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Darum geht es uns: gemeinsam an einem Strang, Kooperationen von Unternehmen und Gemeinnützigen. Du hast schon angekündigt, es geht um die Einführung heute. Es geht darum, seinen Anblick zu wenden oder den Klick vielleicht bis zu öffnen zu dem Thema, und genauso habe ich mich vorbereitet. Vielleicht zunächst damit, dass ein offenbar ist, aus welcher solchen Hintergrund, vor welchem Hintergrund ich spreche: ein paar Worte zur Biotop J. Wir sind eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Berlin und Frankfurt am Main, und es gibt uns schon seit 1996, also doch schon ein paar Jahre. Wir sind im Wesentlichen ein Netzwerk, und zwar Netzwerk für bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen, Corporate Citizenship, und für verantwortliche Unternehmensführung, CSR. Unser Ziel ist, eine nachhaltige Gesellschaft zu gestalten, in der Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit verantwortlich gestalten und möglichst in Kooperation mit den anderen Sektoren, also mit Zivilgesellschaft, mit Politik und Verwaltung, gesellschaftliche Herausforderungen gemeinsam lösen.
In unserem Netzwerk würden ca. 45 Unternehmen mit. Das sind Unternehmen ganz verschiedener Branchen, verschiedener Größen, wirklich von groß bis klein. Bei denen geht es einerseits um Engagement, also das Thema, über das wir heute sprechen. Es geht aber auch um CSR-Themen insgesamt, also Nachhaltigkeit, Klimawandel, Kreislaufwirtschaft, Sorgfaltspflichten der Lieferkette, Menschenrechtsthemen, also ein ganz breites Themengebiet. Und im Netzwerk würden außerdem mit etwa 25 Mittlerorganisationen, das sind Freiwilligenagenturen, Bürgerstiftungen, kommunale Anlaufstellen für Engagement, Gliederungen von Wohlfahrtsverbänden, die eben vor Ort als Scharnier zwischen Unternehmen und gemeinnützigen Organisationen fungieren und Mittler sind, Brückenbauer sind zwischen diesen Welten und eben gemeinsame Projekte initiieren.
Zusätzlich zu unserer Netzwerkarbeit setzt natürlich eigene Projekte um, gemeinsame Projekte mit Unternehmen, mit Verbänden, mit Kommunen, auch mit Verwaltungen in Bund und Ländern. Das ganz kurz zu gehört, damit man das vielleicht ein bisschen einordnen kann, wie gesagt, vor welchem Hintergrund ich spreche. Warum soll es uns heute gehen? Ich habe ein paar Sachen vorbereitet. Wir haben noch 45 Minuten Zeit, und ich würde mich gern so ein bisschen in diesem Jahr zu diesen Punkten langhangeln: Dass sich Unternehmen engagieren, das ist selbstverständlich. Darüber werden wir gleich sprechen. Also, die meisten Unternehmen engagieren sich, und wir werden ein bisschen reingucken, einen Business-Spotlight draufsetzen, ein paar Begriffe uns anschauen, Fallzahlen uns anschauen, auch ein paar Motive anschauen, also warum engagiert sich Unternehmen eigentlich und auch wie engagiert sich Unternehmen, also welche Form gibt es vielleicht auch jenseits von Spenden und Sponsoring. Wir gucken uns die Kooperationen an, also wie funktioniert eigentlich Kooperation, was meint Kooperation, welche Perspektiven haben Unternehmen und Gemeinnützige darauf, auch so ein bisschen in Richtung Erwartungen, also was erwarten Unternehmen eigentlich von ihren gemeinnützigen Partnern. Und ganz zum Schluss eine ganz kurze früher mal: so ein bisschen schauen, wie lassen sich Kooperationen eigentlich ganz gut anbahnen, und ich verweise nach auf zwei Unterstützungsangebote von uns, für diejenigen hier aus der Runde, die weitermachen wolle mit dem Thema nach dem Webinar heute. Also relativ viel, was wir anreißen können: eine kurze Einführung ins Thema, ein paar Anregungen, ein paar interessante Aspekte. Das heißt, es ist wirklich eine Einführung ins Thema, es sind keine Checklisten, keine Schritt-für-Schritt-Anleitungen, keine To-do-Liste, die passiert. Und eher so ein gemeinsames Thema kommt, was ich wichtig finde, wenn wir über das bürgerschaftliche Engagement von Unternehmen springen, dass wir uns auch damit – ja, vielleicht das Verständnis, dass – oder uns dem gemeinsamen Verständnisbereich bewegen lässt, auch beim Thema bürgerschaftliches Engagement. Es gibt ja immer so Begriffe, die immer auftauchen in den Debatten rund um bürgerschaftliches Engagement: Eigensinn des bürgerschaftlichen Engagements, Freiwilligkeit des bürgerschaftlichen Engagements, Gemeinwohlbezug auf das Thema sozusagen, das gemeinschaftlich in der Regel erbracht wird. Das sind ja die Fachdebatte oder Fachdiskurse, wo die Begriffe auftauchen. Und beim freiwilligen Engagement, beim bürgerschaftlichen Engagement von Unternehmen ist es nicht anders. Beim bürgerschaftlichen Engagement neben geht’s eben tatsächlich darum – natürlich darum –, dass positive Effekte für Dritte erzielt werden, also dass sozusagen positive Effekte für das Gemeinwohl erzielt werden. Also, es geht nicht darum, Unternehmen irgendwie zur Sprache – es hat keinen Selbstzweck. Es geht auch nicht darum, dass Unternehmen sozusagen ausschließlich im eigenen ökonomischen Interesse sich engagieren. Bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen verfolgt auch Gemeinwohlziele. Das ist mir wichtig zu sagen. Das Zweite: Auch das Engagement von Unternehmen ist natürlich freiwillig. Es ist ein Ausdruck von bürgerlicher Tugend, von bürgerlicher Verantwortung und damit eben auch genau nicht instrumentalisiert durch andere, weder durch gemeinnützige Organisationen noch durch den Staat oder durch Stiftungen oder durch andere Akteure. Es muss also nicht darum gehen, dass wir sozusagen Unternehmen irgendwie ein bin instrumentalisieren und ihnen Rollen zuweisen verbindlich, sondern es kann nur darum gehen, dass wir Angebote machen, Gelegenheiten schaffen und Unternehmen einladen, mitzutun und an so etwas sich gemeinsam mitzuarbeiten.
Vielfalt bedeutet auch, dass es das Unternehmen oder das Unternehmensengagement nicht gibt. Also, wenn manchmal auch in Diskussionen oder in Fortbildungen oder so was gefragt wird: Wie ticken denn nun die Unternehmen? Oder wie engagiert sich denn die Unternehmen? Dann ist das immer nur ein Ausschnitt. Na, also es gibt natürlich Unternehmen unterschiedlichster Branchen, unterschiedlichster Größen. Wir haben verschiedene Interessen, verschiedene Motive, auch verschiedene Möglichkeiten und Horizonte, Zeithorizonte, in denen sie sich engagieren wollen. Also, das „die Unternehmen“ und „das Unternehmensengagement“ gibt es natürlich nicht, sondern es gibt eine ganz unterschiedliche oder eine ganz große Bandbreite davon. Das heißt, auch das Engagement von Unternehmen wird sich entsprechend unterschiedlich darstellen, und es lohnt sich für uns, für Gemeinnützige, natürlich, genau hinzugucken und auch das zu ergründen.
Das gilt natürlich auch mit Blick auf Themen: also, für welche Themen engagieren sich Unternehmen vielleicht eher oder weniger, welche Zielgruppen sind von besonderem Interesse, oder eben auch, welche Engagementformen. Da schauen wir so ein bisschen drauf heute. Was ich hier aufgeschrieben habe an der Stelle, ist eine richtig gute Nachricht, nämlich: Die Engagementquote von 63 Prozent im Bereich des Bürgerengagements – es ist, glaube ich, die Zahl 40 Prozent seit Jahren stabil, also der Bürgerinnen und Bürger über 14 Jahre, die sich engagieren – bleibt ja auch mal ungefähr gleich. In dem Monitor Unternehmensengagement, aus dem ich gleich noch mal was sage, ist es eine Quote von 63 Prozent. Also: Zwei Drittel aller Unternehmen engagieren sich, und zwar regelmäßig. Das meint Engagementquote, das nicht ab und zu mal, sondern regelmäßig. 63 Prozent – für die gehört das also zum guten Ton. Und das finde ich ja schon mal eine erfreuliche Nachricht.
Wo ich gerade bei Zahlen bin: Lange Zeit war dieses Feld Unternehmensengagement ein bisschen unterbelichtet, und dass die Bundesregierung mit dem ersten Engagementbericht 2012 da sozusagen ein gewisses Schlaglicht darauf gelegt hat, hat ein paar interessante Befunde. Die stehen hier, die kann man nachlesen. Also natürlich: Die großen Unternehmen sind fast alle engagiert. Über 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – die sind alle engagiert, 96 Prozent. Da gibt es eigentlich kein Unternehmen, was nichts macht, weil das könnte sich schlicht und einfach auch nicht leisten, so stark in der Öffentlichkeit zu stehen und nichts zu tun. Aber auch bei den kleineren Unternehmen bis 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind zwei Drittel, die engagiert sind. Und zwei andere Zahlen sind auch interessant: Erstens: 90 Prozent der Unternehmen – der das Engagement – es ist an den Standort oder an die Standorte des Unternehmens gebunden. Das heißt, wenn ich in Kiel produziere und damals einzigen Standort habe, muss ich schon sehr gute Gründe haben, warum ich vielleicht im Verein aus Gotha – um bei Gotha zu bleiben, aus der Vorrede – warum ich mich dort engagiere, für den Verein. Das muss schon einen guten Grund haben, normal ist es jedenfalls nicht. Und was auch wichtig ist: dass acht von zehn der Engagierten sagen: „Wir wollen das nicht alleine machen, wir machen das nicht alleine, sondern wir tun das, indem wir eben Akteure vor Ort, die sich auskennen im Gemeinwesen, unterstützen“, also gemeinnützige Vereine, Wohlfahrtsverbände, die kommunalen Einrichtungen. Acht von zehn sagen: „Wir machen es nicht allein, und wir suchen Partner.“
Noch ein bisschen tiefer gegangen ist dann 2018 der Monitor Unternehmensengagement, eine Initiative von Stifterverband und Bertelsmann Stiftung, die das noch ein bisschen deutlicher beleuchtet. Damals ist es noch kompliziertesten Chipsol wären, weil man das so schlecht aussprechen konnte, haben sie es jetzt glücklicherweise Monitor Unternehmensengagement genannt. Der aktuelle von 2021 ist auch gerade erschienen, aber ich finde die Zahlen von 2018 – also vor Corona – bemerkenswert. Auch die machen sehr deutlich: Der Großteil der Unternehmen ist engagiert. Hier steht immer auf Geldspenden, Sachspenden, Dienstleistungen bezogen – also verschiedene Engagementformen, wie viel Prozent sich überhaupt engagieren. Und die zweite Zahl ist, wie viel Prozent das regelmäßig macht. Und das finde ich schon mal ziemlich bemerkenswert, die Quoten. Da will ich gar nicht im Detail eingehen. Aber was bedeuten diese Zahlen zusammengefasst? Bedeuten erstens: Tatsächlich, viele Unternehmen, nämlich die meisten, engagieren sich bereits. Finde ich eine gute Botschaft. Zweitens: Manche machen das zwar nicht regelmäßig und nicht dauerhaft, aber eben manchmal schon. Das heißt, sie sind ansprechbar und sind wahrscheinlich – ja, sozusagen potenzielle Partner, die man einfach mit einem guten Angebot aktivieren muss. Das bedeutet drittens – habe ich schon gesagt –, Engagement ist standortgebunden. Das heißt, was für unsere Überlegungen, mit welchen Unternehmen können wir denn überhaupt sinnvollerweise kooperieren, entsprechend wird ihn an. Das heißt aber viertens: Für die gemeinnützigen Organisationen liegt hier ein riesiges Handlungsfeld. Also das sind Tausende, zigtausende von Akteuren mit vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, mit vielen Ressourcen, die die haben, und das sind alles potenzielle Mitstreiter und Mitstreiterinnen für unser Anliegen, das wir als Verein oder als Verein haben, schöpfen wir nur noch nicht genügend ab. Also: Riesiges Handlungsfeld, total Sinn, da reinzugehen. Ich habe schon gesagt: Durch Corona gab es ein paar Effekte, wo sich die verschiedenen Zahlen nach unten korrigiert haben. Also gerade bei Geld-, Sach-, Zeitspenden – haben abgenommen, zum Teil deutlich. Aber meine Einschätzung ist: Das wird sich wieder normalisieren. Das wird wieder auf so ein Niveau steigen.
Ein paar Motive: Warum engagiert sich Unternehmen eigentlich? Sie müssen es ja nicht machen, ist ja freiwillig, freiwilliges Engagement. Der eine Punkt ist vielleicht: Unternehmen existieren eben nicht losgelöst von der Gesellschaft um sie herum. Also, sie existieren nicht losgelöst von den gesellschaftlichen Realitäten und Herausforderungen. Mein Kollege hat immer gesagt: Ihnen brennen doch die gleichen Probleme unter den Nägeln wie uns allen. Ich habe mal in der Grafik ein bisschen was aufgeführt, was das sein könnte: natürlich global, ist klar – Klimawandel, Migration, ein Riesenthema – und beschäftigt auch die Unternehmen. Aber auch vor Ort, wenn wir das Thema demografische Entwicklung angucken, Fachkräftesicherung, Bildung, Ausbildung, Pflege, Zuwanderung, Integration, Inklusion, gesellschaftlicher Zusammenhalt, Zukunft von Demokratie – das sind alles Themen, die lokal absolut dringlich sind und die Unternehmen natürlich genauso beeinflussen, beeinflusst. Also, sie haben Interesse daran, dass es da sozusagen sich zum Besseren wendet, jetzt einfach mal. Also im Kern, glaube ich, die Unternehmen wollen, die engagierten Unternehmen, die wollen einen positiven Beitrag leisten. Die wollen Gesellschaft gestalten, die wollen zum Gemeinwohl beitragen, sozialen Frieden sichern, wenn man das nennen möchte. Das liegt meines Erachtens immer obenauf. Also, sie wollen einen Beitrag leisten, die verstehen sich sozusagen als – die wollen Verantwortung leben. Das ist meines Erachtens das Grundmotiv. Und dann gibt es natürlich noch zusätzliche Motive oder Begründungen, die vielleicht auf der individuellen Ebene liegen: also Traditionen, Werteorientierungen etc. Aber auch da ist es oft nicht so, dass sozusagen das eine Motiv ist, warum jetzt sich ein Unternehmen engagiert, sondern in der Regel ist es darin Motivation-Stacks. Und ich würde gern noch mal drauf hingucken, genau weil ich das schon relevant finde, das auch zu ergründen bei Unternehmen: Ja, warum machen die das eigentlich? Vor der ersten ist natürlich eine Firmentradition, eine Familientradition, vielleicht bei inhabergeführten Unternehmen. Das gehört einfach immer schon dazu. Das ist ein Ausdruck unserer Verbundenheit mit der Region, mit unseren Beschäftigten. Wir wollen gute Nachbarn sein. Uns ist der Standort wichtig – also eine ganz klassische Tradition: „Machen wir schon immer so, wir kennen es nicht anders.“ Das andere, damit vielleicht ein bisschen im Zusammenhang, Werteorientierung: Also na klar gibt es religiöse Werteorientierung oder ethische oder politische Überzeugungen, die Unternehmerinnen und Unternehmer oder aber auch angestellte leitende Personen in Unternehmen dazu veranlassen, sich zu engagieren. Das gehört einfach dazu. Das kann natürlich wirklich ein klassisches religiöses Motiv sein, je nachdem, wo das herkommt. Es kann aber auch einfach eine klassische Verantwortungstätigkeit sein. Und dann sagt man: Unternehmerischer Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung sind einfach zwei Seiten einer Medaille. Und wer im Leben was erreicht, für den gehört es auch dazu, dass er sich engagiert. Also eine ganz einfache Werteorientierung.
Es gibt wirtschaftliche Ziele. Die sind auch legitim, und die wollen wir auch erwähnen. Natürlich kann es vor Ort einen Unterschied machen bei Unternehmen, die vielleicht eine gleiche Kundengruppe bedienen, ob sich ein Unternehmen engagiert und das andere eben nicht. Also, es kann Wettbewerbsvorteile bringen, es kann Marketingeffekte haben, positive. Es kann zur Reputation des Unternehmens beitragen, wenn es sich engagiert. Denn Unternehmen, die sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren wollen, ist Engagement ein interessantes Thema. Corporate Volunteering – hatten wir als Stichwort schon gehabt. Natürlich gibt es auch Erwartungen von Arbeitnehmerinnen – die man diese was – auch erwarten: ein bisschen frei zu haben. Natürlich gibt es auch Investorenerwartungen, also Shareholder oder Investoren, die das wollen, oder Stakeholder, die sagen: „Wir haben eine Erwartung an Unternehmen auch.“ Also all das sind natürlich wirtschaftliche Ziele, die legitim sind, und die sicher Teilziele sein können, warum Unternehmen sich auch engagieren. Und es gibt, gerade wenn man vielleicht vor Ort guckt, auch in den Städten und Gemeinden, gerade bei inhabergeführten Unternehmen, bei kleineren, sind manchmal auch ganz individuelle persönliche Motive: persönliche Prägung, eigene Aktivitäten in der Jugendzeit, sodass man sich dann auch als Erwachsener engagiert, oder Mitgliedschaften. Man war fast immer Pfadfinder oder immer schon in der Jugendfeuerwehr oder beim Roten Kreuz oder im Sportverein aktiv. Aber manchmal gibt es auch andere, nicht so schöne Sachen, vielleicht familiäre, persönliche Betroffenheiten, also Krankheiten, Behinderungen, Todesfälle. Auch das können Anlässe sein, Motive sein für Unternehmen, sich einer spezifischen Zielgruppe, einem spezifischen Thema zu widmen.
Und jetzt die Frage: Unternehmen – klar, die wollen sich engagieren, es gibt gute Gründe, warum sie das tun – aber wie engagieren sie sich denn? Spenden, Sponsoring, Sachspenden – das kennen wir alle, also das ist uns allen sehr vertraut. Das gehört zum Alltag. Ich glaube, hier sind jetzt 164 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Runde. Ich glaube, mindestens 160 – gehört es dazu, dass man auch Unternehmen – sozusagen mit Unternehmen zusammenarbeitet in Form von Spenden- oder Sponsoringaktivitäten oder Sachspenden. Das ist völlig normal und, glaube ich, bekannt für alle. Kostenlose Dienstleistungen, Pro-bono-Dienstleistungen: Da geht es dann darum, dass man sonst kostenpflichtige Dienstleistungen als Gemeinwohlträger eben kostenfrei bekommt – für den guten Zweck, pro bono, ohne Rechnung. Also, die meisten kennen das natürlich aus dem Dienstleistungsbereich, aus dem Bereich Grafik und Design – ganz klar: Das braucht man immer, kostet viel Geld, und gerade bei kleinen Vereinen ist ja meist das Geld knapp. Und man ist riesenfroh, wenn es Unternehmen gibt, die einem da sozusagen die Dienstleistungen kostenlos machen. Natürlich IT-Dienstleistungen, Architektur sind natürlich Themen, auch Rechtsberatung – etwas kostet viel Geld, können sich viele nicht leisten –, Wirtschaftsprüfungsdienstleistungen, Steuerung. Also alles Themen, wo es Dienstleister gibt, die sonst sehr teuer sind, wo Vereine natürlich immer darauf angewiesen sind. Und die entsprechende Zusage: „Für euren Zweck, für euren vor allem ich das gut finden, euch unterstütze ich damit“ – und gebe diese Dienstleistung eben pro bono. Riesenthema, auch ein großes, wichtiges Trendthema bei Unternehmen: sich eben mit ihren Dienstleistungskompetenzen pro bono zu engagieren.
Anderes Thema: Mitarbeiterengagement. Wir haben schon angesprochen von Corporate Volunteering, also das freiwillige Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens, in der Regel während der Arbeitszeit – das ist das Besondere. Also nicht: Ich gehe sozusagen 40 Stunden die Woche arbeiten, am Wochenende bin ich dann auf dem Sportplatz, sondern im Rahmen der Arbeitszeit. Oder eben, wenn es nicht im Rahmen der Arbeit ist, dann in einem privaten Rahmen, der aber mit starker, mit massiver Unterstützung durch den Arbeitgeber ist. Da kann es ganz verschiedene Formen geben. Klar, vor allem Zeitspenden, klassische Zeitspende auch von freiwilligen Mitarbeitern aus Unternehmen, wo es welche eher darum geht, Ausflüge zu betreuen oder Betreuungsangebote zu machen. Das gab es gerade jetzt in der Pandemie ja ganz viel: einfach Zeit zu spenden, Briefe zu schreiben – hat gerade ein Riesenthema –, Telefondienst. Dabei eben auch irgendwann wieder Ausflüge, vielleicht mit Seniorinnen und Senioren oder Menschen mit Behinderung. Arbeitskraft, also ganz klassisch Manpower, Womenpower, wo es dann wirklich ums Anpacken geht, Anpackprojekte: renovieren, bauen – all diese Dinge, wo man ins Schwitzen kommt. Auch das sehr beliebt bei Unternehmen, mit solchen kontroll- und tieringen Projekten aktiv zu werden. Aber auch, wo es vielleicht eher ums Know-how geht, also um das Fach- und Fachwissen der einzelnen Mitarbeiterinnen: um Beratung bei strategischen Fragen, bei Managementthemen im Verein oder Ähnliches. Riesiges Thema. Nach meinem Gefühl wird das noch nicht so stark abgefragt von Vereinen, aber da kann man vielleicht auch nachher noch mal sprechen.
Logistik/ Infrastruktur: Hier geht es um Nutzungsüberlassung, also alles, was Unternehmen haben, was die Vereine oft nicht haben, aber brauchen, und wo man überlegen könnte: Können wir nicht einfach die Dinge kostenfrei mitnutzen? Also Seminarräume bei Unternehmen, Büros mietfrei, Proberäume für den Posaunenchor, Maschinenpark von dem Unternehmen nutzen für Projekte, Lagerhallen mitnutzen, den Fuhrpark von Unternehmen – „Wir brauchen für unseren Verein am Wochenende zwei, drei VW-Busse, das Unternehmen hat sie rumstehen, wird am Wochenende nicht benutzt – kann man da nicht zusammenkommen?“ –, so was wie Frankiermaschinen einfach mitnutzen bei Unternehmen oder Serverkapazitäten. Also Dinge, die ohnehin da sind und von den Unternehmen genutzt werden – einfach gucken: Kann man die auch noch nutzen für gemeinnützige Organisationen? Einfluss/Image steht noch da: Unternehmen also als Türöffner, als Fürsprecher fürs eigene Anliegen gewinnen – das ist eine erfolgversprechende Strategie, vielleicht immer, wenn man ein Thema neu auf die Agenda setzen will oder auch eine gewisse Aufmerksamkeit erregen will. Das alles sind Instrumente, Formen, Erscheinungsformen, die in Partnerschaften mit Unternehmen eine Rolle spielen könnten und die aufzuzeigen, wo nichts Außergewöhnliches dabei ist.
Allerdings: Meine Einschätzung ist, dass es bei den meisten Vereinen noch ein bisschen anders ist. Mein Eindruck ist: Die Sicht der gemeinnützigen Vereine auf Unternehmen, auf die Arbeit mit Unternehmen, ist leider sehr oft sehr eindimensional. Und worauf wird geguckt? Unternehmen gelten vor allem als potenzielle Spender, vielleicht auch als Sponsoren. Und das will ich gar nicht falsch verstanden wissen. Also natürlich ist das total richtig, auch zu sagen: Wir brauchen Spendengelder, wir brauchen Förderbeiträge für die Arbeit als gemeinnützige Organisationen. Daran ist überhaupt nichts falsch. Aber ich halte es aus vielen Gründen für eine gute Idee, auch die anderen Instrumente, über die wir gesprochen haben, in den Blick zu nehmen, auch strategisch in den Blick zu nehmen, und ein bisschen mehr Einfallsreichtum auch zu zeigen. Unternehmen haben nämlich mehr zu bieten: mehr Werkzeuge, mehr Ressourcen, mehr Möglichkeiten als Geld. Und wenn wir immer nur nach Geld fragen, wie ich glaube, dass es die meisten Vereine tun, dann beschneiden wir uns einfach unnötig. Das macht gar keinen Sinn, sozusagen uns da zu begrenzen.
Unternehmenskooperation oder Kooperationen ist jetzt nicht noch ein weiteres Instrument neben Spenden, neben Sponsoring, neben Mitarbeiterengagement, sondern meint was anderes. Unternehmenskooperation ist eben nicht so ein Instrument in diesem Baukasten, sondern – Kooperation meint, oder ist – die Art der Beziehung zueinander. Ich habe mal geschrieben: Es geht nicht darum, was man von Unternehmen alles bekommen kann – also nur zu sagen „Was kann ich kriegen?“ –, sondern darum, dass man sich absichtsvoll zur Zusammenarbeit verabredet. Das ist der Mehrwert von Unternehmenskooperationen, meint eine geplante Zusammenarbeit zum Nutzen aller Beteiligten und zur Erreichung gemeinschaftlicher, gemeinwohlorientierter Ziele. In der Diskussion rund um Sozialkapital gibt’s die Unterscheidung zwischen zwei verschiedenen Engagementformen. Das eine ist: für jemanden etwas tun – also wenn ein Unternehmen für den Verein etwas tut –, das ist eben was anderes als miteinander etwas zu tun, was Gutes zu tun. Und im Englischen ist das „doing good with“ versus „doing good for“. Und ich glaube, wenn man da noch mal drüberguckt, was eben dann den Unterschied macht – das illustriert das, glaube ich, ganz gut.
Kooperationen – ich fasse noch mal zusammen – also gilt: zweckgerichtetes Zusammenwirken, also intentional zweckgerichtetes Zusammenwirken, gemeinschaftliche Ziele, auch eine gemeinschaftliche Problemdefinition, und diese Ziele arbeitsteilig erreichen. Also, die Leitfragen sind: Wo passen wir eigentlich zusammen? Was können wir, was wollen wir, und was können wir besser gemeinsam erreichen, als wenn jeder für sich alleine tut? Und was kann auch jeder einbringen? Das sind die zentralen Fragen daran.
Ich habe schon gesagt: Bei dieser Zusammenarbeit – also wenn wir wirklich Kooperationen ernst meinen – dann ist das eine andere Beziehung als die Beziehung zwischen Auftragnehmer und Auftraggeber. Es ist auch was anderes als bei einer reinen Spendenbeziehung: Einer gibt, der andere nimmt – das ist ein sehr starkes Ungleichgewicht. Und Kooperation will eigentlich was anderes. Da geht es um diese Haltungsfrage, wie in diesen Zitaten: Es geht um eine andere Beziehung zueinander. Und wenn das so ist, dann bedeutet das, dass auch dieses Miteinander, diese Zusammenarbeit auf gewissen Umgangsformen oder auf gewissen Werten basieren sollte: Kommunikation auf Augenhöhe – ich habe schon gesagt, nicht Gönner und Bittsteller, sozusagen –, sondern ein Stück weit Gleichgewicht. „Augenhöhe“ kann man auch noch mal diskutieren, ob das wirklich der richtige Begriff ist – können wir nachher gern machen –, aber zumindest erst mal dieses Ungleichgewicht aufzuheben. Partnerschaftlichkeit, also Gleichberechtigung und Miteinander statt sozusagen diese Dienstleisterfunktion. Anerkennung der Unterschiede, die nun mal sind: Also natürlich haben Unternehmen und haben gemeinnützige Organisationen unterschiedliche Handlungslogiken, unterschiedliche Arbeitsweisen, unterschiedliche Rahmenbedingungen, nicht nur finanzielle, sondern auch andere Rahmenbedingungen. Aber sozusagen diese jeweiligen Einbindungen oder diese jeweiligen Unterschiede auch zu respektieren – das gehört für mich dazu. Wertschätzung, Vertrauen als wichtigste Ressource – das finde ich da zentral. Das bedeutet aber eben auch – ich hatte es schon mal gesagt –: Kooperationen und eine Funktionalisierung des anderen, des Gegenübers, oder eine Instrumentalisierung, Indienstnahme lediglich für die eigenen Zwecke, schließt sich aus. Das ist eben nicht Kooperation.
Jetzt habe ich viel darüber gesprochen, was es ist, und die Frage ist aber: Warum ist das vielleicht eine gute Idee? Also: Gibt es eigentlich gute Gründe für Kooperationen? Könnte ja gut sein: „Es hat doch bisher auch ganz gut geklappt, ohne dass wir so stark zusammengearbeitet haben. Die Vereine machen eben ihres, Unternehmen machen ihre Sachen, und die zahlen die Steuern, und dann gibt der Staat uns das Geld – wäre alles in Ordnung.“ Jenseits dessen, dass das, glaube ich, nicht trägt, glaube ich, dass es gute Gründe gibt für eine Kooperation von Unternehmen und gemeinnützigen Organisationen. Für die Unternehmen liegt es natürlich auf der Hand: Ich habe schon gesagt, die meisten engagieren sich vor Ort und wollen sich für relevante gesellschaftliche Fragestellungen engagieren. Und die Frage ist: Wer sind denn die Experten für diese Fragen, und die Expertinnen? Das sind natürlich die gemeinnützigen Organisationen vor Ort. Die haben einfach Wissen, die haben Konzepte, die haben Methoden, die haben qualifiziertes Personal, die wissen um die Probleme vor Ort, die kennen die Herausforderungen, die kennen die Bedarfe, die haben auch Zugang zu den Zielgruppen. Natürlich – und es ist aber auch eine Legitimationsfrage, dass Unternehmen mit gemeinnützigen Organisationen zusammenarbeiten, weil natürlich kann man sich die Frage stellen: Warum kümmert sich jetzt ein gewinnorientiertes Unternehmen plötzlich um das Thema? Also ist es auch eine Legitimationsfrage. Und es ist auch eine Ressourcenfrage: Warum sollen Unternehmen auch mit Dinge aufbauen, neu machen, investieren in Dinge, die es schon gibt und wo es eben schon Kapazitäten, wo es Know-how schon gibt – bei einer Partnerorganisation, das schon vorhanden ist? Also für Unternehmen liegt es komplett auf der Hand, warum gemeinnützige Organisationen die erste Weise sind, in denen Unternehmen sich engagieren wollen. Aber welche Gründe gibt es für Gemeinnützige? Was bringt die Kooperation mit einem Unternehmen für mich als Verein, als Wohlfahrtsverband, als soziale Einrichtung? Lohnt sich das? Die Frage darf man ruhig stellen – nur meint „lohnen“ nicht im Sinne von „finanziell lohnen“, „lohnt es sich für mich finanziell“, sondern: Entsteht aus der Kooperation mit einem Wirtschaftsunternehmen konkreter Mehrwert? Also entsteht daraus ein Mehrwert, den ich nur mit den öffentlichen Mitteln oder nur mit den Mitteln, wie ich sie vielleicht bisher habe, nicht erreichen könnte oder nicht so gut erreichen könnte? Und der Mehrwert kann was ganz Unterschiedliches sein. Das kann natürlich sein auch so etwas wie neue Sichtweisen, neue Herangehensweisen, neue Kompetenzen, die wir bisher nicht hatten als Institution und die unsere Arbeit bereichern. Natürlich sind auch zusätzliche Ressourcen, Produkte oder Dienstleistungen oder Expertise – von denen ich vorgesprochen habe –, die wir bisher nicht hatten und die wir jetzt aber für unsere Arbeit einsetzen können. Mehrwert könnte auch sein, dass wir für unsere Zielgruppe, unsere Klienten, die Adressaten unserer Arbeit, einfach neue Angebote anbieten können, neue Leistungen anbieten können – also Dinge, die wir allein nicht schaffen würden und jetzt durch die Kooperation mit Unternehmen möglich sind. Mehrwert könnte aber auch darin bestehen, dass wir für unsere eigene Organisationsentwicklung Unterstützung bekommen, dass wir neue Mitstreiterinnen für unsere Themen bekommen – also viel mehr Menschen, die sozusagen unser Anliegen teilen –, oder dass wir unser Anliegen besser kommunizieren können in der Öffentlichkeit. Also diese Gründe sind eben keine ausschließlichen Ressourcengründe, sondern sind vor allem fachliche Gründe. Also: Können wir unsere Arbeit damit besser machen? Können wir damit mehr erreichen? Können wir was umfangreicher bearbeiten? Können wir Dinge schneller und in höherer Qualität anbieten? Das ist meiner Meinung nach die Antwort, oder die Frage, die man sich stellen muss, und die Antwort, die man sich geben muss.
Ich habe ein paar Beispiele zur Illustration mal mitgebracht, einfach damit man mal sozusagen von diesem Allgemeinen, was ich jetzt besprochen habe, mal so auf konkrete Sachen gucken kann. Also gute Beispiele für Kooperationsprojekte – die sind so oft aus der Arbeit unserer letzten Jahre, Dinge, die wir beobachtet haben, die entstanden sind aus Qualifizierungsangeboten oder die wir einfach beobachtet haben. Schon gesagt: neue zusätzliche Angebote für die eigene Zielgruppe, für die Adressatinnen der eigenen Arbeit. Bewerbungstraining für Jugendliche – klar, das machen auch Sozialarbeiterinnen, aber ich glaube, es macht einen Unterschied, wenn das eben die Personalchefin des großen Unternehmens macht. Das ist einfach ein Unterschied, ist ein Mehrwert, den man sich nicht einfach so einkaufen kann. Freiwillige aus Unternehmen als Paten für herkunftsbenachteiligte Schülerinnen – einfach die Art und Weise, die Menge, die Zuwendung, die man auch noch mal generieren kann durch zusätzliche Freiwillige, ist enorm, könnte ein Grund sein für eine Kooperation. Ich werde nachher noch auf ein Projekt ein bisschen eingehen, wo das sozusagen sehr idealtypisch passiert. Natürlich kann man sagen: „Ist der Staat zuständig, Schulen in Schuss zu halten und zu renovieren.“ Und trotzdem ist es in Ordnung, wenn plötzlich von einem großen Immobilienvermögensverwalter – wenn sich da viele Leute auf den Weg machen und an einem Tag eine Realschule in einem benachteiligten Stadtteil einmal nach unten bis oben – das ist okay, sozusagen. Da entsteht Mehrwert. Auszubildende der Sparkasse, die als Lesementoren regelmäßig an die Grundschule gehen – also solche Themen sind neue Angebote, zusätzliche Angebote für die eigene Zielgruppe.
Für die Organisationsentwicklung kann das genauso sein: also Unterstützung bei Leitbildentwicklung oder der Öffentlichkeitsarbeit, die Einführung von einem Buchhaltungssystem – also alles Dinge, wo wir sagen: Das hilft uns als Organisation, unsere Arbeit besser zu erfüllen. Du kannst, du uns Entwicklungsthemen. Kommunikation des eigenen Anliegens: Mir ist immer sozusagen in Erinnerung ein sehr spannendes Beispiel, wo einfach ein lokaler Hospizdienst sagt: „Wir müssen natürlich dafür sorgen, dass Leute von unserem Angebot erfahren.“ Und wie macht man das am besten? Wenn ich regelmäßig in die lokale Zeitung komme, dann vielleicht in kostenlose Kundenmagazine vom Energiedienstleister, vom lokalen. Und wir finden da eine Partnerschaft, dass wir einerseits die Mitarbeiterinnen im Unternehmen beraten zum Thema Hospiz und Krankheit, aber indem wir auch regelmäßig redaktionelle Beiträge für das Kundenmagazin beisteuern. Kann aber auch die Klassiker: Plakatkampagnen, besseres PR-Material, Imagefilm, Logoentwicklung – all solche Themen können natürlich eine Rolle spielen.
Und was ich spannend finde, wo ich, glaube ich, sehr viel Potenzial auch sehe, was wir zu wenig bisher ausschöpfen: auch Unternehmen für organisationsübergreifende Herausforderungen vor Ort zu begeistern – nicht nur für mich und meine eigene Organisation, für meinen eigenen Verein, sondern eben auch für Themen, die relevant sind vor Ort, einzubeziehen. Im Netzwerk kennen wir das jetzt auch so was wie Netzwerk Engagierte Stadt, Engagiertes Land, wo das von Anfang an dazugehört, eben auch die Wirtschaft mit einzubeziehen in solche Überlegungen der Engagementförderung. Aber das gibt es natürlich auch z. B. für benachteiligte Stadtteile, also Stadtteilpartnerschaften, Kieznetzwerke, wo es darum geht, wirklich Unternehmen und gemeinnützige Organisationen vor Ort in ein gemeinsames Tun zu bringen, den Stadtteil nicht abrutschen zu lassen und Angebote vor Ort zu entwickeln. Also – ich habe es gesagt – ganz kurz auf verschiedene Sachen eingegangen, sodass man eine leichte Fantasie entwickeln kann. Aber ich würde gern auf ein gutes Beispiel ein bisschen ausführlicher eingehen. Und – genau, das mache ich einfach. Ein richtig gutes Beispiel: ein Projekt, das heißt „WiesPaten“. Also, ist jetzt kein Schreibfehler. Das Projekt „WiesPaten“ ist in Wiesbaden, ein Patenschaftsprojekt. Ich finde das richtig gut. Ich würde gern ein paar mehr Sätze dazu sagen, weil das einmal von Anfang bis Ende ein gutes Kooperationsprojekt beschreibt.
Beim Projekt „WiesPaten“ war die Erkenntnis am Anfang – natürlich wie bei vielen guten Projekten –, dass man gemeinsam mehr erreichen kann, als wenn jedes Unternehmen allein für sich geht. Natürlich haben Unternehmen immer auch schon ihre Mentoringprogramme und Patenschaften und so was. Und hier war aber die Verabredung: Wir wollen ein gemeinschaftlich getragenes Patenschaftsprojekt aufbauen. Es war 2009, also auch schon recht lang her: „WiesPaten“ hilft Kindern und Jugendlichen aus Wiesbaden dabei, ihre Schullaufbahn erfolgreich zu meistern – eben Kinder aus bildungs- und herkunftsbenachteiligten Familien. Engagierte Unternehmen eröffnen in Kooperation mit Schulen und einem Jugendzentrum und der Stadt – dem Amt für Soziale Arbeit – neue Bildungschancen. Und der Kern ist eine Patenschaft, die Unternehmen für eine feste Gruppe, für eine „WiesPaten“-Gruppe, übernehmen: Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 6 bis 10. Im Mittelpunkt steht der „WiesPaten“-Unterricht, der ca. 140 Schülerinnen und Schüler im Jahr erreicht. Und die Partnerunternehmen finanzieren zunächst eine Unterrichtseinheit, die von Studierenden an der – von Studierenden gestaltet wird. Und die Partnerunternehmen finanzieren zunächst diesen Unterricht, also ganz klassisch: geben Geld. Eine Verpflichtung: mindestens ein Schuljahr lang den Förderbeitrag von – ich glaube – 2.000 Euro. Ganz einfach: Geld geben – das ist okay. Aber das Modell – ich gesagt – entwickelt sich dann noch ein bisschen anders. Darüber hinaus wird die Patenschaft durch gemeinsame Aktivitäten mit Leben erfüllt. Also: Aus den Partnerunternehmen melden sich zwei, drei, vier, fünf, sechs Freiwillige, Volunteers, die sich für ihre Patengruppe, ihre Patenkinder einsetzen, regelmäßig im Jahr Aktivitäten gemeinsam durchführen, die Zeit spenden, die Aufmerksamkeit spenden, die durch ihre Aktivitäten soziale Kompetenzen von jungen Menschen fördern, die zusammen auch Kulturveranstaltungen besuchen, die sich gemeinsam sozial engagieren für Dritte, die aber auch die Jugendlichen bei der Berufsorientierung, bei der Berufswahl unterstützen, die Bewerbungstrainings anbieten. Also da geht es eben nicht nur um Zeit und um Aufmerksamkeit, sondern auch um Know-how – also richtig noch mal Know-how im Bereich Bewerbungstraining zum Beispiel einbringen oder anderes. Und Unternehmen aber – und das ist das Besondere – beteiligen sich darüber hinaus auch bei der konzeptionellen Weiterentwicklung von diesem Programm. Also die haben etwas entwickelt, auch internationale Jugendbegegnungen noch angedockt. Die evaluieren regelmäßig, und da bringen sich Unternehmen natürlich auch ein, konzeptionell. Die Unternehmen stellen regelmäßig Räume zur Verfügung für Veranstaltungen – also wenn es Tanzworkshops gibt oder wenn es Feiern gibt. Einmal im Jahr ist eine große Feier, wird im Hotel durchgeführt – der Saal gibt es, den Saal gibt es kostenlos. Es muss irgendwo Licht gestellt werden, es müssen Fotos gemacht werden, und all das sind eben Dienstleistungen, die die Unternehmen eben auch erbringen. Also, ich habe es noch mal gesagt: In dem Projekt wird Geld gespendet, es wird Zeit und Aufmerksamkeit gespendet, Know-how geleistet, es gibt kostenlose Veranstaltungsräume, kostenlose Dienstleistungen. Und Unternehmen – dabei sind acht Unternehmen – arbeiten hier eben sehr intensiv zusammen mit der Stadtverwaltung, Kommune, Amt für Soziale Arbeit, und mit mehreren Schulen und einem Jugendzentrum. Also das ist wirklich nicht gerade unterkomplex, das Brot – das muss schon auch ein bisschen gesteuert werden, das Ganze. Aber es funktioniert eben seit jetzt 12, 13 Jahren. Und ich bin mir sicher: Wenn die Stadt damals nur nach Geld gefragt hätte, hätte nur gesagt: „Wir haben ja so ein Projekt, da sollen bildungsbenachteiligten Jugendlichen Nachhilfeunterricht gegeben werden, könnt ihr das bezahlen?“, das hätten die meisten nicht interessant gefunden. Und das Projekt würde es heute auch in dieser Form nicht mehr geben. Weil was die geschafft haben an diesem Projekt, ist eben, Unternehmen nicht nur als Spender, als Geldgeber anzusprechen, sondern eben Unternehmen zu Miteigentümern zu machen von so einem Projekt.
Und damit komme ich sozusagen ins letzte Drittel meines Impulsvertrags: Was erwarten Unternehmen eigentlich heute von Kooperationsprojekten oder auch von ihren gemeinnützigen Kooperationspartnern insgesamt? Wir haben vor einiger Zeit ein paar Menschen gefragt aus Unternehmen, die sich damit beschäftigen. Hier ist ein Zitat von einer Personalleiterin, die sich auch um das Thema soziales Engagement kümmert, von einem mittelständischen, inhabergeführten Familienunternehmen aus dem Ruhrgebiet – 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sehr spezialisiert im Medizinbereich. Und die sagen auch: „Wir fördern sehr gezielt. Wir schauen, dass der Inhalt, der Projektinhalt, als auch die Größe und Kultur der Organisation gut zu unserem Unternehmen passen.“ Sie schauen sich die Partner an. Es gibt da keinen Bauchladen, wie sie sagt, sondern die gucken nach Passgenauigkeit. Außerdem sind sie zunehmend an mittel- und langfristigen Partnerschaften interessiert. „Wichtig ist uns eine professionelle Arbeit sowie, dass unterm Strich etwas bewirkt.“ Also das Thema Wirkungsorientierung. Zum Schluss: „Wir schauen sehr genau hin, und wir erwarten Kommunikation. Wir erwarten, dass Partner mit uns reden, wenn es zu Schwierigkeiten kommt.“ Das ist eine sehr klar formulierte Erwartung, die ich so und ähnlich in sehr vielen Unternehmen wiederfinde – habe schon gesagt: ein kleines oder mittleres Unternehmen, 150 Mitarbeiterinnen. Auch ein großes Unternehmen sieht das ganz ähnlich.
Das ist jetzt ein Zitat von einer Kollegin von einem global agierenden Chemiekonzern aus Süddeutschland mit 100.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die das ganz ähnlich sehen. Und da ist es die Leiterin gesellschaftliches Engagement an einem Standort in Süddeutschland, die auch sagt: Na klar können Leute schon erst mal zu uns kommen, wenn das irgendwie passt. Wir haben sozusagen Standortsinteressen und fördern eine ganz breite Landschaft. Aber bei größeren, bei langfristigen, fundierten Projekten ist uns schon wichtig, dass wir da auch über Wirkung sprechen, dass wir das nachhaltig aufsetzen und dass wir gemeinsam genau überlegen, welche Veränderungen wollen wir eigentlich erreichen, welche Ziele wollen wir verfolgen, wie können wir die messen. Also eine sehr klare Botschaft, welche Erwartungen durchaus unterschiedliche Unternehmen an ihre gemeinnützigen Partner haben.
Kleine Zusammenfassung: Also, Zusammenarbeit hat sich gewandelt. Es ist nicht mehr nur dieses „Unternehmen geben ein bisschen Geld, und die Vereine machen dann schon was damit“, sondern Unternehmen wollen verstärkt mitgestalten. Sie wollen näher sein als Gönner und Geldgeber. Unternehmen wollen sich auch nicht nur mit Geld engagieren, sondern setzen verschiedene Instrumente, verschiedene Engagementformen ein. Spenden, Sponsoring sind nur ein Teil davon. Unternehmen wollen Wirkung erzielen, über Ergebnisse informiert werden. Die wollen nicht nur irgendwie irgendwas Gutes tun, sondern die wollen, dass zum Schluss was bei rauskommt. „Unterm Strich“, hat die eine Mitarbeiterin von dem Unternehmen gesagt, „unterm Strich will ich wissen: Was erreichen wir?“ Und Unternehmen schätzen die Expertise von gemeinnützigen Organisationen. Die suchen keine Bittsteller, sondern sie suchen Partner. Das finde ich sehr wichtige Botschaften, wo sozusagen der Blick auf Unternehmen und auf uns selbst, glaube ich, noch mal ein anderer ist.
Meine vorletzte Folie, glaube ich, und dann bin ich am Ende des Impulses: Wie lässt sich so eine Kooperation anbahnen? Ich habe schon gesagt: Ich habe jetzt keine To-do-Liste, und es gibt keine Checkliste „So läuft’s“, aber ich würde gern noch ein paar Hinweise geben, um vielleicht ein bisschen neben den ganz allgemeinen Aussagen, die ich getroffen habe, auch ein paar vielleicht konkrete Hinweise dazulassen. Also zehn Stück sind das, glaube ich, wenn ich das richtig gezählt habe.
Nummer eins: Vom Bestehenden ausgehen – also immer gucken: Welche Kontakte, welche Berührungspunkte zu Unternehmen haben wir eigentlich schon? Haben wir Lieferanten, haben wir Kunden, haben wir Nachbarn – also Unternehmen der Nachbarschaft? Unsere Mitglieder – sind die Inhaber von Unternehmen? Arbeiten die bei interessierten Unternehmen? Also immer die Frage: Wer kennt wen, oder wer kennt wen, der jemand anderen kennt im Unternehmen? Also immer vom Bestehenden ausgehen, immer bei sich bleiben zu Beginn.
Der zweite Punkt: lokal denken. Also ich habe gesagt: Es gibt zwar DAX-Unternehmen, also börsennotierte Unternehmen, die global agieren – das ist interessant, aber auf die meisten von uns eben nicht. Dass SAP, BMW – dass die sich jetzt, um bei Gotha zu bleiben, in Gotha oder in Ahrensburg oder Konzerten engagieren – das wird nicht unbedingt der Fall sein, außer sie haben dort einen Standort. Und das ist, glaube ich, nicht der Fall. Also: lokale Unternehmen in den Blick nehmen, nicht auf die DAX-Unternehmen gucken, nicht auf die großen Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet, im Ruhrraum, im Großraum München. Schauen: Was haben wir vor Ort? Wer macht eigentlich schon was vor Ort?
Topf und Deckel: das passende Unternehmen als Partner finden. Also: Gibt es gemeinsame Interessen? Gibt es gemeinsame Schnittmengen? Kann das Unternehmen das leisten, das einbringen in der Kooperation, was ich brauche, was ich selbst nicht einbringen kann? Passen wir von der Größe, von der Kultur zusammen? Haben wir die gleichen Vorstellungen? Auch – und auch richtig – stimmt die Chemie zwischen uns?
Den Bedarf in den Mittelpunkt, die sozusagen Veränderung in den Mittelpunkt stellen. Sie kennen das von Fundraisingfortbildungen wie beim Einmaleins des Fundraisings: Was wollen Sie konkret, für wen, in welchem Zeitraum erreichen? Und wie kann das Unternehmen dazu beitragen? Und warum ausgerechnet dieses Unternehmen? Diese Fragen sind zu beantworten. Also nicht nur sagen: „Wir wollen irgendwie kooperieren“, und im Mittelpunkt steht sozusagen das gesellschaftliche Veränderungsinteresse.
Keine Antragssprache: Also wenn Sie mit Unternehmen ins Gespräch kommen – das sind eben nicht die Experten und Expertinnen für diese gesellschaftlichen Themen –, sondern die Herausforderungen, die da sind, müssen verständlich beschrieben werden, möglichst ohne Fachdiskurs-Vokabular. Also „Selbstwirksamkeitserfahrung“, „Ambiguitätstoleranz“, „postmigrantisch“ – solche Begriffe aus Erstanfragen gern rausstreichen. Kein „hintenrum“ – sagen, was Sache ist. Also nicht „Kooperation“ sagen, aber eigentlich die „Kohle“ meinen.
Erinnerung: Haltung, Partnerschaftlichkeit, Offenheit, Vertrauen – das ist die Währung bei Kooperationen. Friendraising – auch das kennen Sie aus dem Fundraising, Friendraising kommt vor Fundraising. Also es geht zunächst darum, dass man auch in den Beziehungsaufbau investiert, dass man auch dann Kontakt zu Unternehmen sucht, Nähe sucht, wenn man gerade nicht unmittelbar etwas will. Sich unter Freunden – also der Friends – zu verabreden für gemeinsame Projekte und Kooperationen zu vereinbaren, fällt eben viel leichter, als mit komplett fremden Menschen oder fremden Unternehmen das zu machen. Das heißt: Nähe suchen zu Unternehmen oder zu Unternehmerinnen, Veranstaltungen der Kammern besuchen, der Innungen besuchen, Netzwerke nutzen, Netzwerke aufbauen – das gehört natürlich dazu.
Verabredungen treffen: also deutlich machen, was ist denn das gemeinsame Anliegen? Das auch wirklich genauso zu besprechen: Welche gemeinsamen Ziele haben wir? Und wer bringt welche Mittel, welche Ressourcen ein, Arbeitszeit, um das zu erreichen? Das kann man schriftlich machen bei größeren Projekten. Das ist bei kleineren aber vielleicht auch so – das ist auch eine Handschlagsache, ist eine mündliche Vereinbarung.
Ein Anfang – aber anfangen! Also nicht sozusagen riesige Projekte planen und dann nie losgehen, weil es alles so schwierig ist und alle Dinge erst noch vorher geklärt werden müssen, sondern mit kleinen Sachen anfangen, Testläufe machen, Erfahrungen sammeln, Skeptiker überzeugen – vielleicht auch in den eigenen Reihen. Nicht bei allen Vereinen ist es so, dass alle „Juchu“ schreien, wenn man sagt: „Wir machen das mit Unternehmen zusammen.“ Also nicht sofort das große Rad drehen wollen, sondern vielleicht auch am Anfang nur mal um Rat fragen oder ein Unternehmen um eine Einschätzung zu einer Idee fragen: „Wir haben da was vor – was denkt ihr denn?“
Und last but not least: Unmut vermeiden. Also sich auch mal realistisch einschätzen, ob man selbst genug Ressourcen hat, vor allem zeitliche Ressourcen, aber auch sich das Know-how, um Kooperationsprojekte umzusetzen. Wenn man die nicht hat, aber so tut, als ob man sie hätte, wird das zu Unzufriedenheit sorgen beim Gegenüber. Und wenn man vielleicht nicht so starke Ressourcen hat, denn das am Anfang mitbedenken und auch offen kommunizieren.