Wunderbar! Online-Fundraising ist das Thema des heutigen Abends, und da möchte ich eigentlich erst mal zu der Frage kommen: Was ist eigentlich Online-Fundraising für Sie? Denn das Problem an Online-Fundraising ist, dass jeder etwas anderes darunter versteht. Und je nachdem, wie sehr Sie sich bereits mit Fundraising auseinandergesetzt haben, werden Sie sicherlich unterschiedliche Antworten finden. Ich möchte einen ganz kurzen Überblick geben über die drei Typischen, die halt jeweils mit einer anderen Denkhaltung an Online-Fundraising herangehen. Deshalb möchte ich das am Anfang einmal differenzieren.
Also man fragt: Was ist Online-Fundraising? Dann ist die ganz einfache erste Antwort: Ja, das sind halt ein paar weitere onlinebasierte Werkzeuge für das Fundraising. Oder nach dem Gedanken: Machen bereits Fundraising? Vielleicht schreiben Sie Briefe, da sprechen Sie Menschen direkt an. Da machen Sie das auch online nach dem Muster. Zum Beispiel: Wir haben eine Kampagne, da mein Projekt, wir stellen das ein bisschen offline dar, also stellen wir es doch genauso online dar. Auch wenn wir schon Text haben, können wir übernehmen, können wir darstellen, was da so die einfache Antwort ist. Dann gibt’s eine weise an Online-Faktor.
Die pragmatische Antwort, die man bei vielen Organisationen erlebt, die bereits Fundraising machen, vor allem solche, die auch hauptamtliche Mitarbeiter im Fundraising haben oder Mitarbeiterinnen, wäre eine pragmatische Antwort: Ja, so, die machen bereits Online-Fundraising, die schreiben Anträge, die machen Mailings. Jetzt haben wir jemanden, der noch mit vielleicht 25 Prozent oder 50 Prozent seiner Stelle Online-Fundraising macht. Die Person macht das online, und das wird so ein bisschen delegiert. Das ist so eine pragmatische Antwort, die man sehr häufig findet, gerade bei den Organisationen, die, wie gesagt, schon erste hauptamtliche Mitarbeiterinnen haben im Fundraising.
Und die dritte Antwort wäre eine sehr optimistische Antwort, die da sagt: Wir reden nicht von Online-Fundraising, sondern von Digitalisierung des Fundraisings und von datenbasierter Optimierung sämtlicher Fundraising-Maßnahmen. Also egal, ob wir Großspenden-Fundraising machen, ob wir Briefe schreiben – immer hat das auch eine digitale Ebene: der Spenderbildung, der Recherche, des aufeinander Abstimmens von verschiedenen Kommunikationsmaßnahmen. Und das sind drei sehr unterschiedliche Haltungen daran, was man unter Online-Fundraising versteht – und eigentlich auch unter dem, was man von Fundraising versteht.
Dann ausgehend von: Ja, das Gleiche wie bisher machen, es hat jetzt auch digital, sprich: Wir spielen das, was wir schon haben, über einen weiteren Kanal. Hinterher eine versäumte Herangehensweise, sagte: Einer von uns macht das irgendwo nebenbei. Bis hin zu einer Herangehensweise, die sagt: Eigentlich müssen wir sämtliche Kommunikation, sämtliche Fundraising-Maßnahmen digital erweitern, anreichern, aufeinander abstimmen. Alles drei sehr unterschiedlich im Vorgehen.
Ich möchte also heute nicht nur darüber reden, was Online-Fundraising ist, sondern wie Sie es machen können. Und deshalb fangen wir immer noch nicht an zu zeigen, wie es geht, sondern stellen eine weitere Frage: Nachdem die Leitung geklärt ist, ist die eigentliche Überlegung nicht: Wir können jetzt möglichst viel Unterstützung online generieren, sondern es muss auch eine andere Frage zuvor stehen, nämlich: Was ist eigentlich generell Ihre Leitstrategie im Fundraising? Warum sollen wir mit Online-Fundraising anfangen? Überlegen Sie zuerst: Was ist unsere übergreifende Fundraising-Leitstrategie, und was kann online dazu beitragen?
Und das sind im Grunde genommen zwei. Also ich habe es mal für unsere Zielgruppe hier – zwei der wesentlichsten Leitstrategien herausgesucht: Das ist zum einen die Frage: Gehen Sie auf wenige Unterstützer, die viel geben, oder gehen Sie auf sehr viele Unterstützer, die eher wenig geben? Beides kann zum gleichen Ergebnis führen. Aber ob Sie eine Massenstrategie fahren oder eine Strategie, mit der Sie versuchen, einzelne wenige Menschen mit mehr Potenzial anzusprechen, entscheidet einfach mal sehr, sehr grundsätzlich darüber, welche Instrumente für Sie in Frage kommen und auf welche Weise sie bedient werden können, wie man Projekte konzipiert für das Fundraising und wie man sie kommuniziert. Also das ist eine ganz, ganz wichtige Leitfrage, die Sie für sich klären sollen.
Die zweite ganz, ganz wichtige Frage ist: Fundraising – und Online-Fundraising – geht nicht von allein. Sie müssen darin investieren. Was investieren Sie? Wenn Sie viele Freiwillige haben, die gemeinsam ihre Zeit investieren können, dann kann das einiges wettmachen und ausgleichen von dem, was man sich vielleicht an Unterstützung oder Sichtbarkeit mit Geld kaufen würde. Und ja: Online-Fundraising, genauso wie jedes andere Fundraising-Instrument, braucht ein Investment an Zeit und Geld. Aber wie Sie die Balance beider verschieben, wie viel Sie dafür zur Verfügung stellen können, das müssen Sie klären. Nicht jedes Fundraising-Werkzeug ist mit wenig Zeit überhaupt umsetzbar. Da fallen manche Sachen weg wie große, kräftige Kampagnen zum Beispiel. Und dann gibt es auch Fundraising-Werkzeuge, da muss man erst mal wenig Geld investieren, um schnell voranzukommen, um da die Mechanismen voll auf sich, oder voll für sich wirken, können und arbeiten zu lassen. Insofern: jeweils wenn Sie auf Null stellen, haben Sie einfach eine sehr geringe Auswahl an Instrumenten, die in Frage kommen. Die Frage ist: Wo stellen wir die Balance für die Organisation?
Also: Haben wir überlegt, wie gehen wir sogar an? Hier: Überlegen Sie, was ist eigentlich die Leitstrategie? Und dann würde ich immer noch nicht sagen, das wären zwei, drei Schritte, die Sie machen sollen, weil wir müssen uns noch mehr mit uns selber und den Voraussetzungen für Online-Fundraising auseinandersetzen.
Da ist so dieses Schlüsselwort im Fundraising, das Sie in anderen Seminaren sicherlich, Instituts, das ist ein geflügeltes Wort im Fundraising, dass Sie dazu Bücher lesen oder weitere Vorträge hören oder an Seminaren teilnehmen. Und das beschreibt so ein bisschen die rhetorischen, aber nicht nur, sondern auch die Voraussetzungen, die Rahmenbedingungen dafür, ob eine Organisation, ob ein Verein, ob eine Initiative in der Lage ist, Fundraising – und in unserem Fall Online-Fundraising – zu betreiben.
Ich habe das mal für ein Buch zu Anfang, Sie sehen diese Grafik dort rechts, heruntergebrochen, um das ein bisschen greifbarer zu machen, was ist damit gemeint? Ich habe in ferner Vergangenheit mal Verwaltungsmodernisierung studiert, und da habe ich das in ähnlicher Form in der Hand kennengelernt und möchte das gerne für uns anwenden. Denn das sind vier Ebenen, die miteinander zusammenspielen, die uns überhaupt erst den Handlungsrahmen geben, überhaupt Fundraising, überhaupt gutes Fundraising, überhaupt gutes Online-Fundraising betreiben zu können.
Und das erste ist die Strategieebene. Ja, Sie müssen sich zuerst mit der eigenen Organisation beschäftigen, müssen überlegen: Okay, was ist denn unser Verständnis von Fundraising? Was ist überhaupt unsere Vision, unsere Mission? Also Leitbildentwicklung – so was sollte schon da sein. So was ist Voraussetzung dafür, dass wir unseren Förderbedarf gegenüber Spendern gut und authentisch kommunizieren können. Es ist die Frage: Welche Rolle spielt dabei das digitale Fundraising? Ich habe nicht umsonst eben danach gefragt: Was ist die Fundraising-Leitstrategie? Und daran orientiert sich dann auch die Online-Strategie. Das ist nicht unabhängig voneinander, auch wenn es leider immer wieder so interpretiert wird. Freundliche Abkürzungen, die uns aber nicht nachhaltig helfen. Deshalb: Fundraising-Strategie und die Frage, was kann und soll das Online-Fundraising, das digitale Fundraising realistisch dazu beitragen?
Die zweite Ebene ist die Struktur. Das heißt, zu klären: Wie ist bei uns die Aufbau- und Ablauforganisation? Das ist bei kleinen Organisationen vielleicht relativ leicht, aber ich spreche das mal herunter: Wenn Sie eine Spende erhalten als Verein, dann sollten Sie das sehr zeitnah mitbekommen, indem Sie, salopp gesagt, eine Kassenwartin, einen Kassenwart hätten, die informiert werden: Hier ein Spendeneingang, 420 Euro, von Person So-und-so. Und dann sollte man sich zeitnah bedanken. Das kann ein Anruf sein, das kann die E-Mail sein, das kann ein Brief sein. Und dieses „zeitnah“ sagt man bei Hauptamtlichen eigentlich: „In die Halle, falls die Sonne untergeht“, noch am selben Tag. Aber das ist nun mal nicht für jede ehrenamtliche Organisation überhaupt leistbar. Deshalb lassen Sie das uns auf den realistischen Zeitraum herunterbrechen. Was heißt also zeitnah für uns? Das sollte schon innerhalb von zwei, maximal drei Tagen bedeuten. Das ist notwendig, das ist „zeitnah“, damit der Spender, die Spenderin erfährt, dass die eigene Spende ankommt, dass sie Fokus vor – dass Menschen sich damit auseinandergesetzt haben und Danke sagen. Also dieses Gefühl: Es kommt an, ich habe etwas getan und bekomme noch mal dieses Gefühl der Bestätigung. Das ist elementar wichtig für das Fundraising. Das ist Teil der Dankestrategie und ist der allererste Schritt, um Spender auch zu binden, damit sie später vielleicht ein zweites Mal spenden und damit sie sich weiter gut damit fühlen, Ihrer Organisation, Ihrem Verein gespendet zu haben.
Und das bedeutet als konkretes Beispiel für Aufbau- und Ablauforganisation: Es ist geklärt und sichergestellt, dass Sie zeitnah mitbekommen, dass eine Spende eingegangen ist, dass die Person bei Ihnen davon erfährt, die dann verantwortlich ist, Danke zu sagen – was das der Vorsitzende oder die Vorsitzende ist, ob das für ein bestimmtes Projekt ist, die Projektleitung ist. Dann müssen Sie das für sich regeln, aber es sollte eben vorher geregelt werden, damit dort die Bindung einfach aufgebaut und genutzt werden kann. Dann ist die Frage nach rechtlichen Rahmenbedingungen: Ist geklärt, dass Sie zum Beispiel, oder welche Spenderdaten Sie verwalten dürfen, mit welchen Sie arbeiten dürfen, wer das bei Ihnen sehen kann? Ist sichergestellt, dass vielleicht SEPA-Lastschriftmandate ordentlich abgerufen werden können, falls jemand nicht selbst überwiesen hat, sondern die Erlaubnis gibt, die Spende abzubuchen, vielleicht sogar regelmäßig abzubuchen? Da müssen Sie schauen, dass das strukturell ganz klar sichergestellt ist und geklärt ist.
Das Schöne sowohl an der Strategie- als auch an der Strukturebene ist: Das ist steuerbar. Das ist ganz klassische Führungs- bzw. Managementaufgabe. Da ist der Vereinsvorstand, der Organisationsvorstand dafür verantwortlich, das sicherzustellen, und kann das auch ganz klar regeln. Das trifft auch auf die dritte Ebene zu: die Potenzialebene. Da geht es darum, aktives Wissensmanagement zu betreiben. Wie macht man eigentlich Fundraising? Welche Projekte wurden gemacht? Welche Kommunikationsmaßnahmen? Was hat funktioniert? Wer sind vielleicht die Menschen, die uns nahe stehen und signalisiert haben: Wenn Sie damals Bedarf haben, kommen Sie mal auf mich zu, oder signalisiert haben, dass sie mit Ihnen kooperieren wollen? Also es gibt verschiedene Möglichkeiten, aber das Wissen muss gemanagt werden, damit Sie in der Lage sind, darauf zurückzugreifen in dem Moment, wo Sie eine Online-Fundraising-Kampagne starten wollen.
Dazu gehört auch, dass Sie die entsprechende IT-Struktur haben – seien es Datenbanken oder wenn Sie E-Mails versenden, gerade wenn Sie eine Vielzahl an E-Mails an potenzielle Spenderinnen und Spender versenden. So was macht man ja nicht über Outlook als Massenmail oder alle in die CC oder so. So etwas macht man über professionelle E-Mailing-Tools, damit Sie wissen: Wer hat geöffnet? Wem schicke ich vielleicht noch ein Erinnerungsschreiben, die es nicht geöffnet haben? Und damit dann einfach gut kommunizieren und professionell kommunizieren zu können – mal ganz abseits von den ganzen Faktoren, dass eine E-Mail schön aussehen soll, dass sie nicht in Spamfiltern landen soll usw. Also das sind alles Dinge, die besser funktionieren mit einer ordentlichen IT-Infrastruktur.
Und daneben die Frage der Ressourcenbereitstellung: Haben wir Menschen, die sich darum kümmern, das planen, das vorbereiten können, die dann auch dazu da sind, Fragen der Spenderinnen zu beantworten und die zu betreuen? Die in der Lage sind, die Tools – jetzt mal als Beispiel E-Mailing-Tools; wir können genauso über Facebook-Fundraiser und etliches, was da noch kommt, sprechen – zu bedienen? Wir müssen auch in der Lage sein, verstehen, warum kommunizieren wir auf welche Weise unser Förderprojekt. Also da: Wissen und Fähigkeiten sicherzustellen und die technischen Rahmenbedingungen, das zu tun. Das ist die Potenzialebene. Und wie gesagt, das sind alles drei Ebenen, die klar gesteuert werden können.
Die Ebene, die nicht klar von oben steuerbar ist, ist die kulturelle Ebene. Und dazu gehört die Fragestellung: Stehen alle in Ihrer Organisation dahinter, dass Sie Spenden sammeln? Ich habe gerade letzte Woche wieder ein Seminar mit verschiedensten gemeinnützigen Einrichtungen aus dem sozialen Sektor, wo ich mit Führungskräften über soziale Medien gesprochen habe, und da wieder festgestellt habe – also, werde ich mir noch neben Thema – manche Organisationen oder manche Führungskräfte dazu haben gewisse innerliche Vorbehalte bei sich selber oder sagen: Ich habe das Gefühl, bei meiner Organisation stehen die Leute nicht ganz dahinter. Woran sie das festmachen? Und vielleicht doch in den eigenen Gefühlen, wenn die Organisation jetzt rausgeht und um Spenden bittet – „Spenden bettelt“, wurde sogar gesagt. Die Frage: Wie stehen wir gegenüber Fundraising? Und wie stehen wir auch dazu, das nach außen klar zu kommunizieren?
Ich persönlich habe da eine sehr positive Haltung. Für mich ist es keine Frage, kein Zeichen von Schwäche, wenn eine Organisation sagt: Wir haben hier ein Projekt vor, und wir befürchten, das nicht realisieren zu können, denn wir sammeln jetzt Spenden. Wir haben noch Bedarf, und so viel für mich zu sein. Für mich ist das ein Eindruck von Stärke: ganz klar sagen zu können, was man braucht, ganz klar kommunizieren zu können, was man erreichen möchte und sich damit auch offen darzustellen. Ja, wir brauchen Hilfe. Das ist ja eine Einladung zu helfen. Und Mandanten macht es ja auch Spaß und Freude – für potenzielle Spenderinnen –, wenn sie das Gefühl haben, dass ihr Beitrag tatsächlich eine Wirkung hat. Und wenn die Organisation sagt: „Wir haben ein ganz tolles Ferienlager vor, aber uns fehlen noch 15 Prozent Finanzierung, sonst können wir das nicht stemmen.“ Ja, da bin ich doch gleich viel bereiter zu unterstützen. Und insofern: das offen zu kommunizieren, dieses Grundverständnis gegenüber: „Ja, unsere Organisation macht Fundraising“, das ist ein wichtiger Faktor auf der kulturellen Ebene.
Und wenn wir jetzt sogar von Online-Fundraising sprechen als Spezialbereich von Fundraising, dann gilt das ganz besonders. Wie sind die Vorbehalte von Menschen, wenn Sie nach der Spende fragen – an der Haustüre, das ist auf der Straße, das ist auf Facebook? Da ist auch die Frage irgendwo: „Ah, Facebook – möchte man da wirklich spenden? Da muss man seine Kreditkartendaten angeben.“ Es gibt natürlich durchaus Vorbehalte, die zum Teil berechtigt sind. Zum Teil ist das ja nur eine von verschiedenen Optionen. Aber es ist Frage der kulturellen Ebene: Ist eine Organisation dazu in der Lage, bereit, auch auf diesen Ebenen ganz klar öffentlich zu kommunizieren: „Ja, wir bitten euch um Spenden“, und auch damit leben muss, dass das ja öffentliche Kanäle sind und dort auch eine Feedback-Kultur stattfindet, dort Fragen gestellt werden, dort vielleicht in Zweifel gezogen wird: Wofür wird da gespendet? Und man möchte die Transparenz, dann erwartet man ja auch, dass man Antworten managt. Das hat ganz viel mit einer Haltung gegenüber Digitalem zu tun. Möchte man sich dort dieser Öffentlichkeit, dieser Diskussion um Inflation stellen? Manche möchten mitdiskutieren: Wofür wird das dann verwendet?
Und dann kann man noch ganz, ganz viel über Kultur des Digitalen sprechen. Aber wichtig ist, dass wir alle vier Ebenen betrachten. Nur dann haben wir eigentlich einen ganzheitlichen Blick darauf, ob die Rahmenbedingungen geeignet sind, um Online-Fundraising machen zu können.
Also, um die Voraussetzungen für Online-Fundraising in unserer Organisation festzustellen, bedeutet erstens, dass wir ein gemeinsames Verständnis entwickeln, was wir im Team unter Online-Fundraising verstehen – und realistisch. Aber dass wir wissen: Was sind unsere Leitstrategien für das Fundraising? Und das bedeutet, dass wir das aneinander ausrichten. Und drittens, dass wir uns damit auseinandergesetzt haben: Haben wir die Rahmenbedingungen geschaffen, um gutes Online-Fundraising machen zu können?
So viel zur Theorie am Anfang. Jetzt ist aber wichtig, dass wir nicht nur über Instrumente sprechen und einfach loslegen, sondern dass wir uns über den größeren Kontext und die Rahmenbedingungen bewusst sind. Denn wir haben alle eine begrenzte Zeit, uns zu engagieren. Und wenn wir uns engagieren, wenn wir Online-Fundraising für unsere Organisation machen wollen, dann lassen Sie uns bitte ein paar mehr Minuten in die Strategie und das konzeptionelle Verständnis setzen, damit die wenige Zeit, die wir haben, gut eingesetzt ist. Der Worst Case, der schlechteste Fall, wäre für mich, wenn Sie sich jetzt sofort in ein Instrument stürzen und dann loslegen und dann feststellen: „Es passt gar nicht zur Organisation“, oder: „Das kommt nicht an.“ Dann lieber mehr Gedanken zur Vorbereitung, dann besser diese Instrumente anwenden können.
Im Folgenden habe ich jetzt einige Online-Fundraising-Werkzeuge ausgewählt – also im Rahmen Ihrer begrenzten zeitlichen Ressourcen. Deshalb habe ich die Instrumente ausgewählt, von denen ich glaube, dass sie gerade für ehrenamtlich getragene Organisationen die geeigneten Instrumente sind, weil der Aufwand damit kalkulierbarer ist. Ich habe jetzt bewusst keine Instrumente rausgesucht, für die Sie jetzt ganz große, moderne, umfangreiche Kampagnen gestalten müssten – Übersichtsinstrumente –, sondern einzelne Online-Fundraising-Instrumente, wo wir jeweils bewerten können: Was bedeutet das für Ihre Organisation, und wie kann das angewandt werden?
Ich habe jeweils ein Beispiel von Anbietern genannt, möchte aber hier noch mal klarstellen, dass es jeweils nur ein Beispiel für jedes Online-Fundraising-Instrument ist. Es gibt zahlreiche kommerzielle als auch teils nichtkommerzielle Anbieter, die Sie dort für sich vergleichen können. Und der Ort, wo Sie mehr Beispiele finden – das sich jetzt hier in der Präsentation nicht unterbringen lässt –, wäre eben auf sozialmarketing.de. Instrumente – das ist ein Blog, den ich gemeinsam mit einigen anderen Referentinnen betreibe.
Also, lassen Sie uns loslegen. Das erste und allereinfachste Werkzeug sind Ihre Kontodaten, die auf Ihrer Webseite durchgängig darzustellen. Hier ist – man sieht es relativ klein – ein Beispiel der Seenotretter. Das bedeutet, dass Sie normalerweise im Footer, also in diesem unteren Bereich der Webseite, der immer auf jeder Unterseite sichtbar ist, dort auch ganz klar Ihre Mission noch mal zusammenfassen: Wofür steht Ihre Organisation? Und dort auch Ihre Kontodaten immer sichtbar darstellen.
Jedes Jahr muss ich mit Organisationen die Diskussion führen, dass sie Angst haben, dass jemand ihre Kontonummer von der Webseite nimmt und dann damit irgendwo Online-Bestellungen tätigt. Haben Sie davor keine Angst. Erstens passiert das nicht, und zweitens können Sie jederzeit mit Ihrer Sparkasse sprechen und ein sogenanntes „Sammelkonto“ bekommen – das heißt ein Konto, auf das man nur einzahlen kann, von dem man nichts abheben kann. Und auch generell ist ja der E-Commerce mittlerweile so weit fortgeschritten, dass man wirklich keine Angst haben muss, seine Spendenkontodaten online darzustellen. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass Sie dann eine Spende erhalten von jemandem, von dem Sie es vielleicht nicht als Spender halten wollen. Aber lassen Sie diesen Zugang bitte, bitte offen. Und kommen Sie auch nicht auf die Idee, das als Bild einzufügen, so wie man das teilweise mit E-Mail-Adressen tut, weil man Angst hat, das könnte ein Bot, also ein Computer, scannen und dann einfach exportieren und missbrauchen. Nein, bitte als Text dort einfügen. Es gibt genügend Menschen – dazu gehöre auch ich und viele meiner Generation –, die so Kontodaten noch mal dann eher hier rauskopieren und in das eigene Online-Banking hinein kopieren wollen. Die haben keine Lust, die IBAN komplett abzutippen. Also, wirklich sehr einfach: einmaliger Aufwand, hohe Relevanz. Zeigen Sie einfach auf jeder einzelnen Seite, auf jeder Unterseite Ihrer Webseite, dass Sie Spenden sammeln und wohin man spenden kann. Also kein großer Aufwand, eigentlich nichts, worüber man viele Gedanken verschwenden müsste. Das sollte der erste Schritt sein, falls das bei Ihnen noch nicht der Fall ist.
Der zweite Schritt, das zweite Werkzeug, das ich Ihnen ans Herz legen möchte, ist das Spendenformular. Spendenformulare – da gibt es sehr, sehr viele Beispiele. Letztlich habe ich jetzt bewusst noch mal das der Seenotretter aufgenommen, weil ich daran vielleicht noch weitere Dinge zeigen möchte. Es ist auch von der Relevanz sehr hoch einzuschätzen, der Aufwand ist sehr gering. Es gibt bei den meisten Banken und von zahlreichen Anbietern Spendenformulare, die Sie für kein oder sehr wenig Geld bei sich auf der Webseite einbinden können, um dort dann eine Spende direkt über die Website tätigen zu lassen.
Ich rede jetzt bewusst nicht von einem PayPal-Spendenbutton, sondern von einem Spendenformular, wo Sie sich selber Gedanken machen, was für Daten dort erhoben werden sollen. Meine ganz, ganz dringende Bitte wäre, dass Sie dort auch die Kontaktdaten der Spenderinnen erfragen – jetzt nicht mit 20 Pflichtfeldern, aber so, dass Sie durchaus auch nach der Handynummer oder nach der E-Mail-Adresse fragen. Denn das sind zwei Kontaktdaten, die sehr viel beständiger sind als beispielsweise die Postadresse. Also ich würde Ihnen raten, dass Sie, wenn es eins von den dreien ist, E-Mail oder Telefonnummer, natürlich zur Pflicht machen und dann die Möglichkeit haben, auch mit den Spendern weiter zu kommunizieren. Denn eine erste Spende ist ja nur die Einladung dazu, eine lange oder längerfristige Spenderbindung einzugehen, die Menschen zu informieren, welche Wirkung mit ihrer Spende erzielt wird, und sie in dem Zuge vielleicht auch um eine zweite oder dritte Spende zu bitten, um dort noch mehr in Kontakt zu gehen. Das ist relativ leicht einzubinden. Das wird Ihr Systemadministrator oder Webadministrator relativ schnell machen können. Und da können Sie einfach informieren – sei es Bank für Sozialwirtschaft, Frankfurt/Main, Nonprofit-Dienstleister und etliche andere. Auch einige Sparkassen haben dort Formulare, die Sie bei sich auf der Webseite direkt einbinden können. Die sind natürlich unterschiedlich „schön“, die haben unterschiedlich viele Einstellungen.
Die zwei wichtigsten Sachen, die ich damit geben möchte, sind: Erstens möglichst wenig Pflichtfelder, aber bitte nach E-Mail-Adresse und Telefonnummer fragen. Das zweite, worauf Sie achten sollten, ist, dass ein Spender mit nur einem Klick entscheiden kann: Möchte er eine einmalige Spende leisten oder regelmäßig spenden – vielleicht monatlich oder quartalsweise oder jährlich? Das ist eine Entscheidung, die Sie innerhalb von einem Spendenformular klären sollten. Ich habe auch mit verschiedenen Organisationen zu tun gehabt, die das erstens auf zwei verschiedene Spendenformulare getrennt hatten, weil sie das so technisch besser in der Buchhaltung abbilden konnten – und die Abbruchquoten sind einfach immens. Das muss in einem Formular sein. Das darf nur ein Klick sein. Ganz wichtig. Das sind die Must-haves, die Sie unbedingt machen sollten bei dem Spendenformular.
Und ich möchte hier auch noch auf einen Aspekt eingehen, den ich bei den Seenotrettern einfach sehr, sehr schön gemacht empfinde: Und zwar sehen Sie hier ein kleines Motiv, ein Bild. Dort steht für den beispielhaften Spendenbetrag von 11 Euro: eine Ersatzpatrone für eine Rettungsweste. Und wenn man im Zeiger ein bisschen weiter nach rechts schiebt, jetzt bei 33 Euro, dann ist dort ein Rettungsring abgebildet und es gibt ein Beispiel: Was könnte ich mit einer Spende von 33 Euro bewirken? Und bei 95 Euro ist das ein Rettungswagen, oder bei sehr großen Spenden über 2000 Euro ist das die ganze Rettungsinsel. Ich möchte Sie jetzt nicht irgendwie alle dazu drängen: „Machen Sie das unbedingt so, genau mit diesen Werten, diese Bilder!“ Sie müssen schon überlegen, was sind Spendenwerte, die zu Ihren Angeboten passen. Aber dazu müssen Sie sich auch Gedanken machen: Was kann denn ein Spender, was kann eine Spenderin bei Ihnen bewirken – mit 20, 50 oder 100 Euro? Machen Sie sich diese Gedanken. Das ist eine ganz, ganz wichtige Voraussetzung dafür, dass Sie es auch kommunizieren können und einladen können, diese höheren Beiträge zu spenden. Wenn Sie es schaffen, das sogar beim Spendenformular einzubinden, dann sind Sie schon deutlich besser als der Durchschnitt. Und selbst wenn Sie es nicht schaffen, das in ein Spendenformular einzubinden: Es ist vielleicht auf der Seite oder im Text darüber, dass Sie Beispiele geben mit Spendenwerten und dem, was bewirkt werden kann. Ganz, ganz wichtiger Schlüssel darin, um Spenden vielleicht auch zu etwas höheren Beiträgen zu führen.
Kommen wir zum nächsten Instrument: Das sind die Spendenplattformen – hier im Beispiel von betterplace.org. Es gibt verschiedene Spendenplattformen in Deutschland. Betterplace.org ist die größte, es gibt noch HelpDirect, und es gibt in verschiedenen Themenbereichen noch einzelne Spendenplattformen in unterschiedlicher Größe und Güte. Aber alle verfolgen dasselbe Prinzip: Sie können sich als gemeinnützige Zivilorganisation dort registrieren und dann ein Profil erstellen, in dem Sie die Organisation beschreiben und darstellen, wofür Spenden benötigt werden. Das heißt, Sie müssen sich gegenüber dieser Plattform ausweisen, vielleicht die Satzung hochladen, den Freistellungsbescheid hochladen – also nachweisen, dass Sie wirklich gemeinnützig sind. Oder wenn Sie eine Initiative sind, nicht gemeinnützig sind und als Privatperson Spenden sammeln – auch da gibt es Plattformen. Aber grundsätzlich allen gemein: Es gibt ein Grundgerüst, das Sie ausfüllen müssen, dass zum Beispiel Ihr Foto dort ist, das Logo dort ist, dass es einen Beschreibungstext gibt und dass dargestellt wird, wofür Mittel gesammelt werden.
Und dann sind Sie dort eines von mehreren Hundert oder mehreren Tausend Projekten, die dort über die Plattform Spenden erhalten können. Das scheint im ersten Moment total lukrativ: „Betterplace.org – ja, wunderbar! Da sehe ich teilweise sogar an Bushaltestellen Plakate“ – und man könnte meinen, die machen jetzt die Kommunikation und die bringt mir die Spender. Das ist ein nachvollziehbarer Gedanke, aber er ist falsch. Die Spendenplattformen sind für die Infrastruktur da und versuchen natürlich, allgemeine Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, aber das wird nicht ausreichen, dass Sie da einen Spendenbedarf eingeben und nach 90 Tagen wiederkommen und das Geld mitnehmen. Nein, Sie müssen selber kommunizieren. Das Einzige, was Ihnen die Plattform abnimmt, ist die technische Infrastruktur und die Abwicklung der Spende. Sie müssen sich nicht selber mit den Finanzdienstleistern – ob das jetzt per Bankeinzug oder Kreditkarte, PayPal, Klarna – beschäftigen; wie das abgerechnet wird, das macht Betterplace für Sie. Also das ist eigentlich nur eine Möglichkeit, woanders Spenden zu sammeln, wenn Sie es nicht auf der eigenen Webseite tun. Die potenziellen Spenderinnen dorthin zu führen, das Projekt bekannt zu machen, zu erklären, das müssen Sie immer noch selber tun – egal ob auf der eigenen Webseite oder auf einer Spendenplattform oder an einem anderen Ort. Sie müssen kommunizieren, Sie müssen die Menschen und potenziellen Spender auf Ihr Projekt lenken und überzeugen.
Wenn man das jetzt mal ein bisschen technisch weiter anschaut: Wunderbar, Spendenplattform – da kann ich mich darstellen, doch schöner. Oder – ja, anders schön – ist, wenn ich die Funktionalitäten und den Service einer Spendenplattform nicht auf der Seite der Spendenplattform in Anspruch nehme, sondern in meine eigene Seite einbette und dort vielleicht sogar farblich so anpassen kann, dass der Besucher meiner Webseite gar nicht merkt, dass der Teil, den Sie hier sehen, der so beschrieben ist mit „Spende gelangt nach Hamburg“, rein technisch gesehen gar nicht auf der Webseite der Grünen Hamburg stattfindet, sondern in diesem Fall beim Formular, das von FundraisingBox gehostet ist. Aber es fügt sich ganz normal ein. Das wäre eine Möglichkeit, ein bisschen schönere, anspruchsvollere Spendenformulare oder Möglichkeiten zu spenden auf der eigenen Website einzubinden. Ich nenne das Seiten-Widgets. Da gibt es verschiedene Anbieter und Plattformen, mit denen ich das eben auf meiner eigenen Seite darstellen kann. Das heißt, ich schicke niemanden auf Betterplace.org – mit der Gefahr, dass die Person dann dort vielleicht neben unserem Projekt noch ein anderes Projekt sieht und dann lieber dort spendet –, sondern ich schicke die Leute auf meine Seite, die sie auch schon kennen, wo sie auch schon weitere Informationen finden, und dort können sie dann spenden – und das mit dem gleichen Service wie auf einer Fundraising-Plattform. Das ist das Ziel und die Möglichkeit von sogenannten Seiten-Widgets.
Sowohl auf Spendenplattformen als auch bei solchen Seiten-Widgets kann man bei manchen Anbietern ein Häkchen ankreuzen. Dieses Häkchen heißt: Unterstützern ermöglichen, eine eigene Spendenaktion zu starten. Sie sehen es auch hier ganz klein: Unten steht „Eigene Spendenseite anlegen“ unter dem Spenden-Button bei den Grünen Hamburg. Das führt mich zu einem anderen Instrument, das ich „Aktivisten-Fundraising“ nenne. Das ist der Moment, wo nicht mehr Sie als Verein, als Organisation mit Ihrem Logo auftreten, sondern die Menschen – sei es der eigene Vorstand, seien es die Aktiven, seien es die Freiwilligen, seien es die Mitarbeiter oder Menschen, die Sie einfach toll finden und zu Ihren Gunsten Spenden sammeln möchten. Das geht funktionell und rechtlich sauber über solche Plattformen, weil die Spende dann über diese eingezogen und direkt an Sie gesandt wird. Also keine Person hat das Geld als Zwischenhalt auf dem eigenen Konto und spendet weiter – das läuft über die Plattform.
Die Plattform, die das in Deutschland bisher oder mittlerweile am erfolgreichsten macht, ist tatsächlich Facebook. Sie kennen das sicherlich mit dem Geburtstag: Wenn Sie selber Geburtstag haben, das bei Facebook angegeben haben, dort registriert sind, dann werden Sie, ich glaube, eine Woche oder zwei Wochen vorher von Facebook gefragt, ob Sie vielleicht zum Geburtstag eine Spendenaktion starten wollen – wie in diesem Fall Monika für Aktion Deutschland Hilft. Sie hat sich ein Ziel gesetzt, hier liegt es bei 500 Euro. Das hat sie auch erreicht, hat sogar 600 Euro erreicht, und hat über ihren Freundeskreis, ihren Bekanntenkreis dazu aufgerufen, für ihre Spendenaktion anlässlich ihres Geburtstages zu spenden. 15 Spenden sind es, und damit haben die Aktiven 600 Euro gespendet. Das sind 600 Euro, die Aktion Deutschland Hilft nicht über die Menschen, die der Seite folgen, erreicht hat, sondern über Monika erreicht hat. Also indirekte Kontakte – total wertvoll, darüber erste neue Kontakte zu Erstspendern aufzubauen, die vielleicht die Organisation noch nicht kennen, aber jetzt dank Monika kennengelernt haben und dafür spenden.
Das ist Aktivisten-Fundraising – und zwar mit einer bisschen anderen Haltung: Im Fundraising geht es nicht nur darum, dass wir Fundraising steuernd machen, sondern dass wir unsere Ehrenamtlichen und Communities, Aktivisten und Unterstützer dazu befähigen, selber Fundraising zu machen – zu unseren Gunsten. Das ist Aktivisten-Fundraising, und das ist etwas, gerade wenn man sich so die Veränderung des Mediennutzungsverhaltens der letzten Jahre anschaut, etwas, was immer mehr im Kommen ist. Auch wenn wir uns anschauen, wie sich das finanziell entwickelt, dann ist das etwas, was gekommen ist, um zu bleiben, und die nächsten Jahre noch mehr Raum in Anspruch nehmen wird.
Ein weiteres Instrument – wo ich sehe, dass wir die Überschrift nicht mehr aktualisiert haben; da sollte eigentlich stehen „Einkaufsplattform“ oder „Charity-Shop“. Ja, ganz nett: Hier ist das Beispiel jetzt Bildungsspender. Das bedeutet – vielleicht kennen Sie das ja auch schon –, das ist insbesondere groß geworden im Bereich von Elterninitiativen, von Elternvereinen, gerade im schulischen Bereich, Schulfördervereine, die festgestellt haben: Wir alle müssen einkaufen, und gerade zu Schulbeginn kaufen alle das Gleiche ein. Und das wäre doch superschön, wenn wir das tun und dabei spenden – ohne dass wir eigenes zusätzliches Geld in die Hand nehmen. Das funktioniert mit Einkaufsplattformen, wo ich jetzt zum Beispiel bei Bildungsspender die Kita Spatzennest in Remscheid – ich am Sitz der Stiftung, aber zumindest in der gleichen Stadt – unterstützen kann. Das bedeutet: Ich muss jetzt gerade wieder – sei es Zeichenblöcke – kaufen, aber die Organisation bestellt zuletzt Druckerpapier bei Office Discount. Wichtig ist: Sie kaufen das nicht direkt auf der Webseite von Office Discount, sondern gehen erst auf Bildungsspender, geben dort an, Sie möchten gerne die Kita Spatzennest unterstützen, und dann danach suchen über die Plattform, dann kaufen. Und dann erhält diese Plattform – jetzt im Beispiel Bildungsspender; es gibt auch schon länger weitere – eine kleine Provision von Office Discount oder von Vistaprint oder von Conrad Electronic oder vom Büroshop24. Das ist im E-Commerce total üblich, dass es eine Provision gibt, und diese Provision wird dann in der Regel zu 90 Prozent, je nach Anbieter, weitergeleitet an die Organisation, die Sie ausgewählt haben.
Das ist ein Fundraising-Instrument, das ich persönlich total wertvoll finde, um alle teilhaben zu lassen, um alle an der Finanzierung unserer Organisation teilhaben zu lassen – auch diejenigen, die vielleicht nicht aus dem eigenen Vermögen oder aus dem eigenen Einkommen spenden können, weil sie selber wenig haben. Auch diese Menschen kaufen online ein, und auch die können etwas Gutes zu unserem Fundraising beitragen. Das sind noch relativ kleine Beträge – das sind teilweise Centbeträge oder geringe Eurobeträge, die dort kommen –, aber das sind Gelder, die ansonsten Gewinn von kommerziellen Unternehmen geblieben wären. Und die Plattform, die das in Deutschland mit am größten macht, ist Amazon mit seinem Kundenbindungsprogramm „Amazon Smile“, die nur einen ganz, ganz kleinen Teil weiterleiten. Aber dadurch, dass die Plattform so groß ist, sind darüber schon in den letzten vier Jahren – ich glaube – über 30 Millionen zusammengekommen. Da passiert richtig viel. Und das ist das Instrument von Einkaufsplattformen. Sie müssten also – das ist die Herausforderung hier – Ihre Unterstützer, Ihre Aktiven dazu bringen, dass sie ihr Einkaufsverhalten ein klein wenig ändern, dass sie erst über diese Plattform gehen und darüber dann ganz normal einkaufen. Sie zahlen keinen Euro mehr, aber die Provision landet eben als Spende bei Ihnen. Also, in der Regel: Nein, streng genommen ist das keine Spende – das ist steuerlich betrachtet was anderes, eine Zuwendung aus Provision. Aber das ist dann ein anderes Thema; das können wir gerne in den Fragen nochmals vertiefen.
Und dann ein weiteres Instrument, das ich gerne hierzu ein wenig bringen möchte, weil das für die ein oder andere Organisation recht interessant sein könnte, ist Crowdfunding. Crowdfunding gibt es in Deutschland seit mittlerweile zwölf Jahren, also schon eine ganze Zeit. Trotzdem hat es durchaus etwas Innovatives, etwas Anderes, etwas Neues. Das hat so ein bisschen den Reiz für Medien, das zu transportieren: „Wow, da ist jemand ganz innovativ!“ Und Fakt ist: Es ist doch schön, wenn das nach zwölf Jahren immer noch so schön innovativ klingt und auch genutzt wird. Aber Obacht: Das ist mit mehr Kosten verbunden. Sie müssen zum Beispiel ein Video produzieren, Sie müssen vielleicht Werbung schalten. Also das ist ein wenig – nein, nicht ein wenig, das ist aufwendiger als die anderen Instrumente in der Handhabung. Und vor allem ist der Aufwand sehr, sehr konzentriert auf den Zeitraum einer Kollektion – das ist in der Regel 30 oder 60 Tage, manchmal auch 90, je nach Plattform. Aber da ballt sich das einfach; da habe ich in der Regel sowohl höheren Zeit- als auch Geldaufwand. Was die Relevanz im Online-Fundraising betrifft, hat es eigentlich nur relativ geringe Relevanz, aber eben auch sehr viel Potenzial. Und deshalb möchte ich das hier noch mal ein wenig erläutern.
Der Unterschied zwischen Fundraising im klassischen Sinne, wie wir es bisher tun, und Crowdfunding ist, dass dort teilweise Gegenleistungen erbracht werden. Das heißt, wenn wir zum Beispiel ein Theaterstück über Crowdfunding finanziert bekommen, dann bieten wir verschiedene Gegenleistungen: Für jemanden, der zehn Euro gibt, steht er auf der Dankesliste; jemand mit 25 Euro auf der Gästeliste für die Premiere; jemand mit 500 Euro dürfte mal bei einer Generalprobe vorbeischauen. Und so kann man verschiedene Gegenleistungen formulieren. Und dann ist es natürlich so: Je nachdem, was die Leistung ist, sagt das Finanzamt: „Moment, das ist eine materielle Gegenleistung.“ Und dann ist es keine Spende, ja – und dann müssten Sie davon 19 Prozent versteuern als wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb, das entsprechend angeben. Das ist gar kein Problem bei den meisten Aktionen, aber es sind Dinge, die Sie vorher beachten müssen: dass Sie das dann nicht mit null Prozent Steuern als Spenden verbuchen können, sondern das auch mit einrechnen müssen.
Die Zielsumme – hier jetzt mal ein Beispiel von einem Sportverein, auch hier aus der Gegend: „Trainer in die Schulen – Kinder in die Halle“. Die haben hier eine Art von Aktion gestartet – kurzer Kontext: „Wir wollen 25.000 Euro, Aktion endet heute.“ Können Sie vielleicht gerne mal googeln, ob sie es geschafft haben oder ob Sie vielleicht den letzten Akzent geben wollen. Denn klar: Die Aktion arbeitet mit dem Ziel – der Zielsumme – und dem Zielzeitraum. Nur wenn der Verein „Fair Play“ die 25.000 Euro im Zielzeitraum von 30 Tagen schafft, nur dann wird das Geld auch eingezogen. Weil nur dann kann das Projekt, das sie hier beschreiben – ihr Video und in der Beschreibung auch – so umgesetzt werden, wie sie es angekündigt haben. Wenn das Ziel nicht erreicht wird, können sie das ja nicht tun. Also wird das Geld dann auch nicht eingezogen. Das klingt im ersten Moment riskant – „Mein Gott, da muss ich ja mit Risiko arbeiten“ –, aber das ist auch total positiv. Mein Gott, Sie können mit Risiko arbeiten, mit Dramaturgie! Was ist das für eine andere, mitreißende, wirkungsorientierte Kommunikation, die Sie darstellen können! Jede einzelne, noch so kleine Spende ist hier absolut ausschlaggebend. Die 5-Euro-Spende ist hier genauso wichtig wie die 50- oder 100-Euro-Spende, weil: Wenn wir das Ziel nicht erreichen, dann können wir das Projekt nicht umsetzen. Das hat ganz, ganz viele Chancen, die das mit sich bringt – wie man da Leute mitreißen kann.
Und wie tun die das hier? Wir haben verschiedene Beispielbeträge genannt. Wenn jemand 11 Euro gibt, dann verpflichtet sich der Vorstand im November – also im „Movember“ gibt es ja eine Aktion, wo man sich nicht rasiert und damit auf Hodenkrebs aufmerksam macht. Es gibt dann eine „Flickflack-Challenge“, zu der sich jemand aus dem Verein verpflichtet. Oder ich kann für 280 Euro eine Basisausstattung Basketball für bedürftige Kinder spenden. Oder aber für 70 Euro ein veganes Frühstück für zwei Personen – morgens Kaffee kaufen. 70 Euro – ein bisschen teuer, aber das ist auch der Gedanke da drin: Die materielle Gegenleistung hier ist vielleicht nur 35 Euro, Sie geben aber 70 Euro, weil Sie das Projekt unterstützen wollen. Das ist dann der Moment, wo man auch mit dem Finanzamt diskutieren kann: Ist es überwiegend immaterielle Leistung? Insofern keine oder nicht komplett als Gegenleistung zu werten. Also könnte man eine Spende ausgeben. Müsste man im Zweifelsfall aber noch mal genau gucken: Ist das eine Gegenleistung oder nicht? Wenn es rein materiell ist, ist das nicht der Fall und kann eine Spende in der Regel nicht ausgestellt werden. Aber dazu kann man im Einzelfall noch mal mit dem Finanzamt absprechen. Ich weise aber noch mal darauf hin, was ich eben schon sagte: Das ist ein bisschen mehr Aufwand. Aber darüber gehen auch irritierend hohe Beiträge; darüber kann man ganze Kampagnen fahren.
Das sind verschiedene Instrumente für Online-Fundraising. Ich habe jetzt bewusst solche ausgewählt, die einen überschaubaren Aufwand haben, wo – gerade für ehrenamtlich getragene Vereine, die wir hier direkt erreichen – eigentlich für jeden ein, zwei, vielleicht drei naheliegend sein sollten, damit Sie Ihre Online-Fundraising-Ziele erreichen.
Das Schöne, nochmals zusammengefasst: Sie fangen damit an, erst mal zu klären, für welche Instrumente Sie überhaupt in der Lage sind, die Voraussetzungen zu erfüllen. Als zweiter Schritt überlegen Sie: Okay, welches unserer Projekte ist denn dafür geeignet und gut darzustellen – mit kleinen Filmchen oder eben auch, indem Sie im nächsten Schritt überlegen: Was sind denn beispielhafte Spendenprodukte? Was kann man mit 5 Euro, mit 10, mit 25, 50, mit 100 oder gar mit 500 Euro bei uns bewirken? Egal für welches Instrument – das ist wichtig, das ist Fundraising-Konzeption! Und dann überlegen Sie als weiteren Schritt die Kommunikationsstrategie. Es ist schön, wenn Sie ein Werkzeug haben, wo die Spende getätigt wird, aber dann ist die Überlegung: Wie erreichen Sie die Zielgruppen, die Sie dorthin führen, damit dann jemand auf die Seite geht und dort gerne spenden mag? Die Werkzeuge, die ich gezeigt habe – die Instrumente –, machen es den Menschen einfach zu spenden. Den Weg dahin, das ist die Kommunikationsstrategie. Die erarbeiten Sie parallel. Und dazu gibt es auch weitere Informations- und Weiterbildungsangebote hier.
Das wären also die vier Schritte, wie der Start gelingt in das Online-Fundraising und dann erfolgreich Projekte zu kommunizieren und zu finanzieren. Ich möchte Ihnen, wenn Sie sich damit tiefer auseinandersetzen wollen, vier Hinweise geben, wo Sie sich weiter informieren können: Das wären zum einen die aktuelle Seminarreihe der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt und die Aufzeichnungen, die es gibt – da finden Sie vieles auf der Webseite. Zweitens gibt es die Betterplace Academy, wo Sie sich informieren können, wo auch noch mal die verschiedenen Online-Kurse kreativ werden, wie man Online-Fundraising kommuniziert. Drittens die Seite sozialmarketing.de/instrumente, wo diese und weitere Instrumente aufgeführt sind, auch verschiedene Anbieter genannt sind. Und als viertes digital-fundraising.de – dort finden Sie mein Buch zum Thema Online-Fundraising, das da auch noch mal alles etwas ausführlicher erklärt, als ich es hier in der Kürze getan habe. Sie haben also die Möglichkeit, sich hier noch tiefer zu informieren. Und dabei wünsche ich Ihnen viel Spaß, viel Erfolg und freue mich darüber, wenn Sie Ihre erfolgreiche Arbeit im Verein in Zukunft noch wirksamer kommunizieren und dafür Spenden erhalten.