Ein großes Hallo in alle Richtungen Deutschlands. Das ist ja wirklich unglaublich, total schön zu sehen, von wo aus ihr euch überall zuschaltet. Meine Kollegin Anna und ich freuen uns sehr, jetzt so die gute nächste Stunde gemeinsam mit euch zu verbringen und zum Thema Mitgliederbindung und unterschiedliche Perspektiven von Menschen in unserer Gesellschaft und im Engagement zu sprechen.
Zu Beginn, damit ihr versteht, mit welcher Perspektive wir bei Moren Common in Deutschland auf dieses Thema schauen, möchte ich gerne eine ganz kleine Zeitreise beginnen und würde euch mal einladen, zu überlegen: Was war vor 10 Jahren? Wir sind im Jahr 2015. Es war die Phase des Brexits, es war die Phase der ersten Wahl Donald Trumps, und in unseren primär damals westlichen liberalen Demokratien sind Entwicklungen vonstattengegangen, die nicht mehr so einfach erklärbar waren mit herkömmlichen Methoden der Forschung. Die Organisation Moren Common, für die wir jetzt hier im deutschen Ableger arbeiten, schaut sich eben mit der Perspektive des Zusammenhalts an: Was verbindet uns eigentlich in unseren Gesellschaften?
Wie geht es den Menschen? Wie erleben Menschen Gesellschaft? Wie sind sie eingebunden? Was ist ihnen wichtig? Was fehlt ihnen vielleicht auch? Und wir tun das, ich habe es gesagt, zum einen mit Hilfe der Forschung. Also, wir gehen heute noch ein bisschen darauf ein mit unserem Ansatz der Meinungsforschung.
Hier sehen wir ein paar Publikationen von uns. Und wir hören aber eben danach nicht auf. Wir haben die Publikationen und überlegen dann in Zusammenarbeit mit ganz vielen Akteuren im Land, und das reicht sowohl von der Zivilgesellschaft über die Politik, über die Medien bis hin zu Unternehmen und Verwaltungen, also allen Ebenen: Was heißt die Forschung eigentlich für ihre Arbeit? Wie können wir es schaffen, dass in unserer Gesellschaft der Glaube an das Gemeinsame wieder stärker wird?
Ich glaube, mit dieser Perspektive sind wir heute auch mit ganz viel Freude hier in diesem Seminar von der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt, mit denen wir auch die letzten Jahre schon an vielen unterschiedlichen Stellen zusammengearbeitet haben, denn Ehrenamt und Engagement in der Gesellschaft sind eine unheimlich tragende Säule. Es ist unheimlich wichtig für die Wahrnehmung des Miteinanders, wie Menschen ihre Mitmenschen wahrnehmen, und wie sehr sie an einer positiven zukünftigen Entwicklung unserer demokratischen Gesellschaft glauben.
Genau, das ist die Perspektive, mit der wir heute da sind. Wir haben morgen noch ein zweites Webinar, da gehen wir am späteren Verlauf noch darauf ein. Heute befassen wir uns jetzt mal mit Blick auf den Ablauf. Zum einen damit, welche unterschiedlichen Perspektiven es denn eigentlich in unserer Gesellschaft gibt und wie das im Engagement aussieht. Wir schauen uns an, wie die gesellschaftliche Stimmungslage gerade ist. In welchem Kontext arbeitet ihr eigentlich alle in den zahlreichen Initiativen und Vereinen mit den Menschen? Wie geht es uns als Gesellschaft zurzeit, und was gibt es da vielleicht zu beachten?
Darauf basierend schauen wir uns an, was Menschen eigentlich gerade für Wünsche und Bedürfnisse haben, die im Engagement zum Tragen kommen und wo man als Verein oder Initiative wunderbar andocken kann.
Genau. Wir haben zum Ende, das ist sowohl heute der Fall als auch morgen, eine kleine Methode dabei. Am Ende, ganz am Schluss, dann auch noch Zeit für Fragen, die ihr hier, wie schon gesagt, im Chat stellen könnt.
Genau, das zum Ablauf. Und dann würde ich sagen, steigen wir ein mit unserem Punkt 2, den wir als unsere Linse auf die Gesellschaft bezeichnen.
Ja, vielen Dank, liebe Inga, für diese Einführung. Auch ich freue mich total, heute hier zu sein und finde es schön, dass so viele von euch dabei sind. Ich glaube, das wird jetzt eine richtig spannende Stunde, und vor allem freuen wir uns auf ganz viele spannende Fragen von euch, für die wir am Ende definitiv genug Zeit lassen wollen. Deswegen lasst uns gerne starten mit der Frage: Welche Perspektiven gibt es eigentlich in unserer Gesellschaft und vor allem auch im Engagement?
Dafür wollen wir jetzt erstmal auf die Grundlagenforschung von Moinkommen sprechen, denn das klang vorher in der Vorstellung von Inga schon an. Mo ist eine Organisation, die selbst ganz viel Forschung macht, vor allem Meinungsforschung.
Allerdings geht unsere Forschung etwas tiefer als vielleicht das, was ihr klassischerweise aus der Meinungsforschung kennt, denn wir haben einen eigenen sozialpsychologischen Forschungsansatz entwickelt als Organisation. Mit diesem Forschungsansatz ziehen wir regelmäßig los und gucken nicht nur auf die Oberfläche, also welches Verhalten oder welche Meinungen Menschen haben, sondern wir wollen auch immer verstehen, was darunter liegt: Welche Gefühle, welche Werte, welche grundlegenden Einstellungen und welche Bedürfnisse sorgen dafür, dass Menschen einen bestimmten Blick auf unsere Gesellschaft entwickeln und bestimmte gesellschaftliche Vorkommnisse auf eine bestimmte Art und Weise wahrnehmen.
Ich bin mir sicher, viele von euch waren schon in Situationen, wo ihr auf dieselbe Situation, vielleicht auf dasselbe politische Vorkommen, eine ganz andere Perspektive hattet als die Person, mit der ihr euch unterhalten habt. Wir glauben, dass es dafür Gründe gibt, auch gute Gründe. Diese liegen aber oft unter der Oberfläche, und genau das, was da unter der Oberfläche liegt, das wollen wir uns tiefer anschauen. Mit diesem Forschungsansatz sind wir erstmals 2019 losgezogen.
2019 haben wir unsere erste große Grundlagenstudie veröffentlicht, die damals "Die andere deutsche Teilung" hieß. Diesen Titel haben wir sehr bewusst gewählt, denn wir haben gesagt, gerade wird viel über die Teilung in Ost und West gesprochen, natürlich im Jahr 2019 als Jubiläumsjahr des Mauerfalls. Damals wurde aber auch schon, ähnlich wie heute, viel über ganz andere Spaltungslinien oder scheinbare Spaltungslinien wie z.B. alt und jung gesprochen. Wir haben gesagt: Nein, wir wollen bewusst auch den Blick mal ein bisschen weiten und gucken, was sind denn eigentlich tatsächlich unterschiedliche gesellschaftliche Perspektiven, die es gibt, die über so klassisch soziodemographische Ansätze hinausgehen.
Wir verstehen unseren Ansatz, das ist auch ganz wichtig dabei, eher als eine Ergänzung, als dass wir sagen, das ist jetzt die einzige Wahrheit, mit der wir auf die Gesellschaft gucken können. Was wir damals gefunden haben, waren sechs unterschiedliche gesellschaftliche Typen. Also sechs Typen, die sich wirklich in ihrer grundlegenden Haltung zur Gesellschaft sehr stark unterscheiden.
Was hier jetzt in dieser Grafik mit Blick auf die sechs Typen auffällt, ist, dass keiner dieser Typen eine Mehrheit in unserer Gesellschaft hat. Keiner dieser Typen hat einen Anteil von über 50%. Das heißt, wenn wir in unserer Gesellschaft Dinge bewegen wollen, dann ist es ganz wichtig, dass wir auch mit Menschen zusammenarbeiten und vor allem auch mit Menschen zusammenkommen, die anders sind als wir, die einen etwas anderen Blick auf die Dinge haben und die vielleicht auch dieselben Themen aus einer bestimmten anderen Perspektive betrachten.
Wir wollen jetzt tiefer eintauchen in diese sechs gesellschaftlichen Typen oder Segmente, wie man sie auch in der Wissenschaft nennt. Denn wir haben festgestellt, dass sich diese Typen eigentlich sehr gut in eine gesellschaftliche Dreiteilung überführen lassen. Da sieht man schon, diese Erzählung von "Wir sind als Gesellschaft in zwei Lager gespalten und es gibt nur noch die einen und die anderen" ist eigentlich etwas, was wir in unserer Forschung so nicht ganz sehen konnten, denn wir haben gesehen, die Realität ist deutlich komplexer.
Aus unserer Sicht könnte man so sagen, es gibt grob drei Teile, die wir in unserer Gesellschaft sehen. Ich würde jetzt gerne mit euch die einzelnen Segmente anhand dieser drei Teile auch einmal durchgehen. Wir beginnen ganz oben bei den gesellschaftlichen Stabilisatoren.
Die gesellschaftlichen Stabilisatoren bestehen aus zwei Segmenten. Wir haben da einerseits die Involvierten. Den Involvierten ist der Bürgersinn sehr wichtig, das Miteinander. Sie sind ziemlich zufrieden mit der Art, wie unsere Demokratie funktioniert. Sie sind von ihrer Meinung und ihrer politischen Ausrichtung her etwas progressiver orientiert. Im Schnitt sind sie auch etwas älter, und sie sind aber grundsätzlich ganz zufrieden. Das haben sie auch mit dem anderen Segment, den Etablierten, gemeinsam.
Die Etablierten sind das zweite Segment, das wir zu den Stabilisatoren zählen. Sie sind auch sehr zufrieden. Ihnen ist wichtig, dass es in unserer Gesellschaft verlässlich zugeht, dass es friedvoll zugeht, dass es eine gewisse Ruhe gibt, dass wir gemeinsam unsere Gesellschaft gut voranbringen. Sie sind vom Profil her in der politischen Ausrichtung etwas konservativer als die Involvierten. Aber was sie gemeinsam haben, ist, dass sie unsere Demokratie am Laufen halten. Das ist der Teil in unserer Gesellschaft, der auch am häufigsten wählen geht, der wirklich das Rückgrat unserer Demokratie bildet und sich sehr wohlfühlt in unserer Gesellschaft.
Dann rutschen wir eins runter in der Grafik und gucken uns die gesellschaftlichen Pole an.
Bei den gesellschaftlichen Polen finden wir zwei Segmente, die genau eine Gemeinsamkeit haben, und das ist, dass sie sehr laut sind, sehr sichtbar im öffentlichen Diskurs. Wir haben auf der einen Seite die Offenen. Denen ist Selbstentfaltung sehr wichtig, ihnen ist Weltoffenheit wichtig. Sie denken gerne kritisch über das nach, was in unserer Gesellschaft passiert, und tun ihre Meinung auch sehr gerne kund. Das haben sie gemeinsam mit den Wütenden. Allerdings ist das auch ziemlich die einzige Gemeinsamkeit, denn die Wütenden haben ein sehr anderes Weltbild. Sie haben ein nationalistisches Weltbild, ihnen ist die nationale Ordnung sehr wichtig. Sie sind sehr unzufrieden mit unserem politischen System, so wie es ist, und sie sind auch sehr misstrauisch gegenüber gesellschaftlichen Institutionen.
Aber auch diesem Unmut tun sie sehr gerne kund. Wenn ihr an Kommentarspalten in digitalen Räumen denkt, werdet ihr mit Sicherheit diese zwei gesellschaftlichen Pole sehen, die sich auch oft sehr kontrovers gegenseitig angehen und die mit ihren lauten Stimmen auch oft andere Teile in der Bevölkerung so ein bisschen überdecken. Das trägt sicherlich dazu bei, dass wir dieses Gefühl haben, es gibt eigentlich nur noch zwei Seiten und ich muss mich überall bei jedem Thema einer Seite zuordnen.
Das ist sicherlich auch etwas, das aus dieser Dynamik zwischen den beiden ein bisschen hervorgeht. Und dann kommen wir jetzt im nächsten Schritt zu einem Teil in unserer Gesellschaft, der für uns die wichtigste Erkenntnis in dieser Studie war, und das ist das unsichtbare Drittel.
Das unsichtbare Drittel sind Menschen, die sich nicht sehr gut in unsere Gesellschaft eingebunden fühlen. Das sind Menschen, die oft eher am Rande von politischen Debatten zu finden sind, die sich schwer tun, sich einzubringen, die teilweise auch sagen, dass es ihnen nicht so leicht fällt, sich eine Meinung zu bilden oder sich auf dem politischen Spektrum irgendwo einzuordnen. Gleichzeitig sagen sie: "Ach, diese Politik, das ist mir alles ein bisschen zu viel und zu weit weg, und was hat das eigentlich mit meinem persönlichen Leben zu tun?"
Im unsichtbaren Drittel finden wir zwei Segmente. Wir haben einmal die Pragmatiker. Den Pragmatikern ist sehr wichtig, dass sie selbst auch erfolgreich sind im Leben, dass sie ein gutes Leben haben, dass es ihrem Umfeld gut geht, ihrer Familie gut geht. Ihnen ist wichtig, dass sie jederzeit Kontrolle über das haben, was in ihrem Leben passiert.
Die Pragmatiker zeichnen sich durch eine gewisse Distanz zum Gemeinwesen aus. Mit sehr abstrakten gesellschaftlichen Kategorien und Prinzipien können sie manchmal nicht so viel anfangen, wenn es nicht direkt an ihre Lebensrealität anknüpft. Es ist immer sehr wichtig zu gucken, was hat das mit mir zu tun und wie spiegelt sich z.B. sowas wie Demokratie oder so in meinem Alltag wider, denn sonst sind diese Konzepte oft zu abstrakt und müssen mit Leben gefüllt werden.
Das sind die Pragmatiker. Und dann das zweite Segment im unsichtbaren Drittel, das sind die Enttäuschten. Die Enttäuschten haben eine sehr klare Vorstellung davon, wie unsere Gesellschaft sein soll. Sie wünschen sich in allererster Linie eine gerechte Gesellschaft. Sie haben aber das Gefühl, dass unsere Gesellschaft so, wie sie jetzt funktioniert, überhaupt nicht gerecht ist. Das sorgt für sehr viel Frust und auch, wie der Name sagt, für Enttäuschung. Deswegen haben sie sich auch ein Stück weit aus dem Gemeinwesen zurückgezogen.
Das sind Menschen, die das Gefühl haben, die Gesellschaft, so wie sie ist, funktioniert für sie nicht. Menschen interessieren sich nicht für ihre Perspektive. Politik interessiert sich überhaupt nicht für ihre Perspektive. Und warum sollte ich mich eigentlich in irgendeiner Form einbringen, wenn es doch sowieso nichts bringt und sich niemand dafür interessiert?
Das ist die gesellschaftliche Dreiteilung. Das sind die drei Teile, die wir damals 2019 gefunden haben und durch deren Linse wir für uns ein Forschungsprisma haben, das wir auch immer wieder nutzen, um auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen zu schauen.
Was ganz spannend ist, wenn man jetzt auf das ehrenamtliche Engagement dieser Typen schaut: Wir sehen insgesamt 41% der Menschen in unserer Forschung, die sich ehrenamtlich engagieren. Das deckt sich ja auch mit anderer Forschung zum ehrenamtlichen Engagement in Deutschland. Was wir sehr spannend finden, ist, dass es in allen Segmenten einen doch substanziellen Anteil von Menschen gibt, die sich ehrenamtlich engagieren und die in den letzten zwei Jahren in irgendeiner Form aktiv geworden sind.
Deswegen können wir mit Sicherheit sagen, dass ihr sicherlich viele von diesen gesellschaftlichen Typen, wenn nicht sogar alle, in irgendeiner Form schon mal begegnet seid, dass die bei euch im Verein vielleicht eine Heimat gefunden haben. Die spannende Frage ist natürlich, wie geht man jetzt mit diesen vielen unterschiedlichen Perspektiven um? Wie geht man damit gut um und vor allem, wie kann man die auch gut einbinden in das ehrenamtliche Engagement? Genau darüber wollen wir jetzt weiter sprechen.
Aber vorher soll es jetzt auch erstmal noch mal darum gehen: Wie geht's uns eigentlich gerade in dieser Gesellschaft? Das ist ja eine wichtige Grundlage. Dafür würde ich jetzt noch mal an Inga abgeben.
Genau. Vielen Dank, Anna. Wir schauen gerne mit all den unterschiedlichen zivilgesellschaftlichen und ehrenamtlichen Organisationen, mit denen wir zusammenarbeiten. Das ist vielleicht vor allem im Hinterkopf wichtig. Es kann von der ganz kleinen Kulturinitiative an der deutsch-polnischen Grenze bis zu einem größeren Akteur sein, der deutschlandweit tätig ist. Alles. Wir haben wirklich versucht, mit ganz unterschiedlichen Organisationen zusammenzuarbeiten und zu schauen, was die Forschung denn ganz konkret für die Arbeit da draußen überall im Land heißt und was wir wiederum von euch allen da draußen lernen können.
Mit all diesen schauen wir uns an, wie sich eigentlich die gesellschaftliche Stimmungslage entwickelt, und warum das wichtig ist. Die Arbeit, die ihr macht, die ganz viele andere machen, passiert nicht im luftleeren Raum. Ich glaube, ich verrate keine Geheimnisse, wenn ich sage, dass die letzten fünf Jahre, ich habe vorhin von 2015/2016 gesprochen, Jahre waren, die fast eher wie Vorboten waren auf das, was uns in den letzten Jahren wiederfahren ist und was da an gesellschaftlichen Entwicklungen und auch wirklich schwerwiegenden Krisen auf unterschiedlichen Ebenen passiert ist.
Deswegen schauen wir, und da nehmen wir, wie Anna das gesagt hat, diese sechs Typen als ein Hilfsmittel. Nicht als das Allheilmittel, sondern als ein Hilfsmittel, um zu schauen, wie es unterschiedlichen Menschen in der Gesellschaft geht, wie sie auf die unterschiedlichen Themen blicken und wie es ihnen geht. Wir möchten jetzt tatsächlich mal starten. Wir haben ein paar Forschungsfragen mitgebracht, und ihr dürft tatsächlich auch mal mitraten.
Und zwar haben wir die Menschen gefragt, was sie glauben: Wird sich die gesellschaftliche Lage in den nächsten fünf Jahren eher verbessern oder eher verschlechtern? Ihr dürft jetzt mal raten, wie viel Prozent der Menschen in Deutschland, ja, nicht ihr persönlich, sondern was glaubt ihr, denken die Menschen im Land im Durchschnitt? Wie entwickelt sich die gesellschaftliche Lage?
Da haben wir schon sehr viele unterschiedliche Werte. Ich sehe alles zwischen 30 und 80.
75, 60.
Mhm. Also, ich glaube, unter 30 war nichts dabei. Das ist ja schon ganz spannend. Vielen Dank, dass ihr alle so wunderbar mitmacht. Ah, doch, da haben wir einmal unter 30: eine 20%. Über 80 habe ich auch noch nichts gesehen. Eine große Bandbreite.
Wenn ihr erlaubt, ich weiß, es tippen noch ganz viele, aber wenn ihr erlaubt, dann würde ich tatsächlich mal auflösen. Es sind ganze 67%, die gerade sagen, die gesellschaftliche Lage in den nächsten fünf Jahren wird sich eher verschlechtern.
Interessanterweise füge ich gerne immer noch hinzu: Wir haben eine Dreiteilung abgefragt aus persönlicher Lage, gesellschaftlicher Lage und wirtschaftlicher Lage. Da sieht es bei der persönlichen Lage interessanterweise deutlich besser aus als bei der gesellschaftlichen und bei der wirtschaftlichen Lage. Das ist vielleicht auch für den Hinterkopf noch ganz spannend, dass die Menschen das gar nicht so aus ihrem persönlichen Erleben bzw. ihren persönlichen Blick auf die Entwicklungen bewerten, sondern tatsächlich eher mit Blick auf das große Ganze im weitesten Sinne.
So, weil ihr alle gerade so wunderbar mitgemacht habt, machen wir das jetzt noch ein zweites Mal.
Und zwar haben wir hier die Aussage abgefragt: Kümmert sich jeder um sich selbst oder gibt es auch das andere Paar, dass Menschen sich mehr umeinander kümmern? Ihr dürft jetzt einmal sagen, wie viel Prozent der Menschen stimmen denn dieser Aussage zu mit Blick auf unsere Gesellschaft: Jeder kümmert sich um sich selbst.
Prima. Da ist auch wieder die ganze große Bandbreite. Hier haben wir direkt zwischen 25 und 90% alles dabei. Das zeigt auch, dass es vielleicht gar nicht so einfach ist, da ein gemeinsames Gefühl zu entwickeln. Wie blicken eigentlich die Menschen im Durchschnitt? Man kennt es von sich selbst, man kennt es vielleicht von seinem Umfeld, sowohl privat, im Ehrenamt, beruflich. Aber weiß ich das eigentlich von der Gesamtgesellschaft?
Das ist das Spannende, was wir da, kann ich aus dem Nähkästchen plaudern. Anna und ich und die ganzen Kolleginnen bei uns bei Moren Common hören regelmäßig immer wieder durch unsere Umfragen, diese quantitativen Befragungen, aber auch moderierte Fokusgruppengespräche.
So, ich löse auf. Es sind immerhin ganze 75%, was nicht der Höchstwert ist, den wir in den letzten Jahren gemessen haben. Hier gibt es eine Erholung. Wir waren im letzten Jahr bei 79%.
Aber trotzdem ist das sicherlich noch, und das werdet ihr wahrscheinlich auch so sehen, ein Wert, der ein unheimliches Vereinzelungsempfinden ausdrückt, ja, oder dieses Gefühl, dass da irgendwie auf gesellschaftlicher Ebene eine Art Egoismus oder ein "ich kann mich eigentlich gar nicht darauf verlassen, dass auch der andere es mit mir oder unserer Gesellschaft gut meint."
Das ist einfach, glaube ich, für den Hintergrund und für all die Arbeit, die wir machen, erst einmal wichtig zu wissen. Ich habe jetzt noch keine weiteren Ratespiele, aber noch zwei Datenpunkte mitgebracht, die ein bisschen den Zeitverlauf, den ich vorhin schon angedeutet habe, seitdem wir mit unserer Forschung begonnen haben, darlegt.
Genau. Wir haben auf der einen Seite gefragt: Geht es in unserer Gesellschaft derzeit eher gerecht oder eher ungerecht zu? Was man hier, glaube ich, am allerwichtigsten sieht, ist, dass wir von 2019, wir sind bei 63% gestartet, und ihr seht, das ist jetzt, ich wiederhole das noch mal, weil sich die Typen direkt immer vor Augen zu führen, gar nicht so einfach ist.
Die zwei Typen oben in dem Rot und Grau, das sind die Wütenden, das war der eine gesellschaftliche Pol, und die Enttäuschten, einer der Typen aus dem unsichtbaren Drittel. Ihr seht, dass die über den Zeitverlauf auch 2019 schon mit über 80% gesagt haben, in unserer Gesellschaft geht es ungerecht zu.
Was wir sehen, ist, dass es eine kleine Erholung gab, zumindest bei vielen der anderen Typen im Verlaufe. Das war so in der Anfangszeit der Coronapandemie. Da gab es so einen kleinen, wir sagen manchmal Honeymoon, denn die ersten drei Monate, ich weiß nicht, ob ihr euch erinnert, dieses Gefühl von: Jetzt gehen wir mal gemeinsam diese Krise an, da kann ich mich aufeinander verlassen, da gehen wir füreinander einkaufen, da sehen wir die Leistung von Menschen, die in gesellschaftlich wichtigen Berufen arbeiten.
Das hat sich dann aber tatsächlich relativ zügig in das Gegenteil fast verkehrt. Wir sind jetzt auch hier nicht auf dem Höchstwert, aber immerhin seit 2022/23 auch mit dem Blick der anderen Typen, all den, die wir vorhin genannt haben, also auch Typen, die eher zufriedener waren, die ein hohes Vertrauen hatten, gesellschaftliches, demokratisches Vertrauen, die auch mittlerweile sagen, die sind alle so nach oben gerutscht und näher aneinander mit dem Gefühl, es geht derzeit eher ungerecht zu.
Auch das ist ein Befund, mit dem wir arbeiten.
Genau. Und dann zuletzt: Es wird in den Medien unheimlich viel über Spaltung gesprochen. Ist die Gesellschaft gespalten? Ist sie polarisiert? Anna hat vorhin anhand unserer Daten gezeigt, dass wir da auf jeden Fall auch ein differenzierteres Bild wahrnehmen. Was wir aber hier sehen: Wir haben nicht die faktische Spaltung abgefragt, das können wir gar nicht in der Meinungsforschung. Wir haben abgefragt, wie fühlt sich Deutschland für Sie heutzutage an?
Also wir fragen ab, wie empfinden Menschen die Spaltung, also wie gespalten fühlt sich Deutschland an? Auch hier gab es 2021, als wir mit der Frage begonnen haben, im Durchschnitt 52%, aber auch mit einem sehr, sehr großen Stretch. Ihr seht das, die Wütenden, die Enttäuschten liegen da auch um die 80% und über 80%.
Das hat sich in den Jahren danach viel weiter gestreut. Wir sind jetzt im Oktober 2024, wo wir die Daten zuletzt erhoben haben, mit 67% des Spaltungsempfindens auf einem Höchstwert. Wichtig zu sehen ist, dass die Typen sich hier angenähert haben. Es gibt grundsätzlich ein geteiltes Empfinden, dass die Gesellschaft gespalten ist, obwohl sie es faktisch nicht ist. Gleichzeitig kann sich so ein Spaltungsempfinden natürlich verselbständigen. Je öfter wir das hören, je öfter wir darüber reden, je öfter oder stärker wir das selbst wahrnehmen, desto eher hat das einen Effekt darauf, wie ich meinen Mitmenschen begegne, wie ich Debatten in der Politik und in den Medien wahrnehme, wie ich selbst vielleicht in der Lage bin, in Gespräche zu gehen mit meiner Familie, mit Freundinnen oder auch im Verein.
Was wir bei Moren Common nicht tun, ist hier stehen zu bleiben. Das mag ich klar sagen. Das sind vielleicht nicht so schöne Befunde, die wir hier haben. Das sagen wir immer dazu. Das sind gleichzeitig natürlich Befunde, die wir alle in irgendeiner Form auch wahrnehmen oder mal mehr oder weniger bewusst spüren und mit denen wir umgehen müssen.
Uns ist aber ganz klar, und mit dem Blick schauen wir auch auf die Menschen in unserem Land, und das sehen wir auch durch die Zusammenarbeit mit all den Initiativen und Organisationen und Partnern, dass hinter diesen Gefühlen und dieser Kritik, die darin ja tatsächlich auch steckt, enorm viel an uneingelösten Wünschen, Bedarfen und Hoffnungen liegt.
Das habe ich hier. Das ist jetzt meine letzte Folie. Zu dem Thema mal abgefragt: Was braucht es denn in unserer Gesellschaft? Braucht es mehr oder weniger von den hier aufgeführten verschiedenen Dingen? Ihr seht in Gelb, es braucht mehr als bislang, und da sind unheimlich hohe Werte. Ich gehe die jetzt tatsächlich noch einmal durch, weil ich sie unglaublich stark finde auch für die Weiterarbeit heute und morgen in unserem Webinar.
88% sagen die Menschen, es braucht mehr als bislang Vertrauen zwischen den Menschen. Also wirklich dieses Gefühl von: Wir möchten eigentlich wieder auf das Gegenüber, auf meine Mitmenschen. Ich möchte wieder das Vertrauen haben, dass wir in die gleiche Richtung gehen und dass wir es gut miteinander meinen.
Es braucht mehr als bislang Willen zur Veränderung, was auch sehr, sehr interessant ist in einer Gesellschaft, die oft als Veränderungsmüde beschrieben wird. Wir sehen und hören da in unseren moderierten Forschungsgesprächen oft das Gegenteil. Gerade mit Blick auf die Krisen der letzten Jahre ist ein unheimlicher Wunsch nach Vorangehen, nach Bildern davon, wie kann denn unsere Gesellschaft aussehen, ja, und nicht nur den Fokus auf diesen Prozess zu haben, sondern auch wie kann das denn gut werden und wie kann das aussehen?
Das fließt oft für die Menschen die Wahrnehmung im Lokalen im Miteinander mit Blick auf die Gesamtgesellschaft ineinander über. Es braucht mehr politische Mitsprache der Bürgerinnen und Bürger. Es braucht mehr politische Angebote dazu, wie die Zukunft in Deutschland aussehen kann. Das hatte ich vorhin angeführt und mehr Bereitschaft der Bürger zum Engagement für die Demokratie mit immerhin 78%.
Man kann sagen, die Leute könnten nach dem Motto: "Ich kann ja zu allem sagen, ja, es braucht mehr", aber wenn ihr euch mal die pinken Felder anguckt, sie hätten auch sagen können: "Nee, es braucht weniger oder es braucht gleich viel." Die Menschen haben sich hier bewusst dafür entschieden, dass davon mehr gebraucht wird. Ich glaube, das sind unheimlich starke Wünsche und Bedarfe, mit denen wir arbeiten können und die auch für euch eine richtig schöne und gute Botschaft sind.
Genau. Und daran lässt sich wunderbar anknüpfen. Ich übergebe jetzt an der Stelle noch mal an Anna.
Mal wieder nicht gemutet. Ein Klassiker.
Äh, ja, vielen Dank, Inga, für diese tiefergehende Analyse der gesellschaftlichen Lage. Ich glaube, das ist wirklich eine sehr gute Grundlage, um jetzt darüber zu sprechen, mit welchen Bedürfnissen Menschen denn vor dem Hintergrund dieser gesellschaftlichen Lage, vor dem Hintergrund dieser unterschiedlichen Perspektiven, die wir uns angeschaut haben, ins Engagement kommen.
Wir haben uns hingesetzt und verschiedene Bedürfnisse identifiziert, die aus unserer Sicht wichtig sind. Wir glauben auch, dass es total wichtig ist, sich diese vor Augen zu führen. Wenn man ehrenamtliches Engagement gestalten möchte, wenn man unterschiedliche Perspektiven einbinden möchte, dann sollte man sich auch damit auseinandersetzen.
Das sind dann die unterschiedlichen Bedürfnisse, die Menschen haben. Denn so viel können wir, glaube ich, sagen: Natürlich kommen nicht alle Menschen mit genau den gleichen Einstellungen oder genau den gleichen Erwartungen an so ein Engagement oder treten an so ein Engagement heran, sondern da gibt es durchaus Unterschiede und auch Dinge, die unterschiedlich wichtig sind.
Was wir euch jetzt gleich präsentieren, ist eine Zusammenstellung aus dem, was wir in unseren qualitativen Forschungsgesprächen, die Inga erwähnt hat, sehen. Das sind vor allem Fokusgruppengespräche, die wir immer wieder mit allen gesellschaftlichen Segmenten führen, als auch in der quantitativen Forschung. Von denen wir glauben, dass sie ganz wichtig sind mit Blick auf Engagement.
Das erste Bedürfnis, über das ich sprechen möchte, ist das Thema Gemeinschaft. Viele Menschen haben den Eindruck, insbesondere im unsichtbaren Drittel, dass Gemeinschaft uns ein Stück weit verloren gegangen ist in dieser Gesellschaft. Viele beklagen auch, dass es eigentlich gar nicht mehr so viele Orte gibt, an denen man Menschen begegnet.
Gerade im ländlichen Raum beklagen viele, dass diese Orte, gerade auch Alltagsorte wie z.B. Supermärkte, Bahnhöfe, wo man auch mal ungezwungen mit Menschen ins Gespräch gehen kann, zunehmend verloren gehen. Ehrenamt und Engagement können natürlich ein Ort sein, wo man genau diese Gemeinschaft wieder erleben kann und wo man vor allem auch Zugehörigkeit als ein psychologisches Grundbedürfnis erleben kann.
Wir alle sind Menschen, wir alle suchen nach Verbindung, wir alle wollen uns zugehörig fühlen zu bestimmten Gruppen, zu bestimmten Initiativen, zur Familie, zu Freunden, wie auch immer. Gemeinschaft ist deswegen sicherlich ein zentraler Aspekt, warum Menschen ein Ehrenamt aufnehmen, warum Menschen einem Verein beitreten, um eben diese Gemeinschaft zu erleben.
Das ist auch etwas, was wir in unseren Forschungsdaten sehen. Wir haben hier mal in der aktuellen Forschung gefragt, mit welchen Dingen, mit welchen Institutionen im Leben man sich verbunden fühlt. Neben Familie und Arbeit nennen die Menschen bestimmte Vereine als einen ganz wichtigen Bezugspunkt in ihrem Leben. Also als einen Ort, wo sie Zugehörigkeit erfahren, als eine Institution, mit der sie sich verbunden fühlen. Das ist sicherlich eine gute Basis, auf die man aufbauen kann und die man auch ganz offen innerhalb des eigenen Vereins adressieren und ansprechen kann.
Der zweite Bedarf, über den wir heute sprechen wollen, ist Wertschätzung. Wir haben vorhin über das unsichtbare Drittel gehört, dass das Menschen sind, denen es oft an Wertschätzung fehlt, die das Gefühl haben, ihr Engagement oder ihre Perspektive auf die Gesellschaft wird überhaupt nicht gesehen, wird nicht gewertschätzt, wenn sie sich einbringen.
Tatsächlich ist es so, dass dieses Gefühl von in unserer Gesellschaft verschiebt sich. Die Dinge gehen so ein bisschen den Bach runter. Das ist nicht nur etwas, was in großen Teilen des unsichtbaren Drittels verbreitet ist, sondern was teilweise jetzt auch auf gesellschaftliche Stabilisatoren übergreift. Diese Frage nach: Bringt es überhaupt etwas, wenn ich mich einbringe? Und die Frage nach: Wer sieht es auch? Wer schätzt es, dass ich mich einbringe? Das ist sicherlich eine wichtige Frage.
Wir glauben, dass es ganz wichtig ist, sich auch im Verein oder in der eigenen Initiative darüber Gedanken zu machen. Wie drücken wir eigentlich diese Wertschätzung gegenüber unseren Ehrenamtlichen aus? Welche Formate haben wir da, welche Möglichkeiten haben wir da, um Wertschätzung zu zeigen? Welche Sprache nutzen wir, wie kommunizieren wir untereinander, wie verankern wir auch Wertschätzung ganz integral in unserer Kultur?
Was wir sehen, wenn Menschen auf die Gesellschaft blicken, ist, dass diese gesellschaftliche Wertschätzung fürs Engagement total da ist. Menschen identifizieren sich mit Alltagshelden, mit Menschen, die sich engagieren, mit Menschen, die sich einbringen. Hier an zweiter Stelle bei der Frage nach: Was sind eigentlich persönliche Vorbilder? Sehen wir die ehrenamtlichen Helferinnen und Einsatzkräfte. Wirklich die Alltagshelden genießen ein sehr großes Vertrauen in unserer Gesellschaft.
Deswegen seid ihr als Engagierte, als Orte, die es ermöglichen, dass man sich ehrenamtlich einbringt, natürlich prädestiniert dafür, auch ein Ort zu sein, wo Menschen Wertschätzung erfahren, wo Menschen aus dem unsichtbaren Drittel das Gefühl haben: Hier kann ich mich wieder einbringen, und hier werde ich gesehen.
Es ist deswegen total wichtig, sich das auch gut zu überlegen, wie man diese Wertschätzung ausdrücken kann.
Der nächste Aspekt, über den wir sprechen wollen, ist das Thema Vergnügen. Ich bin mir sicher, viele von euch machen dieses Engagement und dieses Ehrenamt auch aus sehr hehren Gründen. Viele von euch werden sicherlich denken: Ich möchte Gesellschaft gestalten, ich möchte Dinge bewegen, ich möchte für bestimmte Interessen eintreten, die in unserer Gesellschaft vielleicht oft überhört werden und übersehen fühlen.
Viele von euch kommen sicherlich mit einem großen gesellschaftlichen Verantwortungs- und Pflichtgefühl in so ein Ehrenamt, und das ist auch super und wichtig. Wir glauben, dass es genauso wichtig ist, sich vor Augen zu führen, dass es nicht unbedingt bei allen der erste Anknüpfungspunkt fürs Ehrenamt ist, sondern viele sagen auch: "Ich mache ein Ehrenamt, weil es mir einfach Spaß macht, weil es Freude macht, mich hier einzubringen, weil es Freude macht, hier auf Menschen zu treffen, weil es Freude macht, hier gemeinsam ein Fest zu organisieren."
Das ist für mich das erste Bedürfnis. Sie kommen aus einem sehr privaten Bedürfnis nach: "Ich will Spaß haben, ich will Freude haben," und gehen dann an den Ort, wo sie auch gesellschaftlich wirken können, aber wo das für sie gar nicht unbedingt immer im Vordergrund stehen muss.
Da haben wir hier auch mal ein Zitat aus einer Fokusgruppe mitgebracht. Da ging es um ein Format, wo es um gesellschaftliche Begegnung geht. Ein Teilnehmer sagte: "Das Wichtigste ist eigentlich, dass es Freude macht, dass man miteinander etwas unternimmt und vor allem, dass es auch nicht zu gezwungen ist."
Das ist auch etwas, was wir immer wieder in unserer Forschung hören, dass Menschen dieses Miteinander, dieses Spaß haben, gerne auch beiläufig erleben und nichts, was man sozusagen erzwingen kann. Das ist das, was oft auch beim eher informellen Teil des Ehrenamts, also wir denken da an Stammtische und so weiter, stattfindet.
Das ist etwas, was Menschen gerade auch aus dem unsichtbaren Drittel sehr am Ehrenamt schätzen.
Der nächste Aspekt, über den wir sprechen wollen, ist die Selbstwirksamkeit. Das habe ich jetzt schon so ein bisschen eingeläutet. Diese Frage: Wie ermöglicht das Ehrenamt mir eigentlich das Gefühl, ich kann einen Beitrag leisten? Ich kann hier vor Ort Dinge gestalten, ich kann dabei helfen, die Straßen zu begrünen, ich kann mich für Menschen einsetzen, die in Not sind, die vielleicht Hilfe brauchen.
Ich kann Dinge durch mein Engagement verändern. Das ist etwas, was viele Menschen sehr am Ehrenamt schätzen. Das ist ein großes Bedürfnis, das es auch bei vielen Menschen gibt, weil eben dieses Gefühl von: "Ach, das, was ich mache, hat einen Einfluss." Angesichts dieser großen Krisen, dieser großen Herausforderungen, vor denen wir auch stehen, über diese großen gesellschaftlichen Transformationen, die immer wieder Thema sind, lassen viele Menschen, glaube ich, oft mit einem Gefühl von Machtlosigkeit zurück.
Ehrenamt kann hier ein perfekter Hebel sein, um aus diesem gefühlten Stillstand wieder in die Handlungsfähigkeit zu kommen und das Gefühl zu haben, ich kann Gesellschaft gestalten und dabei sein. Menschen sehen das auch definitiv als Aufgabe vom Ehrenamt. Sie sehen, dass das Ehrenamt etwas ist, was Deutschland zu einem besseren Ort gemacht hat.
Wir haben hier verschiedene Sachen abgefragt in der aktuellen Forschung, verschiedene Institutionen, verschiedene Dinge, die Deutschland potenziell zu einem besseren Ort machen könnten. Wir sehen, dass mit Abstand das ehrenamtliche Engagement vieler Menschen mit 81% hier an Platz 1 ist. Menschen sehen, dass ihr Ehrenamt etwas bringt, dass es Deutschland gestaltet, und sie trauen ihrem Ehrenamt auch sehr viel zu. Das ist natürlich für viele Menschen ein wichtiger Grund, sich auch selbst ehrenamtlich zu engagieren.
Der letzte Aspekt, über den ich gerne sprechen würde, ist das Thema Zuversicht. Inga hat die Zahlen zum Ausblick auf die gesellschaftliche Lage gezeigt, dieses Gefühl, dass alles gerade den Bach runtergeht, wir wissen nicht, wie es weitergeht in unserer Gesellschaft.
Wir sehen, dass Ehrenamt ein total toller Ort sein kann für Menschen, um wieder zu Zuversicht zurückzukommen, um das Gefühl zu haben: "Hey, wir können doch hier im kleinen, im lokalen Kontext oder auch in einer bundesweiten Initiative so viel bewegen, so viel anstoßen, so viel gemeinsam umsetzen."
Warum sollte es nicht funktionieren, dass wir als Gesellschaft uns auch wieder weiterentwickeln, dass wir als Gesellschaft unser Land wieder auf Vordermann bringen und dabei auch wirklich etwas erreichen können? Das ist etwas, was Ehrenamt auf jeden Fall leisten kann.
Die Menschen sehen gesellschaftliche Initiativen und Vereine als Verbände, die Verantwortung für die Zukunft in unserem Land übernehmen. 56% sagen, die Zivilgesellschaft übernimmt genug Verantwortung für die Zukunft in unserem Land.
Das im Vergleich zu anderen Institutionen, wie z.B. Wirtschaftsunternehmen oder Medien oder gar der Politik. Die Zivilgesellschaft, Engagement, Ehrenamt sind Institutionen, die als Gestalter in unserer Gesellschaft wahrgenommen werden. Menschen wollen Teil davon sein. Menschen haben Lust auf Handlungsfähigkeit, Menschen haben Lust auf Veränderungsbereitschaft in unserem Land.
Diese Bedarfe gilt es, ganz gezielt anzusprechen und einzubinden. Wie das genau funktionieren kann, darüber sprechen wir morgen noch ausführlicher. Aber das sind die Bedürfnisse, die wir in unserer Forschung immer wieder hören, die sicherlich auch in vielen eurer Initiativen und Vereine und Organisationen eine große Rolle spielen bei der Frage, wer sich eigentlich einbringt.
Genau, wir kommen tatsächlich schon zum Schluss. Es ist wie im Flug vergangen. Ich möchte vielleicht ergänzen, an dieser Stelle noch mal mit Blick darauf, welche Rolle wir als Moren Common spielen. Ich habe es gerade auch schon gesagt: Teilt auf jeden Fall eure Erfahrungen miteinander, sowohl heute als auch gerne morgen. Ich bin wirklich immer wieder begeistert, wie viel dieses Miteinander und voneinander Lernen auslösen kann.
Ich glaube, wir als Moren Common, was wir reinbringen, ist zu zeigen, wie die Menschen eigentlich auf die Themen blicken. Jetzt in dem Fall hier wirklich Engagement, Ehrenamt, gesellschaftliche Gestaltung. Ich glaube, wenn wir euch eine Sache oder wenn eine Sache hängen bleiben darf, dann ist es: Ihr seid genau an dem richtigen Ort.
Ich weiß aus der Erfahrung mit der Arbeit mit anderen Akteuren, es fühlt sich manchmal nicht so an. Es ist mühsam. Oft ist es in späten Abendstunden oder frühen Morgenstunden, es ist in eurer Freizeit. Es ist oft mit mangelnden Ressourcen verbunden. Ich glaube, sich das bewusst zu machen, ist ganz wichtig, aber eben auch nicht die Motivation zu verlieren, auch wenn die Zeiten herausfordernd sind.
Da ist unheimlich viel noch drin, und die Menschen wollen, wie Anna das gesagt hat, auch wenn es sich manchmal sicherlich vor allem dann, wenn man in einer Verantwortungsposition im Verein ist, nicht so anfühlt. Aber seid euch gewiss, ich glaube für uns bei Moren Common, wir haben das wirklich gesehen, da seid ihr an den richtigen Stellen und habt unglaubliche Möglichkeiten, die Menschen zu erreichen, auch unterschiedliche Menschen zu erreichen.
Das schaffen viele Akteure, ich nenne hier Medien, ich nenne auch die Politik, heute nicht mehr. Die Menschen sind bei euch, sie begegnen sich, und damit umzugehen, auch wenn das hart ist, ist, glaube ich, das, was wir euch heute mitgeben.
Wir haben ein bisschen auf unsere Materialien, die als Methode für uns oft dienen in der Zusammenarbeit mit Organisationen, haben wir jetzt hier mal ein paar mitgebracht. Zum einen ist das unser Gesellschaftsquiz, das die Forschung, die Anna erzählt hat, auf eine spielerische Weise aufbereitet. Wichtig hier nur: Es ist nicht so ein klassischer Persönlichkeitstest, das ist immer noch ein Forschungsinstrument. Man ist nicht immer nur ein Typ. Wir nutzen das als Hilfsmittel, um als Gesellschaft zu schauen, und so solltet ihr es auch betrachten.
Vielleicht hilft es, um sich noch mal mit unterschiedlichen Perspektiven auseinanderzusetzen, sich die Frage zu stellen: Welche Typen kenne ich eigentlich gut? Welche Perspektiven sind mir fremd? Woran liegt das? Vielleicht erkennt ihr Menschen aus eurem Umfeld darin wieder.
Genau, also das als eine Methode, die wir immer ganz hilfreich finden für die Arbeit.
Was wir auch gemacht haben: Wir haben ein kleines Miroboard angelegt mit zwei Arbeitsblättern. Eins bezieht sich auf heute. Ihr seht da auch die Typen noch mal mit unseren Typenkarten aufgeschlüsselt, ein paar Links zu anderen Materialien und unserem Quiz. Da würden wir euch, also ihr dürft das entweder tatsächlich hier mit eurem Handy einmal einscannen oder wir schicken auch gerne im Nachgang den Link zu dem Board und das Arbeitsblatt für heute mit rum.
Genau. Und das ist tatsächlich so unsere Art und Weise, wie wir mit Vereinen und Organisationen zusammenarbeiten. Wir schauen quasi, was heißt die Forschung für euch? Hier haben wir mal drei Fragen, die ihr theoretisch dann für euch und für euren Kontext, die oft sehr unterschiedlich sind, mitnehmen könnt und schauen: Ist davon etwas für mich noch hilfreich und neu? Ihr könnt das mit anderen Engagierten aus eurem Verein zusammen machen und dann gerne auch teilen.
Genau. Also, das ist die Methode, die wir heute mitgebracht haben.