nicht immer sofort die High-End-Lösung sein, je nachdem, wohin ihr wollt. Aber auch so etwas wie Verwaltung: Diejenigen, die hier die Erfahrung haben mit Fördermitteln, wissen: Ich muss die passende Verwaltung dafür haben, ich muss die Abrechnung anständig machen können, ich muss die Buchführung anständig machen können, um die Belege nachher zu sortieren und die Abrechnung mit der Stiftung oder dem Fördermittelgeber machen zu können. Auch der Spender will irgendwann wissen: „Ja, wo bleibt denn das Geld? Was passiert mit meinem Geld hier?“ Wenn ihr anständige Jahresabschlüsse macht und Jahresberichte, dann seid ihr da wahrscheinlich schon ganz gut aufgestellt.
Konzeption und Kostenplanung: Ich habe da schon gesagt – beim Projekt ist es wichtig, dass ich inhaltlich/gesellschaftlich sagen kann: „Ja, das braucht die Welt.“ Und dann muss ich noch zeigen können: „Ich kann das auch anständig umsetzen. Ich bin dazu in der Lage; wir haben das Know-how, eine Konzeption aufzustellen – mit Ausgangslage, Problemstellung, Zielgruppe, Maßnahmen, Zielen des Projektes, Evaluation, womöglich Wirkungsmessung und so weiter –, und ich kann auch anständige Kosten planen.“ Und ich gehe nicht bei der zweiten Frage in die Knie und sage: „Weiß ich nicht – mit eingeplant?“ Das ist auch eine Frage von vertrauensbildenden Maßnahmen, dass ich jemandem eine anständige Konzeption – notfalls ein bis zwei Seiten – zeigen kann, dass ich wirklich durchdacht habe, plus eine Kostenplanung.
Bekanntheit: Wer kennt euch denn? Nur wenn man euch kennt, kann man euch auch spenden – oder es passiert am meisten. Manche Themen sind dafür sehr dankbar. Es gibt Organisationen und Zwecke, die müssen gar nicht viel eigenes Fundraising machen an aktiven Maßnahmen. Alles, was im Bereich Kinderhospize, Tafeln oder andere Kinder- und Bildungsprojekte unterwegs ist, läuft oft gut über eine gute Pressearbeit, wenn man dort auch den Bedarf formuliert. Dafür gibt es auch viele Stiftungs- und Fördermittel. Es gibt aber auch Themen, die laufen nicht so gut. Da muss ich sehen: Welche Hürden habe ich da zu überspringen? Ein krasses Gegenbeispiel wäre: Ich arbeite mit Suchterkrankten. Das ist oft nicht so ein Thema, wo die Leute sofort das Portemonnaie aufmachen, sondern sagen: „Ja, irgendwie selbst schuld.“ Das ist eine wesentlich höhere Hürde, über die ich muss. Das hat nichts mit eurem Image als Organisation zu tun – ihr seid vielleicht mega im Image –, aber die Leute kümmert das Thema nicht. Auch da muss man immer schauen an diesen verschiedenen Ecken. Und Bekanntheit: Klar, je besser ihr in der Region bekannt seid, desto eher kommen auch Leute von sich aus mal auf die Idee und sagen: „Die Weihnachtsspende dieses Jahr von Unternehmen XY geht an den Verein sowieso.“
Und Motivation – ganz wichtig: Wie motiviert seid ihr, Fundraising zu machen? Die ersten drei Buchstaben von Fundraising sind „fun“. Wenn es keinen Spaß macht, niemand daran Freude hat und niemand Motivation hat, sich darum zu kümmern, dann wird es ein sehr unbeliebtes Thema sein, um das sich eigentlich niemand so richtig kümmern möchte – und wo ihr erst recht niemanden gewinnt, mitzumachen. Schaut, dass ihr dieses Thema nicht so schwer nehmt, dass ihr da auch noch eine gewisse Leichtigkeit drin habt. Das passiert am ehesten durch Leute, die sagen: „Ja klar, ich gehe auf jeden Fall raus. Hier ist so wichtig, unser Projekt, und das muss doch jeder unterstützen wollen!“ Das ist viel wert, wenn ihr solche Leute dabei habt.
Das kann man auch noch mal ein bisschen zusammenfassen: Der Klassiker ist da so eine SWOT-Analyse. Also: Was sind eure Stärken? Was könnt ihr gut? Wo seid ihr richtig prima?
Zum Umfeld/Umgebung: Schaut einmal auf das Umfeld – ich habe es ja schon gesagt. Einmal natürlich auch sowas wie die Konkurrenz. Wenn ihr der fünfte Verein seid, der sich zum Thema XY in der Region betätigt, dann müssen sich die Spenderinnen und Spender oder die Unterstützer ja schon entscheiden. Ihr könnt die Konkurrenz auch anschauen: Was machen die? Am Anfang müsst ihr in einem kleinen Dorf nicht das Fünfer-Festival versuchen auf die Beine zu stellen oder eine Quadratmeter-Kampagne. Da muss ich mir vielleicht noch mal was Neues überlegen, sodass es nicht so aussieht, als hätte ich beim Nachbarverein abgeguckt. Also: Umfeld ganz wichtig – in welchem Umfeld bewege ich mich fürs Fundraising?
Wirtschaftliches Umfeld habe ich schon genannt. Es ist natürlich gut, wenn ich in einem Umfeld bin, wo es wirtschaftlich nicht ganz so schlecht aussieht – dass ich auch ein paar Personen habe, die ich mal nach Großspenden fragen könnte, oder wo es Unternehmen gibt, mit denen ich überhaupt über Sponsoring/Unternehmenskooperationen sprechen kann. Stiftungen geben zu ungefähr 70 Prozent lokal/regional. Das heißt, auch da ist die Umfeldanalyse: Was habe ich denn hier für eine Stiftungslandschaft? Hamburg hat eine hohe Stiftungsdichte, Nordrhein-Westfalen auch. In Mecklenburg-Vorpommern sieht es schon ein bisschen anders aus. Da kann ich mich vielleicht nicht so sehr auf Stiftungen verlassen.
Politische Trends – auch ganz wichtig. Welche politischen Entscheidungen gibt es, die euch beeinflussen, die vielleicht auch euch als Verein, euer Thema, beeinflussen können? Das muss nicht immer die Spenderinnen beeinflussen, aber was gibt es da für Chancen und Risiken? Und: Surft ihr gerade mit auf einer politischen Welle, die eh gerade viel diskutiert wird? Das macht es leichter, weil mehr öffentlich über ein Thema diskutiert wird, das ihr auch betreibt. Das wäre – wenn ihr die Entscheidung habt zwischen zwei verschiedenen Projekten und eins würde gerade so einer politischen Welle entsprechen – vielleicht das Entscheidungskriterium, warum ihr euch dafür entscheidet.
Das dritte ist das Thema „Markt“ – und da habe ich dahinter geschrieben: das „Sonnensystem“. Das betrifft euch ganz individuell als Organisation: Wie sieht euer Gebermarkt aus? Also: Was habt ihr für ein Netzwerk von potenziellen Geberinnen und Gebern – aus den Bereichen Privatpersonen, Institutionen, Politik, Wirtschaft? Was könnt ihr da zusammenstellen? Dazu habe ich euch ein Tool mitgebracht, wie ihr das visualisieren könnt. Das ist das Sonnensystem. Ihr seht hier drei Kreise, die wie ein Sonnensystem funktionieren. Ganz in der Mitte sind die Personen in der Organisation – also die „Sonne“ seid ihr, quasi der Verein bzw. die Personen, die sehr eng damit verbunden sind. In der Regel ist das der Vorstand oder auch die Geschäftsführung, je nachdem, wie ihr aufgestellt seid. Das sind die Personen, die auch von außen identifiziert werden als: „Aha, das sind die Leute von dem Verein XY.“
In diesem inneren Kreis werden jetzt nur Zielgruppen gesammelt, die eine enge Verbindung zum Verein haben. Ich habe da auch „Großspender“ reingeschrieben. Beispiel: ein inklusives Kulturzentrum hier bei uns in Essen, das sich gründen und aufbauen wollte – in einem ehemaligen Kirchengebäude, das von der evangelischen Kirche aufgegeben wurde. Das konnten die nur machen, weil sie eine Großspenderin hatten, die ganz am Anfang gesagt hat: „Ich unterstütze euch zwei Jahre lang mit einem festen Betrag monatlich“ – ich weiß nicht mehr genau, vielleicht 3.000 oder 4.000 Euro über zwei Jahre –, „damit ihr hier startet.“ Das macht man nur, wenn man sich so sehr mit diesem Zweck identifiziert und das so sehr möchte, dass man wirklich in den engsten Zirkel gehört. Das ist der innerste Kreis.
Im nächsten Kreis sammelt man Personen, die schon da sind: also Mitarbeiter, Ehrenamtliche, Spenderinnen/Spender, Kundinnen/Kunden, Mitglieder – Personengruppen, die euch schon unterstützen. Man könnte auch Stiftungen oder Fördermittelgeber eintragen oder andere Menschen, die für euch Türen öffnen – Botschafter, Multiplikatoren und so weiter. Die gehören alle in den zweiten Kreis.
Im dritten Kreis findet man dann die Personen oder Personengruppen, die noch nicht aktiv dabei sind, aber für euch erreichbar sind – oder Personengruppen, die sich mal engagiert haben, aber jetzt nicht mehr, oder die eben nicht zum allerengsten Kreis gehören. Ich kann Mitglieder zum Beispiel im zweiten und auch im dritten Kreis haben. Es gibt sehr aktive Mitglieder, und es gibt Mitglieder, bei denen man sagt: „Ja, haben wir lange nicht mehr gesehen … keine Ahnung … zur Versammlung kommen die eigentlich auch nie hin … ob die noch wirklich interessiert sind, weiß ich gar nicht … da rühren wir lieber nicht dran, sonst kündigen sie.“ Oder ehemalige Teilnehmerinnen, ehemalige Ehrenamtliche und so weiter.
Insgesamt werden in diesem Sonnensystem Zielgruppen oder auch Institutionen gesammelt, die irgendeine Art von Verbindung zu euch haben – entweder räumlich (sie sind in der gleichen Stadt, sitzen auf der gleichen Straße, sind im gleichen Land unterwegs), thematisch (Leute, die am Thema eures Projektes interessiert sind: Bildung, Kinder, Jugendliche; Unternehmen sind an Jugendlichen in der Regel interessiert, weil sie ausbildungsfähige Jugendliche brauchen – das heißt, wenn ihr ein Projekt habt, wo Jugendliche soziale Kompetenzen erwerben – für viele Vereine relevant, allein die ganzen Sportvereine –, und ihr braucht Mittel, um Übungsleiter auszubilden – dann könnte man schauen, ob man Unternehmen gewinnt, weil die sagen: „Jemand mit Übungsleiterschein ist für mich als Auszubildender wahrscheinlich viel brauchbarer als jemand, der sich noch nie irgendwo engagiert hat“), oder eben persönliche Verbindungen (ihr kennt jemanden, der jemanden kennt … – das ist dann das Prinzip der Türöffner).
Diese Zielgruppen sammelt ihr im Sonnensystem, um dann zu entscheiden: Mit wem können wir das Ziel erreichen? Da sind wir wieder beim Bedarf, beim Vorhaben an der Spitze vom Dreieck: Wie viel brauchen wir denn dafür? Mit wem von diesen Zielgruppen können wir das Ziel erreichen? Und wie kann man die am besten ansprechen? Was wäre der geeignete Kanal, um die ehemaligen Teilnehmerinnen zu erreichen? Das sind Fragen, die sich danach stellen. Das ist dann eine Frage der Strategie. In der Einführung zu den DSEE-Seminaren wird immer gesagt, man soll nicht auf die anderen Seminare verweisen. Ich verweise jetzt aber trotzdem mal auf das nächste Seminar in dieser Reihe am 4. Juli: Da erklärt euch nämlich Beate Haferkamp, wie ihr die Strategie aufbaut. Da geht ihr dann noch mal genau diese Schritte durch: Welche Botschaften sende ich über welche Kanäle an welche Personen? Viel detaillierter.
Ich komme jetzt hier langsam auf die Zielgerade – keine Sorge, ihr habt noch genug Zeit, eure Fragen zu stellen. Die Frage ist: Wer muss alles beteiligt sein? Wie ihr seht – gerade am Sonnensystem –: Fundraising ist in erster Linie Beziehungsmarketing und Beziehungspflege. Deshalb ist es eine übergreifende Aufgabe, an der möglichst viele beteiligt sind. Jeder kann sich dort einbringen – mit seinen eigenen Kontakten, mit seinem Netzwerk oder auch schlichtweg mit der eigenen persönlichen Begeisterung für die Organisation oder für das Projekt. Ich kann davon weiter erzählen – oder auch mit der eigenen Überzeugung, dass es richtig ist, nach Unterstützung zu fragen, dass das wichtig ist, was ihr macht. Fundraising ist mittendrin.
Dieses Thema „Es ist richtig, nach Unterstützung zu fragen“: Da muss man immer sagen: Ihr macht hervorragende Arbeit vor Ort – warum soll das denn nicht jemand unterstützen? Ihr macht ja die ganze Arbeit – der andere muss „nur“ noch Geld dazugeben. Das ist eigentlich der viel geringere Teil. Mit dieser Haltung geht es ins Fundraising. Ihr macht einen super Job – und die anderen können euch helfen, das umzusetzen, was für die Region, die Kommune oder für eine bestimmte Zielgruppe gerade richtig wichtig ist.
Das heißt, eure nächsten Schritte wären:
Definiert ein Projekt und einen ganz konkreten Bedarf. Das ist oft der Aufhänger, mit dem man als erstes rausgeht, um dann über diese erste Projektförderung Dauerspender zu gewinnen.
Sucht euch aus dem Sonnensystem Menschen oder Institutionen, mit denen ihr euer finanzielles Ziel erreichen könnt.
Schaut noch mal in die Sammlung zum Organisations-Check: Was könnt ihr gut, um Menschen zu erreichen? Worin seid ihr richtig gut? Womit fühlt ihr euch wohl?
Und dann macht ihr einen Plan: Wen ihr erreichen wollt, mit welcher Maßnahme und wer daran alles beteiligt ist. Und ihr kommuniziert diesen Plan, damit auch alle Bescheid wissen, was passiert.
Grundsätzlich muss man sagen: Fangt einfach an – ihr könnt nur gewinnen. Wie ein Kollege immer sagt: „Nicht gefragt habt ihr schon.“ Der nächste Schritt ist, rauszugehen und zu fragen.