Über mich wurde jetzt schon eine ganze Menge gesagt. Ich bin Projektmanager und Trainer mit Namen Chris Wagner beim Ich bin hier e.V. und bin tatsächlich, neben den ganzen tollen Funktionen, die Rosa gerade aufgezählt hat, auch tatsächlich Ihr erster Ansprechpartner, wenn Sie im Nachgang des Seminars noch Fragen haben oder sich tatsächlich für das Angebot des Vereins interessieren. Gegebenenfalls möchten Sie über unsere Vorträge oder Workshops mehr wissen.
Heute ist das Thema: Wer ist eigentlich hier? Ich stelle einmal den Verein kurz vor, dann klären wir, was überhaupt Hass im Netz ist, und gehen dann weiter über die Frage, was können wir alle gegen ihn tun. Da gehe ich tatsächlich relativ allgemein auf die Frage ein, was ich als Einzelperson tun kann. Diese leitet sich in Teilen davon ab, braucht aber tatsächlich ein bisschen mehr Übung und Erfahrung, um die nötige Erfahrung zu sammeln und auch ein bisschen einzuüben. Allerdings hoffe ich, dass Ihnen das Seminar heute zumindest hilft, Ängste abzubauen und einfach mit etwas mehr Ruhe an die Sache heranzugehen. Digitale Zivilcourage lässt sich zwar lernen, aber sie lässt sich auch tatsächlich einüben.
Am Ende, wenn ich mich für digitale Zivilcourage einsetze, heißt das natürlich im Umkehrschluss auch immer, mich gegen Hass auszusprechen. Eine Gegenreaktion bekommt meistens auch eine Gegenreaktion, und dann fragen wir uns natürlich auch, wie sich die einzelnen Personen schützen können.
Der Hashtag "Ich bin hier" ist quasi der Anfang dieses Ganzen. Ich bin hier ist kostenlos und eine Counter-Speech-Aktionsgruppe mit 42.000 Mitgliedern auf Facebook. Die ganze Counter-Speech-Bewegung hat 2016 angefangen, tatsächlich mit einem Initialfunken, einer Idee, die ich immer noch nicht aussprechen kann, aus Schweden übernommen. Ich bin jetzt seit mehreren Jahren im Verein. Ich bin hier, tatsächlich ziemlich einfach übersetzt auf Schwedisch. Vielleicht können Sie das einmal im Google Translator einsetzen; ich traue mich immer noch nicht, Schwedisch auszusprechen.
Das Ganze hat dann tatsächlich über einige öffentlichkeitswirksame Kooperationen, wie zum Beispiel mit dem Bundespräsidenten, sehr schnell an Momentum gewonnen und ist mittlerweile bei diesen 42.000 Mitgliedern, von denen ungefähr 33.000 aktiv sind, mit ca. 105.000 Aktionen und Interaktionen pro Monat. Die Counter-Speech-Aktionsgruppe funktioniert über koordinierte sogenannte Aktionen, nennen wir das. Das sind Aktionen, in denen wir versuchen, so viele Mitglieder zu einer bestimmten Tageszeit zu aktivieren und gefundene Anhäufungen von Hassrede unter einem Post auf Facebook zum Beispiel zu aktivieren. Dort zeigen wir digitale Zivilcourage, indem wir zum Beispiel über 800.000 geschriebene Kommentare abgeben.
Digitale Zivilcourage braucht natürlich nicht nur geschriebene Kommentare. Ich beispielsweise habe noch nie einen Kommentar geschrieben, seit ich hier angefangen habe, weil es mir nicht gut getan hat und ich mir ausmalte, was auf meine Kommentare folgt. Deswegen helfen auch Likes eine ganze Menge.
Ich bin übrigens zum Verein gekommen, um genau dieses schnürende Gefühl im Magen loszuwerden, und das hat mittlerweile ganz gut geklappt. Die Gruppe ist auch mit einigen Preisen ausgezeichnet worden, unter anderem dem Grimme Online Award, dem Smart Hero Award, der Bundesverdienstmedaille am Bande und dem Deutschen Engagementpreis. Das ist ungefähr ein kleiner, wirklich kleiner Ausschnitt der "Ich bin hier"-Aktionsgruppe, die sich täglich für digitale Zivilcourage einsetzt.
Ich fange direkt mit dem Sternchen an: Wir starten unsere täglichen Aktionen auf den Facebook-Seiten großer Medienhäuser, und zwar mit der Begrenzung ab mehr als 250.000 Fans. Das ist eine Grenze, die wir uns gesetzt haben, weil das Internet natürlich voll ist mit Hassrede und es eine gewisse Begrenzung braucht, um in Anführungsstrichen nur 42.000 Mitglieder nicht völlig in Arbeit versinken zu lassen.
Hier sind einige Beispiele aufgezeigt, in denen wir zum Teil arbeiten – in manchen mehr, in manchen weniger. Die Tagesschau zum Beispiel ist in den letzten Jahren ein Leuchtfeuer gelungener Moderation geworden, zu Moderation und später noch. Deswegen ist da weniger Bedarf. Die Bild arbeitet ganz stark mit Sprachfiltern, was die Arbeit wahnsinnig schwer macht. Ich bin hier e.V. ist, ja, ich sage mal, ein dreiviertel Jahr ungefähr später gegründet worden als die Facebook-Gruppe, und das hat tatsächlich einfach den Grund, dass die Facebook-Aktionsgruppe mehr Ambitionen hatte, als die Situation einer Facebook-Gruppe tatsächlich zulässt.
Es brauchte dafür tatsächlich eine Körperschaft, die natürlich dann auch direkt einen gemeinnützigen Zweck bekommen hat, und das ist die Volksbildung. Aber wir machen natürlich auch Öffentlichkeitsarbeit, um über das Thema aufzuklären bzw. auch Verbündete für das Thema zu finden. Wir unterstützen die Aktionsgruppe "Ich bin hier" und bieten Bildungsformate für digitale Zivilcourage an. Da sind mittlerweile vier feste Programme entstanden, mit denen wir aber tatsächlich auch ein bisschen spielen und diese Formate verlassen.
Ein Beispiel, um mein Beispiel zu nennen, sind unsere Schulworkshops. Die waren in Schulen, machen zum Teil auch mit unserem Partnerprojekt "Du bist hier" mit den Hamburger Bücherhallen. Gehen wir gerade ganz viel in Schulen, aber auch für Kommunalpolitiker:innen, für Menschen, die in irgendeiner Weise in Communities arbeiten, also Community-Manager:innen oder tatsächlich auch Influencer:innen. Wir bieten das aber natürlich auch für, ich sage jetzt mal, in der Basic-Version, also in der weniger spezifischen Gruppe an, und da können wir natürlich aus den anderen Programmen auch erweitern.
Die Trainings finden online und offline statt, wobei ich sagen muss, wir sind mit unserem Trainingsprogramm so richtig durchgestart im Online-Bereich und finden uns dann jetzt gerade, abgesehen vom Schulformat, das schon immer nur online stattgefunden hat, auch im Offline-Bereich an. Die Veranstaltenden werden sich langsam immer bewusster, dass es eine gewisse Planungssicherheit gibt, was ich tatsächlich bei ganz vielen Organisationen sehr schätze.
Jetzt ist die Frage: Was ist eigentlich Hassrede? Ich habe das in dem kleinen Sprachkästchen einmal, also das ist meine persönliche Einschätzung, einmal dargelegt. Hassrede ist ein geballtes Phänomen vieler Probleme. Wir haben in Hassrede eine ganze Menge Probleme versammelt. Das sind einmal natürlich in gruppenbezogene Menschenfeindlichkeiten wie Antisemitismus, Rassismus, Sexismus, Islamophobie, aber tatsächlich auch gewisse Phänomene wie Staatsfeindlichkeit und Medienbashing. Dazu gehören auch obrigkeitskritische Konflikte sowie offene Verschwörungserzählungen. Diese paaren sich aber meistens mit Menschenfeindlichkeit.
Warum nicht auch dazu tendiere ich, Hassrede nicht als das Problem, sondern als die Beschreibung für ganz viele Probleme zu betrachten. Ein Beispiel ist das Netzwerkdurchsetzungsgesetz, zu dem ich später noch ein bisschen mehr sagen werde. Darin gibt es nicht den Begriff Hass im Netz als den einen Tatbestand, sondern tatsächlich eine Vielzahl an Tatbeständen, wie zum Beispiel Beleidigung, Verleumdung, das Zeigen verfassungsfeindlicher Symboliken und die Billigung von Straftaten.
Wir definieren Hassrede für unsere Arbeitsdefinition als eine aggressive oder allgemein abwertende Aussage, meistens gegenüber Personen, die bestimmten Gruppen zugeordnet werden. Manchmal findet das aber auch stellvertretend statt, das heißt, die Hassrede wird nicht direkt an eine Person gerichtet, sondern es wird über diese Menschen gesprochen.
Diese Gruppen habe ich zum Teil, oder zumindest bei der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, schon ein paar Phänomene genannt. Hier habe ich zum Beispiel das noch einmal aufgeschlüsselt in ganz viele Gruppen: die Frauen, die Jugendlichen, die Geflüchteten, die Politiker:innen. Das Ganze lässt sich eigentlich endlos weiterführen, solange es sich um Menschengruppen handelt, die sich auf eine gewisse Art und Weise, ich sage jetzt mal, verallgemeinern lassen.
Ich bekomme diese Frage relativ häufig und versuche tatsächlich, diese Frage zu schlichten: Ob Hassrede jetzt online oder offline ist. Ich glaube tatsächlich nicht, dass sich das so einfach klären lässt. Wenn wir allerdings von unserer Vereinsexpertise sprechen, dann sprechen wir über Online-Hassrede, tatsächlich relativ nah am Netzwerkdurchsetzungsgesetz.
Hier habe ich ein kleines Beispiel mitgebracht von Luisa Neubauer, die einen Aufruf zum Thema Impfen gemacht hat. Es ging darum, über das Impfen zu sprechen und Stoffe zu verteilen, wenn ihr gerade reagieren solltet. Es ist so wichtig. Dann kommen tatsächlich Kommentare wie: „Liebe Frau Neubauer, nicht böse sein, aber gestatten Sie die Frage: Geht es Ihnen um politische Aussagen oder posten Sie Fotos, um Model zu werden?“ Da steckt natürlich auf einer gewissen Weise eine Kompetenzabsprachen dahinter, also tatsächlich, dass die politische Aussage gar nicht im Vordergrund steht, oder geht es der Person tatsächlich darum zu zeigen, dass sie gegebenenfalls das Zeug zu einem Model hätte?
Das ist natürlich ein sehr fragwürdiger Kommentar, der auch logistische Tendenzen mit einbezieht und tatsächlich die Frage offen lässt, warum nicht auch irgendwie beides. Das ist aber tatsächlich nicht der Sinn der Sache. Dann gibt es Menschen, die darauf reagieren und die Frage stellen: „Warum machst du so unfassbar höflich, um dann so eine unverschämte und sexistische Frage zu stellen?“
Das ist tatsächlich ein Beispiel einer Gegenrede. Das heißt, es wird auf einen Kommentar ganz direkt geantwortet mit der Nachfrage, was eigentlich genau gemeint ist, und ein bisschen impliziert, dass der Ton gegebenenfalls nicht zur Aussage passt. Wenn wir darüber sprechen, wer tatsächlich für Hassrede verantwortlich ist, haben wir sechs verschiedene Gruppierungen ausgemacht, beziehungsweise nicht, wer diese Hassrede unbedingt verursacht, sondern wer tatsächlich von der Hassrede profitiert und wer sozusagen, ich nenne es jetzt mal, mobilisierbar wäre.
Da haben wir tatsächlich einmal die Extremisten. Das sind Menschen, die in der Motivlage an der Zerstörung der Existenz einer Person oder einer Gruppierung oder einer Menschengruppe interessiert sind. Das Ganze machen sie durch Einschüchterung, Drohung und Gewalt.
Dann haben wir die Infokrieger. Das sind Menschen, die missionieren und überzeugen. Das versuchen sie häufig über Verschwörungstheorien und Fake News, wobei sie da nicht immer unbedingt mit ihrer eigenen Meinung daherkommen oder tatsächlich mit ihrer eigenen Mission ihre Personen verknüpfen, sondern manchmal einfach auch nur dazu dienen, mittels Man für die Theorie für eine andere Gruppierung oder eben für das Fake News Outlet zu spielen.
Trolle sind, finde ich, die einfachste und dennoch die nervigste Gruppe. Das sind Menschen, die ziemlich gut in einer Online-Debatte differenzierbar sind. Sie sind immer auf der Suche nach Aufmerksamkeit, die sie allerdings nicht nur unbedingt auf sich vereinen wollen. Diese Aufmerksamkeit kann man natürlich auch einem Thema wahnsinnig gut entziehen, sei es durch das Einwerfen von Sündenböcken an einem anderen Thema.
Da sprechen wir tatsächlich von "Whataboutism" oder von "Derailing", wenn es um ganz stumpfes Ablenken von der eigentlichen Debatte geht. Oder tatsächlich einfach nur durch Störung. Das Ganze fassen wir dann zusammen als Provokation, auch wenn das ein bisschen komplexer ist, als hier dargestellt. Die Provokation ist tatsächlich das beliebteste Mittel, um diese Aufmerksamkeit auf sich oder von etwas wegzuziehen.
Dann haben wir die komplexesten Charaktere, die ich finde. Das sind Menschen, die tatsächlich eher frustriert sind, die Sorge und/oder Wut haben und sich Luft machen. Sie übertreten dann manchmal die Grenze des guten Geschmacks bis hin zur Grenze zu strafbaren Handlungen. Das sind aber tatsächlich die Menschen, mit denen es sich noch lohnt zu diskutieren, mit denen es sich gegebenenfalls lohnen würde, Empathie und Geduld zu haben, Nachfragen zu stellen.
Ich habe das tatsächlich mal in einem Workshop gehört: Für diese Menschen brauchen wir gegebenenfalls sogar eine gewisse Hass-Toleranz, denn diese Menschen, die frustriert sind, äußern über die Hassrede gegebenenfalls nicht die Sorge und nicht die Wut, sondern das braucht gegebenenfalls ein paar mehr Anläufe, um diese dann tatsächlich zu verstehen und darauf zu reagieren.
Dann haben wir tatsächlich die stillen Mitlesenden. Die sind nicht für Hassrede verantwortlich, denn sie sind mit Neugier und dem Willen zur Meinungsbildung gepaart und lesen sich die wichtigsten Kommentare und Antworten durch. Das sind sozusagen, um zum Beispiel in Wählerdemografien zu sprechen, die Menschen, die nicht zur Wahl gehen. Das sind Menschen, die beispielsweise, wenn wir von tatsächlicher alltäglicher Zivilcourage sprechen, wenn zum Beispiel eine Person hinfällt, das sind die Menschen, die das nicht sehen oder bewusst daran vorbeilaufen.
Es sind auch Menschen, die einfach wahnsinnig misstrauisch sind und sich nicht in diese Debatten einlassen wollen, weil sie natürlich auch wirklich Angst davor haben, in den Fokus zu geraten. Um eine Person ganz genau zu benennen: Das war ich, bevor ich beim Ich bin hier e.V. angefangen habe. Das sind die Menschen, mit denen wir nicht unbedingt debattieren müssen, sondern wir versuchen zu motivieren, in Debatten einzusteigen.
Hassrede gefährdet unsere Meinungsfreiheit. Dazu habe ich zwei Folien mit ein paar ganz netten Zahlen gefunden, die ich dann gleich tatsächlich in einem Zusammenhang bringen möchte.
Als allererstes möchte ich aber über Jugendliche sprechen, von denen die 14 bis 24 Jahre alt sind. 95 Prozent im Internet sind schon Hasskommentaren begegnet, und 59 Prozent sagen, dass sich durch den Hass im Netz verändert, was man auch außerhalb des Internets sagen kann. Diese Zahl von 95 Prozent ist natürlich auch wiederum statistikabhängig, allerdings ist das eine der wenigen Zahlen, die sich über ganz viele Statistiken hinweg nur um maximal 3 Prozentpunkte tatsächlich verändert.
Wir sind immer im mittleren 90-prozentigen Bereich an jungen Menschen, die schon mal Hasskommentaren begegnet sind. 59 Prozent dieser 59 Prozent sagen, dass sich durch den Hass im Netz verändert, was man außerhalb des Internets sagen kann. Ich finde diese Zahl deshalb so wichtig, weil die Aussage dahinter suggeriert, dass das eine das andere bedingt.
Hier, da hast du jetzt bedingt das Offline-Leben. Das ist tatsächlich nicht unbedingt so, beziehungsweise das ist nur die halbe Wahrheit. Denn natürlich beeinflusst das Offline-Leben auch das Online-Leben. Das Ganze spielt sich gegenseitig zu. Es lässt sich nicht immer sagen, was jetzt genau was beeinflusst hat, aber beides muss eben aufeinander eingehen.
47 Prozent, und das ist dann tatsächlich die etwas gefährlichere Zahl, beteiligen sich wegen Hassrede seltener an Diskussionen im Netz. Da haben wir die Menschen, die durch Hassrede eingeschüchtert sind und gegebenenfalls gar nicht erst an einer Debatte teilnehmen und dadurch natürlich auch ihre Meinung zu äußern eingeschränkt wird.
Dann haben wir die Politiker:innen, die natürlich eine viel größere Altersgruppe abdecken. Ich finde diese Zahlen deshalb so interessant, weil sie Fragen aufwerfen zwischen den beiden Kohorten. Bei den Kommunalpolitiker:innen haben wir eine Selbsterlebnisrate von 50,2 Prozent. 20,4 Prozent haben bereits Hassmails erhalten, und 19 Prozent der Kommunalpolitiker:innen haben darüber nachgedacht, sich aus der Politik zurückzuziehen, weil sie Sorge um ihre Sicherheit und ihre Familie haben.
Ich finde das besonders bemerkenswert, dass diese Zahlen so auseinandergehen. Ich glaube, ich kann das sehr gut damit beschreiben, dass einerseits natürlich auch ein Altersunterschied dahintersteckt, aber natürlich steckt da auch hinter, dass Politiker:innen gegebenenfalls schon immer in einem hitzigen Umfeld waren und dann gegebenenfalls Hassrede nicht als solche erkennen beziehungsweise es als Teil des Spiels abspielen.
Allerdings finde ich die 19 Prozent, die sich aus der Politik zurückziehen wollen, so interessant. Das ist eine Metrik, die erfragt wurde. Allerdings gibt es da auch noch einen dazwischen. Wir haben zum Beispiel für einige Parteien schon Vorträge beziehungsweise Workshops gemacht, in denen wir Menschen sitzen hatten, die gesagt haben: „Ja, ich bin in der Politik, ja, ich habe Angst vor Hassrede, ich bleibe aber weiter dabei, nur würde ich gegebenenfalls auf einen Online-Wahlkampf verzichten.“
Da haben wir natürlich wieder diese gefährliche Situation. Ich kann das leider nicht quantifizieren, weil ich natürlich nur eine ganz kleine Menge aus ganz vielen habe. Aber ich habe tausend Kommunalpolitiker:innen in Workshops gehabt, und da steckt natürlich auch wieder dieser Entzug des demokratischen Kanals dahinter.
Ich möchte einmal einen kleinen Film abspielen, der einmal ganz gut illustriert, wie eine digitale Zivilcourage-Aktion ablaufen kann und vor allem auch die Wirkung zeigt. Viel Spaß!
[Musik]
Wir waren auf Tourneen in Mexiko und haben beschlossen, dass wir doch an die Mauer fahren. Die Idee war anfangs, ein kleines Konzert zu spielen. Daraus ist ein ganzer Festival-Tag geworden, für Völkerverständigung, gegen Abschottung, gegen Isolierung, gegen Mauern weltweit.
Vor allen Dingen haben wir dann, als wir medial Aufmerksamkeit bekommen haben, in den Tagesthemen und der Tagesschau und das auf Facebook zum Beispiel gepostet, massiv negative Kommentare, kritische Kommentare, Hasskommentare. Als Shitstorm bezeichnet man das wohl. Das hat einen schon ganz schön durchgerüttelt.
Ich war auch ziemlich überrascht von dem Auseinanderklaffen zwischen den positiven und den negativen Kommentaren. Man hat ja schon Follower auf Facebook, und die finden das zwar gut, aber die kommentieren nicht unbedingt, wohingegen die Leute, die kommentieren, dann oftmals solche sind, die einfach irgendwie sich da hinsetzen und massiv Stimmung machen.
Wir haben dann in der Zeit lang versucht, das einfach locker zu nehmen. Ich habe das moderiert und versucht, sachlich darauf einzugehen. Irgendwann ging das aber auch in die Substanz, weil so viel einfach kommt und die Leute auch gar nicht interessiert, ob ich sachlich mit ihnen reden möchte oder nicht.
Wir waren einfach dann verblasst. Ich habe oftmals den Eindruck, ich habe mich dann gewendet an die Gruppe, die heißt "Ich bin hier". Das sind Menschen wie du und ich, die in dieser Gruppe organisiert sind und die sich bemühen, bei solchen Diskussionen hinzuzukommen und dann sachlich zu antworten.
Wir haben diesen ganzen Shitstorm eigentlich eher so einen Lovestorm entgegenzusetzen. Es hat die Diskussion definitiv gewendet. Die Leute haben dann auch irgendwann, also die Negativen, haben dann immer noch aufgehört zu posten. Da entsteht dann ein Dialog, der einen Mehrwert hat und nicht einfach nur negativ ist. Es macht Sinn, und es ist gut, sich da zu organisieren, denn ich glaube, dass dieser Hass auch organisiert ist.
[Musik]
Vielen, vielen Dank für Ihre Geduld. Ich hoffe, dass der Film trotzdem inspirierend war und möchte tatsächlich auf das, was der Herr im Video als Letztes gesagt hat, nämlich dass Hassrede organisiert ist oder zu einem sehr großen Teil organisiert ist, einmal ganz kurz bekräftigen.
Wir haben mit dem London Institute 2018 eine Studie in Auftrag gegeben beziehungsweise zusammen durchgeführt und haben tatsächlich herausgefunden, dass 5 Prozent der Hate-Accounts, also Hate-Accounts, wenn wir die als eine 100-Prozent-Zahl nehmen, davon sind nur 5 Prozent hochaktiv und können für 50 Prozent der Hate-Likes in den Kommentarspalten verantwortlich sein. In den Kommentarspalten, die wir gefunden haben, war das auch definitiv so.
Das zeigt ganz deutlich, dass eine ganze Menge Menschen, oder eigentlich eher eine kleine Menge Menschen, eine ganz große Menge Hate-Likes aufbringen kann. Wenn wir über den Handlungsrahmen von Gewalt im Netz sprechen, reden wir aber nicht nur bei Hate-Likes, sondern wir reden tatsächlich über einerseits strafrechtlich relevante Aussagen und über menschenfeindliche Aussagen im Rahmen der Meinungsfreiheit.
Das sind tatsächlich Aussagen, wobei ich natürlich im Zweifel, das setze ich strafrechtlich relevante Aussagen immer vorzüglich, identifizieren kann. Meistens bewegt sich das Pro tatsächlich in dem zweiten Fall über die Formate. Das sind Einzelkommentare, das sind Framings, die Railings, Desinformationen, Fake News, Verschwörungserzählungen, Shitstorms oder tatsächlich ein populistischer Wahlkampf.
Hier würde ich gerne noch einmal auf das Derailing zu sprechen kommen, das ich vorher schon genannt hatte. Das ist eine Ablenkungstaktik, um völlig vom Thema wegzukommen, während das Framing tatsächlich eine Methode ist, um eine Aussage innerhalb einer Faktenlage tatsächlich zu lenken, was nicht unbedingt Hassrede ist.
Framing ist eigentlich eine ziemlich neutrale beziehungsweise auch eine sehr produktive Methode, weil sich dadurch natürlich auch Dinge vereinfachen lassen. Allerdings lassen sie sich auch für sehr hateful speech und für toxische Kommunikation einsetzen. In der Tonalität treffen wir darauf Abwertungen, Beleidigungen, Verleumdungen, Pauschalisierungen, Drohungen, Hetze, Aussagen, Häme, Zynismus, die sich dann tatsächlich in der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit wie Rassismus, Volksverhetzung, Sexismus, Homophobie, Xenophobie, Demokratiefähigkeit und so weiter bewegen.
Ich habe schon für die leise Mehrheit gesprochen, eben gerade in der Typologie. Auf die möchte ich noch einmal zu sprechen kommen. Wenn Sie tatsächlich irgendwann mal verspüren, ich muss etwas gegen Hassrede tun, weil ich selber betroffen bin, seien Sie immer ein Vorbild für die stillen Mitlesenden.
Ob Sie jetzt nun in einem Lokal sind, schon damit müssen, in den sozialen Medien kommentieren oder wenn Sie tatsächlich selber verantwortlich sind für einen Social-Media-Kanal. Die stillen Mitlesenden sind immer die wichtigsten Adressaten, auch wenn sie leider nicht selber lesen können.
Die tatsächlich auch eher von euch haben den Faden verloren, also die tatsächlich am leisesten sind und sich auch immer bei Ihnen sozusagen rückmelden, dass sie etwas gelesen haben. Allerdings sind sie deshalb wichtig, weil sie die wichtigsten Kommentare und Top-Level-Kommentare lesen.
Top-Level-Kommentare sind ein bisschen gleichbedeutend. Allerdings gibt es manche, die gehen auch tiefer. Denn die Top-Level-Kommentare sind die obersten Kommentare, die tatsächlich unter einem Beitrag direkt antworten. Dann gibt es natürlich auch immer noch Antwortstränge, die ein bisschen kleiner sind.
Zusammengefasst gibt es noch stille Mitlesende, die genau da reingehen. Ich stelle mitlesende sind neugierig und dabei, sich eine Meinung zu bilden. Gerade deswegen ist es so wichtig, diese Menschen anzusprechen, weil die natürlich auch dazu neigen, nicht in einer Meinung gefestigt zu sein oder eben auch in einer Position gefestigt zu sein und dann auch gegebenenfalls über Vertrauensvorschuss dann auch Gefahr laufen, in den toxischen Kommentaren eine wertvolle Meinung zu finden.
Man muss ganz genau sagen, bei Fake News zum Beispiel, wenn die ungesprochen unwidersprochen dastehen, und es handelt sich um stille Mitlesende, die eher geneigt sind, das Lager zu wechseln und diese Fake News dann gegebenenfalls zu glauben.
Das führt zu einem Vertrauensverlust, der dann auch nicht mehr einer kritischen Überprüfung standhalten kann. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, wenn Sie etwas schreiben möchten, wenn Sie etwas moderieren möchten, darauf gehe ich gleich noch ein. Solidarisieren Sie sich auf jeden Fall mit den Betroffenen.
Das hat tatsächlich den Hintergrund, dass Gegenrede an sich, also tatsächlich das Gegensprechen gegen einen hassvollen Kommentar, aufgrund der Strukturen der Social-Media-Netzwerke dazu führen kann, dass diese Kommentare, die tatsächlich Hass erfüllen, wie Volksverhetzung, die gegebenenfalls, um das mal über einen Kamm zu scheren, illegal sind, beziehungsweise eigentlich nicht akzeptabel sind, die werden natürlich nach oben gespült und bekommen eine gewisse Aufmerksamkeit.
Deswegen ist es häufig viel, viel wichtiger, sich mit Betroffenen zu solidarisieren. Das können natürlich auch Sie sein. Da kann es natürlich auch lohnenswert sein, nach einem unterstützenden Netzwerk Ausschau zu halten, denn die Betroffenen leiden tatsächlich am meisten unter dem Hass.
Ich habe eben gerade schon die Sortierung in sozialen Netzwerken angesprochen. Das Ganze passiert natürlich über Algorithmen. Soziale Netzwerke haben nicht so wirklich ein Interesse daran, dass die Beiträge chronologisch gepostet werden.
Genauso ist es natürlich auch bei den Kommentaren, weil sie eben von dem Willen, Werbeeinnahmen einzunehmen, sich in einer gewissen Weise die Relevanz pushen. Das Ganze machen sie über eine Sortierung.
In Algorithmen gesprochen, arbeiten sie über Affinität, also meine Kommentare oder Beiträge werden häufig davon geleitet, ob sie von Freundinnen kommen. Wenn ich tatsächlich selber etwas poste, dass ich Fans auf Social Media hätte, so viele Follower habe ich dann auf meinen Kanälen noch nicht.
Aber sollte ich tatsächlich einmal Dienst haben auf der "Ich bin hier"-Seite, dann kommen natürlich die Top-Fans-Kommentare als allererstes. Sie werden auch tatsächlich gewichtet, die Kommentare, zum Beispiel über die Menge und Stärke der Reaktion. Die Menge ist natürlich klar, aber die Stärke bezieht sich ganz besonders auf Facebook, weil die Reaktionsmöglichkeiten auf Facebook tatsächlich etwas mannigfaltiger sind als in anderen Netzwerken über eine sogenannte Emoji-Wahl.
Wir wissen seit den Francis-Haugen-Leaks, dass die eine verschiedene Gewichtung haben. Alle anderen sozialen Netzwerke funktionieren tatsächlich relativ einfach. Es gibt ein Herz, das ich anklicken kann, oder ich kann unangeklickt lassen. Natürlich ist aber auch die Zeit dabei, wenn ein Kommentar als allererstes gepostet wird, verschwindet er fast schon, ja fast schon zeitgleich in den restlichen relevanteren Kommentaren, wenn nicht eine Relevanz zustande kommt.
Um tatsächlich digitale Zivilcourage zu leisten, braucht es auch Moderation. Denn häufig ist toxische Kommunikation eine Folge fehlender Moderation. Nicht unbedingt, also die toxische Kommunikation kommt natürlich auch vor, allerdings lässt sich mit einer gewissen Moderation sehr gut dagegensteuern.
Ein sehr, sehr gutes Beispiel, wenn Sie Interesse haben, das in einer Tagespraxis sozusagen zu erleben, empfehle ich Ihnen ganz dringend den Account der Tagesschau. Dort können Sie tatsächlich immer noch frische Kommentare in den frischen Beiträgen sehen und dann einfach mal live verfolgen, wie sich diese Kommentarspalte tatsächlich entwickelt.
Die Tagesschau hat tatsächlich eine sehr effektive Methode gefunden zu moderieren, beziehungsweise steckt da auch sehr viel Entwicklungsarbeit rein. Diese konsequente Moderation erzeugt dann tatsächlich eine bessere Diskussionskultur.
Es geht bei der Moderation gar nicht darum, eine Diskussion zu unterdrücken, sondern nach bestem Wissen und Gewissen, beziehungsweise auch nach gegebenen Regeln, die die Seiten, also die Seitenbetreibenden, gerne sehen möchten, um eine Diskussionskultur in einem weniger toxischen Licht zu sehen.
Das braucht es natürlich auch, um eben eine Diskussionskultur überhaupt zu ermöglichen, um über Ideen zu sprechen, anstatt Menschen tatsächlich zu verletzen.
Das ist ganz, ganz wichtig. Moderatoren sind die Wächter in der Netiquette. Ich hoffe, ich gehe jetzt der einen Folie am Ende zum Thema Recht nicht zu sehr auf den Leim, indem ich sie vorgreife. Aber dieses Hausrecht ist tatsächlich relativ wichtig, weil es in gewisser Weise den Seitenbetreibenden, beziehungsweise den teilweise Seitenbetreibenden, selbst überlassen ist, für eine bessere Diskussionskultur beziehungsweise gegen eine toxische Kommunikationskultur zu arbeiten.
Denn die Plattformen sind dem Gesetz nach überhaupt nicht dafür zuständig. Sie werden nach einem Gesetz von 1954 bewertet, das, ich glaube, in New York ist, die Section 230 in den USA. Das ist jetzt auch nach Deutschland geschafft.
Die besagt tatsächlich, dass ein Zeitungskioskbesitzer nicht verantwortlich ist für die Inhalte, die in allen Zeitschriften oder Büchern sind. Deswegen ist er oder sie für die Inhalte nicht zuständig. Genau das gleiche Privileg haben die sozialen Medien aktuell eigentlich so ziemlich auf der ganzen Welt und vor allem in den USA, aber auch tatsächlich in Deutschland.
Deswegen sprechen wir bei Hassrede vor allem über Hassrede auf Social Media. In den einzelnen Internetseiten, zum Beispiel des Spiegels oder der Tagesschau, haben die Tagesschau oder der Spiegel nicht nur das Hausrecht, sondern da haben sie eben auch die Verantwortung und müssen durchsetzen, dass es keine strafrechtlich relevanten Aussagen gibt, nach dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz und dem Strafgesetzbuch.
Dabei sind sie tatsächlich die Wächterinnen der Netiquette. Dazu komme ich aber auch noch einmal, denn die Netiquette ist das Regelwerk für gutes Benehmen in Kommentarspalten. Die Netiquette ist die Basis eines respektvollen und wertschätzenden Umgangs auf Ihrer Fanpage.
Sie ist auch das Regelwerk, um eine gewisse Konsequenz durchsetzen zu können, beziehungsweise ich greife den Punkt 3 einmal vor: Das Hausrecht durchzusetzen und die Regeln durchzusetzen, darauf lässt sich dann sehr, sehr gut verweisen. Die sind im besten Falle vorherzusehen.
Beispielsweise auf der Facebook-Seite der Tagesschau ist die Etikette sehr gut in der Infobox sichtbar. Alle anderen Seiten der Tagesschau verweisen auf die Etikette auf deren Internetseite. Allerdings ist Moderation auch nicht ganz ohne. Natürlich braucht es dafür Übung, aber die Übung lässt sich auch im Praxisfall selbst erarbeiten.
Was es auf jeden Fall am Anfang braucht, sind ausreichend Ressourcen. Um mich zu fragen, kann ich jetzt gerade die Moderation leisten? Poste ich gegebenenfalls etwas? Beziehungsweise, wenn ich jetzt unbedingt etwas posten möchte, wie viele Menschen möchte ich für die Moderation im Vorfeld abstellen?
Jetzt komme ich so langsam zu dem, was Sie eigentlich für sich selbst tun können. Das Erste, was wir machen können, ist, unsere Datenschutzmaßnahmen zu verbessern. Das Erste dabei ist die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Mittlerweile wird von der Zwei-Faktor-Authentifizierung auch langsam abgeraten, weil sie auch von böswilligen Hackern mittlerweile relativ, also noch lange nicht besorgniserregend, aber langsam aber sicher wird auch die Zwei-Faktor-Authentifizierung etwas unsicherer.
Es wird auf jeden Fall zu dem wasserdichten Multifaktor-Authentifizieren geraten. Das ist dann neben einer Information, die ich haben kann, zum Beispiel noch ein Objekt, das ich habe. Also beispielsweise, wenn ich diese Rolle Tesafilm habe, die dient zum Beispiel noch mal als Schlüssel, um mich zu authentifizieren. So kann mir niemand über einen Hack meine Daten klauen.
Das macht das Ganze sicherer. Natürlich auch Passwort-Manager wie zum Beispiel LastPass oder KeePass sind wertvolle Methoden, um in dem Fall, dass Hacker Personen habhaft werden wollen, die Daten gesichert sind. Auch Selbsttests wie Passwort-Checkseiten wie haveibeenpwned.com oder das Plattner-Institut sind sehr hilfreich.
Die Links werden natürlich auch in der Präsentation bereitgestellt und sind auffindbar. Die Privatsphäre zu checken ist auch ganz wichtig: Welche Daten sind im Netz über euch auffindbar? Wenn Sie meinen Namen googeln, werden Sie herausfinden, dass ich gar nicht Chris Wagner bin, sondern ich bin Eishockey-Profi aus den USA.
Das ist tatsächlich sehr gut, dass eine Person so ziemlich den gleichen, relativ seltenen Namen oder die seltene Namenskombination hatte. Ich bin dadurch relativ schlecht auffindbar. Aber ich habe natürlich auch einen Privatsphäre-Check gemacht. Da kann ich die Organisation "Hate Eight" empfehlen. Die haben lediglich eine Telefonnummer gefunden von mir.
Sie gehen tatsächlich sogar so weit, zu wissen, was meine Telefonnummer ist und wie sie auffindbar ist. Ich habe nur eine einzige problematische, auffindbare Datenquelle mit meiner Telefonnummer auf einer Tagungsseite gefunden, als ich dort als Referent aufgetreten bin.
Wenn Sie allerdings besonders gefährdet sind, lohnt es sich auf jeden Fall, eine Melderegister-Sperre zu beantragen. Denn eine Melderegisterauskunft ist seit neuestem, das ist jetzt auch nicht so bestimmt, zehn Jahre her, aber lediglich durch den vollen Namen und eine weitere Datenquelle, zum Beispiel der Wohnort oder das Geburtsdatum, lässt sich eine Melderegisterauskunft gegen relativ kleinen Obolus durchführen.
Sie bekommen Daten, die Ihnen eigentlich gar nicht zustehen. Genau so können Sie natürlich dafür sorgen, dass durch eine Melderegister-Sperre diese Daten weiter geschützt bleiben. Auch hier empfehle ich die Organisation, die dabei helfen kann, diese Melderegister-Sperren zu beantragen, das sind ein Bürgerbüro oder sonstige Behörden, die das dann auch einfach durchführen.
Selbstfürsorge ist im Internet natürlich auch ganz wichtig. Ich sprach eingangs von diesen Knoten im Bauch, wenn ich Hassrede sehe. Genauso, wenn Sie das Gefühl haben, dass es viel zu viel Hass auf den sozialen Medien gibt und Sie jetzt nicht das Gefühl haben, sofort loszulegen oder die Welt gegebenenfalls retten zu können, beziehungsweise wenn Sie das, was ich ja bei der Moderation schon gesagt habe, mit den Ressourcen schonen, wenn es gegebenenfalls zu viel wird, ist die Selbstfürsorge wunderbar.
Dann ist diese Frage, finde ich, zentral: Wie viel Offline-Zeit brauche ich eigentlich? Nicht wie viel Online-Zeit brauche ich, sondern wie viel Offline-Zeit brauche ich? Das kommt häufig zu einer sehr, sehr viel produktiveren und, also produktiv im Entspannungssinne, mit einer entspannteren Antwort.
Wenn ich eine Kooperation eingehe oder irgendwie für etwas werben möchte, passt sie wirklich zu mir? Oder gibt es dann gegebenenfalls Stoffe, die kontrovers sind? Das ist häufig schon eine etwas kleinere Form der Belastung.
Wenn dann nämlich eine Kooperation hinterfragt wird, die noch nicht in die Richtung passt, reagiert das natürlich mit einem Mehraufkommen an Kommentaren, was schon relativ belastend ist. Dann die viel schwerere, aber sehr viel lohnenswertere Frage als diese beiden Fragen zuvor: Was gibt mir Energie? Was raubt mir Energie?
Dadurch lassen sich dann natürlich Rückschlüsse ziehen auf Frage 1, denn die Antworten ändern sich ja relativ stetig. Ich möchte Sie fragen: Was gibt mir Energie? Raubt mir zum Beispiel Energie, wenn ich Kooperationen auf meiner Seite veröffentliche oder bekannt gebe?
Das Wort hat mir gefehlt oder sind bestimmte Inhalte bei Menschen, die mir folgen auf den sozialen Medien, anders? Ist es so, dass die Leute mich mit Kommentaren behelligen? Sind es dann gegebenenfalls zu viel?
Ich habe gerade schon die Strafverfolgung angesprochen. Ah ja, gut, ich beeile mich. Nur langsam ein kleines bisschen langsamer sprechen. Das war der Wunsch jetzt von einem Teilnehmer. Vielen Dank, dass ich... Nein, vielen Dank für den Hinweis. Je mehr ich die 45 sehe, desto schneller versuche ich.
Ich werde mich natürlich jetzt nicht anhalten. Die Strafverfolgung ist natürlich auch noch einmal ein sehr, sehr wichtiger Punkt bei dem Thema Hass im Netz, denn letzten Endes dient das häufig dazu, dass Menschen ein gewisses Sicherheitsgefühl bekommen. Denn Strafverfolgung hat einen wichtigen Abschreckungseffekt.
Das sehen wir vermehrt. Allerdings ist "vermehrt" ja auch so ein bisschen das falsche Wort, denn die Strukturen in der Justiz beziehungsweise bei den Polizeien sind noch lange nicht dabei. Da erinnere ich gerne an die Aktion von Jan Böhmermann, der versucht hat, über ein Jahr Hassrede zur Anzeige zu bringen und ein komplettes Chaos in den Behörden aufgedeckt hat.
Je mehr Anzeigen, auch wenn sie noch so wenig Erfolgsaussichten haben, denn die Kapazitäten in den Strafverfolgungsbehörden sind begrenzt, desto mehr Anzeigen steigern das Bewusstsein der Strafverfolgungsbehörden, sowohl der Justiz als auch der Polizei, dass hier ein echtes Problem vorliegt.
Das kann ich mittlerweile bestätigen, denn ich bin nächste Woche tatsächlich auf einer Tagung, oder beziehungsweise auf dem zweiten Teil einer Tagungsreihe, die tatsächlich von einer Universität und polizeilichen Behörden ausgerichtet wird. Sie fragen sich, wie können wir eigentlich besser mit dem Problem umgehen?
Das Problem bekommt auch langsam Relevanz. Es lohnt sich, die Anzeigen zu erstatten und Hater zu schrecken. Hier ist noch mein wunderbares Beispiel dafür, um noch einmal auf Luisa Neubauer zu kommen. Sie hat den rechtsradikalen Autor verklagt und vor Gericht gebracht.
Er musste tatsächlich 6000 Euro Schadensersatz bezahlen. Ich glaube nicht, dass das ein perfektes Beispiel für meinen Punkt ist, denn dieser Mensch war mit sehr, sehr problematischen Ausführungen gegenüber ehemaligen Professoren von mir auch schon aufgefallen. Das war in den 2010er Jahren, aber es ist ein sehr, sehr wichtiges Beispiel für andere Menschen, die gegebenenfalls nicht gerade Lust haben, 6000 oder noch mehr Euro zu bezahlen.
Das ist auch schon das Ende, mit dem ich einmal dazu inspirieren möchte, sich für digitale Zivilcourage einzusetzen. Wenn im Netz die Trolle hetzen, müssen wir uns widersetzen.