Und ja, auch von mir herzlich willkommen zu dem heutigen Vortrag aus der Reihe DSE erklärt zum Thema "Eine Frage des Wissens: Warum sich Verhalten ändert oder auch nicht". Ein Vortrag, in dem ich mit euch der Frage auf den Grund gehen möchte, inwieweit Wissen und eben vielleicht auch andere psychologische Faktoren sozialökologische Veränderungen in unserem Verhalten bewirken können.
Mein Name, ihr habt's gerade schon gehört, ist Anna Sophie von Agris. Ich bin studierte Psychologin und Teil des Wandelwerks. Und damit ihr da auch eine kleine Vorstellung von habt, was ist das hier? Eine kleine Vorstellungs-Slide. Das Wandelwerk ist ein Verein an Psychologinnen, die dezentral über ganz Deutschland verteilt leben und wirken.
Und wir bereiten zusammen wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Umweltpsychologie auf und bringen sie in die Praxis. Das heißt, wir forschen und versuchen dann dieses akademische Elfenbeinturm-Wissen rüber in die Praxis für PraktikerInnen zu bringen durch Bildungsangebote, zum Beispiel wie der heutige Vortrag. Wir machen auch Workshops, die länger und interaktiver sind, geben teilweise auch Schulungen – da werde ich ganz am Ende noch kurz was zu sagen – oder publizieren auch Bücher, wie die beiden, die ihr hier jetzt auf der Folie links und rechts seht. Das sind unsere beiden Handbücher, die ihr tatsächlich auch kostenlos auf unserer Website downloaden könnt, wenn ihr noch mal nachlesen wollt, wie war das denn jetzt eigentlich mit der Psychologie und dem Verhalten?
Und ich habe es auch gerade schon mehrfach verwendet, diesen Begriff Umweltpsychologie. Und da fragen sich bestimmt die ein oder anderen: Was genau ist denn Umweltpsychologie? Und bevor wir uns das anschauen werden und mit Hilfe dieser dann der Frage nachspüren werden, warum sich Verhalten ändert oder eben auch nicht, schaue ich einmal mit euch auf die Agenda, was für die nächsten 45 Minuten geplant ist.
Und zwar möchte ich jetzt gleich, wie gerade gesagt, einmal mit euch drauf schauen: Was ist denn eigentlich Umweltpsychologie und was kann die? Dann darin überleiten zu: Was sind denn alles für Lücken, die uns auf dem Weg zu einem sozialökologischen Verhalten begegnen können? Und was sind Ansätze, um diese Lücken zu überwinden? Also, wie können wir letztendlich aus psychologischer Sicht sozialökologisches Handeln stärken?
Und da seht ihr schon diesen kleinen Werkzeugkoffer hier. Ich hoffe, dass das für euch, wahrscheinlich viele Praktikerinnen unter euch, hilfreich sein kann als wirklich kleine Werkzeug-Inspiration, die ihr mit eurem Alltag in euer Engagement mitnehmen könnt. Und da wollen wir uns einmal den Bereich der Wirksamkeit anschauen, den Bereich des Sozialen, die Emotionen und nicht zu vergessen auch den gesellschaftlichen Kontext. Und dann in ungefähr 45 Minuten werden wir dann noch mal gucken, worüber wir zusammen gesprochen haben, was sind so die Take-Messages und was kann ich euch vielleicht noch für weiterführendes Material mitgeben?
Und ich hab's gerade schon gehört, ihr könnt gerne Fragen im Chat stellen, die wir dann am Ende zusammen diskutieren. Oder wenn es auch ganz dringend ist, weil ihr etwas nicht versteht, markiert das auch so, dann versuchen wir schon zwischendurch eine Pause einzulegen und die akuten Fragen zu klären. Und ich habe zwischendurch auch ein paar kleine Umfragen mitgebracht und freue mich total, wenn ihr im Chat oder per Umfrageklick mitmacht, so dass wir in der zwar geringen Interaktionsform, die hier möglich ist, aber trotzdem ein bisschen miteinander interagieren können.
Soweit, dann starten wir mit der Frage: Was ist denn eigentlich Umweltpsychologie? Und da habe ich direkt schon mal eine kleine Frage für euch wieder mitgebracht. Und zwar: Welche der folgenden Dinge machen Sie beziehungsweise machst du? A) Süßigkeiten naschen, B) mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen, C) den Wecker auf Snooze stellen beziehungsweise D) nichts davon, ich bin komplett rational. Ich kann jetzt auch so eine Umfrage aktivieren, dafür brauche ich einen kleinen Moment. Könnt ihr das da auch anklicken? Dann können wir da mal schauen.
So, ich gebe den Tipp, sie kurz ein. So, jetzt solltet ihr so, jetzt sollte hoffentlich bei euch eine Umfrage erschienen sein, auf die ihr auch auf mehrere Antworten drauf klicken könnt. Sehr gut, ich sehe gerade im Hintergrund, dass viele Antworten reinfliegen. Perfekt. Okay, 55 Antworten haben wir. Ich warte noch einen kurzen Moment. Okay, da veröffentliche ich mal und hoffe, dass ihr jetzt gerade das sehen könnt, was ich sehen kann. Und zwar, dass eine ganze Menge von euch A, B, C angeklickt haben und zwei Personen D angeklickt haben. Am allermeisten wurde A angeklickt, dann ungefähr mit gleich vielen Prozentsatz, ungefähr 22 und 24 Prozent B und C und D eben eine kleine Prozentzahl von 4 Prozent.
So, warum habe ich das gemacht? So ein bisschen die Antwort und der Teaser ist letztendlich eigentlich genau der, dass ihr hier schon sehen könnt, das, was ihr hier angekreuzt habt – na, jetzt will die Folie nicht, doch – ist total menschlich. Fast alle von euch haben irgendwas zwischen A und C, vielleicht sogar mehreres angekreuzt. Und man würde sagen, ja, das entspricht auch der Erwartung. Egal, wo man diese Umfrage macht, eigentlich fast immer fällt das Ergebnis so aus, dass die allerwenigsten die letzte Antwort – hier steht noch E, es sollte D sein – anklicken, dass sie komplett gar nichts von diesen Antwortmöglichkeiten auswählen.
Da stellt sich die Frage: Wieso machen wir denn immer wieder Dinge, von denen wir wissen, dass sie vielleicht nicht richtig, nicht logisch, sozial nachhaltig oder gesund sind? Also, warum drücken wir auf Snooze, obwohl wir aufstehen müssen? Warum essen wir Süßigkeiten, obwohl es vielleicht gesünder wäre, es nicht zu tun? Und das ist das, wo die Umweltpsychologie und die umweltpsychologische Verhaltensforschung uns helfen kann zu verstehen, was Menschen antreibt. Und sie tut dies, indem sie sich die Interaktion zwischen Mensch und Umwelt anschaut und diese erklärt.
Generell untersucht die Umweltpsychologie dabei die Interaktion von Mensch – also wie wir denken, fühlen und handeln – und der Umwelt. Und bei Umwelt meine ich sowohl die gebaute Umwelt als auch die Natur, natürliche Umwelt, also letztendlich alles, was uns umgibt. Und wie das sich wiederum gegenseitig beeinflusst, also welchen Einfluss nimmt die Umwelt auf unser Denken, Fühlen und Handeln und wie beeinflusst uns Denken, Fühlen und Handeln die Umwelt?
Und in diesem Vortrag und in den meisten Fällen der Umweltpsychologie sprechen wir eigentlich von Umweltschutzpsychologie. Also, was bedingt es, dass Menschen sich schützend um ihre Umwelt kümmern oder auch nicht? Und die Psychologie als Disziplin fokussiert sich dabei häufig auf das Erleben, Empfinden und Verhalten von Individuen. Das so der Ursprung. Wir vom Wandelwerk versuchen aber auch zusammen mit der Wissenschaft, die sich da immer mehr wandelt, auch auf strukturelle Veränderungen zu schauen und nicht nur die ökologischen, sondern auch die sozialen Aspekte von Nachhaltigkeit mitzudenken. Also, dass wir uns immer mehr einer Psychologie der Klimagerechtigkeit annähern.
Und wenn wir jetzt die Umweltpsychologie beziehungsweise Psychologie der Klimagerechtigkeit nutzen und damit mal auf unsere Eingangsfrage schauen, warum sich Verhalten ändert oder auch nicht, kann die Umweltpsychologie ein paar vielleicht sinnvolle Antworten liefern. So erklärt sie nämlich zum Beispiel auch die sehr bekannte Lücke oder Lücken auf dem Weg zu sozialökologischem Verhalten. Und eine Lücke ist dabei auch sehr bekannt, viele von euch haben sie bestimmt schon mal gehört, die Wissens-Verhaltens-Lücke oder die Intentions-Verhaltens-Lücke.
Die basiert darauf, dass allgemein angenommen wird, dass Informationen und Wissensvermittlung eigentlich so der grundlegende Faktor ist, dass wir ins Verhalten kommen. Wenn wir nur genug über die sozialökologischen Probleme Bescheid wissen, dann werden wir uns auch schon adäquat verhalten. Also, hier steht es als Beispiel: Information empowers, also es bestärkt uns und ermöglicht uns überhaupt erst, uns zu verhalten. So die Annahme, dass wir dann adäquat und sozialökologisch verhalten, hier beispielhaft zum Beispiel durch die Nutzung keiner Strohhalme, das Benutzen von wiederverwertbaren Taschen etc.
Aber wir haben gerade auch gesehen, schon in diesem kleinen Quiz, es ist nicht immer so, dass wir uns ganz rational verhalten. Und so, wie es eigentlich sein sollte, so ganz funktioniert es nicht. Kennt ihr vielleicht von eurem eigenen Verhalten, wenn ihr euch an eure Vorhaben erinnert, wie auch wenn wir uns in der Welt umschauen und denken und sehen, es gibt super, super, super viel Informationen und Wissen darüber, was die Klimakrise für uns alle bedeutet und was zu tun wäre. Und trotzdem verhalten Menschen sich nicht unbedingt so.
Da hätte ich jetzt mal eine Frage an euch: Was glaubt ihr denn? Upsala, jetzt habe ich schon aufgedeckt, noch mal schnell zurück in der Hoffnung, dass es noch nicht gesehen wurde. Was glaubt ihr denn, wie viel zu wie viel Prozent hängt Wissen und Verhalten zusammen? Habt ihr da ein paar Schätzungen? Wenn ihr mögt, gerne mal in den Chat ein paar Prozentzahlen posten, dann können wir mal gucken, was da so erste Ideen sind.
Da kam schon 20 Prozent, wird mehrfach genannt, 5 Prozent, 10 Prozent, 15. Okay, da gibt es mal ein paar höhere Zahlen, 70 und 90 Prozent, aber viele im Zehner bis Dreißiger Bereich, auch ein, zwei Stimmen, die Fifty-Fifty sagen. Okay, also zusammengefasst kann man schon sagen, die meisten von euch tippen eher so auf eine Range von 10 bis 30 Prozent, also so ungefähr zu einem Viertel.
Dann decke ich jetzt noch mal gewollt auf, was der Zusammenhang zwischen Wissen und Umweltschutzverhalten ist. Und zwar liegt der bei ungefähr nur 22 Prozent. Das ist gemittelt, weil es gibt verschiedene Verhaltensweisen, die unterschiedlich schwierig auch sind, aber im Schnitt sagt man. Das heißt, ungefähr 80 Prozent werden anscheinend nicht durch Wissen vorhergesagt oder können nicht durch Wissen erklärt werden.
Das sieht man auch, wenn man auf die nächste Lücke schaut: Intention und Verhalten. Also, man ist quasi schon Schritt weiter. Man hat nicht nur das Wissen, das gerade das Problem ist, sondern man hat schon die Intention gefasst. Tatsächlich möchte ich X, Y, Z angehen, zum Beispiel, ich möchte tatsächlich im nächsten Monat versuchen, nur noch einmal in der Woche Fleisch zu essen, um jetzt mal ein einfaches Verhalten rauszugreifen. Und auch da sehen wir, dass Intention und Verhalten zu nur ungefähr 50 Prozent zusammenhängt. Das hier steht sind Korrelationen, das kann man ungefähr übersetzen in Prozentzahlen. Das heißt, wir sehen auch hier wieder, es gibt anscheinend Lücken zwischen Wissen und Intention und Verhalten. Und es müssen noch andere Faktoren dementsprechend eine Rolle spielen, die unser Verhalten erklären.
Daraus können wir schließen, dass menschliches Verhalten recht komplex ist und eben nicht so einfach rational funktioniert: Wissen gleich Verhalten. Und was mögliche Ansatzpunkte sind oder sein können, um diese Lücken zu überwinden, möchte ich jetzt im Folgenden mit euch anschauen. Das heißt, jetzt kommen wir an die Werkzeuge.
Und zwar hat die Forschung in Hinblick auf sozialökologische Verhaltensweisen zwei große Bereiche von Verhalten aufgeteilt. Und zwar wird sich da einmal individuelles sozialökologisches Verhalten angeguckt. Das ist meistens Privatverhalten, wenn wir als Individuen agieren, zum Beispiel unser Mülltrennungsverhalten oder unser Mobilitätsverhalten. Und als zweites großes Cluster schaut sich die Wissenschaft kollektive Verhaltensweisen an. Also, wenn wir als Gruppe handeln und da meistens dann auch schon mehr Richtung noch einer politischeren Richtung gehen oder strukturelleren Richtung. Das ist das, wenn wir uns in Gruppen engagieren oder protestieren.
Und es gibt viel Forschung und auch Modelle, die sich nun angeschaut haben, wie sowohl individuelles als auch kollektives sozialökologisches Verhalten aus psychologischer Sicht vorhergesagt werden kann. Und da können letztendlich vier große Cluster festgemacht werden, an denen man eben zur Stärkung des Verhaltens ansetzen kann. Und das ist einmal der Wirksamkeitsbereich, soziale Faktoren, emotionale Faktoren und seit Neuestem und wirklich noch nicht lange und auch nicht überall wird sich auch der Kontext angeschaut, da der Mensch eben in einen Kontext, in Strukturen eingebettet ist und eben nicht im luftleeren Raum agiert. Und dieser Kontext uns eben teilweise es auch noch mal erschwert, uns auf bestimmte Art und Weise zu verhalten, selbst wenn sonst alle Parameter stimmen.
So, ich vertraue drauf, dass ihr im Chat im Hintergrund, den ich gerade nicht sehe, schreibt, wenn ihr es gerade schon mal grobe, große Unverständnisse habt oder Fragen. Dann genau wird meine Co-Moderation mir das sagen. Und ansonsten steigen wir ein und diskutieren am Ende.
Und zwar beginnen wir mit dem ersten Faktor, Wirksamkeit, und schauen einmal an, was gibt es denn für verschiedene Wirksamkeitsformen, die die Psychologie differenziert. Das ist zum einen die Selbstwirksamkeit, die ist oft vielen Menschen auch schon bekannt als Begriff, und die kollektive Wirksamkeit.
Die Selbstwirksamkeit ist die Gewissheit, eine Anforderung mit den eigenen Fähigkeiten meistern zu können. Also, in unserem Kontext wäre das sowohl die Fähigkeit, sich sozialökologisch verhalten zu können, also, dass man den Skill hat, um zum Beispiel sich vegan zu ernähren oder Fahrrad zu fahren. Und aber auch die Wahrnehmung der eigenen Kompetenz. Also, wenn man einen Skill hat, eine Fähigkeit und nicht wahrnimmt, dass man theoretisch handeln könnte, dann würden wir uns auch nicht wirksam fühlen.
Und dieses Wahrnehmen und sich wirksam fühlen scheint sehr, sehr bedeutsam zu sein. Es gibt nämlich einen Überblicksartikel von Forscherinnen, indem sie herausgefunden haben, dass das Fühlen von Selbstwirksamkeit für umweltschützendes Verhalten anscheinend sogar noch relevanter ist als das Wissen über ökologische oder soziale Probleme oder auch das Wissen des Handelns. Sondern es braucht das, dass ich mich wirksam fühle, dass ich mich dem Problem gewachsen fühle.
Und grundsätzlich sagt man, dass Selbstwirksamkeit bei allen Menschen gefördert werden kann. Aber wichtiger Faktor, wie so oft in der Welt, es gibt auch eine Ungleichheit in der Möglichkeit, sich wirksam zu fühlen. Es gibt nämlich mehrere Studien, die zeigen, dass Menschen mit mehr Ressourcen, wie zum Beispiel mehr Zeit, mehr Geld, höherem Status oder mehr sozialen Kontakten und Unterstützung leichter mit Misserfolgen umgehen können und sich insgesamt wirksamer fühlen. Und ebenso erleichtert ein gerechtes System mit weniger Korruption die Entwicklung von Überzeugungen bezüglich der Wirksamkeit. Das heißt, unser Geburtsort, unsere soziale Schicht und unser Geschlecht sind eng mit der Möglichkeit verbunden, sich wirksam zu fühlen.
Nichtsdestotrotz wollen wir jetzt einmal auf die Werkzeuge gucken: Wie könntet ihr bei euch in euren Projekten oder bei euch im Alltag Selbstwirksamkeit fördern? Und zwar ein erster wichtiger Punkt ist das Handlungswissen und das zusammen mit der jeweiligen Effektivität. Handlungswissen ist das Wissen darüber, was ich überhaupt machen kann. Weil wenn ich vor einem Problem stehe und nicht weiß, wie kann ich dem adäquat begegnen, dass das Problem sich aufhebt, werde ich auch schwerlich ins Handeln kommen. Das heißt, da sind wir schon in Anführungszeichen wieder bei dem Punkt Wissen. Nur wandern wir hier von dem sogenannten Problemwissen zum Handlungswissen. Die Möglichkeit und das Wissen darüber, was kann ich tun? Und das gekoppelt mit dem Wissen darüber, wie effektiv kann mein Verhalten sein?
Hier seht ihr beispielhaft die Big Points des Klimaschutzes auf einer Postkarte des Wandelwerks, wo klimaschützendes Verhalten, das eine größere Emissions-Einsparung mit sich bringt, auch größere Kästchen bekommen hat. Also, da seht ihr zum Beispiel, dass Mobilitätsverhalten recht große Kästchen bekommen hat, da in diesem Bereich ein sehr großes Einsparungspotenzial vorherrscht. Genauso wie bei dem Faktor Ernährung und die Art des Wohnens. Und wenn ich weiß, was ich machen kann, dass ich zum Beispiel auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen kann, dass ich Fahrrad fahren kann, dass es Züge gibt, dass ich weiß überhaupt, wie kann ich vielleicht in Europa über Landesgrenzen hinweg Züge buchen und auch nehmen. Wenn ich das weiß und auch noch weiß, was das für einen Effekt hat, dann fühle ich mich wirksam oder es führt sehr wahrscheinlich dazu, dass ich mich wirksam fühle.
Es gibt aber auch Kompetenzen, die sind nicht so leicht einfach mal zu erzählen, sondern die müssen mehr trainiert werden, weil die komplexer sind. Nehmen wir das Stichwort Ernährung. Menschen, die zum Beispiel auch noch nie vegetarisch oder vegan gekocht haben, brauchen vielleicht erstmal ein bisschen Unterstützung oder das Lernen von neuen Gerichten oder wie das funktioniert, die Zubereitung. Und wenn das trainiert wird, werden wir uns über die Zeit aber auch immer wirksamer fühlen, kombiniert mit im Idealfall noch Feedback zu unserem Verhalten.
Da habe ich euch hier diese beiden kleinen Kringel mitgebracht. Das ist ein kleiner Ausschnitt aus Foodsharing, diese Lebensmittelretter-Plattform, wo einem ge-feedbackt wird nach jedem Mal, nachdem man Essen gerettet, also abgeholt hat, wie viele Kilogramm man gerettet hat. Und dieses Feedback gibt einem auch ein Gefühl von Wirksamkeit, weil man sieht, wie viel ich schon geschafft habe. Das Gleiche, es gibt auch teilweise so Stromzähler, die rückwärts funktionieren und anzeigen, wie viel Strom man eingespart hat. Oder was ihr hier seht, vielleicht kennt die eine oder der andere das auch, Ecosia, die Suchmaschine, die einem Feedback gibt, wie viel Bäume man mitgepflanzt hat, dadurch, dass man diese Suchmaschine genutzt hat. Das heißt, Training von Kompetenzen und Feedback, sehr wichtig. Und im Idealfall nehmen wir uns da auch viele kleine Ziele vor, anstatt einem großen, weil das auch mehr ermöglicht, dass wir uns wirksam fühlen können, dadurch, dass es A) erreichbarer ist und B) wir auch öfters Feedback darüber bekommen, was wir eben geschafft haben.
Das so viel zum Selbstwirksamkeitsbereich. Könnt ihr vielleicht auch noch mal überlegen in euren Projekten, wenn ihr da Ziele habt, ist es möglich, die in kleinere Subziele zu unterteilen? Inwieweit kann Effektivität gespiegelt werden? Oder inwieweit könnt ihr euch in euren Teams Feedback geben, um eure Wirksamkeit zu stärken?
Dann gehen wir über zur kollektiven Wirksamkeit, dadurch, dass wir Menschen eben ja nicht nur alleine handeln, sondern auch oft in Gruppen. Und zwar ist kollektive Wirksamkeit die Überzeugung, durch gemeinsame Anstrengung das Gruppenziel der eigenen Gruppe erreichen zu können. Also, nicht nur man selber, sondern der Glaube, dass man als Gruppe etwas schaffen kann. Es kann man ganz gut zusammenfassen so durch den Spruch "Yes, we can". Da steckt so ganz viel von dem Gefühl kollektiver Wirksamkeit drin.
Und es hat sich gezeigt, dass kollektive Wirksamkeit insbesondere relevant für, man glaubt es kaum, kollektives Verhalten, also Gruppenverhalten ist. Und zwar insbesondere für Engagement und Protest, dass wir eben in der Gruppe glauben, dass wir was schaffen können. Und dieses Gefühl ist ein Spiegel von Kontrolle, dass wir das Gefühl haben, wir können das Problem zusammen bewältigen. Und das zeigt sich oft in Ausrufen auf Demos wie "People got the power" und wurde in Studien auch viel in Zusammenhang gebracht mit tatsächlichem Verhalten, das durch kollektive Wirksamkeit vorhergesagt wurde, wie zum Beispiel Petitionsunterzeichnung, Teilnahme an Klimastreiks, Unterstützung und Teilnahme auch an vielleicht zivilem Ungehorsam bei den Hambacher Forst-Aktionen oder auch tatsächlich bei Sea Shepherd konnte man auch vorhersagen, dass kollektive Wirksamkeit viele Aktionen stärkt.
Und es hat sich gezeigt, dass dieses Gefühl grundsätzlich in früheren Lebensphasen leichter zu etablieren ist, da noch mehr jugendlicher Optimismus vorhanden ist. Aber das wäre jetzt schade, wenn wir sagen, ja, Pech gehabt, wenn wir uns nicht wirksam fühlen als Gruppe, dann haben wir verloren und können auch nichts mehr ändern. Es gibt schon noch Ansätze, auch hier wieder hoffentlich kleine Werkzeugtipps für euch, wie kollektive Wirksamkeit gestärkt werden kann.
Und zwar einmal, dass sich gegenseitige Aufzeigen von Veränderungen, die durch die Gruppe möglich sind, indem man auf Veränderungen schaut, die vergleichbare Gruppen schon geschafft haben. Das darauf schauen und sich immer wieder auch bewusst machen, was denn schon alles passiert ist, stärkt total dieses kollektive Wirksamkeitsgefühl. Also, dass man vielleicht in der Klimagerechtigkeitsbewegung auch zurückschaut, was hat die Anti-Atom-Bewegung bereits geschafft? Oder auch innerhalb der Klimagerechtigkeitsbewegung schaut, Wahnsinn, was haben denn so Bewegungen wie Ende Gelände schon geschafft im Sinne des früheren Kohleausstiegs? Genau. Dann könnte man sich zahlreiche Petitionen anschauen, je nachdem, in welchem Bereich ihr engagiert seid, da zu gucken, was haben vergleichbare Gruppen denn vielleicht schon geschafft, national, aber auch international.
Dann gibt es auch einen ganz witzigen Effekt. Es hat sich gezeigt, dass Menschen sich mehr wirksam fühlen und auch wieder hier, ich erzähle das alles, weil das Faktoren sind, die letztendlich Verhalten stärken, dass wir diese Brücke zum Verhalten überwinden. Und da hat sich gezeigt, dass wenn Menschen Teil von kollektiven Aktionen sind, also auf Proteste, auf Demos gehen, in Gruppen sich engagieren, aber insbesondere auch Demos und Protestaktionen, dass Menschen sich danach wirksamer fühlen. Finde ich, kann man auch recht logisch nachvollziehen. Ich weiß nicht, ob ihr es kennt, wenn ich mit vielen Menschen unterwegs bin und aktiv bin, fühle ich danach erst noch mal, wie viele andere Menschen es gibt, die auch an dem gleichen Ziel arbeiten. Und das stärkt wieder dieses Gefühl von: Wir können es schaffen, wir sind wirksam.
Dann der Tipp: Gruppenziele und Aktionsform-Weise für sich wählen und nach Misserfolgen anpassen, insofern als dass wir Menschen auch unterschiedlich gepolt sind. Manche Menschen machen lieber Bildungsarbeit, manche Menschen sind lieber in der Politik unterwegs, andere Menschen sagen, sie sind gerne in zivilem Ungehorsam unterwegs. Und nur wenn wir da den Match für uns finden, können wir uns auch wirksam fühlen. Wenn wir die ganze Zeit etwas machen, indem wir uns überhaupt nicht wohlfühlen, dann wird es auch schwer werden, dass wir uns wirksam fühlen, AK dieses Verhalten langfristig zeigen oder überhaupt zeigen.
Und damit einher geht auch wieder, wie bei der Selbstwirksamkeit, der Kompetenzaufbau, zu schauen, was brauchen wir denn als Gruppe eigentlich, um unser Ziel zu erlangen? Und wie können wir da uns gegenseitig drin unterstützen, dieses zu lernen? Und last but not least, auch zu schauen, kann man vielleicht Bündnisse schließen? Kann man einen größeren Bezugsrahmen schaffen? Also, gerade bei Vereinen gibt es ja auch oft so eine geschachtelte Struktur von, ich nenne jetzt mal nur als Beispiel, Greenpeace oder NABU, die Lokalgruppen haben, dann gibt es städtische Gruppen, dann gibt es auf Bundesländerebene und auf Bundesebene und manchmal auch übernationale Bündnisse. Auch das sich vor Augen zu führen und zu vernetzen stärkt das Wirksamkeitsgefühl.
Soweit zur Wirksamkeit, ein Punkt, wo wir ansetzen können, um diese zu stärken, damit wir mehr ins Verhalten kommen.
Kommen wir zu sozialen Faktoren. Und da hätte ich eine Frage noch mal für euch, die könnt ihr im Stillen für euch überlegen, die müsst ihr nicht bloßlegen, aber als kleines Gedankenspiel: Stellen Sie beziehungsweise ihr euch einmal vor, Ihnen beziehungsweise euch fällt aus Versehen ein Papierschnipsel aus der Tasche und Sie laufen auf dieser Straße, die hier abgebildet ist. Würdest du ihn wieder aufheben? Könnt ihr kurz in euch gehen und einmal überlegen: Ja, würde ich machen, oder nein, würde ich tatsächlich bei einem Papierschnipsel, was soll das schon, würde ich vielleicht nicht machen.
So, ihr habt für euch innerlich die Antwort. Gehen wir zu einem zweiten Szenario. Stellt euch jetzt einmal vor, ihr würdet durch diese Straße laufen und euch würde auch ein Papierschnipsel aus der Tasche fallen. Würdet ihr ihn hier wieder aufheben? Könnt ihr auch kurz in euch gehen.
Ja, was sich in Experimenten, wie in diesem, gezeigt hat, die tatsächlich in realen Szenarien nachgespielt wurden, ähnlich zu diesen abgebildeten Situationen, ist, dass Menschen sich tendenziell verschmutzender verhalten in einer bereits verschmutzten Umwelt. Also, dass Menschen tendenziell eher ihren Papierschnipsel liegen lassen, wenn sie in einer Situation sind, wie zum Beispiel in dem Szenario 2 hier, die Straße, wo schon einiges an Müll oder Papierkartons da liegt. Umgekehrt, in einer sauberen Umgebung, wie zum Beispiel in dem vorigen Bild, wo die Straße sauberer ist, heben Menschen auch mehr ihren eigenen Müll wieder auf.
Was dahinter steckt und wirkt, sind soziale Normen, ein weiterer Punkt, der sehr wichtig ist und erklärt, warum wir uns verhalten oder auch nicht. Soziale Normen sind Regeln und Standards, die von vielen Menschen geteilt werden und unser Verhalten lenken. Und sie lenken unser Verhalten, ohne dass dafür Gesetze benötigt werden, sondern einfach aufgrund dessen, dass wir Menschen Herdentiere sind und uns die Meinung und das Verhalten anderer wichtig ist und uns das beeinflusst. Also, bewusst oder tatsächlich sehr, sehr oft unbewusst, lenkt unsere Umgebung das Verhalten von anderen Menschen, so wie wir uns verhalten.
Und man unterscheidet da verschiedene Arten von Normen. Einmal die subjektive Norm, die entsteht aus den Annahmen über Erwartungen von Menschen, die für uns selbst bedeutsam sind. Also, zum Beispiel Freundinnen, Familie etc. Ein Beispiel wäre: Meine Freundinnen, meine Freundin erwarten, dass ich keinen Müll in den Park werfe. Wir werden aber auch von Menschen beeinflusst, mit denen wir eigentlich recht wenig zu tun haben. Und da wirkt die sogenannte Ist-Norm oder auch deskriptive Norm. Das ist das tatsächliche und verbreitete Verhalten von den meisten Menschen, also quasi der Status Quo. Ein Beispiel wäre: Niemand wirft Müll in den Park. Ist-Zustand.
Dann gibt es noch die Soll-Norm, das sind eher moralische Regeln, wie wir uns im Idealfall in bestimmten Situationen nach der Meinung anderer verhalten sollten. Die Soll-Norm nennt man auch injunktive Norm. Ein Beispiel hierfür wäre: Ich sollte keinen Müll in den Park werfen. Es hat sich gezeigt, dass aber insbesondere die Ist-Norm sehr, sehr stark wirkt. Also, der Status Quo wirkt sehr doll darauf, inwieweit wir uns verhalten oder nicht verhalten. Das hat sich auch in dem Experiment gezeigt, was quasi das Gleiche ist, was ihr gerade gedanklich durchgespielt habt, wo sie einen Weg von einem Krankenhaus zum Parkhaus präpariert haben, einmal mit Papierschnipseln und einmal ohne Papierschnipsel. Und ihr seht bei den linken beiden Balken, das ist das Szenario, wo der Weg ganz sauber gehalten wurde, dass wirklich signifikant und viel deutlicher die Menschen keinen Müll mehr haben fallen lassen. Zu rechts: Der Weg war mit Papierschnipseln präpariert, sehr, sehr viele Menschen haben auch ihren Müll dort fallen lassen.
Was können wir daraus lernen oder wie können wir soziale Normen in der Kommunikation gut nutzen? Dafür habe ich einen Beispielsatz mitgebracht. Und zwar: Viele Menschen werfen ihren Müll in den Park. Sei keiner davon. Gibt es unter euch Mutige, die einmal in den Chat schreiben würden, was davon ist die Ist-Norm in diesem Satz und was davon ist die Soll-Norm in diesem Satz? So, Mutige voraus! Und auch gar kein Problem, das ist ein erstes Antasten. Ein erster Kommentar: Erstes ist und zweites soll. Da kommt noch mal: Ist, soll. Okay, perfekt, da seid ihr euch einig. Dann decke ich das einmal auf. Tip top, genau wie ihr gesagt habt. Der erste Teil: Viele Menschen werfen ihren Müll in den Park, ist die Ist-Norm, also der Status Quo. Der zweite Teil: Sei keiner davon, ist die Soll-Norm, negativ formuliert.
Aus psychologischer Sicht würde man sagen: Halleluja, wenig hilfreich. Dieses Schild oder diese Werbung oder was auch immer es ist, wird wahrscheinlich nicht den erwarteten Effekt haben, denn sie kommuniziert eine Ist-Norm, die entgegen unseres gewünschten Verhaltens ist und sagt dann auch noch, dass das Soll-Verhalten das sein soll, was sich quasi entgegen aller setzt, dass man die Minderheit sein soll, führt wahrscheinlich recht wenig zu dem Verhalten, dass Menschen ihren Müll wegräumen.
Was könnte man machen? Hier ein umformulierter Satz, der sich eine Ist-Norm sucht, die entsprechend unseres gewünschten Zielverhaltens, unseres umweltschützenden Verhaltens ist. Und zwar: Immer mehr Menschen bemühen sich um einen sauberen Park. Das ist eine Tendenz, die ist wahr, das können wir so kommunizieren. Und die Soll-Norm: Sei auch einer davon und nutze den Mülleimer. Danke. Also, eine Soll-Norm, die positiv formuliert ist und einhergeht mit der Ist-Norm.
Was können wir also daraus schließen? Wie können wir soziale Normen sinnvoll einsetzen? Also, zunächst, wenn Ist- und Soll-Norm pro Umweltschutzverhalten ist, dann sollten wir die unbedingt hervorheben. Das können wir sowohl verbal durch zum Beispiel Schilder, unsere Aussagesätze in Gesprächen, aber auch nonverbal durch zum Beispiel Vorbildverhalten. Wenn wir ein Verhalten ausüben, dann ist das quasi eine visuelle Form von einer Normsetzung. Wenn wir viele Menschen sehen, die etwas tun, ist das auch eine Norm.
Das Problem ist, dass bei sozialökologischen Verhaltensweisen wir oft in der Minderheit sind und es nicht unbedingt die Ist-Norm ist, dass eben sich sozialökologisch verhalten wird. Da aber auch die Ermutigung, auch Minderheiteneinfluss, hat sich gezeigt, wirkt. Der wirkt nicht sofort, aber der wirkt zumindest beim Nachdenken, läuft der nach, gerade wenn Menschen immer wieder drauf gestoßen werden. Es hat sich auch gezeigt, wenn über die Zeit sich Menschen – und es müssen nicht viele sein – aber aus der Mehrheitsmeinung oder dem Mehrheitsverhalten dem Minderheitenverhalten anschließen, also in dem Beispiel, sehr simples Beispiel, den Müll wegzuräumen oder mehr die öffentlichen Transportmittel zu nutzen, um zur Arbeit zu fahren etc., dann führt das auch zu einem Shift und kann große, im Zweifel, Bewegungen lostreten.
Da wäre das große, große Beispiel Greta Thunberg, die als Einzelperson, quasi als absolute Minderheit, gestartet hat mit dem Schulstreik und bis hin zu einer weltweiten großen Bewegung, Fridays for Future, ausgelöst hat. Und hier auch noch mal als kleiner Hinweis: Insbesondere soziale Normen von Freundinnen sind extrem relevant. Also, da so auch das Wichtige: Die Menschen, mit denen wir uns umgeben, prägen uns am meisten. Und es ist in dem Sinne hilfreich oder erleichtert unser Verhalten, wenn wir uns mit Menschen umgeben, die eben auch sozialökologisch sich verhalten. Oder umgekehrt, wenn wir es schaffen, zu Menschen, die sich nicht mit Menschen dieser Denke oder dieses Verhaltens umgeben, eine Brücke, eine Beziehung, eine freundschaftliche Beziehung, ideal zu schaffen, haben wir auch mehr das Potenzial, durch unsere Norm, durch unser Verhalten zu wirken, ohne direkt moralisierend daherzukommen.
Dann noch der zweite Punkt: Wenn die Ist-Norm kontra umweltschützende, kontra die umweltschützende Soll-Norm ist, was ja eben leider des Öfteren der Fall ist, dann ist die Gefahr der Schwächung des. Wir sollten uns ja sozialökologisch verhalten. Und dementsprechend sollten wir in den Fällen diese Normen nicht überbetonen oder einfach nicht noch mal erwähnen. Also, wir müssen da nicht noch mal sagen: Der Großteil wirft den Müll in den Park. Das manifestiert sich nur. Einfach dann auslassen. Und im Idealfall finden wir eher sogar eine alternative sozialökologische Ist-Norm, die wahr ist und die wir nutzen können, wie zum Beispiel gerade mit: Immer mehr Menschen werfen ihren Müll weg. Da hat Greenpeace vor einiger Zeit auch mal eine gute Aktion gemacht und auch so argumentiert als Werbung: Immer mehr Menschen wechseln zu Ökostrom, weil de facto noch nicht die Mehrheit der Menschen Ökostrom bezieht. Aber dieses "immer mehr" lässt einem das Gefühl werden, man ist Teil einer Welle, die da entsteht. Und weil wir Herdentiere sind, wollen wir Teil dessen sein.
Kommen wir vom Sozialen zum Emotionalen. Weitere Anknüpfungspunkte: Emotionen. Was ist das? Ihr kennt sie wahrscheinlich alle unter verschiedenen Namen: Gefühl, Emotion, Affekt, Stimmung. Man kann da so ein bisschen unterscheiden, was genau ist. Das ist an der Stelle letztendlich nicht so relevant. Aber was relevant ist, ist, dass man Emotionen oder Gefühle, je nachdem, wie ihr es für euch nennt, in angenehm und unangenehm unterteilen kann. Also, es gibt so was wie zum Beispiel Freude oder Hoffnung. Das fühlt sich für uns total gut an. Und so was wie Traurigkeit oder Wut. Das fühlt sich eher unangenehm an.
Und ich spreche hier von angenehm und unangenehm und nicht von positiv und negativ, weil die Annahme ist, dass letztendlich alle Emotionen in Anführungszeichen positiv sind, insofern als dass sie Botschafterinnen sind für, inwieweit unsere Grundbedürfnisse erfüllt sind. Sie sagen uns, dass ein Handeln notwendig ist. Und Grundbedürfnisse kennt ihr bestimmt: Die klassischen physischen, so was wie Schlaf, Essen, Trinken, Schutz. Aber es gibt auch psychologische Grundbedürfnisse, zum Beispiel nach Kompetenzerleben, nach Autonomie, nach sozialer Einbindung. Und wenn diese Bedürfnisse nicht erfüllt sind, dann geht es uns meistens nicht gut. Also, es kennt ihr vielleicht, der Klassiker gerade bei Essen ist ein schönes Beispiel: Je länger man hungrig ist, desto mehr wird man grummelig. Gibt's ja auch schon den Begriff "hangry". Aber das ist ein Hinweis zu: Wir müssen was ändern. Umgekehrt, wenn unsere Bedürfnisse zum großen Teil erfüllt sind, also wir uns gut zur Zeit eingebunden fühlen, satt sind, ausgeschlafen haben, dann sind wir meistens gut gelaunt, freudvoll.
Und das jetzt im Hintergrund für euch nur als kleine Intro zu dem, was gleich jetzt kommt. Und da würde ich auch noch eine kleine Mikrointeraktion gerne mit euch machen und euch einmal aus zwei Filmbeispielen ein paar Bilder, ein paar Stills zeigen und euch bitten, im Chat einmal zu notieren, was diese Bilder bei euch auslösen. Fangen wir mit dem ersten an. Könnt ihr einmal gucken, das ist aus National Geographic, ein paar Bilder über den allseits bekannten Eisbär. Genau. Und das Video heißt "Starving Polar Bear on Iceless Land", also verhungernder Polarbär auf enteistem Land. Jetzt könnt ihr gerne im Chat einmal ein paar Emotionen notieren, die bei euch kommen, während ihr diese Bilder anseht.
Diese Trauer, grässlich, aber platt. Trauer, Mitleid, Hilflosigkeit, entmutigt, verzweifelt, fassungslos, Sorge, Trauer, Angst, traurig, was machen wir? Bedrückt, Traurigkeit, Wut, Entsetzen. Klasse, vielen Dank. Hilflosigkeit, Wut. Ja, das reicht schon als erste Eindrücke. Vielen Dank. Lass ich an der Stelle erstmal so stehen.
Und wir gehen zu einem zweiten Beispiel. Und zwar aus dem Trailer "Die Welt ist voller Lösungen". So, auch hier wieder die Frage an euch: Welche Emotionen haben diese Bilder bei euch ausgelöst? Gerne noch mal im Chat posten. Lese: Neugier und Freude, Zuversicht, Aktivität, Gemeinsamkeit, Mut, Zuversicht, leider immer noch: Träum weiter, Optimismus, Sicherheit, Zufriedenheit, Glück, Freude, Hoffnung, Zuversicht, Zuversicht, Hoffnung, Glück, ermutigend, Hoffnung, Motivation, Fragen, positiv, keine Lösung für den Eisbär, sorry, hier bin ich bei beidem zu rational. Sehr schön, aber zu abstrakt für die meisten. Eine Frage noch. Danke euch fürs Teilen. Vielleicht können wir nachher noch mehr drüber diskutieren. Jetzt nur der Aufhänger: Warum habe ich das mit euch gemacht?
Und zwar ist sehr schön rausgekommen, was in den meisten Fällen der Fall ist. Auch da, es ist nicht homogen, wir alle ticken unterschiedlich. Aber kam ja sehr deutlich raus, dass das erste Video beziehungsweise die Bilder bei euch eher Fassungslosigkeit, Entmutigung, Traurigkeit ausgelöst haben. Also, das, was wir vielleicht unter unangenehmen Emotionen zusammenfassen können.
Was sagt man in der Psychologie, inwieweit helfen Emotionen ins Verhalten zu kommen? Bezüglich unangenehmer Emotionen sagt man, dass die gegebenenfalls hilfreich sind, wenn der Ernst der Lage noch nicht deutlich ist. Also, wenn das Problem nicht richtig verstanden ist oder wir noch gar nicht drüber Bescheid wissen, dann können solche Bilder, die solche Emotionen auslösen, oder auch Erzählungen – das ist ja jetzt nur eine Bildsprache – wie moralische Schocks wirken. Vielleicht kennt ihr auch Dokus. Ich weiß noch, damals "Seaspiracy" war so in meinem Freundinnenkreis eine Doku, die sehr viele Menschen schockiert hat oder aufgerüttelt hat, was die Fischindustrie so alles anrichtet. Und diese moralischen Schocks können ein Problembewusstsein hervorrufen, dass man erstmal weiß: Aha, check, das ist das Problem, krass, wusste ich noch gar nicht. Und einen so aktivieren dadurch.
Sie führen dazu, dass wir die Aufmerksamkeit einengen und uns auf das Problem fokussieren. Kann man evolutionspsychologisch damit erklären, dass es natürlich früher total wichtig war, wenn ein Problem da ist, dass dann alle Energie darauf fokussiert ist, nur dieses Problem wahrzunehmen, um sich im Zweifel zu retten.
Kollektive Emotionen sind noch so etwas wie, wenn wir gemeinsam Emotionen wahrnehmen, basierend auf oft moralischen Vorstellungen. Also, Moral ist ja so ein bisschen was Kollektives, was sollte man tun, was sollte man nicht tun. Diese gehen meistens einher mit einem Richtig und einem Falsch. Und die spüren wir meistens sehr doll, wenn wir etwas als richtig wahrnehmen oder als falsch. Und das emotionale Empfinden einer sozialen oder ökologischen Ungerechtigkeit löst ganz oft bei einer Gruppe auch Wut, Empörung oder Verärgerung aus. Und explizit diese gemeinsamen Emotionen von Wut, Empörung, Verärgerung, die teilweise auch bei euch aufkam, hat sich gezeigt, ist ein starker Motivator für politische Aktivistinnen.
Das heißt, man kann sagen, unangenehme Emotionen sind insbesondere relevant, wenn Problembewusstsein noch nicht so da ist, wenn wir erstmal den Blick schärfen und einengen wollen auf ein Problem. Sie haben aber auch unerwünschte Nebeneffekte. Und zwar verhindern sie die Lösungsorientierung, weil wir eben so sehr auf das Problem fokussiert sind. Oder sie erweisen sich wirkungslos, wenn sie nicht in Kombination mit Lösungen kommuniziert werden, dadurch, dass wir uns hilflos fühlen. Gerade wenn wir in großer Zahl mit negativen beziehungsweise unangenehmen Emotionen überflutet werden, sind ganz viel diese Horror- und Schocknachrichten, die wir tagtäglich zu Genüge lesen.
Psychologisch würde man sagen, wenn den Menschen das Problem schon grundlegend bewusst ist, hilft es nicht, noch mehr in der Wunde zu stochern und zum hundertsten Mal zu skizzieren, wie schlimm alles aussehen wird, wenn wir nicht – also außer wir wissen noch nicht, wie das Szenario sein wird – weil sie dann im Zweifel eben zu Hilflosigkeit oder auch zu ungewollten Bewältigungsstrategien führen. Und zwar, dass wir uns dann aus Eigenschutz, weil es echt anstrengend ist, diese unangenehmen Emotionen auszuhalten, uns vom Problem abwenden, gleichgültig werden oder uns rechtfertigen: Ja, das wird ja erst in der Zukunft passieren, oder die anderen sind ja schuld, oder die Aufmerksamkeit selektiv nur noch auf anderes richten.
Deswegen ist so ein bisschen die Frage: Wie können wir mit unangenehmen Emotionen umgehen, dass sie für uns sinnvoll und nutzbar sind, dass wir ins Verhalten kommen? Da würde man sagen, in kleiner Dosis kommunizieren und immer mit einem Lösungsansatz. Wenn negative/unangenehme Emotionen genutzt werden, immer Lösungsansätze mitliefern, damit wir eben nicht in einer hilflosen Schockstarre enden. Insbesondere bei Menschen mit geringem Problembewusstsein habe ich bereits erwähnt, bietet es sich an, da so ein bisschen der #Klimakommunikation: Kenn deine Zielgruppe. Mit wem kommuniziert ihr? Dann wisst ihr, welche Emotion ihr nutzen könnt und solltet.
Dann Wut und Empörung, noch mal spezielle Emotionen, insbesondere bei kollektivem Engagement und Protest. Das ist da besonders handlungstreibend, insbesondere durch das Hervorheben von Ungerechtigkeiten, wer verantwortlich ist und das Betonen der Wut anderer. Das da wirkt dann wieder die soziale Norm: Wenn andere wütend sind, werden wir auch wütend.
Und neben den unangenehmen Emotionen gibt es noch die angenehmen. Die habt ihr insbesondere bei dem zweiten Video genannt, so was wie Freude oder Hoffnung und Glück. Gab auch ein paar kritische Stimmen, das ist meistens der Fall, wie gesagt, es wirkt unterschiedlich bei unterschiedlichen Menschen. Aber plakativ gesprochen, sind angenehme Emotionen wie Freude, Interesse, Liebe, konstruktive Hoffnung sehr hilfreich, um bei uns Offenheit und Kreativität und Kooperation zu stärken. Sie bewirken, dass wir offen sind, nach Lösungen und Möglichkeiten zu suchen und diese zu ergreifen. Und es hat sich auch gezeigt, dass sie effektiveres und effizienteres Verhandeln ermöglichen, dadurch, dass wir so beschwingt sind und dass konfrontative Taktiken eher gemieden werden.
Das heißt, wenn Menschen schon über das Problem Bescheid wissen, kann man sagen, dass angenehme Emotionen sehr, sehr viel hilfreicher sind, um uns zu öffnen und kreativ nach Lösungen für ein Problem zu suchen, wie zum Beispiel auch einem ultrakomplexen Problem wie die Klimakrise. Dann sind wir erstmal insoweit gesättigt, unsere Bedürfnisse wahrscheinlich insoweit in Ordnung, dass wir überhaupt die Kapazität haben, nach Lösungen zu suchen und diese anzugehen. Was auch wieder so vielleicht ein bisschen ein soziales Gefälle erklärt, warum Menschen, die sonst in vielen Problemsituationen sind, vielleicht auch nicht so viel Kapazität haben, emotionalerseits, sich um andere komplexe Probleme zu lösen.
Wie können wir also angenehme Emotionen nutzen und sie stärken? Wenn ihr jetzt in Gruppen unterwegs seid, ganz easy: Unterstützung und Anerkennung in der Gruppe. Das lässt uns gut fühlen, wir fühlen uns gesehen, Menschen sind da, um uns zu helfen. Dann noch leichter und kommt immer gut an: Essen und Humor. Wenn bei einer Sitzung Essen bereitgestellt wird, Snacks, oder auf einer Demo wir uns organisieren, wer nimmt was mit, oder wir einen langen Planungsabend haben. Das stärkt und sättigt unsere Grundbedürfnisse und schafft eine gute Stimmung, mit der wir dann auch wieder mehr in der Lage sind, uns sozialökologisch zu verhalten.
Dann Geschichten der Freude und des Gelingens, sogenannte "Tales Of Joy", haben sich auch als sehr wirksam erwiesen. Und zwar, dass wir auch da wieder schauen können: Können wir Geschichten erzählen, sei es durch wirkliches Erzählen oder durch Dokus oder durch Vergleichspersonen, die in einer ähnlichen Situation sind wie wir? Und das uns wieder inspirieren kann, uns auch dementsprechend zu verhalten. Und je ähnlicher die Situation ist, in der sich diese Beispielperson befindet, umso eher können wir das auch auf unser eigenes Leben übertragen. Und das können öffentliche Stars und Sternchen sein. Es müssen auch gar nicht, es kann auch der Nachbarschaftsladen nebenan sein, bei dem wir sehen, dass etwas geklappt hat und davon zehren und das uns immer weiter erzählen.
Dann Gamification, heißt, spielerische Elemente in unser Handeln bringen. Zum Beispiel, dass wir Challenges machen, dass wir Quizzes machen. Das bringt einfach Spaß und Humor, recht simpel. Und dadurch sind wir auch wieder mehr bereit zu handeln. Dann am Ende noch konstruktive Hoffnung stärken, versus selbstgefällige Hoffnung. Konstruktive Hoffnung ist die Hoffnung, dass wir es schaffen können, so ein bisschen auch geht in Richtung Wirksamkeit, versus selbstgefällige Hoffnung, das wäre: Wir lehnen uns zurück und sagen, passt schon, es wird schon irgendwie passieren. Und diese konstruktive Hoffnung, dass wir ins Handeln kommen, wird gestärkt, dass wir eben, wie schon mehrfach betont, Problemlösungsansätze mitkommunizieren. #Handlungswissen: Was können wir machen? Immer mitkommunizieren.
So, ich schau auf die Uhr und wir neigen uns dem Ende zu. Damit würde ich noch zum letzten wichtigen Faktor gehen, bevor wir in den Austausch gehen, und zwar den gesellschaftlichen Kontext, um das alles noch mal einzubetten. Der gesellschaftliche Kontext wird nicht immer angeschaut und ist auch neu, dass wir in der Psychologie uns den anschauen. Aber wie ihr wahrscheinlich alle aus Erfahrung wisst, der Kontext macht viel. Und man sagt auch, umweltpsychologische Maßnahmen können nur begrenzt viel erreichen, genau wie individuelles Verhalten generell. Denn das Potenzial von individuellen Verhaltensänderungen kann immer nur so groß sein, wie es der Kontext zulässt.
Wenn Beispiel: Wir vorhaben, mehr öffentliche zu nutzen, aber es gibt gar keine öffentliche Verkehrsinfrastruktur auf dem Land oder wo auch immer, oder eine zu geringe Taktung, kann das Vorhaben noch so groß sein, es wird schwierig. Und aktuell ist es leider so, dass zumeist soziale und ökologische, dass der soziale und ökologische Status Quo unnachhaltig ist und dass es primär gedacht wird, dass es die mangelnde Selbstkontrolle ist, die uns in unnachhaltiges Verhalten bringt. Aber da wäre unser Plädoyer, mit im Auge zu haben: Nein, das ist nicht nur so. Es gibt eben Strukturen, die uns in einem gewissen Status Quo auch mit festhalten. Norm steckt Verantwortung. Wen können wir alle in Verantwortung ziehen? Da auch politische Transformation und auch, um darauf zu achten, was gesundes Engagement ist, dass wir uns nicht selber ausbrennen, indem wir denken, wir allein schuld sind. Ja, wir als Individuen können viel machen, da habt ihr gerade viel gesehen, was als Individuen oder als Gruppe gemacht werden kann. Aber all das ist immer noch in einen Kontext eingebettet.
Und zwar würde ich da euch jetzt noch zwei Punkte vorstellen. Und zwar einmal Kosten und Nutzen. Da kennt ihr wahrscheinlich das von euren eigenen Überlegungen auch, dass wir in Entscheidungssituationen häufig bewusst oder unbewusst abwägen müssen, wie wir uns entscheiden. Und dabei positive und negative Konsequenzen unseres Handelns abwägen. Und mit diesen Konsequenzen meine ich sowohl Verhaltenskonsequenzen, also ist es anstrengendes Verhalten zu zeigen, oder auch monetäre Konsequenzen, ist es teuer, das Verhalten zu zeigen? Und im Idealfall wollen wir meistens schauen, dass wir eben unsere Kosten bei einem Verhalten senken bei einer Entscheidung und unsere Nutzen erhöhen.
Das Problem ist nur, dass eben genannte Strukturen, in denen wir uns bewegen, meist so angeordnet sind, dass sozialökologisches Verhalten oft entweder anstrengender ist, weil wir eben viel umsteigen müssen, ein teures Zugticket kaufen müssen oder einen langen Weg bis zum Bioladen in Kauf nehmen müssen, was eben auch noch teuer wäre im Zweifel. Das Zugticket ist viel teurer als das Flugticket. Und das ist deswegen uns nicht leicht gemacht wird, uns sozialökologisch zu verhalten. Und diese Schieflage an Strukturen wird auch mit "Schiefer Ebene" bezeichnet. Und zwar, dass es eben strukturelle Nachteile für sozialökologisches Verhalten gibt, dass dieses eben anstrengender und oft kostspieliger ist.
Wie können wir Kosten und Nutzen letztendlich dann für uns nutzen? Und zwar können wir einmal schauen, dass wir Verhaltensweisen für uns belohnen, dass wir schauen, dass wir uns selber belohnen, wenn wir ein sozialökologisches Verhalten gezeigt haben, durch Auszeiten, durch einen Besuch in einem leckeren Restaurant, wenn wir etwas geschafft haben. Dass wir schauen, dass wir Nudging-Strukturen beeinflussen. Nudging ist Anstupsen. Je nachdem, es gibt Vereine, die setzen sich damit auseinander, dass zum Beispiel in Cafeterien, in Supermärkten, in Mensen das gesündere oder das ökologischere Essen sichtbarer ist, dass es für uns leichter ist, da direkt zuzugreifen.
Dann ihr kennt es auch, dass Ups, eins zu schnell, das Default-Modes geändert werden, dass wir für uns einfach zum Beispiel den Duplexdrucker schon als Voreinstellung auf Doppeldruck einstellen, dann müssen wir nicht jedes Mal drüber nachdenken. Oder dass wir kleine Marker haben, die uns daran erinnern, was wir, was für ein Verhalten wir zeigen wollen. Das alles erleichtert uns es, sozialökologisch zu verhalten. Und last but not least, Leidenschaft nutzen. Wenn wir das unser Verhalten mit etwas verbinden, wir gerne machen, fühlt es sich auch unanstrengend an. Ein Beispiel ist hier die Schokofahrt, wo Menschen klimaneutral Schokolade mit dem Segelboot nach Europa geschifft haben. Und weil sie eh super gerne Rad fahren, diese klimaneutrale Schokolade dann mit dem Rad in Europa in verschiedenen Ländern verteilt haben.
Letzter Punkt: Gewohnheiten. Hat auch damit zu tun. Kennt ihr alle: Gewohnheiten sind ein über Jahre erworbenes Verhaltensskript, das mit bestimmten Situationshinweisen verknüpft ist. Hier Beispiel: Wir kennen alle, morgens stehen wir auf, wissen sofort, wie wir genau die Kaffeemaschine bedienen. Da müssen wir nicht viel drüber nachdenken. Knopf drücken, Wasser rein, Kaffeepulver rein. Großteil unserer Verhaltensweisen sind Gewohnheiten. Man sagt, 30 bis 53 Prozent. Und ist auch gut so, damit wir nicht immer bei jeder Handlung wieder drüber nachdenken müssen, wie genau wir uns verhalten.
Das Problem ist nur, dass wir eben auch durch der Sozialisation und die gesellschaftlichen Strukturen, die eben oft in der schiefen Ebene sind, viele Gewohnheiten uns angeeignet haben, die eben nicht sozialökologisch sind. Und das Problem ist, es ist super anstrengend, Gewohnheiten zu ändern. Es gibt hohe Verhaltenskosten bei der Änderung von Gewohnheiten. Nichtsdestotrotz, auch hier gibt es sinnvolle Momente, um Muster zu durchbrechen, wie wir auch Gewohnheiten uns zu eigen machen können.
Und zwar einmal, wenn Handlungssituationen eh durchbrochen werden. Da gibt es eine schöne Studie, wo in einer großen Metropole die Stadtautobahn gesperrt war und die Menschen dadurch auf öis umsteigen mussten. Und manche dadurch erst überhaupt in Kontakt damit gekommen sind und gemerkt haben: Ah, ist gar nicht so unangenehm, ich bin sogar vielleicht schneller bei der Arbeit. Und nachher, als die Autobahn wieder geöffnet wurde, trotz alledem weiter die öis genutzt haben. Das heißt, wir können gucken: Ah, gibt es gerade gesellschaftlich oder in unserer Umgebung eine Situation, die wir uns zu eigen machen können? Man könnte sagen, so ein bisschen das Deutschlandticket geht vielleicht in die Richtung.
Es gibt eine andere Studie, die gezeigt hat, dass wenn in einem bei einem Arbeitgeber, Arbeitgeberin, E-Bikes anstatt Autos für die Arbeitnehmenden zur Verfügung gestellt werden, das oft auch so ein erstes Kosten, also Ausprobieren einer neuen Handlungsweise ist, die dazu geführt hat, dass Menschen auch dann weiter E-Bikes in ihrem Privatleben genutzt haben und immer weniger mit dem Auto gefahren sind.
Dann noch kritische Lebensereignisse. Man sagt, Menschen, die gerade neu umgezogen sind, die ein Kind geboren haben, die sich getrennt haben, wo Verwandte gestorben sind, die eh in einem Umbruch in ihrem Leben sind, sind besonders offen für neue Verhaltensweisen. Das sind Zielgruppen, die wir besonders gut ansprechen können, weil die Menschen eh sich neu strukturieren müssen, eh ihre Tagesabläufe, wo gehen sie einkaufen, wie fahren sie wohin, umändern müssen.
Und dann noch die Implementationsabsichten. Wir können quasi Gewohnheiten uns im Vorhinein implementieren, indem wir unsere Verhaltensweisen gut durchplanen und quasi so automatisch schon absichern, dass es gar keine Ausrede mehr gibt, das Verhalten nicht zu zeigen. Hier das Beispiel: Ich möchte gerne im Bioladen einkaufen gehen. Wenn wir die W-Fragen für uns einmal durchspielen, dann wissen wir, wie genau wir dieses Verhalten durchführen können. Zum Beispiel: Wann findet das Verhalten statt? Montag, 17 Uhr. Wo findet das Verhalten statt? Auf dem Weg von der Arbeit nach Hause. Wie gelange ich dorthin? Mit dem Fahrrad. Wie transportiere ich die Einkäufe? In meinen Fahrradtaschen. Wer ist involviert? Nur ich. Was passiert, wenn mich meine Kollegen nach der Arbeit zum Abendessen einladen? Dann weiß ich auch: Dienstag habe ich den gleichen Arbeitsweg und der Bioladen hat immer noch offen, dann gehe ich auf jeden Fall Dienstag. Aber was passiert, wenn ich einen Termin außerhalb der Stadt habe und nicht im Stadtteil bin? Auch dann weiß ich, dass ich am nächsten Tag zum Bioladen gehen kann beziehungsweise weiß auch, in dem anderen Stadtteil gibt es einen Bioladen, wo ich einkaufen gehen kann. Und was passiert, wenn ich die Stofftüte vergessen habe? Kein Problem, dann habe ich noch in meinen Fahrradtaschen schon einen Stoffbeutel, der vorrätig liegt, beziehungsweise kann im Bioladen fragen, ob ich eine andere Tüte dort erwerben kann.
Das nur ein beispielhaft dafür, dass wir mit solchen Fragen alle möglichen Situationen durchspielen können, die bei unserem Verhalten eintreffen können. Und in dem Moment quasi nicht neu überlegen müssen, wie verhalte ich mich, sondern alles schon durchdacht wurde und auch Eventualitäten, die dagegen sprechen. Und so letztendlich hoffentlich eine Gewohnheit neu implementieren können, weil es keine Ausrede vor uns mehr gibt. Hat sich auch gezeigt, wenn wir das noch mit Freundinnen teilen, weil sie es öffentlich machen oder schriftlich festhalten, ist dies besonders wirksam.
Und zum finalen Abschluss wollte ich euch nur noch als Teaser zumindest vorstellen, das ist noch mal ein ganz eigenes Thema für sich, aber es gibt auch noch diese sogenannten Hebeleffekte, worunter zum Beispiel der Handprint fällt. Das ist ein Symbol für strukturveränderndes und politisches Engagement mit transformativem Wirkpotenzial. So ein bisschen der Slogan von: Denken zum Handeln zum Wandel, dass wir gar nicht diese Strukturen immer austricksen müssen oder unser individuelles Verhalten stärken müssen, sondern schauen, wie können wir die Strukturen der Gesellschaft verändern?
Und dieses Symbol hat den Ursprung in Indien, wurde dann aber sehr stark durch Germanwatch geprägt. Und zwar geht es darum, im Gegensatz zum Fußabdruck, wo wir ja etwas weniger machen wollen, weniger Emissionen, zu schauen, wie können wir positive sozialökologische Auswirkungen des eigenen Handelns in die Welt tragen? Das heißt, der Fokus ist kollektives Handeln, Strukturaktivismus oder Struktur-Engagement und die Rahmenbedingungen zu ändern. Das heißt, letztendlich soll geschaut werden, wie kann der Handlungs- und Möglichkeitsraum an Lösungen erweitert werden?
Da vielleicht nur für euch als Gedankenanstoß in euren Projekten: Wo setzt das Zielverhalten da an? Kann es vielleicht auf eine höhere Strukturebene gehoben werden? Oder gibt es die Möglichkeiten, dass wir uns mit anderen Menschen zusammentun, um politischer auf größerer Ebene zu wirken? Welche Diskurse und Systeme unterstützt mein Projekt vielleicht explizit oder implizit?
Und das ist nur so ein kleiner Ausblick, mit dem ich gerne für heute schließen möchte. Das ist nämlich ein weiteres großes Thema und hoffe aber, dass ich in den letzten tatsächlich jetzt eher 55 Minuten euch ein paar Inspirationen mitgeben konnte, wie ihr in euren Projekten Verhalten stärken könnt und vom Wissen zum Handeln kommt.
Und da noch mal, was vielleicht die wichtigsten Aspekte sind. Und zwar einmal: Wissen ist eine wichtige Grundlage, allein bringt es Menschen aber nicht ins Handeln, denn menschliches Verhalten ist komplex. Hier Wissens-Verhaltens-Lücke. Es gibt darüber hinaus aber viele andere psychologische Faktoren, die mit beeinflussen, ob sich Menschen sozialökologisch verhalten. Und einige der wichtigsten Faktoren sind eben Wirksamkeit: Selbstwirksamkeit und kollektive Wirksamkeit, soziale Faktoren wie soziale Normen und Emotionen. Da haben wir uns angenehme und unangenehme Emotionen angeschaut.
Darüber hinaus ist dieses Verhalten aber immer in einen Kontext eingebettet, der der Rahmen für unser Verhalten ist. Und da gibt es leider die schiefe Ebene, die sozialökologisches Verhalten oft anstrengender und kostspieliger macht. Und auch Gewohnheiten sich so eingeschliffen haben. Da habe ich euch ein paar Ansätze mitgegeben, wie ihr dies vielleicht ändern könnt. Darüber hinaus könnt ihr aber auch schauen, inwieweit euer Engagement direkt an einer strukturellen Ebene ansetzt. Wenn ihr da mehr wissen wollt, ist Germanwatch und der Handprint ein guter Ansatzpunkt.
Und am Ende noch mal der Hinweis: Kenn deine Zielgruppe. Je enger ihr eure Zielgruppe umreißt und definiert, wer das ist, desto genauer könnt ihr Interventionen gestalten. Und zum Nachlesen habe ich hier noch ein paar weiterführende Materialien für euch mitgebracht. Einmal die Wandelwerk-Handbücher, die ihr kostenlos downloaden könnt, in denen all das, was ich gesagt habe, und noch viel, viel mehr vorzufinden ist. Da geht es ganz viel drum um Verhaltensstärkung aus psychologischer Sicht. Dann Germanwatch mit dem Handprint habe ich erwähnt. Und ihr könnt uns natürlich auch für Workshops buchen, wenn ihr noch tiefer einsteigen wollt in die Themen, die ich jetzt gerade alle nur angerissen habe.
Und im Vorhinein ging auch ein Zettel rum oder eine Umfrage, in der viele von euch Klimakommunikation hervorgehoben haben. Das ist auch noch mal ein riesiges Thema. Auch dazu bietet das Wandelwerk im Zweifel Workshops an. Und ich habe gesehen, es gibt auch noch einige NPOs unter euch, die gerade hier anwesend sind. Da auch nur, falls ihr Lust habt, meine Stelle, wo ich arbeite, weiter wirken. Wir bieten eine Schulung genau zu dem Thema an: Wie können Projekte mehr Verhalten stärken? Wie können sie effektiv und wirksam handeln? Und da ist der Bewerbungsschluss jetzt am 2.7. Wenn ihr wollt, schaut mal vorbei. Und wenn ihr wollt, könnt ihr euch noch bewerben.